WERDET EUROPÄER ! ...

aus: unitas 4/2007


... dieser Aufforderung von Prof. Dr. Ludger Kühnhardt im RHEINISCHEN MERKUR (2/2007) ist nichts hinzuzufügen. Europa stecke mitten in einer Phase der Neugründung. Gesucht seien Menschen und Institutionen, die zum Ausdruck bringen, dass Europa „in seinem Kern eine Zivilisation, eine Wertegemeinschaft“ ist. Europa sei geschaffen, bilanzierte der Direktor des Zentrums für Europäische Integrationsforschung (ZEI) der Universität Bonn. Doch komme es jetzt darauf an, dass Europäer entstehen, die sich ihrer Wertegrundlagen vergewissern und in der Welt ihre Verantwortung übernehmen.

Das klingt uns allen in der UNITAS sehr vertraut: Nichts anderes hat uns Bundesbruder Robert Schuman ins Stammbuch geschrieben. Darum sind Ort, Thema und Referenten unserer 130. Generalversammlung hervorragend gewählt. Sie rufen uns während der andauernden Verfassungskrise in Erinnerung, dass der Wahlspruch unseres Verbandes nicht mehr und nicht weniger als geradezu ein „Europäisches Programm“ ist: „In neccessariis unitas“ fordert uns daher besonders heraus, deutlich zu machen, auf welches Fundament dieses gigantische Friedenswerk, unser „in unitate“ vereinigter Kontinent gegründet ist.

50 Jahre nach der Unterzeichnung der „Römischen Verträge“ auf dem Kapitol steht unser ganzes Land in herausragender Verantwortung. Eine Herausforderung auch an unsere inhaltliche Arbeit, insgesamt – und über den Tag hinaus. Optimistisch und visionär, kenntnisreich und praktisch, auf den Schultern der Gründer die Zukunft im Blick. Vom ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Europas soll man sagen können: Die UNITAS und alle ihre Mitglieder leisten ihren Beitrag!

Den Organisatoren der Trierer Generalversammlung unsere Glückwünsche für diesen Impuls! Kommt alle nach Trier, in die Mitte Europas!

Glückauf Europa!


 

130. Generalversammlung des UNITAS-Verbands

TRIER: EUROPA IM BLICK

Ältester katholischer Studenten- und Akademikerverband Deutschlands feiert vom 17. bis 20. Mai 2007 in Trier

Die Stadt Trier ist vom 17.-20. Mai 2007 Ort der 130. Generalversammlung des Verbands der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS (UV). Tagungshaus ist die Katholische Akademie Trier / Robert Schuman-Haus. Über 400 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet sind bislang für Plenarsitzungen, Gottesdienste und studentische Feiern gemeldet - ein Rekordergebnis. Fünf Mitglieder der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund werden ihren Verein in der Moselstadt vertreten und freuen sich auf ein Riesenfest. Besonders gespannt sind sie auf die Ergebnisse der Beratungen der von der Ruhr-UNITAS eingereichten Anträge, die auf eine deutliche Betonung der europäischen Idee im Verbandsleben zielen.

Europäische Perspektiven

Die 130. Generalversammlung steht unter dem Leitwort „Christentum – Fundament Europas?“ Diesem Thema sind nach dem Begrüßungsabend in der römischen Porta Nigra am Donnerstag und dem Empfang des Verbandsvorstands durch die Stadt Trier am Freitagmorgen vor allem der Festkommers und ein Festakt gewidmet: Der Bischof von Trier, Bundesbruder Dr. Reinhard Marx, selbst Mitglied des Verbandes, spricht am 18. Mai bei der festlichen studentischen Feier in der Aula der BBS für Wirtschaft, Irminenfreihof, zum Verhältnis von Christentum und europäischer Zivilisation. Am Sonntag, 20. Mai, ist Dr. Jacques Santer, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission und Premierminister von Luxemburg, Festredner in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars. Er stellt sich der Frage „50 Jahre Römische Verträge – Wie geht es weiter mit Europa?“

Der Charme der alten Römerstadt

Ein dichtes Beiprogramm soll die Gäste mit Geschichte und Charme der alten Römerstadt bekannt machen: Stadt- und Kirchenführungen, Schauspielführungen in Kaiserthermen und Amphitheater, eine Fahrt mit dem Moselschiff von Zurlauben nach Pfalzel sind ebenso geplant wie ein festlicher Ball mit „zauberhaftem“ Büfett und Überraschungen am Samstagabend in der Katholischen Akademie. Gemeinsam besuchen die Tagungsteilnehmer Gottesdienste am Samstag in St. Liebfrauen und ein von Bischof Dr. Marx gefeiertes Pontifikalamt am Sonntag in der Hohen Domkirche. Bundesbruder Marx hatte als damaliger Geistlicher Rektor der Kommende in Dortmund /Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn zu Anfang der 90er-Jahre tatkräftig an der Wiege der im Ruhrgebiet wiederbegründeten UNITAS Ruhrania mitgeschaukelt ...

 

Klares Bekenntnis zu den christlichen Fundamenten Europas

W.K.St.V. UNITAS Ruhrania nach der Generalversammlung rundum zufrieden


TRIER / ESSEN. Eine phänomenale Stimmung, eine traumhafte Stadt und extrem wenig Schlaf – das ist nur ein Teil der Bilanz, die die Ruhranen nach der Teilnahme an der 130. Generalversammlung des UNITAS-Verbandes in Trier ziehen können. Die angereisten Bundesbrüder Sebastian Sasse, Rüdiger Duckheim, Peter Helmus, Daniel Muschellik, Michael Heliosch, Jens Hagenkötter, Gordian Geilenkirchen und Ehrensenior Christof Beckmann hatten wie viele Teilnehmer zuletzt eigentlich nur noch die Sorge, dass diese GV irgendwann mal zu Ende sein könnte ...

Zum anderen Teil des Fazit gehörte während dieser vier ereignisreichen Tage für die Ruhr-UNITAS nicht zuletzt aber vor allem die gespannte Erwartung, wie die gemeinsam mit den Thüringer Bundesbrüdern von UNITAS Ostfalia in Erfurt vorbereiteten Anträge zum Generalversammlungsthema im Plenum aller Delegierten der UNITAS-Vereine bundesweit aufgegriffen werden würden. Sie zielten auf eine nachhaltige Verstärkung des europapolitischen Engagements des Verbandes, auf ein Bewusstwerden der großen Tradition, in der die UNITAS mit ihrem prominenten Mitglied Robert Schuman steht, und auf die Verabschiedung einer Resolution, die als Signal für die Ausrichtung der zukünftigen Verbandsarbeit wirken sollte.

Zufriedene Bilanz: Diskussionen haben sich gelohnt

Dazu zog jetzt Senior Sebastian Sasse nach der GV eine rundum zufriedene Quintessenz: Nicht alle Formulierungen stießen auf Zustimmung, doch blieb zum Schluss exakt das Ergebnis, das sich die UNITAS Ruhrania und die Antragsteller erhofft hatten. Unterm Strich wurde die Trierer GV zu einem Befreiungsschlag aus mancherlei internen Diskussionen: Das Thema Europa und seine christlichen Fundamente sind in der Verbandswirklichkeit angekommen. (s. Pressebericht unten) Die Ruhranen, die sich als kleiner Verein viel Arbeit mit diesem großen Thema gemacht hatten, konnten dafür zudem durchaus auch motivierende Zeichen des Respekts und der Anerkennung verbuchen – worüber sie sich sehr gefreut haben.

Wie bei jeder Generalversammlung standen inhaltliche Arbeit, Plenarsitzungen, gemeinsame Gottesdienste neben fröhlicher Geselligkeit. Beflügelt vom „genius loci“ der alten Römerstadt, der Residenz des Kaisers Konstantin, genossen die Ruhr-Unitarier wie alle von überall her angereisten Gäste der GV bereits am Donnerstag den Begrüßungsabend in der Atmosphäre der Porta Nigra. Erstmals wurde das geschichtsträchtige Gemäuer für einen Event dieser Art geöffnet. Schon hier bereits mischte sich der Ortsbischof, Bundesbruder Reinhard Marx – sichtlich erfreut über den Besuch seiner Bundesbrüder und –schwestern - unters feierfreudige Volk. Das machte anschließend gleich im alten Winzerhaus der Trierer UNITAS kräftig weiter. Den musikalischen Auftakt machte dort ausgerechnet das stimmgewaltig von den Ruhranen vorgetragene Glückauf, in das alle begeistert einstimmten. Mit seinem Laptop hatte Gordian die Musikanlage voll im Griff - Erinnerung an die Parties im Borbecker „Feldschlösschen“ lagen nicht weit. Höhepunkt des Abends aber war zweifellos: Die „Biertaufe“ von „Fux“ Bbr. Michael Heliosch, vor aller Augen und in andächtiger Stimmung vorgenommen vom Geistlichen Verbandsbeirat Helmut Wiechmann, standesgemäß mit „Taufbecken“, „Taufkleid“ und „Taufkerze“. Zwei Maurerflaschen Bitburger ergossen sich aufs Haupt und in die Kehle, das donnernde „Cerevisiam“ erklang – damit ist aktenkundig: „Yoshi“, zukünftiger Leibfux von Bbr. Pater Benedikt Kisters, hat endlich einen Namen.

Der „Trierer Doppelschlag“

Den anstrengenden und spannenden Sitzungen im Tagesverlauf folgte am Freitagabend der Festkommers, der der UNITAS von der Ruhr einen prominenten Sitzplatz im Zentrum des Geschehens bescherte. Die ausgelassene Stimmung – vielleicht etwas zu ausgelassen, wie die Ruhranen fanden – war offensichtlich nicht nur der Örtlichkeit und dem Ambiente des großen Saals geschuldet: Denn am Nachmittag endete die zunächst erfolglose, zähe und „schreckliche“ Suche nach dem Vorort für das kommende Jahr mit einem großartigen und bejubelten „Eklat“: Mit UNITAS Palatia Darmstadt und der UNITAS in Köln fanden sich gleich zwei Vereine, die für 2007/08 und 2008/09 Verantwortung in der Präsidentschaft des Gesamtverbandes übernehmen werden.

Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann feierte am Samstagmorgen mit Pater Benedikt und weiteren Konzelebranten die große Verbandsmesse in der Liebfrauenkirche, Rüdiger Duckheim und die Bundesbrüder von UNITAS Rheinfranken in Düsseldorf übernahmen Ministrantendienste und die Fürbitten. Auch hier war der Bezug zur Ruhr unverkennbar – spätestens, als der Prediger nach einer eindrucksvollen und eindringlichen Ansprache mit den Worten schloss: „Glückauf – in Gottes Namen. Amen“. Das nahmen die Ruhranen wohl ziemlich wörtlich: Denn zum Festball in der Katholischen Akademie mischten sich bundesligareife Ballsportler wie begnadete Nichttänzer von der A 40 mitten ins prachtvolle Getümmel.

Mit Ludgerus-Fahne angetreten

Zum Pontifikalamt mit Bbr. Bischof Marx am Sonntag trat die Ruhrania mit der Essener Ludgerus-Fahne an und begleitete den Bischof im Spalier zur Promotionsaula. Die Predigt im Hochamt und die Rede des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Festakt ließen noch einmal spüren: Das gut gewählte Tagungsthema wurde nach den auch von der Ruhr inspirierten Diskussionen zuletzt eine ziemlich runde Sache. Damit auch die ganze GV – was bereits jetzt auch auf Köln hoffen lässt: Mit einem herzlichen „Viva Colonia“ luden die Bundesschwestern und Bundesbrüder der UNITAS „Theophanu“ und der UNITAS „Landshut“ bereits jetzt zur Teilnahme bei der 131. GV im Jahr 2008 am Rhein ein.

POSTSKRIPTUM: Ach ja – die Frage, ob sich ein relativ kleiner Ortsverein auch verbandliches Engagement leisten kann, ist ebenfalls geklärt: Bundesbruder Sebastian Sasse, Senior im laufenden Sommersemester bei der Ruhrania, wird im neu konstituierten Gesellschaftspolitischen Beirat des Verbandes mitarbeiten. Zur Mitarbeit in noch größeren Aufgaben konnte jedenfalls Bbr. „Yoshi“ Heliosch mit einiger Gewalt vorerst noch einmal abgehalten werden ...

 

Pressemitteilung Montag, 21. Mai 2007


Christliches Bekenntnis zu Europa
Votum der 130. Generalversammlung des UNITAS-Verbands in Trier

TRIER. Mit einem klaren Bekenntnis zu den christlichen Fundamenten Europas endete am Sonntag, 20. Mai, die 130. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS in Trier. In einem Appell an die derzeitige EU-Ratspräsidentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, unterstrichen die Delegierten ihre Forderung, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung aufzunehmen. Zugleich verpflichteten sich die Ortsverbände nach ihren viertägigen Beratungen, die Vertiefung und Sicherung des christlichen Wertefundaments Europas zum Querschnittsthema der gesamten Verbandsarbeit zu machen. Als Vorbild gilt dem ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Deutschlands darin das Lebenswerk und Erbe des UNITAS-Mitglieds Robert Schuman.

Mit überwältigender Mehrheit fordert der UNITAS-Verband die Aufnahme folgender Formulierung in die Präambel der Europäischen Verfassung: "Im Wissen um unsere Verantwortung vor Gott, unserem Gewissen und den Menschen". Nur so werde deutlich, „dass die universalen Werte, die das Kulturprinzip Europa ausmachen, sowohl den Wertvorstellungen derjenigen, die diese aus ihrem Glauben an Gott, wie derjenigen, die diese Grundsätze aus anderen Quellen ableiten, entsprechen“, so die Resolution des höchsten Verbandsorgans. Zugleich solle die Frage nach der Zukunft Europas in Zukunft in allen Bereichen des Verbandes, allen Ortsvereinen und Gremien, aufgegriffen werden. „Wir haben uns verpflichtet, die Arbeit für Europa zum durchgehenden Prinzip unserer gesamten Arbeit zu machen“, erklärte dazu der Altherrenbundsvorsitzende Heinrich Sudmann. Wir werden von dieser Generalversammlung den Auftrag nach Hause nehmen, den Europäischen Gedanken wieder populär werden zu lassen“, so die Vorsitzende des Hohe-Damen-Bundes, Dr. Claudia Bellen-Kortevoß.

Mit seiner Entscheidung folgte der Verband zugleich der Aufforderung von Papst Benedikt XVI., der den Mitgliedern zur 130. Generalversammlung seinen Apostolischen Segen erteilte. Eine nur auf ökonomischen Prinzipien gründende Union vermöge kein bleibendes, tragfähiges Fundament für das „gemeinsame Haus“ Europa zu sein, heißt es in dem Grußwort aus dem Vatikan an die Versammlung. Sozialer und geistig-kultureller Zusammenhalt seien als konstitutiver und identitätsstiftender Teil vonnöten. Damit das Christentum auch heute und morgen seiner formenden Rolle gegenüber Europa gerecht werden könne, brauche es aktive Christen, die für die lebensspendende Wahrheit des Evangeliums und für die unveräußerlichen Werte des Menschen einstehen, so das Schreiben: „In diesem Sinne an der Zukunft Europas und der ganzen Welt gestaltend mit­zuarbeiten, ist ein Auftrag auch und gerade an die Unitarier. So werden sie selbst als Christen zum Fundament Europas.“

Nein zu einem weltanschaulich indifferenten Land

Als prominente Redner sprachen bei den Festveranstaltungen der Generalversammlung der Trierer Ortsbischof Dr. Reinhard Marx und der ehemalige Luxemburgische Ministerpräsident und Präsident der EU-Kommission Dr. Jacques Santer. „Europa ist nicht zu verstehen ohne das Christentum", erklärte Bischof Marx – selbst Mitglied der UNITAS – beim Festkommers am Freitag vor rund 400 katholischen Akademikern. Der christliche Glaube sei mehr als eine historische Dimension. Das Christentum sei vielmehr eine „positive Vision auch für das 21. Jahrhundert". „Wir haben etwas Kostbares zu sagen", unterstrich Marx die Wichtigkeit der Botschaft Jesu, der „sich wirklich ganz in den Dreck der Welt gelegt hat". Daraus ergebe sich auch ein ganz besonderes Menschenbild. Darum sei es die Aufgabe der Christen, in Europa und der Welt dafür zu sorgen, dass „die Würde des Menschen nicht zur Disposition steht". Darum sei es die Aufgabe der Christen, in Europa und der Welt dafür zu sorgen, dass „die Würde des Menschen nicht zur Disposition steht". Marx warnte vor einer „neoantiken Welle" und einem „primitiven Kapitalismus", der dazu führe, dass „Arme, Kranke und Schwache" mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden. „Die Werte des Christentums sind die, die sich auf den Menschen beziehen", erteilte Marx neoliberalen Tendenzen eine Absage. Europa müsse mehr sein, als nur Ökonomie, es müsse eine „geistige Vorstellung von Europa" geben. Marx erinnerte daran, dass Europa „im Tiefsten ein geistiges Projekt" sei. „Wenn wir nur das Materielle in den Mittelpunkt stellen, ist Europa nur eine im Nirgendwo verlaufende Spätkultur, die den Weg des Niedergangs beschreitet", sagte Bischof Marx. Einer „Religion als Privatangelegenheit" erteilte der Bischof eine Absage. „Wir wollen niemand unseren Glauben aufzwingen", sagte Marx, „aber wir sagen ‚Nein’ zu einem weltanschaulich indifferenten Land".

Die Christen in Europa rief der Trierer Bischof dazu auf, sich im europäischen Einigungsprozess zu engagieren. „Europa ist das größte Friedensprojekt, das je in der Geschichte stattgefunden hat", betonte Marx. Daran gelte es mitzubauen und die christliche Botschaft einzubringen. „Christen haben eine Aufgabe in Europa", betonte der Bischof. Fehle die christliche Dimension in Europa, drohe eine unmenschliche Gesellschaft. „Der Mensch ist nicht Schöpfer, sondern Geschöpf", erinnerte Marx. Der Mensch könne nur da Mensch bleiben, wo er sein Maß nicht überschreite, sagte der Bischof. Es sei Aufgabe der Christen, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Das Christentum sei immer wieder unbequem und „Stachel im Fleisch der europäischen Geschichte" gewesen.

Das Gründungswerk von Robert Schuman weiterführen

Dr. Jacques Santer zog beim abschließenden Festakt am Sonntag eine „ernüchternde Bilanz zum Stand des Europäischen Einigungsprozesses“. Europa, ein großes Friedenswerk, sei zum Opfers eines eigenen Erfolges geworden. „Europa hat seinen Sex-Appeal verloren. Aber kann man sich in einen Binnenmarkt verlieben?“ Inzwischen habe der Verfassungsvertrag mehr Schimpf und Schande über Europa gebracht, als jedes Integrationsprojekt zuvor. „Die aktuelle Krise der EU ist somit auch eine Legitimationskrise“, erklärte Santer. „Hier geht es nicht um die demokratische Legitimation, darum dass Europapolitik angeblich nicht hinreichend demokratisch legitimiert ist, es geht vielmehr um die grundsätzliche Legitimation europäischer Integrationspolitik.“ Der Ruf nach neuen Leitbildern zur Europapolitik sei nicht neu, doch das hieße, die Leitbilder der Gründervater in die Mottenkiste der Geschichte zu verbannen. „Doch ist die europäische Integrationspolitik heute keine Friedenspolitik mit anderen Mitteln mehr?“ fragte der ehemalige EU-Kommissionspräsident. „Die Motivationen der christlich motivierten Gründungsväter sind alle keineswegs obsolet geworden. Richtig ist, dass sie nicht mehr so recht greifen wollen, dass sie tatsächlich ihre ursprüngliche Schubkraft eingebüßt haben. Doch ich glaube vielmehr, dass man sie reaktivieren und an die neuen Gegebenheiten des neuen Jahrhunderts anpassen muss“, so Santer.

Die Reaktivierung der alten Leitbilder und die Suche nach neuen mache aber nur dann wirklich Sinn, wenn beide Vorhaben durch eine grundsätzliche Debatte über die Interessen Europas und der Europäischen Union flankiert würden. Leitbilder aber müssten von den EU-Bürgern akzeptiert werden. „Ich glaube, wir haben in Europa ein mentales Problem, an dem Europa nicht ganz unschuldig ist. Uns Europäern ist das Arbeitsethos abhanden gekommen. Heute gilt fast europaweit: Wenn Arbeit adelt, dann bleibe ich lieber bürgerlich.“ Diese Attitüde könne in den kommenden Jahren zu einem der größten Probleme der Europäischen Union werden. Zudem sei europäische Integrationspolitik auch heute immer noch eine Frage von Krieg oder Frieden, denn angesichts neuer Bedingungen fehle es an Bedrohungen nicht. Diese Einsicht müsse intensiviert werden. Das gelte auch für eine von ihm konstatierte „Fragilität des sozialen Friedens in Europa“. Die „bürgerkriegsähnlichen Zustände in Frankreich“, so Santer, könnten nur Vorboten drohender sozialer Konflikte gewesen sein, mit denen die Europäische Union in den nächsten Jahren verstärkt konfrontiert werde. Europa müsse darum sozialer werden. Dabei komme einer klugen Wirtschaftspolitik in „einer der politisch attraktivsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen der Welt“ eine Schlüsselrolle zu.

Der aus vielen Gründen kritisierte Entwurf des Verfassungsvertrags sei bürgernah und weitaus besser als sein Ruf. „Gelingt es nicht, die Bürger für die europäische Sache zu gewinnen, droht der EU die Erosion von innen“, mahnte Jacques Santer. „Scheitern wir, so bringen wir unsere Demokratie in Gefahr und vererben unseren Kindern und Enkelkindern eine dekadente Gesellschaft.“ Die Einigung Europas sei Mittel und kein Selbstzweck: „Wir brauchen Europa als Baustein für eine freie Welt. Heute hat unsere Generation die einmalige Chance, das Gründungswerk eines Robert Schuman weiter zu führen und zum ersten Mal unseren Kontinent in Frieden und Freiheit zu vereinen. Wir sollten wieder stolz auf das Erreichte sein und somit den Weg für die kommenden Generationen vorzeichnen.“

CB


Text in: www.presse-anzeiger.de.

Für mehr Informationen:
Die Verbandshomepage im Internet unter www.unitas.org.
Die Homepage zur Generalversammlung: www.gv2007.de.


Gruß- und Segenswünsche des Heiligen Vaters

Großen Applaus gab es beim Festakt am Sonntag nach der Verlesung der folgenden Gruß- und Segenswünsche von Papst Benedikt XVI., die Bischof Bbr. Dr. Reinhard Marx von Trier der Festversammlung verlas:

S T A A T S S E K R E T A R I A T
_____________

Erste Sektion
Allgemeine Angelegenheiten

Seine Heiligkeit

Papst Benedikt XVI.

sendet den Mitgliedern des

UNITAS-VERBANDES

anlässlich der 130. Generalversammlung

herzliche Glück- und Segenswünsche.

Der Heilige Vater hat davon Kenntnis erhalten, dass der Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas vom 17. bis 20. Mai 2007 in der altehrwürdigen Bischofsstadt Trier die 130. Generalversammlung abhält. Gerne verbindet sich Papst Benedikt XVI. mit allen Mitgliedern der UNITAS, die in diesen Tagen ihre Gemeinschaft in Treue zu den Prinzipien virtus, scientia und amicitia sichtbar aufleben lassen.

Im Jahr des fünfzigjährigen Jubiläums der Römischen Verträge geht der Unitas-Verband der Frage eines christlichen Fundaments Europas nach. Dieses Thema richtet das Augenmerk gerade auch auf die Zukunft unseres Kontinents. Eine nur auf ökonomischen Prinzipien gründende Union vermag kein bleibendes, tragfähiges Fundament für das „gemeinsame Haus“ Europa zu sein; sozialer und geistig-kultureller Zusammenhalt sind als konstitutiver und identitätsstiftender Teil vonnöten. „Es handelt sich in der Tat zunächst um eine geschichtliche, kulturelle und moralische ldentität und erst an zweiter Stelle um eine geographische, wirtschaftliche und politische; um eine Identität, die aus einem Gesamt von universalen Werten besteht, zu deren Formung das Christentum beigetragen hat; somit hat es nicht nur eine historische, sondern eine gründende Rolle gegenüber Europa übernommen. Diese Werte, die die Seele des Kontinents bilden, müssen im Europa des dritten Jahrtausends als `Sauerteig´ der Zivilisation bestehen bleiben“ (Papst Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer eines Kongresses der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften, 24. März 2007). Damit das Christentum auch heute und morgen dieser seiner formenden Rolle gegenüber Europa gerecht werden kann, braucht es aktive Christen, die für die lebensspendende Wahrheit des Evangeliums und für die unveräußerlichen Werte des Menschen einstehen. In diesem Sinne an der Zukunft Europas und der ganzen Welt gestaltend mit­zuarbeiten, ist ein Auftrag auch und gerade an die Unitarier. So werden sie selbst als Christen zum Fundament Europas.

Mit diesem Wunsch erteilt Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. den Aktiven und Alten Herren sowie allen Gästen des Unitas-Verbandes, die zur 130. Generalversammlung nach Trier gekommen sind, von Herzen den Apostolischen Segen.

Mit besten persönlichen Wünschen

Prälat Gabriel GACCIA
Assessor des Staatsekretariates

Aus dem Vatikan, im Mai 2007


Die christlichen Werte vertiefen und sichern

130. Generalversammlung des Unitas-Verbandes in Trier –
Bischof Marx: „Nein zu einem weltanschaulich indifferenten Land“

aus: DT vom 24.05.2007

Von Christian Poplutz

Ein klares Bekenntnis zu den christlichen Fundamenten Europas legte die 130. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas in Trier ab, wo vor fünfzig Jahren der örtliche Verein Unitas-Trebeta gegründet worden war. In einer Resolution an die derzeitige EU-Ratspräsidentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, unterstrichen die Delegierten ihre Forderung, den Gottesbezug und die Verantwortung vor dem Gewissen in die Europäische Verfassung aufzunehmen. Zugleich verpflichtete sich der an etwa drei Dutzend Studienorten vertretene Unitas-Verband, die Vertiefung und Sicherung des christlichen Wertefundaments Europas zum Querschnittsthema der gesamten Verbandsarbeit zu machen und sie zu einem durchgängigen Prinzip in ihrer Arbeit werden zu lassen, nach dem Vorbild Robert Schumans.

Der frühere französische Außenminister und geistige Vater der Europäischen Union war 1904 als Student der Unitas beigetreten und hatte sich in ihr bis zu seinem Tod 1963 engagiert. Die Unitas als ältester katholischer Studenten- und Akademikerverband in Deutschland wurde 1855 von Theologiestudenten in Bonn gegründet. Ihr gehören derzeit etwa 6 000 Studenten und Akademiker an, die sich einer christlichen Lebensführung, sozialem Engagement, der fächerübergreifenden Erweiterung des Wissens und der Freundschaft verschrieben haben.

Papst fordert aktives Christsein

Papst Benedikt XVI. ermutigte die Mitglieder des Unitas-Verbandes in einer Botschaft anlässlich der 130. Generalversammlung im Jahr des fünfzigjährigen Jubiläums der Römischen Verträge zur gestaltenden Mitarbeit an der Zukunft Europas und der ganzen Welt gemäß den unitarischen Prinzipien virtus, scientia und amicitia, um so als Christen selbst zum Fundament Europas zu werden. Die Frage eines christlichen Fundaments Europas sei zukunftsentscheidend: „Eine nur auf ökonomischen Prinzipien gründende Union vermag kein bleibendes, tragfähiges Fundament für das „gemeinsame Haus“ Europa zu sein; sozialer und geistig-kultureller Zusammenhalt sind als konstitutiver und identitätsstiftender Teil vonnöten.“

Es handele sich zunächst um eine geschichtliche, kulturelle und moralische Identität und erst an zweiter Stelle um eine geographische, wirtschaftliche und politische; um eine Identität, die aus einem Gesamt von universalen Werten bestehe, zu deren Formung das Christentum beigetragen und somit nicht nur eine historische, sondern eine gründende Rolle gegenüber Europa übernommen habe. „Diese Werte, die die Seele des Kontinents bilden, müssen im Europa des dritten Jahrtausends als ,Sauerteig‘ der Zivilisation bestehen bleiben“, forderte der Papst. Damit das Christentum auch heute und morgen dieser seiner formenden Rolle gegenüber Europa gerecht werden könne, brauche es aktive Christen, die für die lebensspendende Wahrheit des Evangeliums und für die unveräußerlichen Werte des Menschen einstehen, so Benedikt XVI.

Prominente Redner bei den Festveranstaltungen der Generalversammlung waren der Trierer Bischof Reinhard Marx und der ehemalige luxemburgische Premierminister und Präsident der EU-Kommission Jacques Santer. „Europa ist nicht zu verstehen ohne das Christentum“, erklärte Bischof Marx – selbst seit seiner Studienzeit Mitglied der Unitas – beim Festkommers vor rund 400 Studenten und Akademikern. Der christliche Glaube stehe nicht gegen die Vernunft, sagte der Bischof: „Das Christentum ist die wichtigste Aufklärung, die dieser Kontinent je erlebt hat.“ Über die historische Dimension hinaus berge der Glaube eine positive Zukunftsvision: „Wir haben etwas Kostbares zu sagen“, unterstrich Bischof Marx die Wichtigkeit der Botschaft Jesu, der „sich wirklich ganz in den Dreck der Welt gelegt hat“. Daraus ergebe sich auch ein ganz besonderes Menschenbild. Es sei Aufgabe der Christen, in Europa und der Welt dafür zu sorgen, dass „die Würde des Menschen nicht zur Disposition steht“.

Europa als großes Friedenswerk

Der Trierer Bischof warnte vor einer „neoantiken Welle“ und einem „primitiven Kapitalismus“, der dazu führe, dass „Arme, Kranke und Schwache“ mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden. „Wenn wir nur das Materielle in den Mittelpunkt stellen, ist Europa nur eine im Nirgendwo verlaufende Spätkultur, die den Weg des Niedergangs beschreitet“, sagte Bischof Marx. Einer „Religion als Privatangelegenheit“ erteilte er eine Absage: „Wir wollen niemandem unseren Glauben aufzwingen, aber wir sagen Nein zu einem weltanschaulich indifferenten Land“. Jacques Santer zog beim abschließenden Festakt eine ernüchternde Bilanz zum Stand des Europäischen Einigungsprozesses.

Europa sei zum Opfer seines eigenen Erfolges geworden, das europäische Projekt befinde sich in einer grundsätzlichen Legitimationskrise. Die europäische Integrationspolitik sei auch heute noch ein großes Friedenswerk. „Die Motive der christlich motivierten Gründungsväter sind keineswegs obsolet. Wir müssen sie reaktivieren und an die neuen Gegebenheiten des neuen Jahrhunderts angleichen“, erklärte Santer. Europäische Integrationspolitik sei immer noch eine Frage von Krieg oder Frieden, denn an Bedrohungen fehle es nicht, erinnerte Santer an ein seinerzeit vielbelächeltes Wort des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl.

Dies gelte auch für drohende soziale Konflikte, denen sich die Europäische Union in Zukunft noch stärker stellen müsse. Dabei komme einer klugen Wirtschaftspolitik in „einer der attraktivsten Regionen der Welt“ eine Schlüsselrolle zu. Gelinge es nicht, die politische Mentalität der Bürger zu ändern, „droht der EU die Erosion von innen“, mahnte Santer und betonte: „Wir brauchen Europa als Baustein für eine freie Welt.“

Quelle: http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=32117
 


Pressemeldung des Bistums Trier vom 21. Mai 2007
Christentum ist das Fundament Europas

Generalversammlung des katholischen Studentenvereins Unitas in Trier
Bischof Dr. Marx sprach bei der Generalversammlung des katholischen Studentenvereins Unitas in Trier.

Trier – Auf die große Bedeutung des Christentums für Europa hat der Trierer Bischof Dr. Reinhard Marx während der 130. Generalversammlung des katholischen Studentenvereins Unitas vom 17. bis 20. Mai in Trier hingewiesen. In einer Rede zum Festkommers des Studentenvereins am Freitagabend betonte Marx – selbst Mitglied der Unitas – vor rund 400 katholischen Akademikern die Wichtigkeit des christlichen Glaubens und der europäischen Einigung für das „geistige Projekt" Europa: „Europa ist nicht zu verstehen ohne das Christentum", sagte der Bischof. Marx betonte weiter, dass der christliche Glaube mehr sei, als eine historische Dimension. Das Christentum sei vielmehr eine „positive Vision auch für das 21. Jahrhundert".

„Wir haben etwas Kostbares zu sagen", unterstrich Marx die Wichtigkeit der Botschaft Jesu, der „sich wirklich ganz in den Dreck der Welt gelegt hat". Daraus ergebe sich auch ein ganz besonderes Menschenbild. Darum sei es die Aufgabe der Christen, in Europa und der Welt dafür zu sorgen, dass „die Würde des Menschen nicht zur Disposition steht". Marx warnte vor einer „neoantiken Welle" und einem „primitiven Kapitalismus", der dazu führe, dass „Arme, Kranke und Schwache" mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden. „Die Werte des Christentums sind die, die sich auf den Menschen beziehen", erteilte Marx neoliberalen Tendenzen eine Absage. Europa müsse mehr sein, als nur Ökonomie, es müsse eine „geistige Vorstellung von Europa" geben. Marx erinnerte daran, dass Europa „im Tiefsten ein geistiges Projekt" sei. „Wenn wir nur das Materielle in den Mittelpunkt stellen, ist Europa nur eine im Nirgendwo verlaufende Spätkultur, die den Weg des Niedergangs beschreitet", sagte Bischof Marx. Einer „Religion als Privatangelegenheit" erteilte der Bischof eine Absage. „Wir wollen niemand unseren Glauben aufzwingen", sagte Marx, „aber wir sagen ‚Nein’ zu einem weltanschaulich indifferenten Land".

Die Christen in Europa rief der Trierer Bischof dazu auf, sich im europäischen Einigungsprozess zu engagieren. „Europa ist das größte Friedensprojekt, das je in der Geschichte stattgefunden hat", betonte Marx. Daran gelte es mitzubauen und die christliche Botschaft einzubringen. „Christen haben eine Aufgabe in Europa", betonte der Bischof. Fehle die christliche Dimension in Europa, drohe eine unmenschliche Gesellschaft. „Der Mensch ist nicht Schöpfer, sondern Geschöpf", erinnerte Marx. Der Mensch könne nur da Mensch bleiben, wo er sein Maß nicht überschreite, sagte der Bischof. Es sei Aufgabe der Christen, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Das Christentum sei immer wieder unbequem und „Stachel im Fleisch der europäischen Geschichte" gewesen.

Die Unitas als ältester katholischer Studenten- und Akademikerverband wurde 1855 von Studenten in Bonn gegründet, derzeit gibt es 46 Unitas-Vereine an deutschen Hochschulen. Prinzipien des Verbandes sind christliche Lebensführung, soziales Engagement, Erweiterung des Wissens und Freundschaft. Die Generalversammlung ist höchstes Gremium des Verbandes. Neben der 130. Generalversammlung feierte der Trierer Unitas-Verein auch seinen 50. Geburtstag. Am 6. Juni 1957 schlossen sich katholische Akademiker in Trier der Unitas an.