BERLIN, 13.Dezember 2008. Das laufende Volksbegehren von „Pro Reli“ zur Gleichstellung des Religionsunterrichts an Berliner Schulen hat viele Gegner, aber auch immer mehr Unterstützer. Längst ist die Auseinandersetzung in der „Welthauptstadt des modernen Atheismus“ – so ein Begriff des amerikanischen Religionssoziologen Peter L. Berger – mehr als ein lokales Ereignis. Es geht um Weltanschauung. Und eine Debatte, die endlich offen geführt werden muss.

 

Die SPD, Die Linken und Bündnis 90/Die Grünen sowie Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin positionierten sich klar contra Volksbegehren. Wie sie trat auch der Lesben- und  Schwulenverband Berlin-Brandenburg der im Mai gegründeten Gegen-Initiative „Pro Ethik“ unter Schirmherrschaft von Abgeordnetenhaus-Präsident Walter Momper (SPD) bei. Bei der Gründung warf die Fraktionsvorsitzende der Linken im Abgeordnetenhaus, Carola Bluhm, der Bürgerinitiative „Pro Reli“ vor, mit ihrem Volksbegehren die Stadt zu spalten. Der Verein riskiere „nicht nur ein neues Ost-West-Zerwürfnis, sondern einen Kulturkampf“. So albern das ist: Es fiel damit ein decouvrierendes Wort – mit Erinnerungen an unselige Zeiten. Denn danach sieht es tatsächlich auch aus.

 

Das Bündnis „Pro Ethik“ ist maßgeblich geführt und initiiert vom Landesverband Berlin der „Humanisten“ (HVD), der mit den Linken zusammenarbeitet. Der atheistische Freidenkerclub wirbt mit dem flotten und zugleich beliebigen Slogan „Für ein tolerantes, weltoffenes Berlin!“, glänzt selbstbewusst mit neuen Landesverbänden und stellt sich bekanntermaßen nicht nur gegen den Religionsunterricht, sondern reibt sich traditionell am bestehenden Verhältnis Staat-Kirche.

 

Währenddessen ist der Vorsitzende der Berliner Initiative, Bbr. Dr. Christoph Lehmann (UNITAS Berlin), 46-jähriger Anwalt, Notar und Vater von vier Kindern, mit dem Anlaufen der zweiten Etappe des Volksbegehrens zufrieden. Auch bundesweit wachse das Interesse jetzt deutlich: „Die Leute bekommen mit, dass wir Teil einer bundesweiten Debatte über das Verhältnis von Kirche und Staat, von Religion und Gesellschaft sind.“ Und weil jeder Euro willkommen ist, geht „Pro Reli“ auch ungewöhnliche Wege – für Spenden bundesweit – und schaltete Anzeigen in Kirchenzeitungen.

 

„Kulturkampf“ – hin oder her: Es geht in Berlin, wo von den 3,4 Millionen Einwohnern rund 60 Prozent konfessionslos sind – Tendenz steigend, um mehr als um die Frage des Religionsunterrichts. Längst ist das Projekt auch ein Gradmesser für die Mobilisierungsfähigkeit der Kirchen – nicht nur in der Hauptstadt, sondern tendenziell auch bundesweit geworden.

 

Hier zum ganzen Text in der Verbandszeitschrift „unitas“ 3 / 4 2008.

s. a. unsere Meldungen zum Thema:

01.10.2008 "Pro Reli": Papst spricht sich für Berliner Volksbegehren aus 

26.09.2008 Bischöfe unterstützen «Pro Reli» in Berlin

23.09.2008 Berlin: Nachrichten aus Skandalistan

19.09.2008 BERLIN: Volksbegehren zum Religionsunterricht

 




Veröffentlicht am: 17:11:38 15.12.2008
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