Der Papst und die Pius-Bruderschaft
VON PROF. DR. HERMANN JOSEF POTTMEYER
„Eigentlich haben wir allen Grund, der Pius-Bruderschaft dankbar zu sein. Sie hat das 2. Vatikanische Konzil wieder zu einem Thema gemacht und ihm öffentliche Aufmerksamkeit verschafft“, erklärte Prof. Dr. Hermann Josef Pottmeyer bei seinem Festvortrag zum Vereinsfest der UNITAS Münster am 29. November 2009. „Ihrer Parole kann ich allerdings nicht zustimmen: Zurück vor das Konzil! Dagegen lautet meine These: Die Anliegen des Konzils sind heute aktueller denn je“, so der im Jahr 2000 emeritierte Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität-Bochum. Die aktuelle Ausgabe der Verbandszeitschrift „UNITAS“ dokumentiert jetzt seinen Vortrag (unitas 4/2009 - 1/2010, 150. Jg., 20-23).
Keine Rückkehr in die Festungskirche des 19. Jahrhunderts
Die Opposition gegen das 2.Vatikanum, die sich in der Pius-Bruderschaft und um sie herum formiert habe, drohe weiterhin, zu einer Abspaltung von der Kirche zu führen, erinnert Pottmeyer an andere Abspaltungen nach einem Konzil. So war das jüngste Beispiel die der Altkatholiken nach dem 1. Vatikanum 1869/70. Sie lehnten dessen beide Dogmen über den Primat und das unfehlbare Lehramt des Papstes ab, weil sie darin einen Verrat der katholischen Tradition sahen. Pottmeyer: „Ähnlich sehen die Pius-Brüder in einigen Lehren des 2. Vatikanums einen Verrat der katholischen Tradition. Die theologische Frage, die dem jedes Mal zugrunde liegt, ist diese: Gibt es eine Entwicklung katholischer Tradition, die kein Verrat derselben ist, sondern Ausdruck von deren Lebendigkeit?“ Für den ehemaligen Berater der Internationalen Theologenkommission in Rom steht fest: „Wer uns wie die Pius-Brüder die Rückkehr in die Festungskirche des 19. Jahrhunderts empfiehlt, hat sich im Jahrhundert geirrt. Gott jedenfalls ist mit seiner einladenden Herausforderung an uns längst im 21. Jahrhundert angekommen.“
Sein Vortrag steht hier zum DOWNLOAD bereit
