
Heftige Diskussionen der Delegierten im Plenum der 133. UNITAS-Generalversammlung in Nürnberg zum Stand des „Bologna-Prozesses“
„Studenten sind mit allem Recht auf die Straße gegangen“
UNITAS-Verband fordert klare Korrektur der Studienreform
NÜRNBERG. Eine Korrektur der tiefgreifenden Studienreformen an den deutschen Hochschulen fordert der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas. Dazu rief der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands bei seiner 133. Generalversammlung in Nürnberg auf, die vom 3.-6. Juni unter dem Thema „Hochschulpolitik und Akademikerausbildung - Quo vadis?“ stand. Die Studentendemonstrationen gegen die Folgen des "Bologna-Prozesses" seien ein berechtigter Protest gegen völlig überzogenen Reformeifer gewesen, so der Tenor der Diskussion im Plenum der Versammlung.
„Einführungsphase verlängern"
Die sich bei den dreijährigen Bachelor-Studiengängen abzeichnende Verschulung und Überfrachtung mit Studienstoff und Prüfungen beeinträchtige und beschädige nachhaltig die Qualität der universitären Ausbildung, so die mit überwältigender Mehrheit verabschiedete Resolution. Die Umsetzung der „Bologna-Erklärung“ der Europäischen Bildungsminister von 1999 habe zudem zu einer Einschränkung der Mobilität der Studierenden geführt. Ferner sei eine verbesserte Betreuung durch Verstärkung des wissenschaftlichen Personals dringend geboten. Das Fazit der Stellungnahme: „Der Unitas-Verband hält es für zweckmäßig, die Einführungsphase und mindestens 10 Jahre zu verlängern, um den Erfolg einer so umfassenden europäischen Jahrhundertreform durch Sammeln von Erfahrungen ohne Druck und mit der Unterstützung aller Beteiligten‚ der Gesellschaft und Wirtschaft, nachhaltig zu sichern.“
Unterstützung für Kampagne zum
Schutz des arbeitsfreien Sonntags in Europa
In einer weiteren Resolution schloss sich der 46 katholische Studentinnen- und Studentenvereine zählende Bundesverband der „Ersten Europäischen Bürgerinitiative für einen europaweiten Sonntagsschutz“ an. Die Initiative war von Martin Kastler MdEP (CSU) initiiert worden, ebenfalls Mitglied des Verbandes und Mitglied im Gesellschaftspolitischen Verbandsbeirat. Der Unitas-Verband befürworte den arbeitsfreien Sonntag in ganz Europa, weil Kinder einen als arbeitsfreien Tag geschützten Familientag brauchen, so der Beschluss. Der Sonntag sei ein tragendes Element des europäischen Sozialmodells und Teil des europäischen Kulturerbes: „Der Unitas-Verband ruft alle auf, die Online-Kampagne www.freier-sonntag.eu ebenfalls zu unterstützen und sich an einer daraus hervorgehenden Europäischen Bürgerinitiative im Sinne von Art. 11 Abs. 4 des Vertrags über die Europäische Union zu beteiligen.“
Die Unterstützung der Kampagne gründe auf christlichen Grundprinzipien. Der Schutz des Sonntags gehöre aber nicht nur zu den Traditionen des christlichen Abendlandes, sondern habe auch für die Gegenwart eine hohe religiöse Bedeutung als Tag der Besinnung und der Einkehr. Selbst für Nichtchristen behalte der arbeitsfreie Sonntag den in der christlichen Tradition wurzelnden Gehalt und eine eigene soziale und weltanschaulich neutrale Zweckrichtung: „Die Sonntagsruhe geht daher weit über den Schutz der Religionsfreiheit hinaus. Sie sichert eine wesentliche Grundlage für die Rekreationsmöglichkeiten des Menschen und sein soziales Zusammenleben und damit letztlich seiner Persönlichkeitsentfaltung.“ Deutlich unterstreicht die Begründung der UNITAS-Resolution ein grundsätzliches Verbot der Öffnung von Geschäften am Sonntag: „Ebenso wenig wie das Erwerbsstreben ein Grund für die Abschaffung der Sonntagsruhe ist, kann der Konsum ein Grund für die Störung des Sonntags sein.“