„Christlicher Glaube ist die Quelle der Zukunft ...“
MÜNCHEN, 23.1.2010. Der Erzbischof von München und Freising, Bbr. Reinhard Marx, hat die Gesellschaft zu einer mentalen Wende aufgerufen. „Wir dürfen das Christentum nicht als Schatz der Vergangenheit begreifen. Das Denken im christlichen Glauben ist eine produktive Zukunftskraft“, sagte Marx am 22. Januar, vor etwa 500 führenden Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft beim Neujahrsempfang der Erzdiözese im Kardinal-Wendel-Haus in München.
„Der christliche Glaube ist die Quelle der Zukunft, eine geistige, kreative Kraft, mit Phantasie neue Wege zu gehen, aber mit den Prinzipien und Werten, die sich bewährt haben“, so der Erzbischof weiter. Deshalb sei es unverantwortlich, als Christen Angst vor der Zukunft zu verbreiten.
Einmischen in gesellschaftliche Fragen
Marx bekannte sich zum politischen Engagement der Christen. „Es ist friedensstiftend und ermutigend, sich in konkrete gesellschaftliche Fragen einzumischen.“ Das gelte für Schulen und Kindertagesstätten ebenso wie für den Streit um die 3. Startbahn in Freising oder um die Agrarpolitik. Die Kirche sei dabei kein politischer Akteur. „Unsere Aufgabe ist es zu hören, was die Menschen bedrängt, ihre Sorgen und Nöte aufzunehmen. Wir wollen beitragen zu Kooperation und Solidarität“.
„Der christliche Glaube ist Zukunft"
Christen brauchten sich auch nicht für die christliche Botschaft zu schämen, sie sollten deutlich machen, „der christliche Glaube hilft unserem Denken und Handeln auf.“ Darum gehe es auch beim 2. Ökumenischen Kirchentag im Mai in München. „Wir wollen nicht das Trennende betonen, sondern das Verbindende: die gemeinsame Hoffnung. Es geht darum, öffentlich Zeugnis abzulegen dafür, dass der christliche Glaube nicht nur Zukunft hat, sondern Zukunft ist.“ Der Erzbischof rief dazu auf, die Menschen zur Teilnahme am Ökumenischen Kirchentag zu motivieren. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass möglichst viele kommen.“
Mit Blick auf das vielfältige Engagement der katholischen Laien sicherte der Erzbischof dem anwesenden neuen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, für sein Wirken den Rückhalt der Erzdiözese zu: „Wir unterstützen Sie, wir gehen den Weg gemeinsam.“
Medienpreis für die Pressestelle der Erzdiözese
Zwei Tage zuvor wurde die Pressestelle der Erzdiözese München und Freising mit einem Preis für das „beste Medienimage“ aller gemeinnützigen Organisationen in deutschen Meinungsführermedien ausgezeichnet. Ursache für die hohe Präsenz in den nationalen Medien sind Interviews und Namensartikel von Erzbischof Reinhard Marx. Dazu die Preisrichter: „Gemeinnützige Organisationen haben im Gegensatz zu Politikern ein Problem damit, mit Interviews ins Fernsehen zu kommen. Erzbischof Marx dagegen war ein starker Absender von Interviews – nicht zuletzt über sein Buch Das Kapital.“
Der von Media Tenor verliehene „Award 2009 – NGO Communicator“ basiert auf einer Auswertung der Präsenz in überregionalen tonangebenden Print-Medien wie „Spiegel“, „Bild“ oder „Focus“ und TV-Nachrichten der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender. Untersucht wurde dabei, so Media Tenor, welche der NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) am Besten im Sinne von Menge und Bewertung auf die Stärken des eigenen Hauses hinweisen konnte. „Endlich einmal ein Jahr in dem nicht Amnesty oder Greenpeace oder die Verbraucherschutzzentrale in Sachen Wahrnehmung und Inhaltsvielfalt die Nase vorne haben“, heißt es in der Würdigung von Media Tenor. Die Erzdiözese München und Freising rangiert in der Gesamtwertung von Media Tenor auf Rang zwei, hinter dem Bund für Steuerzahler. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen die Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland und der Zentralrat der Juden.
Erzbischof Marx beim Weltwirtschaftsforum
Einer der nächsten Termine von Erzbischof Reinhard Marx ist das beginnende Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF). Er wird daran von Mittwoch bis Samstag teilnehmen und meldet sich mit eigenen Beiträgen zu Wort. Dabei soll es bei dem Treffen von 2.500 Persönlichkeiten - darunter 30 Staats- und Regierungschefs und mehr als 1.400 Führungskräfte weltweit agierender Konzerne - unter anderem um die Frage gehen, wie das Vertrauen in die Wirtschaft wiederhergestellt und die ethischen Grundlagen des Kapitalismus neu belebt werden könnten.
Zu dem diesjährigen WEF-Treffen unter dem Motto „Den Zustand der Welt verbessern. Überdenken, umgestalten, erneuern“ lud die ausrichtende WEF-Stiftung die Vertreter der Weltreligionen dazu ein, in der Debatte über Werte eine führende Rolle zu übernehmen. Eine vom Forum am 18. Januar in Genf veröffentlichte onlinebasierte Meinungsumfrage unter mehr als 130.000 Personen in zehn Ländern hatte ergeben, dass eine große Mehrheit die Wirtschaftskrise auch als eine Krise der Ethik und der Werte ansieht. Die Umfrage war Teil des WEF-Jahresberichts, der sich mit der Rolle des Glaubens bei internationalen Angelegenheiten beschäftigt. In einem Kurzbeitrag kommt darin auch Erzbischof Marx zu Wort. Er fordert dazu auf, die Krise als einen echten Wendepunkt wahrzunehmen und nicht zu schlechten alten Gewohnheiten zurückzukehren. Europa und die USA seien hauptverantwortlich für den Ausbruch der Krise. Von ihnen müsse ein nachhaltiger Impuls zu einer Globalisierung fundamentaler gemeinsamer Werte und zu mehr Gerechtigkeit ausgehen.
Quelle u.a.: Erzbistum München und Freising