Katholische Jugend begrüßt Verbot rechtsextremen Verbandes

Bbr. Pfr. Kirchhoff in Lübeck besorgt über "Kinderverführer"

BERLIN, 31.3.2009. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßt das Verbot der rechtsextremen so genannten „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ). „Dies ist ein richtiger Schritt“, so BDKJ-Bundesvorsitzende Andrea Hoffmeier heute in Berlin. „Eine antidemokratische und menschenverachtende Kinder- und Jugendarbeit mit rassistischer und NS-verherrlichender Ideologie gefährdet nicht nur die freiheitlich-demokratische Grundordnung, sondern auch das Kindeswohl.“ Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die HDJ verboten und in verschiedenen Bundesländern Büros und Wohnungen durchsuchen lassen. Als Grund nannte das Ministerium unter anderem die Veranstaltung von Ferienlagern, bei denen die Jugendlichen indoktriniert würden.

 

Mit seiner Stellungnahme forderte der BDKJ als Dachverband von 15 katholischen Kinder- und Jugendverbänden mit rund 650.000 Mitgliedern zugleich eine Analyse, warum die Angebote der HDJ gerade in strukturschwachen Regionen Erfolge verzeichnen konnten. „Wo demokratische Angebote fehlen, haben rechtextreme Gruppierungen leichtes Spiel“, so die Vorsitzende Andrea Hoffmeier. Eine flächendeckende Infrastruktur von Jugendeinrichtungen sei notwendig, um Jugendverbände, Sportvereine und Demokratie stärker zu fördern. Auch politische Bildungsangebote müssten ausgebaut werden. Insbesondere in Regionen Ostdeutschlands sei teilweise gar keine Regel-Struktur der Kinder- und Jugendarbeit vorhanden, aus denen demokratische Angebote erwachsen könnten. „Der Staat und alle demokratischen Kräfte müssen für ausreichende und angemessene Angebote sorgen, die Kinder und Jugendliche stärken und verhindern, dass sie rechtsextremen Parolen zum Opfer fallen“, bekräftigt Hoffmeier.


 


Bbr. Kirchhoff: Rechtsextreme sind „Kinderverführer“

 

Dass die Indoktrination mit NS-Parolen gerade in sehr jungem Alter beginnt, hatte am Vortag noch der Lübecker Pfarrer Bundesbruder Joachim Kirchhoff (Bild oben) moniert. Ihm gingen im Zusammenhang mit der Neo-Nazi-Demonstration in Lübeck vom 28. März vor allem die Bilder der ganz jungen Teilnehmer nicht aus dem Kopf, zitierten die LÜBECKER NACHRICHTEN den katholischen Seelsorger an der St. Birgittenkirche: „Die Organisatoren sind in meinen Augen Kinderverführer. Ich frage mich nur, wie wir diese jungen Leute jemals wieder zurückbekommen können.“ (ln-online/lokales vom 31.03.2009)

 

Indessen hat die NPD auch für 2010 in der Hansestadt einen so genannten „Gedenkmarsch“ angekündigt. Eine entsprechende Anmeldung liege bereits für den 27. März vor, so Medienberichte. Die Großdemonstrationen am Wochenende waren danach weniger gewaltsam verlaufen als zunächst befürchtet. Der Verkehr brach zusammen, zu größeren Zwischenfällen sei es aber nicht gekommen. Ein gigantisches Polizeiaufgebot von mehr als 2200 Kräften von Landes- und Bundespolizei aus Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern hatte den 300 Teilnehmer zählenden Radikalenaufmarsch und die Gegendemonstration eines breiten Bündnisses auseinander gehalten. Die Einsatzkräfte waren mit zwei Hubschraubern und mehreren Wasserwerfern vor Ort, sperrten die Aufmarschstrecke der Rechten ab, die ihre Kundgebung ohne Publikum abhielten. „Wir waren personell am unteren Limit“, erklärte Lübecks Polizeichef Heiko Hüttmann, der für die Angriffe auf Polizisten in erster Linie Krawall-Touristen von außerhalb verantwortlich machte. Die Polizei nahm insgesamt 179 Personen fest, es wurden Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, der Körperverletzung sowie des Verstoßes gegen das Waffengesetz und mehrerer Sachbeschädigungen eingeleitet.

 

Nach dem mit Gottesdiensten in verschiedenen Lübecker Kirchen begonnenen Protest gegen den so genannten „Gedenkmarsch für die Opfer des alliierten Bombenterrors“ war die Gegendemonstration auf dem Bahnhofsvorplatz bis zum Mittag auf etwa 1.500 angewachsen. Das Bündnis „Wir können sie stoppen“ gab die Zahl mit über 3000 an. Allerdings, so Beobachter, hatten sie viele Teilnehmer schnell auch wieder verlassen: „Möglicherweise aus Angst vor Ausschreitungen“, so die Berichte. Rund 500 linksautonome vermummte Personen in Klein- und Großgruppen griffen Polizeibeamte mit Steinen und Flaschen an, vier Funkstreifenwagen wurden beschädigt. Das bürgerliche Bündnis von Kirchen, Parteien und Gewerkschaften distanzierte sich von den Gewalttaten. Linke Gruppen klagten über einen unverhältnismäßigen Einsatz der Polizeikräfte. Erst gegen 17 Uhr normalisierte sich die Situation in der Stadt wieder.

Siehe auch:
-> Themenschwerpunkt "Wachsam gegen Ungeist"


17.03.2009  Kirchen vereint im Protest gegen Neo-Nazis in Lübeck

14.03.2009  Lübeck demonstriert gegen Nazi-Aufmarsch

 






Veröffentlicht am: 18:08:43 31.03.2009
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