Die Lübecker Märtyrer Bbr. Johannes Prassek, Bbr. Eduard Müller,

Hermann Lange und Karl-Friedrich Stellbrink
 

Märtyrer von Lübeck: Seligsprechung im Juni 2011?

Zwei Bundesbrüder könnten im kommenden Jahr seliggesprochen werden
 

„Vier Geistliche bildeten die einzige konfessionsübergreifende christliche Widerstandsgruppe im Dritten Reich. Mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrem Tod sollen sie für ihren Mut gewürdigt werden“, erinnert Heimo Schwilk in der heutigen online-Ausgabe der Tageszeitung DIE WELT an die „Lübecker Märtyrer“. Dieses „unbekannte Phänomen“ rücke jetzt eine von Rom ausgehende Würdigung in den Blickpunkt. Der Prozess der Kanonisation sei „im Falle der drei Lübecker Geistlichen erstaunlich zügig vorangekommen.“ Zur Seligsprechung in Lübeck wird als Termin der Juni 2011 genannt.

 

Neben den glanzvollen Namen im christlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus wie Bischof Clemens August von Galen, Dietrich Bonhoeffer oder Martin Niemöller werde zu Unrecht „gern übersehen, dass es unterhalb dieser weithin strahlenden Größen lokale Märtyrer gab“, schreibt Schwilk. In Lübeck selbst werde der drei katholischen Kapläne und eines protestantischen Pastors in Gottesdiensten und mit Ausstellungen seit Jahrzehnten gedacht.

 

Seligsprechung in Sicht?

 

„Doch nun erwägt Papst Benedikt, der Seligsprechung der drei katholischen Geistlichen zuzustimmen, was die weltweite Anerkennung der Lübecker Märtyrer zur Folge haben wird“, berichtet die WELT. Die Regeln der Kanonisation erlaubten es zwar nicht, auch einen Protestanten „zur Ehre der Altäre“ zu erheben, doch wollten das Erzbistum Hamburg und die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche in einer gemeinsamen Erklärung das Wirken der christlichen Widerstandsgruppe würdigen. Der „Arbeitskreis Lübecker Märtyrer“ habe dazu eine Broschüre erarbeitet, die jetzt beim in München beginnenden Ökumenischen Kirchentag an die Gläubigen verteilt werden solle.

 

Auf Kollisionskurs mit dem Regime

 

Mit der „einzigen konfessionsübergreifenden Gruppe widerständiger Geistlicher zu Zeiten des Dritten Reiches, die sich 1941 in Lübeck zusammenfanden und die dort nach Verurteilung durch den sogenannten Volksgerichtshof am 10. November 1943 gemeinsam unter dem Fallbeil starben“ sind die Geistlichen Karl Friedrich Stellbrink, Bbr. Eduard Müller, Bbr. Johannes Prassek und Hermann Lange gemeint. Sie seinen auf jeweils eigenen Wegen „auf Kollisionskurs mit dem Regime“ geraten. „Doch eines war allen vier gemeinsam: Sie ließen sich bis zuletzt nicht einschüchtern und fühlten sich allein ihrem Glauben, nicht den kirchlichen Vorgesetzten oder den NS-Mächtigen verpflichtet. Das einigende Band der vier war die Bewunderung für Bischof von Galen, mit dessen Predigten sie die Christen ihrer Gemeinden konfrontierten, um die Euthanasieprogramme der Nationalsozialisten bloßzustellen. Und sie scheuten auch nicht davor zurück, für das Hören von „Feindsendern“ zu werben“, schreibt Heimo Schwilk.

 

Inspiriert von Bbr. Romano Guardini

 

Schwilk skizziert die „Vergehen“, derer sich die Nazi-Opfer schuldig machten und unterstreicht unter anderem die Bedeutung von Bundesbruder Johannes Prassek (UNITAS Ruhrania) als Dienstältestem der drei Kapläne. Er habe wie Hermann Lange die Gemeinde durch seine von dem Religionsphilosophen Bbr. Romano Guardini inspirierten Predigten überzeugt. Bbr. Eduard Müller, ebenfalls Angehöriger der UNITAS Ruhrania, „brillierte anders als Pressak und Lange nicht als Intellektueller, er provozierte die Führung der Lübecker Hitlerjugend vielmehr durch sein Charisma bei jungen Leuten, die er durch Wanderungen in die Umgebung an sich und die Kirche band.“

 

„Zustimmung des Papstes sicher“

 

Die Abschiedsbriefe der Verurteilten an ihre Familien zeugten von „einer Unerschütterlichkeit des Glaubens, einem geradezu heiteren Gottvertrauen, das seinen Eindruck auf die römische Seligsprechungskongregation, die das Martyrium der drei Lübecker Kapläne einer peniblen Prüfung zu unterziehen hatte, nicht verfehlt haben dürfte“, konstatiert der Autor. „Das Martyrium ist eine mögliche Bedingung für die Selig- oder Heiligsprechung, der heroische Einsatz für den Glauben muss mit dem gewaltsamen Tod des „Bekenners“ enden, um von der römischen Kurie anerkannt zu werden, getreu dem Spruch des Tertullian: „Das Blut der Märtyrer ist der Same für die Christenheit.“ Insofern dürfte die Zustimmung des Papstes sicher sein, der immer wieder auf die Vorbildfunktion der katholischen Märtyrer hingewiesen hat.“

 

Verfahren in Rom ist abgeschlossen

 

Nach dem Bericht der WELT (Die Seligsprechung, in: DIE WELT, 12. Mai 2010) ist das eigentliche Verfahren innerhalb von nur Jahren in Rom abgeschlossen. Dies habe der Postulator für den Seligsprechungsprozess, der römische Anwalt Andrea Ambrosi, am Dienstag, 11. Mai, in Hamburg mitgeteilt. Die „Plenaria“, die Vollversammlung der Kongregation, so Ambrosi, werde bald ihr positives Votum abgeben. Sie hatte die im Zuge des am 26. November 2004 durch den Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen in Gang gesetzten Prozesses zur Seligsprechung gesammelten Briefe, Urkunden, Berichte von Zeitzeugen, theologische und zeitgeschichtliche Expertisen gesichtet.

 

Der Erzbischof habe beim Treffen mit dem römischen Anwalt den Wunsch geäußert, die Seligsprechung solle im Juni 2011 in Lübeck stattfinden. Nach den Berichten bereite sich ein ökumenischer Lübecker Arbeitskreis bereits auf eine mögliche Feier im kommenden Jahr vor. Dem Kreis gehören unter anderem Propst Franz Mecklenfeld, Pastorin Constanze Maase von der Lutherkirche, der Kirche Karl Stellbrinks, der Osnabrücker Domkapitular Ansgar Lüttel und der Publizist Martin Thoemmes an. Der Historiker Peter Voswinckel, der in den vergangenen Jahren eine Reihe von wichtigen Dokumenten zum Leben der Lübecker Märtyrer aufgespürt hat, werde rechtzeitig zum Todestag der vier Geistlichen am 10. November 2010 den Band „Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild“ (Verlag Butzon und Bercker) herausbringen.

 


 

QUELLEN: Heimo Schwilk: Die Märtyrer von Lübeck, DIE WELT, 12. Mai 2010, http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article7592226/Die-Maertyrer-von-Luebeck.html; Die Seligsprechung, in: DIE WELT, 12. Mai 2010, http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article7592227/Die-Seligsprechung.html

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Veröffentlicht am: 19:20:14 12.05.2010
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