UNITAS verleiht Pesch-Preis
an nigerianischen Menschenrechtler Ike


Köln, 15. Juni 2010. Prälat Prof. Dr. Obiora Ike, nigerianischer katholischer Geistlicher und Menschenrechtler, ist am Dienstagabend in Köln mit dem diesjährigen Heinrich-Pesch-Preis ausgezeichnet worden. Damit würdigte der Trägerverein des zum 10. Mal verliehenen Preises Ikes herausragende Verdienste in den Sozialwissenschaften und in sozialen Tätigkeiten. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im domforum in Köln statt.


Ike wurde auch für seinen Einsatz für die Menschenrechte, in der Gefangenenseelsorge und im Dialog mit dem Islam geehrt, begründete der Förderverein des Unitas-Verbands seine Entscheidung. Der frühere Generalvikar der Diözese Enugu in Nigeria sei „unentwegt bemüht, die katholische Soziallehre in zahlreichen Ländern Afrikas bekanntzumachen und in die Praxis umzusetzen“. 

Versöhnung und Bildung

 

Professor Obiora Francis Ike gehöre zu den zentralen Persönlichkeiten des Versöhnungsprozesses zwischen Christen und Muslimen in seinem Land, so Bbr. Prof. em. Dr. Lothar Roos in seiner Laudatio. Seit Jahrzehnten stünden die Christen des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas unter dem Druck einer extremen Islamisierung. Der in Bonn promovierte 54-jährige Priester sehe in Ausbildung und wirtschaftlichem Aufbau einen der wichtigsten Ansätze für die friedliche Entwicklung seines Landes. Aus seiner Initiative sind u.a. eine Musterfarm zur landwirtschaftlichen Ausbildung, eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft und eine Bank hervorgegangen, die durch die Ausreichung von Mikrokrediten zur ökonomischen und sozialen Entwicklung beiträgt.



Chargen der UNITAS Theophanu und der UNITAS Landshut bei der Preisverleihung im domforum


Der mit 2.500 Euro dotierte Preis erinnert an den Jesuiten Bbr. Heinrich Pesch (* 17. September 1854 in Köln; † 1. April 1926 in Valkenburg, Bild rechts). Der Unitarier, katholischer Theologe, Nationalökonom und Sozialphilosoph, gilt als Begründer des Solidaritätsprinzips der katholischen Soziallehre. Der Lehrer von Oswald von Nell-Breuning schuf mit seinem fünfbändigen „Lehrbuch der Nationalökonomie“ die wesentlichen Grundsätze der fünf Jahre nach seinem Tod erschienenen Enzyklika Pius XI. „Quadragesimo anno“ und schuf als Vordenker des Solidarismus auch wesentliche Voraussetzungen für die Grundlegung des Sozialstaates Bundesrepublik Deutschland. Stifter des Preises ist ein Förderverein des Verbandes der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas (UV). Bisherige Preisträger waren u.a. Paulo Link, Generalpräses des Kolpingwerkes in Brasilien, Norbert Blüm, ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, sowie Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka in Bosnien-Herzegowina.



Die Festversammlung feierte zuvor die Hl. Messe in der Dominikanerkirche

 

Engagiert in Wort und Tat

 

Obiora Ike, der 10. Träger des Heinrich-Pesch-Preises, wurde 1956 in Gusau in Nordwestnigeria geboren und studierte nach dem Bachelor of Arts in Enugu/Nigeria ab 1978 an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Politikwissenschaften, Philosophie und Theologie. 1981 durch den Feldkircher Bischof Bruno Wechner zum Priester geweiht, wurde er 1985 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn im Fach Christliche Gesellschaftslehre promoviert. 1986 habilitierte er sich Sozialethik, Geschichte und Afrikanistik.

Bild oben: Treffen vor dem Haus mit der Plakette für Bbr. Heinrich Pesch SJ

 

Nach der Rückkehr in seine Heimat Enugu baute er dort das „Catholic Institute for Development, Justice and Peace“ (CIDJAP) auf. Die wichtigsten bis jetzt daraus hervorgegangenen Initiativen sind: eine Musterfarm zur Ausbildung im Bereich von Ackerbau und Viehzucht; eine gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft; ein Zentrum für die Ausbildung von Jugendlichen in unternehmerischen und handwerklichen Gewerben (Vocational Industrial Technical Training Centre); eine in Trägerschaft des Bistums befindliche Bank, die insbesondere auf dem Gebiet von Kleinkrediten für Existenzgründer große Erfolge aufzuweisen hat. Er setzte sich für die Ausbildung von Laien zur Übernahme von Verantwortung in Politik und Wirtschaft auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre ein. Gegenwärtig baut er das Ofu-Obi-Afrika-Zentrum für die Vertiefung der sozialen Lehre und der sozialen Tat der Kirche in ganz Afrika mit einer großen Bibliothek auf. Für seinen Einsatz für die Menschenrechte, in der Gefangenenseelsorge und im Dialog mit dem Islam wurde Obiora F. Ike über sein Land hinaus bekannt.


Dankesrede des Preisträgers Prälat Obiora Ike im Kölner domforum

Christlich-sozialer Netzwerker
 

Ike erhielt 1993 einen Ruf auf die Gastprofessur für Ethik und Afrikanische Geschichte an die niederländische Universität Tilburg und ging 1996 an den Fachbereich Katholische Theologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bislang gründete der Wissenschaftler und Kirchenmann 20 Nichtregierungsorganisationen, so 1990 anlässlich eines Interkontinentalen Symposiums über „Catholic Social Teachings En-Route in Africa“ eine wichtige afrikanische Vereinigung von Fachwissenschaftlern und Instituten, um die Katholische Soziallehre in möglichst vielen Ländern des Kontinents zu verbreiten und in die Praxis umzusetzen. Er ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main, seit 2005 Mitglied des Club of Rome, dessen Präsident in Nigeria und seit 2006 Mitglied der Katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Ripuaria Aachen im Cartellverband (CV).

 

Obiora Ike, der als Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Enugu und Lehrer am dortigen Priesterseminar wrkt, hat zahlreiche Publikationen verfasst, darunter in deutscher Sprache: „Wer befreit ist, kann befreien“ (1997); „Afrika in eigener Sache“ (2001); „Wende dein Gesicht der Sonne zu“ (2007). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter einen Preis von „Omnis Religio“ für interreligiösen Dialog (2005); von der Katholischen Universität Eichstätt den „Schalompreis“ für seine Tätigkeiten im Bereich der Menschenrechte (1998); den traditonellen Igbo-Titel ONWA, „Der Mond, der für alle scheint“ von den Ältesten seines Dorfes Umana Ndiagu. Papst Johannes Paul II. ernannte Prof. Ike zum Päpstlichen Hausprälaten (1999) und Papst Benedikt XVI. berief ihn im Oktober 2009 zur Teilname an der Bischofssynode über Afrika als „Berater und Synodalvater“.

Fotos: H.J. Grossimlinghaus

 



vgl. Meldungen:
Pesch-Preis-Träger Monsignore Willi Link 70 Jahre: 03.05.2009. Monsignore Padre Dr. Willi Paul Link (São Paulo, Brasilien) vollendete am 28. April sein 70. Lebensjahr…
 

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Veröffentlicht am: 20:12:06 15.06.2010
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