PRAG. Bbr. Dr. Tomas Halik (60), Theologe und Soziologe an der Prager Karls-Universität, ist am 21. Juni 2008 zum Päpstlichen Ehrenprälaten (Monsignore) ernannt worden. Die Ehrung durch Papst Benedikt XVI. erfolgte auf Vorschlag des Prager Kardinals, Bbr. Miloslav Vlk. Halik gilt als eine der profiliertesten Persönlichkeiten der tschechischen Gegenwartskirche und ist Mitglied der UNITAS in Prag.

Der Vertraute des früheren tschechischen Staatspräsidenten und Nobelpreisträgers Vaclav Havel genießt in der atheistisch geprägten tschechischen Gesellschaft hohes Ansehen. Selbst mehrfach Kandidat für die Staatspräsidentschaft, nimmt er regelmäßig öffentlich zu politischen und ethischen Fragen Stellung und ermutigt die Tschechen zu mehr gesellschaftlicher und politischer Mitbestimmung und zu einer ernsthaften Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit. Zudem setzt er sich seit langem für den weltweiten Dialog zwischen den Religionen ein, etwa als früheres Mitglied im Päpstlichen Rat für den Dialog mit den Nichtgläubigen.

Der am 1. Juni 1948 geborene Halik wuchs in einem liberalintellektuellen Elternhaus auf und studierte in den 1960-er Jahren Soziologie, Philosophie und Psychologie an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag und war 1968 für ein Semester an der University of Wales in Großbritannien. Doch seine Forscherkarriere war schon beendet, bevor sie begann: Im Juli 1972 rief er bei seiner feierlichen Promotion der nach dem Prager Frühling von allen Freidenkern gesäuberten Fakultät das Karol-Capek-Zitat zu: „Die Wahrheit ist mächtiger als die Macht“ ein moralischer Triumph, doch das wissenschaftliche Aus. Zur Kirche kam er nach seinem Ausschluss aus dem Wissenschaftsbetrieb durch die Kommunisten. Er studierte im Geheimen Theologie, wurde 1978 in Erfurt geweiht und gehörte in den 80er Jahren zu den engsten Mitarbeitern des damaligen Prager Kardinals Frantisek Tomásek. Bis 1989 durfte Halik aus politischen Gründen nicht als Hochschuldozent tätig sein und war in unterschiedlichen Berufen tätig, zuletzt elf Jahre lang als Psychotherapeut für Alkohol- und Rauschgiftsüchtige. Als Untergrundpriester hielt er geheime theologische und philosophische Seminare ab. Zu seinem Dissidenten-Zirkel gehörten auch führend die Brüder Havel.

Erst nach der „samtenen Revolution“ von 1989 an der Seite Vaclav Havels durfte Halik öffentlich an der Universität, in der Kirche und in den Medien auftreten. Er hat das Postgradualstudium an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom absolviert und sich für praktische Theologie in Breslau und für Soziologie in Prag habilitiert.

In den Jahren 1990-93 war er Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz; Johannes Paul II. ernannte ihn zum Konsultoren des Päpstlichen Rates für den Dialog mit Nichtglaubenden. Nach Meinungsverschiedenheiten über den stark konservativen Kurs der Prager Theologischen Fakultät lehrt der Rektor der Universitätskirche St. Salvator heute auf dem Soziologie-Lehrstuhl von Staatsgründer Tomas Masaryk an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität.

Bbr. Tomas Halik ist Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, die sich mit zahlreichen Veranstaltungen die deutsch-tschechische Aussöhnung engagiert. In den letzten neun Jahren unternahm er auf Einladung von vielen Universitäten Vortrags- und Studienreisen in Europa, USA, Lateinamerika, Indien und Japan, war als Gastprofessor an den Universitäten in Pittsburgh, Oxford (2001) und Cambridge (2003) tätig. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie von vielen anderen ausländischen wissenschaftlichen Gesellschaften, er hat viele Bücher und Artikel im In- und Ausland veröffentlicht. Es wurden ihm der amerikanische Preis der Toleranz für 2002 und 2003 vom Kuratorium der Stiftung „Communio et Progressio“ der österreichische Kardinal-König-Preis verliehen. Er gehörte dem 2006 von der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) eingesetzten „Rat der Weisen“ an, der einen Bericht zur Bedeutung ethischer Werte für die europäische Einigung vorlegte.

Aus: unitas 2/2008




Veröffentlicht am: 16:19:41 10.07.2008
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