Der neue Ruhrbischof tritt am 20. Dezember sein Amt an
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Erstes Bischofswort von Dr. Franz-Josef Overbeck
an die Gläubigen des Bistums Essen


ESSEN. Sich mit der Kraft des Glaubens den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen, dazu ermuntert Bischof Overbeck die über 900.000 Katholiken des Bistums Essen. In seinem ersten Bischofswort, das am kommenden Wochenende in allen Pfarreien und Gemeinden des Bistums verlesen wird, betont der neue Ruhrbischof die Stärke des christlichen Glaubens und seiner positiven Botschaft, die Grund zu Freude gebe und gerade in Anbetracht einer problematischen Wirklichkeit Mut machen könne. „Aus diesem Grund verbinde ich mich nicht mit allen möglichen Untergangspropheten oder Bedenkenträgern, sondern mit denen, die aus einer tiefen Freude das Evangelium leben und mit den Menschen teilen“, so Overbeck. Diese Ermutigung bezieht Bischof Overbeck auch auf den Weg des Ruhrbistums, den er bereits in den vergangenen Jahre mit Aufmerksamkeit verfolgt habe. Ausdrücklich dankt Overbeck allen, die diesen Prozess bisher mitgetragen haben: „Was viele von Ihnen dazu in unserem Bistum getan haben und tun, um einen guten weiteren Weg zu finden, bewegt mich und macht mich dankbar“.

Ein besonderes Anliegen ist Bischof Overbeck die Verbundenheit der Kirche von Essen mit ihrer Region und ihr Einsatz für die Benachteiligten in der Gesellschaft. So stellt er fest: „Angesichts der großen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, angesichts der Bedrohung vieler Arbeitsplätze und anderer Umwälzungsprozesse, ist die öffentliche Stimme für die vielen nötig, die keine Stimme haben oder nicht gehört werden.“ Neben der Bedeutung des sozialen Engagements von Kirche verwies Bischof Overbeck schließlich auch auf ihre Aufgabe, „bei den Fragen und bei der Suche der Menschen nach einer tragfähigen Lebenskultur“ präsent zu sein. (Wortlaut des Schreibens s.u.)

Einführung am 4. Adventssonntag


Dr. Franz-Josef Overbeck
wird am vierten Adventssonntag (20.12.2009) um 15 Uhr in sein neues Amt als Bischof von Essen feierlich eingeführt. Da Overbeck bereits Bischof ist, findet in Essen keine Weihe statt. Vielmehr wird der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner dem Domkapitel zu Beginn den neuen Bischof Overbeck vorstellen und ihn in das Amt einführen. Als Metropolit der Kirchenprovinz Köln, zu der auch das Bistum Essen gehört, steht ihm diese Aufgabe zu. Nach der offiziellen Übernahme des Amtes wird Overbeck selbst zelebrieren und die Predigt halten. Zur Amtseinführung Overbecks werden mehr als 900 geladene Gäste im Essener Dom erwartet. Der WDR überträgt das Pontifikalamt live im Fernsehen.

An der Feier der Eucharistie nehmen neben dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, auch Bischof Felix Genn, der Essener Altbischof Hubert Luthe und die Essener Weihbischöfe Franz Grave, Franz Vorrath und Ludger Schepers teil. Außerdem werden 27 weitere Bischöfe aus dem In- und Ausland erwartet. Als ranghöchste politische Gäste nehmen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Bundestagspräsident Norbert Lammert teil.

Mehr als 900 geladene Gäste

Da der Essener Dom relativ klein ist, stehen nur wenige Sitzplätze bei der Amtseinführung von Bischof Overbeck zur Verfügung. Deshalb wird das Pontifikalamt auch in die Anbetungskirche St. Johann und in das Kino „Lichtburg“ in der Kettwiger Straße übertragen. Außerdem kann der Gottesdienst über eine Videoleinwand auf dem Domhof verfolgt werden.
„Leider können wir den Essener Dom nicht größer machen, als er ist“, sagte Dompropst Otmar Vieth. Er bedaure sehr, dass viele Gläubige und auch geladene Gäste das Pontifikalamt nicht im Dom mitfeiern können. Ein Gottesdienst auf dem Burgplatz, wie bei der Einführung von Bischof Felix Genn im Sommer des Jahres 2003, sei im Winter leider nicht möglich. Deshalb bitte er die Gläubigen um Nachsicht, wenn sie die Einführung Overbecks nicht im Dom miterleben können.

Der Ablauf der Einführung


Zu Beginn der Feier holt das Essener Domkapitel Bischof Overbeck am Bischofshaus ab. Nachdem Overbeck die liturgischen Gewänder angelegt hat, geleitet ihn das Domkapitel in den Dom. Der Apostolische Nuntius, Jean-Claude Périsset, überreicht dem neuen Bischof von Essen die päpstliche Ernennungsurkunde. Nach einer kurzen Ansprache des Nuntius übergibt Bischof Overbeck die Urkunde an Dompropst Otmar Vieth, der sie den Essener Domkapitularen zeigt und sie anschließend verliest.
Den Hirtenstab erhält Bischof Overbeck aus der Hand des Kölner Metropoliten, Kardinal Joachim Meisner. Nach der Übergabe begleitet Meisner Bischof Overbeck zu seinem Bischofsstuhl. An der so genannten Kathedra legen die Mitglieder des Domkapitels und die beiden Vorsitzenden des Diözesanrates, stellvertretend für das ganze Bistum, vor dem neuen Bischof das Treueversprechen ab.

Die Essener Domsingknaben gestalten den Gottesdienst musikalisch zusammen mit Solisten und einem Orchester unter der Leitung von Domkapellmeister Georg Sump. Im Anschluss an das Pontifikalamt findet im Congress Center Essen ein Empfang für die geladenen Gäste statt. Am Mittwochnachmittag (16.12.2009) waren laut Angaben der „Lichtburg“ von den 1.250 Plätzen im großen Saal des Kinos nur noch etwa 100 Karten für die Übertragung zu haben.

Der neue Ruhrbischof tritt die Nachfolge von Bischof Felix Genn an, der im Dezember 2008 zum Bischof von Münster ernannt wurde. Overbeck wird vierter Bischof der 1958 gegründeten Diözese. Papst Benedikt XVI. hatte den 45-jährigen früheren Weihbischof im Bistum Münster nach der Wahl durch das Essener Domkapitel am 28. Oktober zum Bischof von Essen ernannt.  


(Quellen: Bistum Essen / Bistum Münster)



Bischofswort aus Anlass meiner Einführung als Bischof von Essen

am vierten Adventssonntag, 20. Dezember 2009

 

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Essen!

 

I.

Der Name des heutigen dritten Adventssonntags „Gaudete – Freut euch“ fasst zusammen, was mich als Ihr neuer Bischof bewegt. Denn wie der Advent mit Freude auf das Weihnachtsfest und auf das Ende der Zeit einstimmt, so komme ich mit großer Freude als Ihr Bischof zu Ihnen in das Bistum Essen.

 

II.

Wie genau sieht diese Freude aus, die in keinster Weise die Augen vor den Wirklichkeiten des Alltags in Kirche, Gesellschaft und Politik verschließt? Es ist meine Freude am Leben mit Gott und am Mitleben mit Ihnen und allen anderen Menschen im Einzugsgebiet unseres Bistums. Das Amt des Bischofs dient vor allem dazu: den Menschen den Weg zu zeigen, immer wieder Gott zu finden und mit Ihm zu leben. Der Dienst eines Bischofs hat darum seine Mitte im Evangelium, das Jesus Christus selber ist. Aus diesem Grund verbinde ich mich nicht mit allen möglichen Untergangspropheten oder Bedenkenträgern, sondern mit denen, die aus einer tiefen Freude das Evangelium leben und mit den Menschen teilen. Gott, der die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,16), will uns als Mitliebende, das heißt als Menschen, die allen so entgegen kommen, wie Gott uns in Jesus Christus entgegen kommt. Dies ist das glaubwürdigste Zeugnis des Evangeliums, das wir geben können und das uns selber stärkt.

 

III.

Mit Aufmerksamkeit habe ich bereits in den vergangenen Jahren den Weg der Kirche von Essen verfolgt, nicht ahnend, dass ich ihn als Bischof bald wesentlich mitgestalten darf. Was viele von Ihnen dazu in unserem Bistum getan haben und tun, um einen guten weiteren Weg zu finden, bewegt mich und macht mich dankbar. Bei allem, was nicht leicht zu tragen bleibt, kommt mir ein Sprichwort in den Sinn, das mir schon oft weiter geholfen hat: „Nichts ist schwer, sind wir nur leicht.“ Diese Leichtigkeit beziehe ich auf unseren Glauben und auf die Gemeinschaft der Kirche, in der uns geschenkt ist, als erlöste Menschen den Weg zu Gott zu gehen.

 

IV.

Der Bischof von Essen wird seit den Tagen von Franz Kardinal Hengsbach „Ruhrbischof“ genannt. Damit ist eine wichtige Aufgabe für die Kirche benannt, da es um alle Menschen in unserer Region geht. Alles Menschenmögliche ist zu tun, um ein Leben in Solidarität und Gerechtigkeit, in Freiheit und Frieden zu fördern. Angesichts der großen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, angesichts der Bedrohung vieler Arbeitsplätze und anderer Umwälzungsprozesse, ist die öffentliche Stimme für die vielen nötig, die keine Stimme haben oder nicht gehört werden. Es geht darum, die besten Lösungen für alle Menschen in unserer Region zu finden.

 

V.

Ich trete mein Amt als Bischof von Essen in der Zeit an, in der das Ruhrgebiet mit der Stadt Essen Kulturhauptstadt Europas 2010 ist. Kultur hat vom Wortsinn damit zu tun, zu sammeln und zurück zu binden. Wir binden uns als Christen an Gott und an die feste Überzeugung, dass jeder Mensch die ihm zugedachte Kultur des Lebens erringen und seinen Horizont erweitern kann. Als Kirche von Essen sind wir mit vielen Perspektiven mitten im Alltag, sind bei den Fragen und bei der Suche der Menschen nach einer tragfähigen Lebenskultur präsent.

 

VI.

Über meinem Dienst als Bischof von Essen steht das wunderbare Wort der Gottesmutter Maria „Magnificat anima mea Dominum – Meine Seele preist die Größe des Herrn.“ (Lk 1,46) Es geht für jeden Menschen darum, Gott groß sein zu lassen, ihn zu loben und zu preisen. Eine mir liebe Übersetzung sagt: „Meine Seele mache groß den Herrn.“ Echte Freude am Glauben und somit Freude am Leben gewinnt der, der Gott groß macht. Das strahlt aus und steckt an.

 

Indem ich Sie von Herzen bitte, für unser Bistum und für mich als Ihren neuen Bischof zu beten, verspreche ich Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, täglich mein Gebet und freue mich auf den nun vor uns liegenden Weg.

 

Es segne Sie der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Dritter Adventssonntag, „Gaudete“, 13. Dezember 2009

Ihr

+ Dr. Franz-Josef Overbeck

ernannter Bischof von Essen




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Veröffentlicht am: 18:43:06 17.12.2009

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