Duisburg, 14. Januar 2009. Entsetzt und empört reagieren der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, Pfarrer Armin Schneider, und der Stadtdechant der Katholischen Kirche in Duisburg, Pfarrer Bernhard Lücking, in einer gemeinsamen Erklärung auf die „völlig inakzeptable antijüdische Demonstration“, die nach einem Aufruf der islamischen Vereinigung Milli Görüs in Duisburg stattfand. Die Entfernung einer israelischen Flagge aus einem Fenster durch die Polizei verurteilen beide Kirchenvertreter genauso wie Steine werfende Demonstranten und Hetzparolen gegen das Judentum. „Unsere Stadt Duisburg darf nicht zum Schauplatz militanter und hasserfüllter Demonstrationen werden“, heißt es in der Erklärung. Die Christen Duisburgs bejahten das Existenzrecht Israels und verurteilten gleichzeitig militärische Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Israel und Palästina.

Am Samstag hatten sich in Duisburg etwa zehntausend Menschen am Hauptbahnhof versammelt, um gegen Israels Vorgehen im Gaza-Streifen zu demonstrieren. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die islamistische Organisation Milli Görüs, die in Deutschland seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Als Demonstrantten im Fenster eines Studenten am Weg eine Israelfahne im Fenster entdeckten, traten dort wenig später Polizisten die Türe ein und entfernten die Fahne – eine Aktion, die bei den Demonstranten mit Jubel quittiert wurde, wie in einem inzwischen stark diskutierten Video auf YouTube zu sehen. Das Verhalten der Duisburger Beamten löste mittlerweile Empörung aus. Rainer Wendt, NRW-Chef der „Deutschen Polizeigewerkschaft“ sagte: „Es ist unerträglich, wenn in Deutschland Islamisten polizeiliches Handeln bestimmen“, äußerte allerdings Verständnis für die „schwierige Einsatzsituation“ der Beamten vor Ort. Die Duisburger Polizei verteidigte ihr Vorgehen zunächst. Die Entfernung der Flagge hätte „gefahrenabwehrende Gründe“ gehabt. Erst am Dienstnachmittag bedauerte der Polizeipräsident von Duisburg, Rolf Cebin, „zutiefst, dass Gefühle insbesondere jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger verletzt wurden. Das Entfernen der Fahnen ist aus heutiger Sicht die falsche Entscheidung gewesen.“ Die SPD will den Vorfall im Landtag am kommenden Donnerstag in einer aktuellen Stunde im Innenausschuss zum Thema machen.

 

 

GEMEINSAME ERKLÄRUNG

des Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg,
Pfarrer Armin Schneider,

und des Stadtdechanten der Katholischen Kirche in Duisburg,
Pfarrer Bernhard Lücking

zu der Anti–Israel–Demonstration am Samstag, 10. Januar 2009


„Als christliche Kirchen in unserer Stadt sind wir von unserem biblischen Auftrag her einer Kultur der Toleranz und des Dialogs verpflichtet. Aus dieser Grundhaltung heraus engagieren wir uns seit vielen Jahren im interreligiösen Dialog, um so zum friedlichen Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Kulturen in unserer Stadt beizutragen. So haben wir zusammen mit unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Bau der neuen Moschee an der Warbruckstraße begrüßt.

 

Deshalb sind wir entsetzt und empört über die völlig inakzeptable antijüdische Demonstration, die auf Veranlassung der islamischen Vereinigung Milli Görüs in Duisburg stattgefunden hat. Dass ausgerechnet in unserer Stadt, die sich ihrer Integrationsleistungen und ihrer Toleranz rühmt, Angehörige des Islam ungestraft öffentlich zum Hass gegen das Judentum aufrufen dürfen, halten wir für einen unerträglichen Skandal.

 

Dass unsere Polizei israelische Flaggen aus dem Fenster entfernt, statt aus dem Demonstrationszug diejenigen Teilnehmer, die Steine werfen, gegen das Vermummungsverbot verstoßen und mit ihren Parolen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen, zu verhaften, bedeutet für uns eine groteske Verkennung der Wertigkeit von Rechtsgütern.

 

Dass Menschen gewaltsam zu Tode kommen, ist nicht der Wille des allmächtigen und barmherzigen Gottes, zu dem wir alle beten. Das daraus erwachsende und wohl auch die Demonstration leitende Mitgefühl mit den zivilen Opfern im Gazastreifen darf aber nach unserer Auffassung in keiner Weise aus dem Blick geraten lassen, dass die palästinensische Terrororganisation Hamas von dort nicht erst seit gestern einen lang anhaltenden, teils versteckten, teils offenen Angriffskrieg gegen Israel führt, der Grund und Ursache jedweder weiteren Eskalation ist.

 

Unsere Stadt Duisburg darf nicht zum Schauplatz militanter und hasserfüllter Demonstrationen werden! Als Christinnen und Christen in Duisburg bejahen wir das Existenzrecht Israels, verurteilen gleichzeitig militärische Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Israel und Palästina und hoffen dennoch auf ein baldiges friedliches Nebeneinander zwischen dem Staat Israel und einem demokratischen Palästinensischen Staat. Wir unterstützen den Impuls des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Nikolaus Schneider, der vor der Landessynode in Bad Neuenahr gesagt hat: Wenn dem Hass und dem Morden endlich die religiöse Legitimation entzogen wird, könnte dies ein entscheidender Impuls zum Frieden sein.“




Veröffentlicht am: 16:35:53 14.01.2009
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