von Christof Beckmann

RUHRGEBIET. „Drum, Ruhrania, bleib ich Dein!“ - seit langem mal wieder eine Farbenstrophe vor dem Geburtshaus unseres Verbandsgründers Hermann Ludger Potthoff! Im 50. Jubeljahr des Bistums Essen, im Jahr der Einweihung des UNITAS-Hauses in Borbeck, erscholl der wohlbekannte Cantus diesmal mitten im munteren Getümmel der Fußgängerzone in der Hufergasse in Essen-Werden. Anlass war das Vereinsfest zu Ehren des Hl. Bonifatius, zu dem am Morgen der Zelebrant die unitarische Familie in der Basilika des Hl. Ludgerus begrüßte. Mehr als 30 Bundesbrüder und Freunde der UNITAS versammelten sich bei dem von der „Schola Cantorum Werdinensis“ musikalisch gestalteten lateinischen Choralamt. Sie setzt am Ort des 799 durch den Hl. Liudger gegründeten berühmten benediktinischen Skriptoriums eine jahrhundertelanger klösterliche Tradition fort.

Bei der anschließenden Wissenschaftlichen Morgensitzung in den „Domstuben“ wurde deutlich, dass einschlägige Lexika-Artikel eindeutig umgeschrieben werden müssen: Kirchenmusikdirektor Stefan Klöckner, Professor an der Folkwang-Hochschule, erläuterte die Genese des als „gregorianisch“ bezeichneten Gesangs, der weder mit Papst Gregor I. (590-604) zu tun habe, noch Ausweis für seine Herkunft aus Rom sei. In seinem anschaulich illustrierten Vortrag betonte er die Rolle der karolingischen „Renovatio“. Zwischen 760 und 790 n. Chr. habe die im Reich des Frankenkönigs Karls des Großen verordnete kulturelle Harmonisierung zu einem starken Übergewicht altgallikanischer Liturgietraditionen geführt. Die später erfolgte Rückführung des zunächst ausschließlich mündlich tradierten „cantus romanus“ auf den vom Hl. Geist inspirierten Papst Gregor habe die fränkische Gesangspraxis erst legitimiert. Spannend beschrieb Klöckner zudem die Entwicklung der Noten aus Memozeichen, die als Neumen auch die schriftliche Fixierung mit sich brachten und somit eine korrekte Rekonstruktion bis heute erlauben. „Gregorianik ist geistliches Schwarzbrot und erfreut sich zunehmender Nachfrage“, unterstrich der Experte, berichtete von den Arbeiten am neuen Gemeindegesangbuch und vom Erfolg jüngster Bemühungen, Freunde des gregorianischen Gesangs auch grenzüberschreitend in der „Euregio“ zwischen dem Westen Deutschlands, den Niederlanden und Belgien zusammenzuführen.
 

Streitthema Familienpolitik
 

Zur Diskussion eines hochaktuellen Themas hatten sich am Mittwoch, 4. Juni, rund 40 Bundesbrüder und Gäste im Conventsaal des neu eingeweihten UNITAS-Hauses in Borbeck versammelt. Bei der gemeinsamen Wissenschaftlichen Sitzung mit dem UNITAS-Zirkel Essen referierte Bbr. Ministerialrat Klaus-Hermann Rössler (UNITAS Stolzenfels Bonn, UNITAS Freiburg, UNITAS Ostfalia Erfurt), Referatsleiter Familie im Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit des Freistaats Thüringen. Der Vorortspräsident von 1987/88 spannte den Bogen über den Familienbegriff zur Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, regionalen Unterschieden durch Arbeitsmigration, Aussiedlerzuzug und Deutsche Einheit. Faktenreich erläuterte er insbesondere die demographischen Umgestaltungen der vergangenen 100 Jahre. Deutlich stellte er die Familienpolitik als „Herzstück der Sozialpolitik“ und „Querschnittsaufgabe“ heraus. Familie sei die „Keimzelle der Gesellschaft“, entscheidender Ort der Erziehung und auch heute eindeutig kein „Auslaufmodell“, stellte der Ministerialrat klar. Dafür sei die UNITAS selbst schon immer ein klassisches Beispiel, unterstrich Klaus-Hermann Rössler in Anwesenheit von Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll, der eigens zu diesem Abend aus Kaarst angereist war. Herzlich wünschte Rössler der unitarischen Familie mit ihrem neu errichteten Zentrum im Ruhrgebiet Wachstum und Eintracht. 

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Von der Verbandshomepage www.unitas.org.




Veröffentlicht am: 13:07:39 16.06.2008
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