GESEKE, 27. Dezember 2008. Bbr. Reinhard Marx (55), Erzbischof von München und Freising, wurde am Samstag in Geseke die Ehrenbürgerschaft seiner westfälischen Geburtsstadt verliehen. Durch seine Popularität habe Marx die 21.000 Einwohner zählende westfälische Stadt über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht, so die Begründung des einstimmigen Stadtratsbeschlusses vom 2. September 2008. Er setze sich trotz beruflicher Belastung weiter für die Belange von Geseke ein und pflege trotz der großen Entfernung engsten Kontakt zu seiner westfälischen Heimatstadt sowie zu diversen heimischen Vereinen und Institutionen. 

„Mensch mit Ecken und Kanten“

 

Am Nachmittag feierte Marx um 15 Uhr einen Festgottesdienst in der Stiftskirche Sankt Cyriakus. Bei der anschließenden Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Festsaal des Gymnasiums Antonianum hielt der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker die Festrede. An dem Festakt, bei dem Bürgermeister Franz Holtgrewe die Urkunde überreichte, nahmen neben den Honoratioren der Stadt auch zahlreiche Bürger Gesekes teil. Grußworte für die Geseker Geistlichkeit, die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft von 1412 e.V., die Geseker Vereine und den Freundes- und Bekanntenkreis von Marx sprachen Pfarrer Uwe Schläger, Oberst Bbr. Dr. Friedel Bergmann, Hans-Peter Busch und Heidrun Schnieders. 

Erzbischof Becker würdigte Marx in seiner Laudatio als einen Mann festen Glaubens. Er lebe seinen Glauben aus einer klaren Beziehung zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus: „Es ist dieser Glaube, der ihn fasziniert und herausfordert: Gottes Geschichte mit dem Menschen, das Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt. Es ist dieser Glaube, der ihn zieht, weit über sich hinaus, über seine Heimat, seine Denkmuster, ihn in die Weite führt, neugierig werden lässt gegenüber Neuem und Fremden, ihn fragen und suchen lässt.“ Der Dienst am Evangelium führe Marx zu den Menschen, sagte Becker weiter. Durch ihn begegne er den Menschen offen und ehrlich, einfach in der Formulierung, ohne Allüren. „Er bleibt Mensch, mit Ecken und Kanten, die er selbst sieht und die ihn herausfordern. Auch das gehört zu diesem Glauben dazu: lernen, umkehren, neu anfangen.“ Mit seinem sozialen Engagement nach den Prinzipien der katholischen Soziallehre bringe Marx „zentrale christliche Positionen in den gesellschaftlichen Diskurs ein - und das ist notwendig“, sagte Becker. „Er verweist auf die Unterscheidung zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus, plädiert für die Stärkung der Familien. Er ruft nach Zügeln, die der Markt braucht, nach Moral, ohne die jeder Staat verkommt.“ 

Heimat sei für Reinhard Marx Geseke, Westfalen: "Er liebt die offene, gerade und direkte Art der Menschen“, so der Paderborner Erzbischof. Dabei sei er jedoch auch jemand, der Heimat schaffen könne: „Heimat ist dort, wo man lebt, Menschen offen begegnet, sie annimmt und angenommen wird“, so zitierte Erzbischof Becker den neuen Ehrenbürger seiner Heimatstadt Geseke. Er gewinne schnell Heimat, ohne seine westfälischen Wurzeln zu vergessen. „Möge der Herr Dir Kraft und Gesundheit schenken für viele Jahre fruchtbarer Arbeit in seinem Weinberg“, sagte Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Laudatio. Marx selbst erklärte in seiner Dankesrede, er habe schon als Kind entdeckt, dass Geseke auf der Welt einmalig sei. Geseke sei für ihn Heimatstadt, auf die er stolz sei. Er freue sich über die ihm erteilte Würde, denn als neuer Ehrenbürger von Geseke könne er eindeutig sagen: „Ich bin Geseker, ich bin jetzt Bürger von Geseke, egal wo ich wohne und lebe“.
 


"Gott ist nichts wichtiger als der Mensch"

In seiner Predigt in der voll besetzten Stiftskirche St. Cyriakus hatte Bbr. Erzbischof Dr. Marx zuvor dazu aufgefordert, sich für ein Gemeinwesen einzusetzen, das Gerechtigkeit für alle Menschen bedeute. Weihnachten sei eine Einladung, wach zu werden und das Leben zu entdecken. Gott sei in Jesus berührbar geworden, sagte der Münchner Erzbischof. Weihnachten verkünde einen Gott, der sich in die Welt einmische, sich in die Welt hinein begebe und der unter den Menschen gegenwärtig sein wolle. „Das ist eine Revolution, die über alle bisherigen Revolutionen hinausgeht.“ Weihnachten proklamiere: „Gott ist nichts wichtiger als der Mensch“, so Erzbischof Dr. Marx. Deshalb sei es nicht gleichgültig, wie Menschen miteinander lebten und miteinander umgingen. Weihnachten sei ein Impuls, das Gemeinwesen und die Gesellschaft wieder ins rechte Licht zu rücken und auf den Menschen zu beziehen. „Gott wird Mensch, und das zeigt, dass nichts wichtiger ist als der Mensch. Jedes menschliche Leben ist kostbar, von der Geburt bis zum Lebensende.“ Im Blick auf die an das Pontifikalamt anschließende Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Geseke sagte Erzbischof Dr. Marx zum Abschluss seiner Predigt: „Möge der Glaube in uns lebendig bleiben und möge der dreifaltige Gott meine geliebte Heimatstadt segnen“.

Nach einem Umtrunk im Foyer des Gymnasiums baten die traditionsreiche St. Sebastianus-Schützenbruderschaft sowie die Musiker der Stadtkapelle und des Tambourkorps gegen 18.30 Uhr auf der Wichburgastraße, um das Ehrenmitglied der Schützen mit einem großen Zapfenstreich zu ehren. Dabei erklang auf ausdrücklichem Wunsch von Marx nicht nur das „Westfalenlied“, sondern auch die Bayernhymne.

 

Im Januar Ehrendoktorwürde der Hochschule Vallendar

 

Zu Jahresbeginn wird Bbr. Dr. Reinhard Marx mit der Ehrendoktorwürde der Hochschule Vallendar geehrt. In der Begründung heißt es, dass es seiner Mithilfe zu verdanken ist, dass die Hochschule bisher ausschließlich für Studenten der Theologie, um eine pflegewissenschaftliche Fakultät erweitert werden konnte. Die Feierlichkeiten finden am Donnerstag, 22. Januar 2009 statt. Der Festakt beginnt um 15 Uhr. Die Laudatio wird der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers, halten. Im Anschluss an dem Festakt findet das Pontifikalamt mit Erzbischof Marx und weiteren Bischöfen statt.

 

Bbr. Marx wurde am 23. September 1953 in Geseke geboren und 1979 zum Priester geweiht. Später war er Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn. 1996 wurde er Weihbischof in Paderborn und sechs Jahre später Bischof der ältesten deutschen Diözese in Trier. Seit Februar ist er Erzbischof von München und Freising. Marx ist Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz. Für großes Aufsehen sorgte zuletzt sein Buch „Das Kapital“, in dem er sich kritisch mit dem gleichnamigen Werk seines Namensvetters Karl Marx (1818-1883) auseinandersetzt. Der UNITAS hatte sich Reinhard Marx 1975 beim Wissenschaftlichen katholischen Studentenverein UNITAS Hathumar angeschlossen. Mit der Fortsetzung des Studiums 1981-1989 in Münster und Bochum war Reinhard Marx bei UNITAS Frisia und UNITAS Winfridia aktiv, bei der er auch philistriert wurde. Der langjährige Geistliche Beirat des UNITAS-Verbandes stand auch der jungen UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund Anfang der 1990-er Jahre an tatkräftig und ermunternd zur Seite.

HINWEIS: Das Münchner Kirchenradio, das Internetradio des Erzbistums München und Freising, war vor Ort und hat den Festakt aufgezeichnet. Die Aufzeichnung wird am 5. und 8. Januar 2009, jeweils um 19.15 Uhr, im gestreamten Programm des Internetradios ausgestrahlt. Bereits jetzt können die Laudatio auf den Ehrenbürger, gehalten vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, und die Dankesrede von Erzbischof Marx auf der Homepage des Internetradios unter der Adresse www.muenchner-kirchenradio.de angehört werden.

Quellen: Stiftskirche Geseke (www.stiftskirche-geseke.de), Geseker Zeitung, Der Patriot, www.erzbistum-muenchen-und-freising.de, www.sankt-sebastianus.de, www.erzbistum-paderborn, www.unitas-ruhrania.org. Bilder: Bbr. Reinhold Schönemund (Bonn)


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Veröffentlicht am: 18:52:50 27.12.2008
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