Wenn sich neue Studierende in diesen und den nächsten Tagen an Universitäten und Fachhochschulen einschreiben, Zimmer suchen und sich auf einen neuen Lebensabschnitt einrichten, dann wird auf dem Hintergrund "erschöpfender" Recherchen zur studentischen Korporationsszene vielerorts wieder vor mehr oder weniger verkappt neofaschistischen, rechtsradikalen und frauenfeindlichen Männerbünden gewarnt, deren Mitglieder zwischen Vaterlandskult und Bierschwemme ihre Karrieren planen…

 

AStA versus Studentenverbindungen

 

„Es ist ein Kampf der Hochschul-Kulturen: Auf der einen Seite studentische Verbindungen, auf der anderen der Asta. Beide stehen sich unerbittlich gegenüber...“ – so lautete jetzt der Opener eines Artikel im TRIERISCHEN VOLKSFREUND (Asta versus Studentenverbindungen, von Manuel Kölker, 9.9.2009). Dabei zeigte sich in einem Redaktionsgespräch beim TV und in Interviews: Toleranz sucht der Student gerade beim Asta vergeblich“, so die schlussendliche Bilanz des Autors, der Vertreter aller Gruppen für „fast zwei Stunden heißer Diskussionen“ zum Gespräch geladen hatte. Unter ihnen auch Bbr. Gereon Helmes vom Wissenschaftlichen katholischen Studentenverein UNITAS Trebeta: „Die Verbindungen sind tolerant gegenüber dem Asta. Und wir fordern, dass der Asta genauso tolerant zu uns ist“, äußerte sich Bbr. Helmes. Er distanzierte sich wie weitere zitierte Korporationsvertreter auch klar von einem Reader mit dem Titel „Verbindungen beenden", den das „Referat für Antirassismus & Antifaschismus“ des örtlichen AStA erstellte (oben: Titelausschnitt).

 

„Rottet die Bosheit aus“ ...

 

„Der Konservatismus in Deutschland ist wieder auf dem Vormarsch, irre gewordene Jugendliche springen in den Rhein, weil Ratzinger dahergefahren kommt und die katholischen Korporationen sorgen mit dafür, daß das so bleibt. Solange dies gilt, gilt auch Voltaires Wahlspruch: „Ecrasez l'infame - rottet die Bosheit aus“ … - so heißt es unter anderem in der „Informationsbroschüre“ (WS 07/08,  52 Seiten, Aufl. 500) auf Seite 50. Sie warf schon vor Jahren alles in einen Topf: Seilschaften, Untertanengeist, Blut und Boden, „völkisches“ Rassegeraune, übelste Verbrechen und eine mit Papstzitaten bemühte Wissenschaftsfeindlichkeit der katholischen Kirche – das Ergebnis: Adenauer und Himmler in einem Atemzug, Papst und Göring, deutsche Konzernchefs und Antisemitismus - eine fußnotengespickte üble Melange von Ahnungslosigkeit und pseudoaufklärerischem Impetus. Wild bebildert und mit Karikaturen garniert – ein Machwerk, in dem kein einziger aus der bunten Szene der höchst unterschiedlichen studentischen Verbände selbst zu Wort kommt. So einseitig, wie auch die Haltung des AStA-Vertreters in Trier, der sich im Interview mit seinem Weltbild entäußerte: Derzeit wirft der Bericht im VOLKSFREUND die Kommentatoren online auf den Plan. ...

 

Zulauf bei Verbindungen

 

Dass studentische Verbindungen und Vereine in den letzten Jahren einen deutlichen Zulauf haben, muss den Protagonisten des gepflegten Vorurteils – nicht nur an der vom AStA gerne als „Karl-Marx-Universität" bezeichneten Uni in Trier - in der Tat „Sorgen" machen: Einer dpa-Meldung zufolge kommen die deutschen Verbindungen zur Zeit wieder auf etwa 160.000 Mitglieder. Schon vor einigen Monaten hatte der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) einen jährlichen Zuwachs von 500 neuen Mitgliedern gemeldet – in den Vorjahren lag der Zulauf bei 300, erklärte Geschäftsführer Richard Weiskorn dem Magazin „Junge Karriere“. Das Magazin zitierte dazu den Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge aus Köln, der Grund sei auch die Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse an Hochschulen. Sie fördere das Karrieredenken der Studenten: „In der Anonymität der marktmäßig orientierten Universitäten suchen Studenten nach Kameradschaft als Reaktion auf den frustrierenden Hochschulalltag“, so Butterwegge.

 

Gegen Extremisten jeder Couleur

 

Anonym und frustrierend – das ist der Alltag in Studentenvereinen allerdings in der Tat nicht. Und das wäre angesichts der verschulten Studiengänge an Massenuniversitäten doch schon mal als Plus festzuhalten. Wenn alle Korporationen jedoch – nach Linksfront-Mentalität - über einen Kamm geschert und mit extremistischen Tendenzen von Rechts in einen Kübel gerührt werden, darf man auf Seiten der Studentenverbindungen und –vereine übrigens auch mal empfindlich reagieren. Nicht allein mit Blick auf deren zahllose Opfer unter den totalitären Regimen. Sondern weil dem Kampf gegen den Extremismus heute damit ein Bärendienst erwiesen wird …. - oder meinen es die selbsternannten Antifaschisten der organisierten studentischen „Selbstverwaltung" damit überhaupt nicht so ernst?

 

LINKS:

Asta versus Studentenverbindungen, TRIERISCHER VOLKSFREUND vom 9.9.2009, von Manuel Kölker

„Verbindungen beenden“, Informationsbroschüre, Referat für Antirassismus & Antifaschismus des AStA der Universität Trier, WS 2007/08




Veröffentlicht am: 19:37:29 10.09.2009
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