Latex-Debatte: Der Papst, die Kondome und die Angst vor Aids


ESSEN, 4. April 2009.
Am 17. März tauchte das Thema auf und löste eine Flut von Beiträgen aus: Nicht nur auf der diskussionsfreudigen „UNITAS-Mailingliste“, sondern vor allem in der öffentlichen Debatte ging es hin und her. Zuletzt zerrissen sich die Kritiker und Befürworter - etwa in Kommentaren zu einem Artikel der WAZ - zu Äußerungen von Bbr. Kardinal Joachim Meisner zum Thema.

 

Der Auslöser: Ein Interview mit Papst Benedikt im Flieger nach Afrika, in dem er sich auf Fragen zur Rolle von Aids und Kondomen bei der Eindämmung der Pandemie äußerte. Er hatte den Boden den Kontinents noch nicht ereicht, wo sich schon die Besuchsländer Kamerun und Angola über seinen Besuch in Laune tanzten, da wurde die Meldung schon von hiesigen Abgeordneten und Medien debattiert, kritisiert, dämonisiert und karikiert.

 

Alles andere, was von der Reise zu berichten gewesen wäre, ging im kakophonen Erregungsstress der Schlagzeilenmacher unter. Dass es neben den Besuchen bei Freiwilligen in der Aidsbekämpfung um Armut, Korruption, Klima, die Verantwortung der Industrieländer, um die Kraft des „Kontinents der Hoffnung“ gehen sollte, war da kaum noch vermittelbar. Zur selben Zeit, da Millionen Afrikaner dem Papst zujubelten, ging es auf dem aufgeklärten Kontinent Europa nur um „hoffungslos rückständige“ Sexualmoral des Vatikan, in Blogs (s.o.) verstiegen sich anonyme Kommentatoren zu Äußerungen, nach denen das Kondomverbot aus Rom „böswillig als Aufruf zum Völkermord“ gebrandmarkt wurde.

 

Während afrikanische Studenten den zurückgekehrten Papst auch in Rom begeistert empfingen und gegen diejenigen demonstrieren, „die Afrika zu einem Hauptabsatzmarkt für Präservative machen wollen“, gingen hierzulande die Debatten weiter. Artikel über Äußerungen von Kardinal Meisner kochen das Thema wieder hoch, noch Wochen später positionierte sich jetzt die Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zur Sache und zuletzt verurteilte das belgische Parlament in einer offiziellen Entschließung die Äußerungen Benedikts.

Was war da eigentlich wieder los?

 

Weil lange nach den verbandsinternen Diskussionen das Thema in der öffentlichen immer noch Kreise zieht, dokumentieren wir im Folgenden noch einmal im Schnelldurchgang die Ereignisse und verweisen auf den Aufsatz auf unseren Seiten, der unter dem Titel „Kondome global - ein Milliardengeschäft“ auch in die verbandsinterne Debatte eingebracht worden war:

 

Dienstag, 17. März:

Auf Fragen des französischen Fernseh-Journalisten Philippe Visseyrias (France 2) antwortet Papst Benedikt XVI. während seines Fluges nach Kamerun.

France 2: „Heiligkeit, unter den vielen Übeln, die Afrika heimsuchen, steht besonders die Verbreitung von Aids. Die Haltung der katholischen Kirche zur Art und Weise, wie das zu bekämpfen sei, wird oft als unrealistisch und wirkungslos betrachtet. Werden Sie dieses Thema während der Reise ansprechen?“

Papst Benedikt XVI.: „Ich möchte das Gegenteil behaupten: Ich glaube, dass die wirksamste und im Kampf gegen Aids präsenteste Organisation eben diese katholische Kirche mit ihren Bewegungen und unterschiedlichen Strukturen ist. Ich denke an die Gemeinschaft Sant'Egidio, die im Kampf gegen Aids so viel im Sichtbaren und im Verborgenen tut, ich denke an die Kamillianer und all die Ordensschwestern, die den Kranken dienen (...) Ich würde sagen, das Problem Aids kann man nicht bloß mit Werbeslogans überwinden. Wenn die Seele fehlt, wenn die Afrikaner sich nicht selbst helfen, kann diese Geißel nicht mit der Verteilung von Kondomen beseitigt werden: Im Gegenteil, es besteht das Risiko, das Problem zu vergrößern.
Die Lösung kann nur mit einem doppelten Engagement gefunden werden: Das erste ist eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung, die eine neue Art des Umgangs miteinander bringt. Und das zweite eine wahre Freundschaft auch und vor allem mit den Leidenden, die Bereitschaft, bei ihnen zu sein, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht. Dies sind die Faktoren, die helfen und die auch zu sichtbaren Fortschritten führen. Deshalb möchte ich sagen, ist es diese unsere doppelte Anstrengung, den Menschen innerlich zu erneuern, ihm geistige und menschliche Kraft für ein Verhalten zu geben, das dem eigenen Körper und dem des anderen gerecht wird, und diese Fähigkeit, mit den Leidenden zu leiden, da zu bleiben in den Prüfungen des Lebens. Mir scheint, dass dies die rechte Antwort ist und dass die Kirche dies tut und damit einen sehr großen und wichtigen Beitrag leistet. Danken wir all jenen, die das tun.“

Umgehend bricht ein Sturm der Entrüstung los: Die Grünen und die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfswerks Unicef reagieren als erste. „Erwachsene und Jugendliche müssen über die Ansteckungswege Bescheid wissen - und darüber, wie man sich vor Aids schützen kann“, sagt Unicef-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (18. März). Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, erklärte, angesichts der Ausbreitung von Aids im südlichen Afrika seien die Worte des Papstes „zynisch und menschenverachtend“. Warum Kondome die Situation angeblich sogar noch verschlimmerten, erkläre der Papst nicht. Für eine Absenkung der Infektionsraten bleibe der Zugang zu Kondomen ein entscheidender Faktor. Die SPD-Bundesministerinnen Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul erklären gemeinsam in Berlin, moderne Entwicklungszusammenarbeit müsse den Ärmsten der Armen Zugang zu Mitteln der Familienplanung geben. Dazu gehöre auch der Einsatz von Kondomen, kritisieren sie: „Alles andere wäre unverantwortlich.“ Scharf äußert sich der gesundheitspolitischen Sprecher der SPD Wolfgang Wodarg, der Papst lade durch „seine ideologisch-weltfremde und leichtfertige Äußerung“ eine schwere Schuld auf sich. Er bringe „Menschenleben in Gefahr und entwertet verantwortungsbewusste Präventionsarbeit vieler Nichtregierungsorganisationen, Regierungen und internationaler Aufklärungsprogramme“, so Wodarg. Die Deutsche Aids-Hilfe erklärt, angesichts des millionenfachen Leids durch HIV und Aids in Afrika sei eine kategorische Ablehnung von Kondomen „zynisch und menschenverachtend“.

Mittwoch, 18. März

Viele besorgte Medienberichte sprechen inzwischen auch von streitigen Diskussionen zum Thema innerhalb der Kirche, von Kritik auch in höchsten Kreisen, und bemühen als Kronzeugen den Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke. Er lehnt es in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ ab, Kondome zu tabuisieren, warnt aber zugleich vor einer Überschätzung ihrer Bedeutung: „Die Kirche steht nicht in einer finsteren Anti-Kondom-Ecke, von der aus sie die Menschen einschüchtern will“. Und verweist auf das Engagement der Kirche gegen Aids: Jede zweite aller Einrichtungen im Kampf gegen Aids weltweit werde von den Kirchen getragen, jede vierte von der katholischen Kirche.

Noch am Abend des 18. März tritt der Direktor des vatikanischen Presseamtes, Pater Federico Lombardi SJ, bei einer improvisierten Pressekonferenz in der Hauptstadt Kameruns, Yaounde, der Aufgeregtheit entgegen. Der Papst habe nichts Neues gesagt, nur die bisherige Haltung der Kirche wiederholt und die wesentlichen Linien ihres Kampfes gegen die schreckliche Geißel Aids unterstrichen: „Erstens die Erziehung zu einem Verantwortungsbewusstsein der Menschen in ihrem Sexualverhalten und das Hervorheben der zentralen Rolle von Ehe und Familie. Zweitens die Erforschung und das Verabreichen wirksamer medizinischer Behandlungen gegen Aids, die einer möglichst großen Zahl von Kranken über Gesundheits-Initiativen und -Institutionen zur Verfügung gestellt werden sollen. Drittens die menschliche und geistige Unterstützung und Begleitung von Aids-Kranken und allen Leidenden, die der Kirche seit jeher besonders am Herzen liegen.“ Dies seien die Linien, auf die die Kirche ihren Einsatz konzentriere: „Sie glaubt nicht, dass eine weite Verbreitung von Kondomen tatsächlich der bessere, der weiterblickende und wirksamere Weg ist, um der Geißel von Aids zu begegnen und menschliches Leben zu schützen.“

Sonntag, 22.3.

Während die Debatte um den Papst anhält und in zahlreichen Blogs heftig diskutiert wird, meldet sich Harvard-Forscher Edward Green und gibt dem Papst in der Kondomfrage Recht. Der führende Aids-Forscher und Buchautor verteidigt Benedikt XVI. zur Kondomfrage und erklärt, die Medien seien in diesem Fall auf der falschen Seite. Es sei wissenschaftlich kein Zusammenhang zwischen einer höheren Komdomverbreitung und einer niedrigeren HIV-Infektionsrate nachweisbar. „Theoretisch sollten Kondome funktionieren, und theoretisch sollte ein bestimmter Kondomgebrauch besser sein als kein Kondomgebrauch. Aber das ist die Theorie.“ Nicht nur, dass Kondome nicht die Lösung des Aids-Problems brächten. Sie könnten es sogar noch verschärfen. Seiner Einschätzung nach sei nicht eine mangelnde Verbreitung und Wissensvermittlung um den richtigen Kondomgebrauch für die hohen Aids-Raten verantwortlich. Vielmehr habe die Industrie das Kondom von einem zweit- oder drittrangigen Präventionsinstrument gegen unerwünschte Schwangerschaften zur vermeintlich „wichtigsten Waffe gegen Aids“ stilisiert, um die Nachfrage zu erhöhen. Green, der selbst lange Zeit für Programme zur Familienplanung in Afrika tätig war, beschreibt die Afrikaner als in sexuellen Fragen konservativ. Ein Überstülpen liberaler westlicher Programme, etwa Aids-Präventions-Trucks mit Rockmusik zur Kondomwerbung, werde dort eher als anstößig empfunden. In Uganda sei durch eine zur Kultur des Landes passende Regierungskampagne, die sexuelle Treue propagierte, die HIV-Infektionsrate zunächst um zwei Drittel zurückgegangen. Dass nach 2004 die Rate wieder gestiegen sei, führt der US-Forscher auf den Einfluss westlicher Kampagnen zur Kondomverbreitung zurück. Es liege auf der Hand, „dass die Lösung in einer Veränderung des Verhaltens liegt“, so der US-Wissenschaftler.

Dienstag, 24. März

Seit dem Vortag ist der Papst, aus Angola kommend, zurück im Vatikan. Die Debatte zu den Äußerungen auf dem Hinflug hält weiter an. Recherchen der BILD-Zeitung berichten: Die Bundesregierung gibt pro Jahr etwa zehn Millionen Euro für die Bereitstellung von Kondomen in Ländern der Dritten Welt aus. Nach Angaben des Entwicklungsministeriums unterstütze Deutschland Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV in mehr als 40 Ländern. Der entwicklungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Christian Ruck (CSU), unterstreicht, es sei zwar richtig, der Aids-Pandemie auch mit Kondomen entgegenzutreten um Infektionen mit dem HI-Virus und anderen ansteckenden Krankheiten zu reduzieren. Wer aber den Papst für seine Mahnung kritisiere, habe andere Motive als die Aids-Bekämpfung. Nötig sei ein integrierter präventiver Ansatz. Dazu gehöre neben der Nutzung von Kondomen auch eine verantwortungsbewusste Kultur der Partnerschaft.

Mittwoch, 25. März

In Rom stellen sich afrikanische Studenten päpstlicher Universitäten in der italienischen Hauptstadt hinter die Äußerungen des Papstes und erklären ihr „Nein zu jenen, die Afrika zu einem Hauptabsatzmarkt für Präservative machen wollen“. Der Papst habe bei seinem Aufenthalt in Kamerun und Angola eine „klarsichtige und genaue Diagnose“ der Situation auf dem Kontinent vorgelegt, so das Studentenkomitee der Universitäten Gregoriana und Angelicum. Zu Recht habe Benedikt XVI. betont, dass die Menschen in Afrika die Protagonisten ihrer eigenen Entwicklung sein müssten. Das Aids-Problem müsse mit medizinischen Therapien und mehr Bildung in ihren Heimatländern angegangen werden. Nachdrücklich wenden sich die Studierenden gegen eine „Instrumentalisierung der Botschaft des Papstes für Afrika“ und kündigen eine Kundgebung für Sonntag an.

Freitag, 27. März

Die Diskussion über die Kondom-Äußerungen des Papstes gehen weiter. Bbr. Kardinal Joachim Meisner verteidigt Benedikt XVI. in der „Bild“-Zeitung. Der Papst habe bei seiner Afrika-Reise „keinen Mann, der wahllos mit Frauen schläft, aufgefordert, jetzt auch noch auf Kondome zu verzichten“, so der Kölner Erzbischof im Interview mit Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch. Vielmehr habe er darauf hingewiesen, „dass man dafür sorgen muss, dass solche Männer auf ihren unverantwortlichen Umgang mit Sexualität verzichten“, wird das Interview verkürzt. Am selben Tag erklärt der Sänger der irischen Rockband U2 und Afrika-Aktivist Bono in der „Frankfurter Rundschau“: „Es ist Besorgnis erregend zu hören, dass sich Papst Benedikt XVI. gegen den Gebrauch von Kondomen aussprach ... Alle Experten fordern immer wieder, dass mehr Kondome in Afrika verteilt werden müssten“.
Auch das renommierte britische Medizinjournal „The Lancet“ schaltet sich ein und wirft Benedikt XVI. Ignoranz in der Kondom-Debatte vor. Der Papst habe während seines Afrika-Besuchs öffentlich wissenschaftliche Belege verzerrt dargestellt, um die Verbreitung der katholischen Lehre zu fördern, so die von der BBC als „außergewöhnlich scharf bezeichnete Kritik des weltweit bekannten Fachmagazins. Der Einsatz von Kondomen sei der einzige und effizienteste Weg, die sexuelle Übertragbarkeit von Aids einzudämmen, forderte laut BBC „The Lancet“ den Vatikan zu einem Widerruf auf.

Das Meisner-Interview löst inzwischen eine weitere Welle der Entrüstung aus. Themen sind vor allem seine Aufforderung an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich beim Papst zu entschuldigen sowie das Agieren des Vatikans und der Politik in der Affäre um den Traditionalisten-Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson. „Viele Deutsche merken gar nicht, wie lächerlich wir uns in aller Welt mit dieser Papstmäkelei machen“, kommentierte Meisner den Umstand, dass vor allem aus seiner Heimat häufig Kritik am deutschen Kirchenoberhaupt laut werde. Was die Äußerungen des Kardinals in der Medienlandschaft auslösen, veranlasst das Erzbistum Köln zur Gegendarstellung. Die BILD-Zeitung habe nur einen Teil des Interviews wiedergegeben, so der Sprecher des Erzbistums und verweist auf die Homepage www.erzbistum-koeln.de mit dem vollen Wortlaut des von Meisner autorisierten Interviews.

Sonntag, 29. März

Papst Benedikt XVI. zieht bei seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz ein positives Fazit seiner Afrikareise. In seiner Bilanz prägt er das Wort Afrika sei der "Kontnent der Hoffung". Die Freude der Menschen in Kamerun und in Angola und ihre Begeisterung für die Kirche als „Familie Gottes“ hätten ihn tief beeindruckt. Die Reise habe ihm erlaubt, die Realität der Kirche Afrikas in ihrer Vielfalt und den unterschiedlichen Ausdrucksformen, aber auch mit ihren Problemen besser zu verstehen, so der Papst weiter. Mehrere hundert afrikanische Studenten danken Benedikt XVI. auf Plakaten, Spruchbändern und mit Sprechchören für seine Afrikareise, loben wieder sein Urteil über die sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und geistlichen Problemen des Kontinents als klare Analyse: „Nein zu denjenigen, die Afrika zu einem der Hauptabsatzmärkte für Präservative machen wollen“, zeigt ein Plakat. Stattdessen fordern sie eine bessere Erziehung sowie wirksame medizinische Maßnahmen gegen Aids.

In Deutschland verteidigt der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) inzwischen Merkels Papstkritik, die anhaltende Kritik aus der katholischen Kirche und eine unionsinterne Richtungsdebatte nach sich gezogen hatte. In der katholischen Kirche stellt der CSU-Politiker „eine Menge Verunsicherung“ fest. Der Papst und die Katholiken hätten derzeit ein Kommunikationsproblem. Auch die Äußerung des Papstes auf seiner Afrikareise zum Thema Kondome sei „gründlich daneben gegangen“: „Man muss sich schon bemühen, dass die Menschen einen verstehen und nicht Missverständnisse entstehen.“

Donnerstag, 5. April

Noch Wochen nach dem inkriminierten Interview schaltet sich die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan, zum Thema Kondome im Kampf gegen Aids ein. Es gebe keine statistischen Daten, die besagten, dass Kondome HIV befördert hätten, sagt sie der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“. Eine „Konzentration der katholischen Kirche auf die Kondomfrage bei der Verhütung von Aids“ gehe an den eigentlichen Problemen vorbei: „Wenn die katholische Kirche in Afrika einfach nur Enthaltsamkeit predigt, dann muss sie verantwortungsethisch sagen: Das führt für die Frauen zu weiteren HIV-Infektionen“.

Freitag, 6. April

Zuvor umstritten und mehrfach angekündigt, äußert sich das belgische Abgeordnetenhaus in einer offiziellen Entschließung vom Vorabend zu den Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zu Kondomen und Aids in Afrika, bezeichnet sie als „inakzeptabel“ und beauftragt den Vatikan-Botschafter, diese Position im Vatikan vorzutragen. Belgiens Bischöfe bemängeln, die Entschließung nehme nicht zur Kenntnis, was der Papst habe zum Ausdruck bringen wollen. Der Vatikan äußert sich „erstaunt“ über Verurteilung. Vatikansprecher Federico Lombardi erklärt, in jedem demokratischen Land sollten Papst und katholische Kirche die Freiheit haben, ihre Positionen und Argumente zum Bild der menschlichen Person und ihrer moralischen Verantwortung vorzutragen. Dies gelte auch, wenn es um Perspektiven von Erziehung und Ausbildung oder um die Pflege von Kranken und Leidenden gehe. Die große Tradition und Erfahrung der Kirche im Ausbildungs- und Gesundheitswesen gerade in den ärmsten Ländern sei so klar, dass sie keiner Erklärung und keines Kommentars bedürfe. Man müsse sich auch fragen, ob die Positionen des Papstes mit ausreichender Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit bedacht worden seien „oder ob sie vielmehr durch den wenig objektiven und ausgewogenen Filter des westlichen Medienechos betrachtet wurden“.



Kondome global - ein Milliardengeschäft

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Hintergrund-Artikel „Kondome global - ein Milliardengeschäft. Mit der Angst von Aids lassen sich Vermögen machen - und verspielen. Kautschuk, Latex, Millionengewinne. Die wunderbare Symbiose zwischen tödlicher Seuche, Gesundheitsprogrammen und fetten Aktienkursen. Kondome schützen nicht vor Pleiten. Trotzdem ist das Verhütungsgummi ein Milliardengeschäft...“.
Am 21./22. März 2009 veröffentlicht und zugleich ein Beitrag zur jüngst diskutierten Gier am Aktienmarkt, zeichnet er mit einigen Zahlen die Entwicklung der Präservativindustrie in den vergangenen 30 Jahren nach, für die innerhalb der nächsten 10 Jahre ein Wachstum auf jährlich 10 bis zu 19 Milliarden verkaufter Kondome prognostiziert wird. In Zeiten wackelnder Börsen und fallenden Kursen steige offenbar die Libido: „Wenn auf den Börsenparkett weltweit der Bär steppt und die Aktien reihenweise schlapp machen, sind in den Betten die Bullen los“, erklärte eine aktuelle Untersuchung des Weltmarkführers Ansell vom 2. März 2009, der die Marke Life-Styles auf den deutschen Markt gebracht hat. ...

 

HIER zum DOWNLOAD