Zur Seligsprechung fehlt
ein anerkanntes Wunder

Auf eine Anfrage für die „unitas“ zum Stand des Seligsprechungsverfahrens erreichte uns am 4. Februar 2007 aus Rom die folgende Stellungnahme von Domkapitular Joseph Jost. Der Geistliche des französischen Bistums Metz ist seit Juni 2002 von Bischof Raffin zum zuständigen Postulator der Causa bestellt. 

 Von Joseph Jost

Im Jahr des Herrn 1990, am 9. Juni, wurde in Metz der Prozess zu Leben, Tugendhaftigkeit und Heiligkeit des Diener Gottes Robert Schuman eröffnet. Vierzehn Jahre später, beendete Monsignore Pierre Raffin, Bischof von Metz, das historische und theologische Verfahren und stellte am 29. Mai 2004 in der Kapelle der Dienerinnen vom heiligsten Herzen Jesu in Scy-Chazelles die gesammelte Dokumentation vor, die anschließend in zwei Exemplaren an die Kongregation für die Heiligsprechungen nach Rom gesandt wurde.

Im Anschluss an das diözesane Seligsprechungsverfahren hat die Kongregation den Priester Joseph Jost mit dem Verfassen der positio super virtutibus, der Feststellung der Tugendhaftigkeit, beauftragt, die den Nachweis führen soll, ob der Diener Gottes in heroischer Weise die göttlichen und die Kardinaltugenden verwirklicht hat. Diese grundlegende Aufgabe, die sich auf 14.000 Seiten der Copia publica inquisitionis dioecesanae in curia ecclesiastica Meten stützt, verfolgt in minutiöser Weise drei Ziele:

1. Die Vorstellung der im diözesanen Prozess vorgestellten Befragungen der Zeugen,

2. eine grundlegende Biographie, die die Hauptschriften von Robert Schuman einschließt,

3. die detaillierte Untersuchung nach den Göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung Liebe) und der Kardinaltugenden (Stärke, Gerechtigkeit, Klugheit und Mäßigung).

Sie geht einer weiteren positio voraus, in der eine aus Kardinälen und theologischen Prüfern gebildete Kommission ein Votum erstellt (positiv oder negativ), im Blick auf die Feststellung, wie verehrungswürdig er ist, dem „die Nächstenliebe und die Versöhnung in den internationalen Beziehungen die Goldene Regeln der Politik waren" (Pierre Abelin).

Die Seligsprechung verlangt zudem ein körperliches Wunder, das von einer medizinische Expertenkommission vor der Kommission für die Heiligsprechungen als solches anerkannt ist. Auch wenn Robert Schuman einer «jener außergewöhnlichen Menschen war, durch die der Geist in den Lauf der Geschichte eingriff“, wie Pierre Pflimlin sagt, und wenn unzweifelhaft die Französisch-Deutschen Wiederversöhnung von einigen als „historisches“ Wunder bezeichnen wird, reicht dies leider nicht für die Zuerkennung einer Seligsprechung. Bis jetzt ist kein Wunder geschehen, das die Heiligkeit des Diener Gottes bestätigt, doch ist dieses göttliche Zeichen unbedingt notwendig für den Fortschritt des Prozesses, sodass Robert Schuman eines Tages als «Heiliger Laie in der Politik» ("saint laic en politique") die am Aufbau Europas Verantwortlichen daran erinnert, dass ein vereintes Europa – als Instrument, das Himmel und Erde verbindet - die kommende universelle Solidarität bereits vorwegnimmt (préfigure la solidarité universelle de l'avenir).

«Die Kanonisation Robert Schumans», schrieb Monsignore Pierre Raffin an Kardinal Angelo Felici, Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen am 17. Juli 1989, „kann eine Ermutigung sein für diejenigen, die Gott und ihren Brüdern in der Politik dienen wollen, die für das Allgemeinwohl zusammenarbeiten, im Staat und über die Grenzen hinweg. Damit wäre zugleich bestätigt, dass auch der Dienst in der Politik zur Heiligkeit führen kann!“ Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte nach ihrem Zusammentreffen mit Papst Benedikt XVI.: „Ich bin überzeugt, dass wir einer europäischen Identität bedürfen und uns über einen Grundlagenvertrag verständigen müssen. Ich meine, dass dieser Vertrag an das Christentum und Gott gebunden sein muss, weil das Christentum Europa in entscheidender Weise geprägt hat.“

Lassen sie uns ebenso unseren demütigen Teil zum Aufbau dieses Europa beitragen, das diesem Mann des Glaubens eine Herzensangelegenheit gewesen ist und der so „tugendhaft und einfach“ lebte (Paul Henri Spaak), indem wir gläubig das Gebet zur Seligsprechung des Diener Gottes Robert Schuman sprechen, in dem wir darum bitten, dass er zur Ehre der Altäre erhoben wird, und in dem es heißt:

„Gott, schenke uns, dass Deine Kirche bald das Gedächtnis Robert Schumans ehrt, des Jüngers und Nachfolgers Jesu Christi. Damit er den Gesetzgebern und Regierenden als Vorbild diene, auf dass sie selbst Diener ihrer Völker werden und für den Frieden und die Gerechtigkeit unter den Nationen wirken.“

Übersetzung des an Bbr. Dr. Karl-Heinz Gorges (Trier) 
gerichteten Briefes aus dem Französischen: Christof Beckmann

Die Bilder zeigen Motive aus der Grabkapelle in Scy-Chazelles, in der Robert Schuman bestattet ist. (www.robert-schuman.com)

 




Veröffentlicht am: 17:07:19 05.02.2007
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