Heinrich Portmann: Kardinal von Galen. Ein Gottesmann in seiner Zeit. 328 Seiten. Verlag Aschendorff, Münster. 12,80 Euro

„Gern gebe ich der Biographie des hochseligen Kardinals von Galen, die von seinem langjährigen Kaplan Dr. Heinrich Portmann verfasst wurde, ein Wort des Geleites mit auf den Weg. Wenn auch der große Bekennerbischof nun schon zwei Jahre nicht mehr in unserer Mitte weilt, so lebt doch sein Andenken unter uns in unverminderter Frische fort“, schrieb am 22. März 1948, dem zweiten Jahrestag des Todes des Kardinals von Galen, Bischof Michael Keller in seinem Vorwort zur 323 Seiten umfassenden Erstauflage. „Sein Name wurde zu einem Begriff über die Grenzen des Bistums hinaus, in die Welt hinein. Als der unerschrockene Kämpfer gegen die Mächte des Neuheidentums, als der glühende Verteidiger des Glaubens, der Rechte Gottes und der Menschen, als ein wahrer Gottesmann seiner Zeit wird er in der Geschichte unserer heiligen Kirche und unseres Vaterlandes weiterleben.“ Neben seiner Charakterstärke, Geradheit seines Wesens, Furchtlosigkeit und Kompromisslosigkeit seines Handelns, wenn es um die Sache Gottes ging, sei das Entscheidende und Tiefste seiner Persönlichkeit „der unerschütterliche Glaube und die zarte Gottverbundenheit“ gewesen. „Um diesen gottbegnadeten und gottgesandten Oberhirten scharte sich in Begeisterung und Liebe immer enger das gläubige Volk. Was wäre er in jenen düsteren Jahren gewesen ohne die Treue seiner Herde? Sie war für ihn der feste Rückhalt. Sie konnte das sein, weil auch sie Gott mehr liebte als die Blendwerke der Menschen. Wie schwach ist ein Bischof ohne die Treue seiner Diözesanen! Wie stark wird er, wenn sie ihm folgen auch in schweren Tagen! .... Möge dieses Buch das Andenken an meinen hochseligen Vorgänger befestigen, möge es durch sein stilles Apostolat in den Herzen der Leser die Liebe zur heiligen Kirche, zu ihren Priestern und Bischöfen vertiefen! Das ist mein inniger Wunsch.“

Bereits 1946 hatte Bbr. Portmann (Bild unten) eine erste Schrift vorlegt (Der Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht, Münster/Westfalen), seine umfängliche Biographie über den „Löwen von Münster“ folgte kurze Zeit später. Nach zahlreichen Neuauflagen war sie mehr als 20 Jahre lang nicht erhältlich: „leider vergriffen“, bedauerte der Buchhandel. Doch jetzt, rechtzeitig vor der für 2005 in Aussicht genommenen Seligsprechung des Kardinals Clemens August Graf von Galen liegt das von seinem bischöflichen Kaplan Heinrich Portmann geschriebene „Lebensbild“ als Taschenbuch wieder vor. „Sonderauflage“ nennt der Münsterische Verlag Aschendorff das – und kann sicher sein, dass dieser von einem Bundesbruder verfasste Klassiker innerhalb der inzwischen sehr reichhaltigen Galenschen Sekundärliteratur viele Leser finden wird. Eine lang ersehnte historisch-kritische Biographie auf der Grundlage der Löfflerschen Dokumentenbände und weiterer Quellen (Kuropka, Wolf und andere) wurde bislang noch nicht vorgelegt.

Der Charme des Portmann-Buches liegt gerade darin, dass der Autor Bischof von Galen aus unmittelbarem persönlichem Erleben heraus wahrgenommen hat und so ein profiliertes Bild zeichnen konnte. Msgr. Dr. iur. can. Heinrich Portmann, war lange Zeit und bis zuletzt als Bischöflicher Kaplan der „Schatten“ des Münsteraner Bischofs. Von Galen bat Bbr. Portmann am Abend vor seinem Tod: „Wenn es diese Nacht zum Sterben geht, dann musst Du aber kommen; ich möchte dann nicht gern alleine sein.“ Die eine oder andere „hagiographische“ Würdigung, wie Rudolf Morsey es einmal nannte, nimmt man angesichts der Authentizität der Portmannschen Diktion gerne in Kauf. Schade allerdings, dass auf einen Abdruck von Bildern wie auch der drei berühmten Predigten aus dem Jahr 1941 verzichtet wurde, „da diese häufig auch andernorts veröffentlicht worden sind“, wie es heißt.

Zugleich eine Erinnerung an Bbr. Portmanns 100. Geburtstag

Die erneute Veröffentlichung seiner Galen-Biographie wirft nun auch ein neues Licht auf Portmann selbst, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Der Sohn eines Maurers, am 5. Oktober 1905 in Hamm-Bockum-Hövel geboren, besuchte das Gymnasium in Hamm, schloss sich während des Studiums in Freiburg der dortigen UNITAS. An seinem zweiten Studienort Münster stieß er zur UNITAS Ruhrania, der er zeitlebens eng verbunden blieb – später lange Zeit als ihr Ehrensenior. Zum Priester geweiht am 19. Dezember 1931, wurde er am 30. 12. 1931 zum Kaplan an Herz-Jesu Emsdetten ernannt. 

Von 1934-37 schloss sich ein Studium des Kirchenrechts in Rom an, wo er als Kaplan an der Anima tätig war. Nach Rückkehr aus Rom diente er bis zum 17. 11. 1938 als Hausgeistlicher am Deutschen Studentenwohnheim in Münster. Zum 1. 7. 1938 übernahm er das Amt des Defensor vinculi et Promotor iustitiae substitutus et subordinarius am Bischöflichen Offizialat in Münster, war vom 17. 11.1938 - 14. 4. 1949 Bischöflicher Kaplan von Bischof August Clemens von Galen und Bischof Michael Keller, ab dem 14. 4. 1949 Vizeoffizial am Diözesangericht Münster und wurde später zum Päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt. Am 30. April 1961 starb er in Münster. Seine fesselnde Schilderung der Zeit und der Persönlichkeit Kardinal von Galens vermag auch nach mehr als einem halben Jahrhundert immer noch zu beeindrucken.

CB

 




Veröffentlicht am: 20:45:34 13.03.2005
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