„Widerstand gegen Rechtsextremismus ist Christenpflicht!“

 

BERLIN / SCHWERIN, 24.4.2009. „Die biblische Botschaft sowie das Selbstverständnis der Kirchen, daran gibt es unseres Erachtens keinen Zweifel, schließen eine Gleichgültigkeit gegenüber oder gar eine (sei es noch so schwache) Sympathie mit rechtsextremen Positionen kategorisch aus. Mehr noch folgt aus den voranstehenden Überlegungen: der Widerstand gegen Rechtsextremismus ist Christenpflicht!“ So lautet das kurzgefasste Ergebnis einer Studie, die heute in Schwerin bei der Jahrestagung der Leiter der Katholischen Büros in Deutschland vorgestellt wurde.

 

Die Tagung von rund 20 Vertretern der Katholischen Büros, den Verbindungsstellen zwischen Kirche und Staat in den Landeshauptstädten und bei der Bundesregierung befasste sich mit einem Arbeitspapier des Berliner Instituts für christliche Ethik (ICEP), das den Rechtsextremismus aus theologisch-ethischer Sicht beleuchtet. Es sei das erste Dokument der katholischen Kirche zu diesem Thema in Deutschland, erklärte die Leiterin des Katholischen Büros Schwerin, Schwester Cornelia Bührle. Rechtsextremismus bekämpfe alles, wonach Menschen sich sehnen: Gewaltfreiheit, politische Stabilität, Solidarität mit den Schwachen, Anerkennung der Würde und fundamentalen Gleichheit aller Menschen: „Da dürfen Christen nicht tatenlos zusehen“, so die die aus Baden-Württemberg stammende Volljuristin, die nach Studium der Sicherheitspolitik, Afrikanistik, Theologie und Philosophie in Paris 1984 in den Orden des Sacré Coeur (RSCJ, Religieuses du Sacré-Coeur de Jésus) eintrat. Die ehemalige Politikbeauftragte beim Europabüro des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Brüssel, hatte im Juni 2007 die Leitung des Erzbischöflichen Amtes in Schwerin und des Kommissariats der Erzbischöfe in Mecklenburg-Vorpommern übernommen.

 

Zentral für die fundamentale Gleichheit aller Menschen sei die Menschenwürde. Diese sei nach Überzeugung der Katholischen Kirche von keinem weltlichen Gesetzgeber verliehen, vielmehr habe sie einen transzendenten, göttlichen Ursprung, der sich jeglicher menschlichen Verfügungsgewalt entziehe. „Würde die Menschenwürde von weltlichen Gesetzgebern zugesprochen, könnten weltliche Gesetzgeber sie auch wieder entziehen“, erklärte Bührle. Hierin liege die wesentliche Bedeutung katholischer Ethik für Menschenrechtsdiskurse.

 

Verfasser der 20-seitigen Studie „Widerstand gegen Rechtsextremismus – eine Christenpflicht. Klärungen und Argumente aus theologisch-ethischer Perspektive„ (ICEP arbeitspapier 3/2009) sind Stefan Kurzke-Maasmeier, Andreas Lienkamp und Andreas Lob-Hüdepohl, Berlin.

Der „Think-Tank“
an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin weist mit neuer theologischer Argumentation nach, dass sich Christen gegen fremdenfeindliches, antijüdisches, sozialdarwinistisches Gedankengut einsetzen müssten. Es richtet sich vor allem an politisch Verantwortliche, die sich dem christlichen Glauben verbunden fühlen. Die Überlegungen, so heißt es im Vorwort, gingen „der keineswegs bloß akademischen, sondern drängenden und eminent praxisrelevanten Frage nach, ob Christinnen und Christen im Allgemeinen und christliche Abgeordnete und Mandatsträgerinnen der verschiedenen demokratischen Parteien im Besonderen von den Grundlagen ihres Glaubens her nicht nur zur Distanzierung von jeglicher Form des Rechtsextremismus, sondern auch zum Engagement, ja zum Widerstand gegen ihn verpflichtet sind.“ Dazu werden der Begriff des Rechtsextremismus geklärt, Erscheinungsformen beschrieben und Erklärungsansätze vorgestellt.

 

Zum Download der ICEP-Studie über die Internetseite des Instituts

 




Veröffentlicht am: 18:02:54 24.04.2009
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse