ESSEN. Eine übergroße Trauergemeinde gab am Montag, 20.11. unserem Bundesbruder Professor Dr. Raymund Krisam das letzte Geleit. Er starb im Alter von 78 Jahren am 13. November nach langer schwerer Krankheit, die er ruhig und mit Geduld bis zum Ende ertragen hatte.


Bbr. Raymund Krisam, geboren am 12. September 1928, stammte von der Mosel und studierte u.a. an der Universität in Innsbruck, wo er sich am 1954 der UNITAS Greifenstein anschloss und zum 1. Januar 1957 philistriert wurde. Zum Dr. rer. pol. promoviert, gehörte Krisam zu den ersten Hochschullehrern, die 1972 einen Ruf an die neu gegründete Universität-Gesamthochschule Essen annahmen. Bis zu seiner Emeritierung im Oktober 1993 vertrat er dort das Fach Soziologie und Sozialpädagogik. In Forschung und Lehre bewegte er sich auf breitem Spektrum: Mitbestimmung, Handwerk, Jugendarbeit, behinderte Menschen und Krankenpflege waren Themen, mit denen er sich auseinander setzte. Die vielseitige Forschung war zugleich ein wertvoller Fundus für die soziologischen Lehrveranstaltungen in verschiedenen Studiengängen. Noch nach seiner beruflichen Laufbahn blieb er der universitären Forschung und Lehre eng verbunden: So leitete er gemeinsam mit seiner lieben Frau Dr. Ilse Krisam den von ihr an der Universität gegründeten Verein "Lebenslanges Lernen" („LLL“), der insbesondere ältere Studenten in den Universitätsbetrieb integrierte und mit anderen Vereinigungen im Bereich des Seniorenstudiums ein weites Netzwerk aufbaute.

 

Lehren und lernen: Ein echter Professor

„Professorales“ Auftreten lag Raymund Krisam (im Bild: Ein immer interessierter Zuhörer) völlig fern: Sein Fach sah er in engem Bezug zum Alltag der Menschen im Ruhrgebiet. Nachhaltig und streitbar plädierte er in seiner aktiven Zeit an der Universität für eine weite Öffnung der Wissenschaft für die Belange der Gesellschaft und die Schaffung einer für alle lebenswerten Ordnung. Der universitäre "Elfenbeinturm" war nicht seine Welt: Im Sinne eines gemeinsamen Lehren und Lernens ermutigte er Studenten zu praktischer Arbeit in Stadtvierteln und richtete seine Studiengänge auf konkrete Projekte inmitten der sozialen Wirklichkeit aus. Er galt als aufmerksamer Beobachter und Zuhörer mit großem Horizont, der Zusammenhänge zu verstehen suchte, bevor er urteilte, als leiser und nachdenklicher Mensch, der zugleich bestimmt nachfragte, als ein großartiger Gesprächspartner, dem an seinem Gegenüber viel lag. 


Mit einem sicheren Gefühl für Distanz und vornehmer Zurückhaltung war er gleichzeitig ein Mann der Tat, der die Gemeinschaften, denen er angehörte, in ganzer Person förderte und befruchtete. Viele Jahrzehnte war er in seiner Pfarrgemeinde Christus König in Essen-Haarzopf aktiv, über 50 Jahre lang gehörte Raymund Krisam, der Professor, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) an - ein Hinweis auf seinen ausgeprägten Sinn für die katholische Soziallehre und die Arbeit für weltweite Gerechtigkeit. Zugleich blieb er als echter Bundesbruder seiner akademischen, studentischen Heimat in der UNITAS ein Leben lang verbunden - ein Kennzeichen der Spannbreite seines Lebens: Über 100 Semester war er auch ihr ein treues Mitglied, immer da und ansprechbar. Er suchte den Austausch, unterstützte die Wiederbegründung einer Aktivitas an der Universität Essen von Beginn an und schloss sich konsequent den Gründern des eigenen UNITAS-Hausbauvereins im Ruhrgebiet als einer der ersten an. 

 

Ein treuer Freund und Unitarier


Seinen unitarischen Bundesbrüdern und den Angehörigen des Essener UNITAS-Zirkels war er alle Jahre ein verlässlicher Freund. Fast alle kamen zum Auferstehungsamt und zur Bestattung auf dem Friedhof an der Raadter Straße, um ihren lieben Verstorbenen mit einem Kranz in den unitarischen Farben auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Essener Zirkelvorsitzende Martin Gewiese und seine Frau legten mit Orgel und Violine viel Seele in ihre musikalische Mitgestaltung der Messe, die der Geistliche Verbandsbeirat, Kaplan Helmut Wiechmann aus Altena-Evingsen konzelebrierte. Die Aktivitas der UNITAS Ruhrania führte den Trauerzug mit umflorter Liudger-Fahne an und verneigte sich zuletzt vor dem großen Vorbild eines bescheidenen Wissenschaftlers und vor seinem Gott demütigen Mannes mit großen menschlichen Vorzügen, der die unitarischen Prinzipien mit seinem ganzen Leben bezeugt hat. 


Seine Todesanzeige trägt den Satz: „Ich bin nicht weit weg, ich bin nur auf der anderen Seite des Lebens.“
CB

 




Veröffentlicht am: 12:35:56 20.11.2006
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