Kreuzzeichen ist Glaubensverkündigung:
Papst beruft sich auf Romano Guardini
ROM, 31. Mai 2010. „Den Namen Gottes, in dem wir getauft sind, rufen wir uns jedes Mal in Erinnerung, wenn wir das Kreuzzeichen machen“, erklärte Papst Benedikt XVI. gestern vor Tausenden von Pilgern in Rom, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. Das Kreuzzeichen selbst sei Ausdruck lebendiger Glaubensverkündigung, so der Papst mit Berufung auf Bbr. Romano Guardini (*1885 Verona, + 1968 München), den großen Vorreiter der liturgischen Erneuerung im deutschen Sprachraum. Vor genau 100 Jahren war dieser in Mainz zum Priester geweiht worden.
„Der Theologe Romano Guardini bemerkt zum Kreuzzeichen: „Wir machen es vor dem Beten, damit es uns ordne und sammle, Gedanken und Herz und Willen in Gott fasse. Nach dem Gebet, damit in uns bleibe, was Gott uns geschenkt hat“, so Benedikt XVI. über die ausdrucksstarke Geste. „Dann umfasst es dein ganzes Wesen, Gestalt und Seele... Alles wird darin ... geweiht, ... im Namen des dreieinigen Gottes“ (Vom Geist der Liturgie, Freiburg 1918; Ostfildern-Paderborn 2007). „Im Kreuzzeichen und im Namen des lebendigen Gottes ist deshalb die Verkündigung enthalten, die den Glauben bewirkt und das Gebet inspiriert“, führte der Papst aus.
„Der Kern unseres christlichen Glaubens ist das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit“, betonte der Papst vor den deutschsprachigen Pilgern. „Gott offenbart sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist, der alles erschaffen hat, erlöst und heiligt. Durch die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes erhalten wir Anteil am Leben der göttlichen Dreifaltigkeit. Wir wollen dieser Gemeinschaft mit Gott stets treu bleiben und mithelfen, sein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens aufzubauen“, so Papst Benedikt. (Quelle: zenit)
Gerade erschienen:
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: „Entscheidend ist, Gottes Wirklichkeit zu erfahren. Romano Guardinis Weg zum Priestertum - Zu seinem 100. Weihetag im Mainzer Dom am 28. Mai 1910“, erschienen in: Die Tagespost, 27.5.2010. LINK: http://www.zenit.org/article-20639?l=german
Zur Biographie:
http://www.helmut-zenz.de/hzguard1.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Romano_Guardini
Buchvorstellung:
Romano Guardini: Klassiker des Christentums. Vorschule des Betens, 196 Seiten, gebunden, Weltbild, ISBN-10: 3828949460, ISBN-13: 9783828949461, aus: unitas 3/4 2007, LINK: http://www.unitas-ruhrania.org/index.php?newsid=160§ion=news&cmd=details
Bbr. Romano Guardini war 1903 bei der UNITAS in Tübingen rezipiert worden und als Philister auch der UNITAS in Berlin, Breslau, Frankfurt und München verbunden. In Heft 4 der Verbandszeitschrift „UNITAS“ erschien 2004 ein Artikel von Bbr. Dr. Lambert Stamer, der den großen Unitarier und Gelehrten vorstellte:
„... der Totalität des geistigen Lebens verpflichtet ...“ -
Bbr. Romano Guardini –
Ein Erbe für unsere Zeit
Bbr. Romano Guardini wurde am 17. Februar 1885 als Sohn des Geflügelgroßhändlers Romano Tullo Guardini und seiner Ehefrau Paola Maria, geborene Bernardinelli, in Verona geboren. Als der Vater schon ein Jahr später die Niederlassung einer bedeutenden italienischen Exportfirma übernahm, siedelte die Familie nach Mainz über, wo Guardini ab 1891 die Volksschule und nach deren Abschluss das Humanistische Gymnasium besuchte. Nachdem er dort am 7. August 1903 die Reifeprüfung abgelegt hatte, begann er zum Wintersemester 1903 in Tübingen mit dem Studium der Chemie, welches er jedoch nach zwei Semestern abbrach. Auch das Studium der Nationalökonomie, dass er zum Wintersemester 1904 in München aufnahm und zum Wintersemester 1905 in Berlin fortsetzte, brach er nach drei Semestern ab. Erst die Aufnahme des Theologiestudiums in Freiburg zum Sommersemester 1906 brachte ihm endlich „die Wahrheit, die man leben und tun kann“ (vgl. seine autobiographischen Aufzeichnungen).
Prägungen in Freiburg
Eine wesentliche Prägung erhielt Guardini in Freiburg durch den Dogmatiker Karl Braig (1853-1923), auf dessen Anregung hin er bereits zu diesem Zeitpunkt die „Lehre vom Gegensatz“ als einen Beitrag zur sachgerechten Methode der Geisteswissenschaften plante. Nach drei Semestern wechselte er zum Wintersemester 1907 nach Tübingen, wo er mit Karl Neundörfer (1885-1926), Joseph Weiger (1883-1966), Philipp Funk (1884-1937) und Hermann Hefele (1885-1936) schnell zum engeren Kreis um den Dogmatiker Wilhelm Koch (1874-1955) gehörte. Eine bleibende Prägung während seiner Tübinger Zeit erhielt Guardini auch durch die Liturgie der Benediktiner in Beuron, welche ihm den letzten Anstoß gab, zum Wintersemester 1908 in das Priesterseminar in Mainz einzutreten.
Praktische Seelsorge
Nach der am 28. Mai 1910 durch Bischof Georg Heinrich Kirstein (1858-1921) empfangenen Priesterweihe war Guardini zunächst in der praktischen Seelsorge tätig, so ab dem 1. Juli 1910 als Kaplan in Heppenheim an der Bergstraße, ab dem 27. Mai 1911 als Seelsorger am Katholischen Krankenhaus in Darmstadt, ab dem 1. August 1911 als Kaplan an der Dompfarrei in Worms und schließlich ab dem 16. April 1912 als Kaplan an St. Christoph in Mainz. Um an seinen jeweiligen Einsatzorten auch Religionsunterricht erteilten zu können, hatte er zum 11. August 1911 als einziger der Familie und gegen deren Willen die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen.
Am 1. Oktober 1912 bat Guardini seinen Bischof um Beurlaubung, um in Freiburg seine Promotion vorbereiten zu können. Dort wohnte er im „Collegium Sapientiae“, wo sich eine enge Freund schaft zu Joseph (Kardinal) Frings (1887-1978) und Martin Heidegger (1889-1976) entwickelte. Nachdem Guardini am 14. Mai 1915 bei Engelbert Krebs (1881-1950) mit einer Arbeit über „Die Lehre des Hl. Bonaventura von der Erlösung. Ein Beitrag zur Geschichte und zum System der Erlösungslehre“ promoviert worden war, kehrte er wenige Tage später, am 20. Mai 1915, als Kaplan nach St. Ignaz in Mainz zurück. Innerhalb der Stadt Mainz wechselte er ab dem 25. November 1915 nach St. Peter, ab dem 1. Februar 1916 nach St. Emmeran und schließlich ab dem 21. August 1916 wiederum nach St. Peter. Daneben absolvierte Guardini in den letzten beiden Jahren des Ersten Weltkriegs seinen Militärdienst als Krankenpfleger. Mit seiner Rückkehr aus Freiburg im Jahr 1915 übernahm Guardini bis 1920 außerdem die Leitung des Schülerbundes „Juventus“, einer Vereinigung katholischer Gymnasiasten in Mainz.
Wegbereiter der katholischen Jugendbewegung
Am 13. April 1920 ließ sich Guardini von seinem Bischof erneut beurlauben, nun zur Erstellung seiner Habilitationsschrift an der Universität Bonn. Auf dem Weg dorthin nahm er zu Ostern auf Einladung von Bbr. Hermann Hoffmann (1878-1972) am zweiten deutschen Treffen der katholischen Jugendbewegung „Quickborn“ auf Burg Rothenfels am Main teil, wo er die Bekanntschaft mit Josef Pieper (1904-1997), Heinrich Kahlefeld (1903-1980) und Walter Dirks (1901-1991) machte. Nachdem Guardini zunächst kein Interesse hatte, nach Rothenfels zu fahren, weil er den „Quickborn“ für zu „wenig durchgeformt“ hielt, folgte er dann doch dem Rat des Romanisten Hermann Platz (1880-1945), was für seinen weiteren Lebensweg mehr als bedeutsam werden sollte. So wurde Romano Guardini lange vor seinem schriftlichen Werk bekannt als Wegbereiter der katholischen Jugendbewegung und als Vermittler liturgischer Bildung. Schon als Theologiestudent in Tübingen hatte er sonntags die Kneipveranstaltungen der UNITAS in Tübingen (Rezipierung 1903; Philister auch in Berlin, Breslau, Frankfurt und München) gemieden und war mit literarisch interessierten Freunden aufs Land gewandert.
Vom Geist der Liturgie
Als Kaplan in Mainz mit der Beauftragung der Betreuung des „Juventus“ gelang es ihm schon bald, die Jugend für das lebenskundliche und geistliche Gespräch zu interessieren, wobei er die von den Benediktinern aus Maria Laach und den Augustinern aus Klosterneuburg aus gegangene liturgische Erneuerung, deren geistesgeschichtliche Zuordnung und ekklesiologische Bedeutung ihn besonders interessierten, in die Jugendbewegung einbrachte. Literarisches Ergebnis dieser Zeit war das Werk „Vom Geist der Liturgie“, das als erster Band der in Maria Laach erscheinenden Reihe „Ecclesia orans“ veröffent licht wurde (1918). Während der Arbeit an seiner Habilitationsschrift, die er bei Gerhard Esser (1860-1923) anfertigte, war Guardini Hausgeistlicher im Institut Sacré-Coeur in Pützchen bei Beuel am Rhein sowie im dortigen Kloster St. Adelheid, außerdem übernahm er die Betreuung der zur Pfarrei Küdinghoven gehörigen Expositur Niederholtdorf (Siebengebirge bei Bonn).
Mit seinem Werk über „Die Lehre vom lumen mentis, von der gradatio entium und von der influentia sensus et motus und ihre Bedeutung für den Aufbau des Systems Bonaventuras“ (gedruckt 1964) erfolgte im Jahr 1922 die Habilitation für katholische Dogmatik an der Universität in Bonn, worauf Guardini zum Privatdozenten für Systematische Theologie an die dortige Katholisch-Theologische Fakultät berufen wurde. Als wichtigste Ereignisse seiner Bonner Zeit hat Guardini später seine dortige Begegnung mit Martin Buber (1878-1965) sowie den Vortragszyklus „Vom Sinn der Kirche“, in der er seine Bonner Vorlesungen zusammengefasst hatte, bezeichnet. Ganz apodiktisch im Sinne Guardinis lautet der erste Satz dieses 1922 veröffentlichten Werkes: „Ein religiöser Vorgang von unabsehbarer Tragweite hat eingesetzt: Die Kirche erwacht in den Seelen“.
1923: Ruf nach Berlin
Am 11. April 1923 folgte Guardini dem Ruf auf den neu errichteten Lehrstuhl für „Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung“ an der Friedrichs-Wilhelm-Universität Berlin (heute Humboldt-Universität), wobei er aus eher organisatorischen Gründen Mitglied der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Breslau mit der Verpflichtung wurde, als ständiger Gast in Berlin zu lesen. War schon dieses eine Anomalie, so kaum minder die Definition des Lehrauftrages.
So folgte er einem Rat Max Schelers (1874-1928), „nicht nur systematische Vorlesungen über Religionsphilosophie zu halten, sondern zu tun, was das Wort Weltanschauung besage: die Welt betrachten – ihre Dinge, Menschen, Werke und das mit christlichem Blick und wissenschaftlicher Methode“ (Ferber). Sekretär von Guardini war zu dieser Zeit Walter Dirks, der nach seiner Aufsehen erregenden Serie von Artikeln über den Ruhrkampf in den Zeitschriften der katholischen Jugendbewegung aber schon kurze Zeit später nach Frankfurt wechselte, um dort die Redaktion der Rhein-Mainischen Volkszeitung zu übernehmen. Guardini selbst übernahm zu dieser Zeit die Mitherausgeberschaft der „Quickborn“-Zeitschrift „Die Schildgenossen“; ab 1927 wurde er Bundesleiter des „Quickborn“ und Leiter von Burg Rothenfels.
Als wichtig für die Berliner Jahre Guardinis gilt außerdem die Übernahme der sonntäglichen Hochschulgottesdienste in St. Benedikt in Berlin (1928-1943). Unabhängig davon, dass sich dort, ebenso wie in den Vorlesungen Studenten aller Fakultäten und Konfessionen scharrten, führten die gehaltenen Predigten zur Grundlage seines wohl mit bedeutendsten Buches „Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi“ (1937), wobei Einzellieferungen bereits 1933/34 unter dem Titel „Aus dem Leben des Herrn“ erschienen waren. Mit diesem Werk wollte Guardini von immer neuen Ansätzen aus zeigen, wie alle Worte und Taten, Eigenschaften und Wesenszüge der Gestalt Jesu Christi ins Unbegreifliche münden, in eine Unbegreiflichkeit voller Verheißung.
Zwangsemeritiert durch die Nazis
Trotz aller inneren Ablehnung des Nationalsozialismus verhielt sich Guardini in dieser Zeit politisch eher neutral und loyal, was zunächst dazu führte, dass die Gestapo keinen Anlass sah, gegen ihn einzuschreiten. Erst nach der Bespitzelung von Gesprächen, die er mit Freunden, Kollegen und Studenten im kleinen Kreis führte, kam es am 11. März 1939 zur Zwangsemeritierung und Aufhebung seines Berliner Lehrstuhls. Die Begründung war entlarvend, nämlich der Staat vertrete selbst eine Weltanschauung, neben der eine andere nicht notwendig und zulässig sei. Nachdem im selben Jahr auch die Arbeit in Rothenfels verboten und die dortige Burg konfisziert worden war, folgte 1941 das Verbot der Zeitschrift „Die Schildgenossen“. Außerdem wurde es Guardini untersagt, sich in irgendeiner Weise zu äußern.
Trotz dieses Redeverbotes hielt er noch 1943 in Greifswald eine ein drucksvolle Vortragsreihe über „Freiheit, Gnade, Schicksal“, bevor er sich in den Jahren 1943 bis 1945 zu seinem Freund Josef Weiger (1883-1966) nach Mooshausen (Schwäbisches Allgäu) zu rückzog. Dort entstanden auch seine „Autobiographischen Aufzeichnungen“, die er am 6. März 1945 abschloss.
Kurz nach Kriegsende folgte Guardini dem Ruf auf einen ad personam eingerichteten „Lehrstuhl für Religionsphilosophie und Christliche Weltanschauung“ an die Universität Tübingen, wo sich eine enge Freundschaft zu Bbr. Theodor Steinbüchel (1888-1949) entwickelte. Seine ersten vielbeachteten Äußerungen nach dem Zweiten Weltkrieg galten den Mitgliedern der „Weißen Rose“, die er am 4. November 1945 bei einer Gedenkstunde an der Münchener Universität wie folgt würdigte: „So standen sie im Raum des Glaubens (...), so haben sie für die Freiheit des Geistes und die Ehre des Menschen gekämpft, und ihr Name wird mit diesem Kampf verbunden bleiben“. Auch mit der bezeichnenden Eröffnungsrede „Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“ des Katholikentages in Berlin im Jahr 1952 setzte er einen Schwerpunkt, der zu dieser Zeit von besonderer Tragweite war.
Vorlesungen in München
Mit der Errichtung eines „Lehrstuhls für Religionsphilosophie und Christliche Weltanschauung“ an der Philosophischen Fakultät folgte Guardini im Jahr 1948 dem Ruf nach München, wo er mit Bbr. Michael Schmaus (1897-1993), Bbr. Theoderich Kampmann (1899-1983) und (Bischof) Ernst Tewes (1908-1998) einen großen Einfluss auf die intellektuellen Kreise des deutschen kirchlichen Katholizismus ausübte. Die Vorlesungen in München waren vor allem geprägt von einer tiefen Sorge um den Menschen im Atomzeitalter, welcher Guardini auch Ausdruck verlieh in den Büchern „Das Ende der Neuzeit“ (1950) und „Die Macht“ (1951). Darin machte er deutlich, dass es im Letzten nicht um die Steigerung der Macht, sondern vielmehr um deren Bändigung gehen würde: „Die Macht des Menschen über die Welt ist schwindelerregend geworden; er hat sein Dasein in einer Weise in die Hand bekommen, wie das vorher nie der Fall gewesen ist. Nun muß er auch sehen, was diese Hand anrichten kann, ja, was sie gewiß anrichten wird, wenn er sich nicht zu einer neuen Verantwortung entschließt“.
Wie schon in Berlin, gestaltete Guardini auch die München die Universitätsgottesdienste; ein großer Teil seiner dabei gehaltenen Predigten erschien zwischen 1956 und 1959 unter dem Titel „Wahrheit und Ordnung“ in 33 Heften. Die letzten Münchener Jahre bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1962 begründeten endgültig seinen Ruf als bedeutendsten deutschen Vertreter der katholischen Weltanschauung in Religionsphilosophie und Geistesgeschichte. Die Anerkennung seiner Jahrzehnte währenden liturgischen Bemühungen erblickt man dabei vor allem in der Liturgie-Konsitution des Zweiten Vatikanischen Konzils aus dem Jahr 1963. Nachdem er 1960 in die Vorbereitende Konzilskommission für Liturgie berufen worden war, nahm er am Konzil selbst, inzwischen kränklich geworden, allerdings nicht mehr teil.
Ehrungen und Würdigungen seines Wirkens
Romano Guardini, Deuter und Gestalter, Lehrer und Leitbild wie wohl kaum ein anderer Theologe des 20. Jahrhunderts, ist für sein herausragendes, von einer außerordentlichen Weite und Fülle geprägtes literarisches Schaffen hoch geehrt worden. 1952 erhielt er den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ und wurde zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt; neben der Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg (1954) erhielt er die der Universitäten Padua (1965) und Bologna (posthum 1969). Er war Träger der „Goldenen Ehrenmünze“ der Stadt München (1955), des Bayerischen Verdienstordens (1958), des „Pour le Mérite“ (1958), des Großen Bundesverdienstkreuzes des Verdienstordens für die Bundesrepublik Deutschland (1959), des Erasmus-Preises (1962), des „San Zeno-Preises der Stadt Verona (1963), der Medaille „München leuchtet“ (1965) sowie des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband (1965). Außerdem war er Ehrenbürger der Stadt Verona (seit 1956) sowie von Isola Vicentina, dem Wohnsitz der Familie Guardini (seit 1963).
Die Universität München ehrte ihn 1964 mit der besonderen Auszeichnung der Bennennung des „Lehrstuhls für Religionsphilosophie und Christliche Weltanschauung“ in „Romano-Guardini-Lehrstuhl“ [Nachfolger: Karl Rahner (1904-1984) von 1964 bis 1967, Eugen Biser (*1918) von 1974 bis 1986, Hans Maier (*1931) von 1988 bis 1999 sowie Rémi Brague (*1947) seit 2002] und anlässlich seines 80. Geburtstages mit einem besonderen Festakt und der Festschrift „Interpretationen der Welt“ (1965). Ebenfalls im Jahr 1965 beabsichtigte Papst Paul VI. (1897-1978) Guardini in das Kardinalskollegium zu berufen, was dieser allerdings ablehnte.
Kurz vor seinem Tod unternahm Romano Guardini eine letzte Italienreise zum Familiensitz auf die Isola Vicentina. Nach München zurückgekehrt, starb am 1. Oktober 1968, nachdem er am gleichen Morgen einen Schlaganfall erlitten hatte. Am 4. Oktober 1968 fand das Requiem in der Universitätskirche St. Ludwig statt, dem Bbr. Julius Kardinal Döpfner (1913-1976) vorstand. Dabei fand er die Abschiedsworte: „Des Verstorbenen Sorge war der Mensch und sein Glaube ein mitmenschlicher; deshalb hat auch sein Einfluß 'in einer ungewöhnlichen Weise den Kreis der Gefährten des gleichen Glaubens' überschritten“. Im Anschluss an den Trauergottesdienst erfolgte das Begräbnis auf dem Priesterfriedhof des Oratoriums des Hl. Philipp Neri, St. Laurentius. Im Jahr 1997 wurde er Leichnam Guardinis durch seinen Freund Bischof Tewes in die Universitätskirche überführt und in der rechten Seitenkapelle beigesetzt. Der Grabstein trägt die Inschrift „Im Glauben an Jesus Christus und seine Kirche, im Vertrauen auf sein gnädiges Gericht“.
Es ist kaum möglich, die Arbeiten Guardinis auch nur annähernd aufzuzählen. Einen besonderen Hinweis verdient jedoch das 1963 erschienene Werk „Unterscheidung des Christlichen“, das mit seinen gesammelten Aufsätzen einen Querschnitt über sein vielseitiges Schaffen gibt. Bis heute sind Guardinis Schriften in viele Sprachen übersetzt und in fast drei Millionen Exemplaren verbreitet. Man hat von ihm, sicherlich mit Recht, gesagt, dass er „einer der wenigen Universalisten sei, die sich inmitten des Spezialistentums unserer Epoche der Totalität des geistigen Lebens verpflichtet wissen.“ Manches Zeitbedingte und vieles, was Guardini schon zu seiner Zeit in die geistige Gestalt unserer Gegenwart einbringen konnte, wird für immer bleiben. „Es ist das Erbe, das er uns nicht bloß zur Erinnerung, so notwendig sie ist, sondern für die Gestaltung unserer Zukunft hinterlassen hat“ (Lehmann).