Aktuelles > Neuigkeiten > Seligsprechungsprozess für Bbr. Johannes Prassek

von Bbr. Lambert Stamer

 
HAMBURG/VATIKAN. Gut 60 Jahre nach dem Tod der Lübecker Geistlichen Johannes Prassek, Eduard Müller und Helmut Lange sowie des evangelischen Pfarrers Karl Friedrich Stellbrink hat der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen am 10. Mai 2004 den Prozess der Seligsprechung für die drei katholischen Kapläne eingeleitet. 

Dabei muss nachgewiesen werden, dass die drei Kapläne für ihren Glauben gestorben sind, nachdem sie in Predigten und Glaubensgesprächen die Verbrechen des Nationalsozialismus verurteilt, Flugblätter vervielfältigt und kritische Informationen ausgetauscht hatten. Im Frühsommer 1942 wurden sie verhaftet und in einem gemeinsamen Prozess vom Volksgerichtshof 1943 zum Tode verurteilt. Am 10. November 1943 starben sie gemeinsam im Hamburger Gefängnis Holstenglacis durch das Fallbeil. Die angestrebte feierliche Seligsprechung bedeutet: Die ganze Kirche bestätigt das Leben und den Tod der Seligen als vorbildliches Glaubenszeugnis. Sie bekräftigt ihren Glauben, daß diese Zeugen in die Herrlichkeit Gottes auferweckt sind. Sie erlaubt die Verehrung der Seligen durch das Gottesvolk als Vorbild und Fürsprecher. 

Bbr. Johannes Prassek gilt als Kopf der drei Lübecker Kapläne. Er wurde am 13.8.1911 in Hamburg-Barmbek geboren. Der Vater war Maurer und stammte aus Schlesien. Die Mutter, Konvertitin, kam aus Mecklenburg. Erste Kaplanstelle nach der Priesterweihe 1937 war Wittenburg, die zweite ab 1939 Lübeck. Der große und asketische Mann überzeugte durch seine Natürlichkeit, Offenheit und seine vertrauensvolle Hinwendung zu einzelnen Menschen. Zwei Wochen vor seiner Festnahme bekam er wegen seines mutigen Einsatzes während eines Bombenangriffs das „Luftschutz-Ehrenzeichen“.

Auch als Prediger vertrat er offen seine Meinung und scheute keine Kritik an der NS-Ideologie. Das sprach sich herum. Gemeindemitglieder und Freunde warnten den Kaplan vor der Gefahr, die die öffentliche Kritik mit sich brachte. Er selbst war nicht mit der Zurückhaltung einverstanden, die die katholischen Bischöfe gegenüber dem NS-Regime an den Tag legten. Umso mehr verehrte er mutige Einzelgänger wie den Münsteraner Kardinal von Galen, dessen Portrait auf seinem Schreibtisch stand. Im evangelischen Pastor Stellbrink fand der Kaplan einen Mitstreiter: Beide tauschten Flugblätter und Informationen, auch über „Feindsender“ aus. Eine weitere Provokation: Prassek widmete sich als Seelsorger den polnischen Zwangsarbeitern in Lübeck, er lernte dazu sogar polnisch. 

Ein Spitzel, der sich als sozial bedürftiger Glaubenssuchender ausgab, denunzierte den Geistlichen. Prassek hatte dem Mann vertraut und ihm seine kritischen Meinungen mitgeteilt. Der Verrat traf ihn schmerzlich. Am 18. Mai 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet. Während der einjährigen Untersuchungshaft streute die Gestapo Gerüchte über Prasseks Lebenswandel und Beziehungen zu Frauen. Der Gefangene erhielt gefälschte Nachrichten, wonach ihn der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning fallengelassen habe. Gegen den Rat seines Anwalts stritt der Geistliche in der Verhandlung keine seiner regimekritischen Äußerungen ab. Am 24. Juni 1943 wurde er zum Tode verurteilt. Sein Abschiedsbrief ist nicht erhalten. Er wurde möglicherweise vernichtet. Erhalten ist aber noch das Neue Testament des Kaplans mit Notizen und Anstrichen. Der Bischof von Osnabrück liest an jedem Todestag in der Eucharistiefeier das Evangelium aus diesem Buch. Auf der ersten Seite hat Johannes Prassek den Satz aufgeschrieben: „Wer sterben kann, wer will den zwingen?“ 

Aus: unitas 2004/2
 



Veröffentlicht am: 21:25:10 13.06.2005
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