BORBECK, 4.7.2009. Eine skandalöse Tat ist wohl in der Nacht von Freitag auf Samstag, 4. Juli 2009, an der Ecke Möllhoven/Flurstraße verübt worden. Unbekannte haben mit gelber Lackfarbe die Christusfigur am Möllhovenkreuz angesprayt. Zudem wurde wahrscheinlich mit einer großen Flamme aus einem Feuerzeug die Beine der Holzfigur angebrannt, sodass der aufgebrachte Lack Blasen schlug. Es fällt auf, dass die Farbattacke ausschließlich dem Holzkorpus galt - das Heiligenhäuschen selbst wurde nicht verunziert. Danach richtete sich der Angriff direkt gegen das religiöse Symbol selbst.

 

Anwohner hatten uns auf die Schändung des Kreuzes aufmerksam gemacht. Daraufhin wurden Fotos gemacht und in der direkten Umgebung auf der gegenüber liegenden Straßenseite weitere frische gelbe Sprayspuren auf einem Stromkasten mit derselben gelben Farbe entdeckt und fotografiert. Das „Tag“ ist der Buchstabe „J.“ oder „I.“, mit dem der oder die Täter die Tat möglicherweise „gezeichnet“ haben. Die UNITAS wird Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten. Zugleich will der Verein die Stadt Essen als Eigentümer bitten, für eine Renovierung des Korpus zu sorgen.

Eintrag aus der Denkmalliste der Stadt Essen, Stand: 01.02.2001

Art u. lfd. Nummer der Denkmalliste / Eintragungsdatum: BauD 0766 / 09.07.1992

Merkmale: E. 19. Jh.; Backsteinbildstock an der Straßenecke; über einer spitzbogigen Nische - Dreiecksgiebel mit Kreuzblume; in der Nische Metallkruzifix mit hölzernem Korpus; originales Gitter.



Alte Aufnahme des Möllhovenkreuzes mit der ehemaligen Möllhovenschule

Das Kreuz am Möllhoven

 

Nach dem Bericht von Paul Freres (s.u.) steht das Möllhovenkreuz seit 1905 in seiner jetzigen Gestalt in der Bogennische, Ecke Möllhoven und Flurstraße. Die heutige Flurstraße hieß bis zur Eingemeindung der Bürgermeisterei Borbeck nach Essen im Jahre 1915 Kreuzstraße, der Möllhoven trug die Bezeichnung Mühlenstraße. Die alte Namensgebung „Kreuzstraße” geht wohl darauf zurück, dass an ihrem Anfang das derzeit in Renovierung befindliche Kreuz am Weidkamp steht und und an ihrem Ende das Möllhoven­kreuz in einer Bogennische aus rotem Backstein. Aufzeichnungen von Johannes Pesch ist zu ent­nehmen, dass in den sechziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts hier schon eine Segensstation bei der großen „Gottestracht“ war. So wird die Errichtung des Kreuzes an dieser Stelle wohl von Pfarrer Legrand angeregt worden sein.

 

Das Kreuz stand auf dem 1905 von der Gemeinde Borbeck durch Ankauf erworben Gelände. Nach den Akten der früheren Bürgermeisterei Bor­beck geht aus einem Sitzungsprotokoll vom 17.4.1905 hervor, daß durch den Ankauf des Grundstücks ver­traglich die Verpflichtung übernommen wurde, das Kreuz zu erhalten. Im Sitzungsprotokoll heißt es dazu: „Versammlung beschloß auf Antrag des Vorsitzenden, im unmittelbaren Anschluß an das Schulgrundstück an der Einmündung der Kreuz- in die Mühlenstraße einen, dem Vorschlag des Kommunalbaumeister Voß­kühler entsprechenden, kapellenartigen Einbau zu schaffen, um den bei dem Ankauf des Grundstücks übernommenen kontraktlichen Verpflichtungen hin­sichtlich der Belassung bzw. Wiederherstellung des früher dort befindlich gewesenen und nachher zer­störten Kreuzes mit Korpus zu genügen. Die erforderli­chen Kosten zur Höhe von 800 M wurden bewilligt.“

 

Die beigefügte Rechnung über die geleisteten Arbeiten zur Herstellung der Kreuznische an der Mühlenstraße belief sich auf 848,93 Mark, die Mehrkosten wurden in der Gemeinderatssitzung vom 12.10.1905 genehmigt. Da in den Aufzeichnungen keine Kosten für die Neubeschaffung eines Kreuzes angeführt werden und aus dem Sitzungsprotokoll hervorgeht, dass das alte Kreuz zerstört war, ist anzunehmen, dass das seit 1905 in der Nische befindliche Kreuz aus einer Stiftung stammt. Darüber aber liegt nir­gendwo ein Vermerk vor.

 

Als nach dem Krieg die arg beschädigte Kreuznische von Nachbarn des Möllhoven ausgebessert wurde, hat man deren Spitze mit einer Kreuzblume der zerstörtei St. Dionysiuskirche gekrönt. Diese beschädigte Kreuzblume wurde bei dem Aufbau der Borbecker Pfarr­kirche dort nicht mehr verwendet. Die Stadt Essen ist sich ihrer im Jahre 1905 übernommenen vertraglichen Verpflichtung zur Erhaltung des Kreuzes auch heute noch bewusst: 1983 wurden Dach und Mauerwerk der Kapellennische völlig restauriert. Selten ist das Kreuz ohne Blumenschmuck zu sehen.

 

QUELLE: Kreuze am Wege, Geschichte der Wegekreuze, Heiligenhäuschen und Gedenksteine im Dekanat Borbeck, aufgespürt und aufgeschrieben von Paul Freres, Essen, Verlag Pomp & Sobkowiak, 1983, S. 30-31.


s. PRESSEBERICHT vom 9.7.2009:  "
Dummheit und Gewalt": Die BORBECKER zum Möllhovenkreuz



Veröffentlicht am: 01:23:33 06.07.2009
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