Mehr als 150 Jahre nach der Gründung des Verbandes hängt des Urahnen Potthoff großes Porträt im Gesellschaftszimmer der Borbecker Gaststätte „Feldschlösschen“. Und auch sonst haben sich die Ruhr-Aktiven ganz gut eingerichtet. Was erst gar nicht geplant war: Denn längst sollten schon Vorschlaghämmer durchs Haus dröhnen. Wäre da nicht „ganz unerwartet“ der XX. Weltjugendtag „ausgebrochen“....

Schon vor dem Sommersemester stand die Planung für intensive Tage im westlichsten Stadtbezirk von Essen. Statt im sanierungsbedürftigen Gemäuer abzureißen, bettelten die Aktiven überall erst einmal vor den „Tagen der Begegnung“ nicht nur Getränke und anderes Nützliches zusammen, sondern fuhren auch beim Baumarkt vor. Und kehrten zurück mit ordentlichem Teppichboden – weil der Ruhrpott sich in Sachen Gastfreundschaft nicht lumpen lässt, zahlten sie keinen Cent. Der Biergarten wurde „blatt- und staubfrei“ gemeldet, das ganze Haus auf Vordermann gebracht. Denn schließlich erwartete man Gäste: Nicht nur 12 Pilger aus Gleiwitz und Zabrze/Hindenburg in Oberschlesien, die im Obergeschoss ein perfektes Lager bezogen, sondern die gesamten Pfarrgemeinden St. Dionysius und St.Maria Immakulata mit allen 81 WJT-Gäste aus Polen, Nazareth und Ungarn. Zwei große Zelte im Biergarten, Schirme und Beleuchtung, ein großer Bierwagen, Musikanlage, ein Riesenbüffet und mehr sorgten beim offiziellen Begrüßungsabend am 11. August für tolle Stimmung. Tat man sich beim WJT-Song, dem ersten „Venimus adorare“ zur Gitarre noch schwer, so stimmten bald schon die gesamten Messdiener, Pfadfinder, Jung-Unionisten, Kolpingbrüder und Ehrengardisten samt Pfarrer und Vikar in den Gesang ein.

Keine Frage, dass auch in den nächsten Tagen bis zur Abschlussfète das Ruhranen-Haus der feste Treffpunkt für viele der Gäste und Gastgeber war. Immer standen die Bundesbrüder zur Verfügung, frisch gewandet in einheitlichen blauen Poloshirts und sofort an Schriftzug und Zirkel erkennbar. Viele gemeinsame Erlebnisse, die Messen, unzählige Gespräche und Begegnungen bis zum Abschied am 15. August haben unvergessliche Tage geprägt. Die eigenen Gäste trugen stolz das UNITAS-Zeichen auf eigens angefertigten T-Shirts (s. Bild) und ein paar Tränen wurden durchaus verdrückt, als es für sie auf nach Köln ging. Mit einer fünfköpfigen Abordnung folgten die Ruhranen an den Rhein, eine eigene Fahne im Gepäck. Auch sie hatten bei ihrer Heimkehr viel zu erzählen.


Für die UNITAS Ruhrania waren die Tage so etwas wie eine Initialzündung. Wer im Umkreis bislang glaubte, dass sich ein Verein mit eigener Gaststätte zumeist auch darin aufhält, gewann einen neuen Eindruck. Interessierte Fragen nach Sinn und Zweck einer unitarischen Gemeinschaft kamen nicht nur aus der Pfarrgemeinde, ihren Gruppen oder aus der Nachbarschaft, sondern auch etwa von Vertretern der Bezirksvertretung. Die geistlichen Begleiter der polnischen Gäste fragten nach, wenn es um „Unitaria“ ging – Adressen wurden ausgetauscht, ein lettischer Priester war überzeugt: „UNITAS ist auch etwas für uns.“ Und man bleibt im Gespräch: Ob zum Zapfen beim Pfarrfest angesprochen - selbstverständlich trat die Mannschaft in gut erkennbarer Montur auf – oder bis hin zum Besuch des Bundestagsabgeordneten Andreas Schmidt (CDU), der sich interessiert das Haus zeigen ließ. Auch das „Nachtreffen“ zu den Borbecker WJT-Tagen soll ganz offiziell wieder in der Flurstraße stattfinden.

Durch die in der Gemeinde geerdeten Beziehungen zieht die unitarische Idee im Ruhrpott weiter Kreise. Der schönste Erfolg: Zum 17. September konnten bei einer feierlichen Kneipe drei neue Bundesbrüder in die Ruhrania rezipiert werden. Studenten der Theologie, Geschichte, Ostasienkunde sowie ein Schüler mit perfektem Fuxensemester komplettieren nun die Gemeinschaft. Sie will unter Senior Sebastian Sasse zum Winter ein ambitioniertes Semesterprogramm vorlegen. Denn die von den UNITAS-Zirkeln im Umkreis unterstützten Unitarier bekommen gute Konkurrenz: Mit der KDStV Nordmark im CV wird sich jetzt ein weiterer Verein in Borbeck ansiedeln – gut fürs Profil. Und gute Nachbarschaft ist fest versprochen.

Bei der UNITAS im Revier wird sich zwar nun die Eröffnung des renovierten Gebäudes und der dann verpachteten Kneipe inklusive Biergarten verzögern. Das Ziel jedoch bleibt fest im Blick. „Platz zum Wohnen ist dann im Haus für neun Studenten“, schrieb NRZ-Mitarbeiter Michael Kreuzfelder vor einem halben Jahr, „bislang teilen sich nur drei von insgesamt sieben aktiven „Ruhraniern“ Haus und Kneipe. Ob´s noch mehr werden? Glaubt man dem Jubiläums-Motto, haben sie gute Karten. Das lautet: Ohne Herkunft keine Zukunft.“ Dort, wo die UNITAS herkommt, scheinen die Weichen für die Zukunft inzwischen gestellt.

ARTIKEL für die Verbandszeitschrift UNITAS

CB




Veröffentlicht am: 16:18:00 18.09.2005
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse