„UNITAS AufRuhr“ - das Studi-Magazin“ im Bürgerfunk
bei Radio Essen und bei der Ruhrwelle Bochum

von Christof Beckmann

Rotlicht - Band ab: „Also sprach Zarathustra“ vorweg - und auf den stampfenden Beat von „Porcupine Juice“ meldet sich Marc: „Was sind das eigentlich für Burschen? Kaum sind Semesterferien, schmeißen sie ihre Bücher in die Ecke und stürzen ins Studio, um heute wieder auf Sendung zu sein? Heute dazu mehr bei der UNITAS Ruhrania. Wer das ist? Wer sie sind? Gleich dazu mehr! Heute im Studio viele Gäste, am Mikrophon Marc Schmidt!“ 


Gestern noch in der Vorlesung - heute auf der Showbühne.... Ganz einfach: Das nordrhein-westfälische Rundfunkgesetz macht´s möglich: In Deutschlands größtem Bundesland dürfen auch Radioamateure ran. Im „Bürgerfunk“ auf den Frequenzen der 46 lokalen NRW-Hörfunksender sind interessante und kontroverse Themen aus der Nachbarschaft immer gefragt. Warum als Studentenverein nicht einmal selbst gegen die landläufig sattsam bekannten Klischees über „Verbindungen“ angehen?

RADIO - AKTIV

Seit 1992 sind die Radio-Aktiven der UNITAS Ruhrania Essen-Bochum-Dortmund „on air“. Gestartet haben sie ihre Radiopräsenz mit einer Live-Sendung bei der „Ruhrwelle Bochum“. Inzwischen sind dort und vor allem über „Radio Essen“ mehr als ein gutes Dutzend Ausgaben ihres „UNITAS AufRuhr-Magazins“ gelaufen, die nicht nur für die studierten Spätaufsteher gedachte Sendung hat sich schon lange zum festen Bestandteil des eigenen Semesterprogramms gemausert. 

Allerdings: Wenn sich die UNITAS-Funker an der Ruhr in die Fußgängerzone aufmachen, um mit dem Mikrophon in der Hand die üblichen Vorurteile zu „akademischem Traditionsklüngel“ zu sammeln, dann wollen sie nicht krampfhaft missionieren und mit unverständlichem Verbindungs-Chinesisch um sich werfen. Sie wollen einfach „nur“ unterhalten und fröhlich sagen, wer sie wirklich sind. 

Wenn das Band und der erste Titel läuft, wird die vorangegangene detaillierte Planung zur kompletten Abend-Show: Fünf Takes à ca. 3 Minuten sind vorbereitet und natürlich - jede Menge Musik. Die Gästerunde im Studio wird vorgestellt, die aus der Passantenbefragung zusammengeschnittenen üblichen Klischees werden abgehandelt. Kurz und knapp erläutert der Senior die Themen „Wissenschaftlich“ und „Lebensbund“. Provozierend wird gefragt, allgemeinverständlich geantwortet. In der Sprecherkabine erörtern sie das Verhältnis zu den „Alten Herren“, philosophieren zwischen „Ghostbusters“ und „Hanson“ über „Vitamin B“ im Verein, werfen einen Blick ins nächste Semesterprogramm und unterstreichen vor der neuen Nummer der Rolling Stones: „Wir sind Teil der Kirche. Das ist unser Fundament!“ 

Aber nicht nur Selbstdarstellung oder Locker-Flockiges stehen auf dem Programm: So ging es in den „Auf Ruhr-Magazinen“ auch etwa um die „Heidelberger Erklärung“ des Verbandes gegen Radikalismus, um die Resolutionen von Generalversammlungen oder die Situation von Flüchtlingen und Aussiedlern in der Ruhrmetropole, der in Gesprächen mit Caritas-Beratungsstellen nachgegangen wurde. Ein besonderes Projekt aus den letzten Jahren: Die Ruhrania machte sich mit Umfragen in der Mensa und Expertengesprächen stark für die Benennung der Uni/GHS Essen nach dem „Vater Europas“, Robert Schuman. „Schade, das nichts daraus wurde“, so der langjährige Senior, Helmut Wiechmann, „aber bis heute werden wir auf solche Aktionen immer wieder angesprochen.“

In ihrem Medienengagement, dem auch Bundesbrüder in Münster und Bonn inzwischen gefolgt sind, verbinden die Revier-Unitarier das Angenehme mit dem Nützlichen. Kosten fallen nicht an, denn Material, Aufnahmeeinheiten und Technikservice für das komplett selbst vorproduzierte und später ins normale Programm eingespielte Band wird von der örtlichen katholischen Radiowerkstatt gestellt. Dass die Produktion Zeit kostet, nehmen die „Ruhries“ in Kauf. Denn: „Es ist schon etwas Besonderes, wenn einem dämmert, gerade zu Zehntausenden von Menschen zu sprechen“, meint Benedikt Kisters und schmunzelt: „Dafür muss ein Pastor lange predigen.“ Selbst wenn auf die in der „Outro“ der Sendungen angegebene Adresse das Telefon nicht gleich Sturm läutet - der Imagezuwachs für den Verein ist kaum zu messen.

Gemeinsam einmal etwas ganz anderes zu machen - auf das Vereinsleben wirkt es sich positiv aus. Spontane Reaktionen, vor allem aus der Studentenschaft, erwarten die Radiomacher nicht. Sie haben - ohne Angst vor Versprechern - vor allem Spaß an der Sache. Marc Schmidt: „Das ist schon für sich eine Menge wert. Es ist ein attraktiver Punkt im Semesterprogramm und man kann eine Menge lernen.“ Umso mehr, wenn man überzeugt ist, etwas zu vertreten, das Sinn macht.

Mehr Infos: W.K.St.V. UNITAS RUHRANIA Bochum-Essen-Dortmund, c/o Marc Schmidt, Luppostraße 2, 45277Essen, Tel. 0201 - 58 61 64, Mailto: Marc-Schmidt-2@ruhr-uni-bochum.de




Veröffentlicht am: 10:40:32 28.11.1998
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