„Dominanz der Ideologie des ständig wachsenden materiellen Reichtums“
MÜNCHEN, 31. Dezember 2009. Der Erzbischof von München und Freising, Bbr. Reinhard Marx, hat vor einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche und einem Verlust der Kultur gewarnt. „Unsere Kultur – das haben die letzten Jahre noch deutlicher werden lassen – wird dominiert von der Ideologie des ständig wachsenden materiellen Reichtums, eine Dominanz, die letztlich den Begriff der Kultur selbst auflöst“, kritisierte Marx in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. Kultur lebe von der Orientierung an dem, was bleibe, was unzerstörbar sei; von der Suche nach dem Guten und der Wahrheit, so der Erzbischof weiter: „Eine Gesellschaft, die materielle Verbrauchsgüter ins Zentrum stellt, verliert ihre Kultur.“
Das Gebet hilft gegen Vorherrschaft von kurzatmigen Interessen und Vorurteilen
Marx appellierte an die Gläubigen, sich frei zu machen von subjektiven Zwängen und den Blick auf das Wesentliche zu richten. „Um unsere Zeit wirklich verstehen zu können, brauchen wir einen möglichst objektiven Standpunkt, einen Ort, wo Interessen und Vorurteile keinen Raum haben; dieser Ort ist für uns Christen das Gebet“, sagte der Erzbischof: „Da, wo wir uns vor unseren Schöpfer und Erlöser hinstellen oder hinknien mit unseren Ängsten und Schwächen, mit unseren Hoffnungen und Anliegen, können wir wirklich objektiv und wahrhaftig werden.“ In der Anbetung des Geheimnisses Gottes würden auch die Dinge der Welt klarer und bekämen die rechte Ordnung. „Wo die Bedeutung des Gebetes verschwindet, wird das Leben noch mehr von Interessen und Kurzatmigkeit beherrscht“, beklagte Bbr. Marx: „Beten hilft, die Welt klarer zu sehen.“
„Neue, intensive Evangelisierung, damit unser Land nicht die Orientierung verliert“
Die Botschaft und die Realität des Glaubens sei kein Restbestand aus vormodernen Zeiten, sondern notwendige Quelle, die nicht durch Unterhaltungsindustrie, Sport oder materiellen Wohlstand ersetzt werden könne. „Nicht die Verachtung und Marginalisierung des Glaubens ist angezeigt, sondern die Wertschätzung und das öffentliche Zeugnis“, mahnte Marx. Der Ökumenische Kirchentag 2010 in München sei eine Chance, gemeinsam dieses öffentliche Zeugnis für den christlichen Glauben zu geben. „Es geht aber um mehr als äußerliche Zeichen, sondern um eine Erneuerung unseres persönlichen und gesellschaftlichen Lebens“, forderte der Erzbischof. Deshalb sei der wichtigste Dienst der Kirche für diese Gesellschaft das öffentliche Zeugnis für Christus und „eine neue intensive Evangelisierung unseres Landes, das ohne den Blick auf Jesus Christus seine Orientierung verlieren wird“. (kel)
Quelle: Pressestelle Erzbischöfliches Ordinariat München
O-Ton: Predigt von Erzbsichof Marx im Wortlaut (MP3)
Foto: Bbr. Reinhold Schönemund (Bonn)