Das 6. Flugblatt der Weißen Rose; Mitglieder: Willi Graf, Professor Kurt Huber, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Hans und Sophie Scholl; Quelle: www.weisse-rose-stiftung.de, Musik: youtube

Wissenschaftliche Sitzung: Kurt Huber vor dem Volksgerichtshof

ESSEN-BORBECK. „Kurt Huber vor dem Volksgerichtshof - über den zweiten Prozess gegen die Weiße Rose“ lautet das Thema der Wissenschaftlichen Sitzung am Dienstag, 06.07.2010. Dazu konnte die UNITAS Ruhrania Prof. em. Dr. Wolfgang Huber gewinnen, Vorstandsmitglied der Weiße Rose-Stiftung und Sohn des 1943 von den Nationalsozialisten hingerichteten Münchner Universitätsprofessors Kurt Huber (1893-1943). Die Veranstaltung mit dem umliegenden UNITAS-Zirkeln beginnt um 20 h c.t. im Conventsaal der UNITAS an der Flurstraße 67.

Wolfgang Huber, geboren 1939 in München, lehrte von 1977 bis 2004 als Professor für deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Eichstätt. In einem 2009 erschienenen Buch legte er seine Forschungen zu dem Prozess vor, bei der sein Vater eine für ihre philosophische Begründung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus berühmte Verteidigungsrede hielt. (Wolfgang Huber: Kurt Huber vor dem Volksgerichtshof. Der zweite Prozess gegen die Weiße Rose, Verlag: Verlag Die Blaue Eule, 2009, 276 S. m. zahlr. Faks. ( = Historie in der Blauen Eule Bd.13), ISBN-13: 9783899242652, ISBN-10: 3899242653, Best.Nr.: 27235825)

Mentor der „Weißen Rose"

Prof. Dr. Kurt Huber (Bild links) war bis zu seiner Verhaftung am 27. Februar 1943 führendes Mitglied und „geistiger Mentor“ der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose in München. Geboren 1893 in Chur in der Schweiz und in Stuttgart aufgewachsen, studierte er Musikwissenschaft, Philosophie und Psychologie in München. 1917 wurde er promoviert, drei Jahre später war er Dozent in Psychologie, 1925 Professor. Der begeisterte Volksliedsammler, ab 1937/38 in Berlin am Volksliedarchiv tätig, lernte im Sommer 1942 in München Hans Scholl und dessen Freunde kennen, die seine Vorlesungen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München besuchten.

Bild rechts: Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942

Im Winter desselben Jahres fanden in seiner Wohnung weitere Treffen mit den Geschwister Hans und Sophie Scholl und deren Kommilitonen Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell statt. Mit Schmorell war Huber zwei Jahre zuvor der NSDAP beigetreten, beide hatten sie aber wieder verlassen. Nach seiner Mitarbeit am fünften Flugblatt der Gruppe „Aufruf an alle Deutsche!“ verfasste er im Februar 1943 das
sechste Flugblatt der „Weißen Rose“ „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“, bei dessen Verteilung am 18. Februar 1943 Sophie und Hans Scholl festgenommen wurden. Neun Tage später wurde auch Huber verhaftet, der zweite Prozess unter dem Vorsitz von Roland Freisler fand am 19. April 1943 statt. Zum Tode verurteilt, wurde Kurt Huber am 13. Juli 1943 in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet.

Seine Verteidigungsrede hatte Prof. Kurt Huber sorgfältig in der Haft vorbereitet. Darin fasste er seine Kritik an dem Regime zusammen - ein von hohen Werten getragenes Plädoyer für Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Vor dem Volksgerichtshof am 19. April 1943 erklärte er:

„Als deutscher Staatsbürger, als deutscher Hochschullehrer und als politischer Mensch erachte ich es als Recht nicht nur, sondern als sittliche Pflicht, an der Gestaltung der deutschen Geschichte mitzuarbeiten, offenkundige Schwächen aufzudecken und zu bekämpfen (...). Was ich bezweckte, war die Weckung der studentischen Kreise nicht durch eine Organisation, sondern durch das schlichte Wort, nicht zu irgendeinem Akt der Gewalt, sondern zur sittlichen Einsicht in bestehende schwere Schäden des politischen Lebens. Rückkehr zu klaren sittlichen Grundsätzen, zum Rechtsstaat, zu gegenseitigem Vertrauen von Mensch zu Mensch, das ist nicht illegal, sondern umgekehrt die Wiederherstellung der Legalität. Ich habe mich im Sinne von Kants kategorischem Imperativ gefragt, was geschähe, wenn diese subjektive Maxime meines Handelns ein allgemeines Gesetz würde. (…)
Ein Staat, der jegliche freie Meinungsäußerung und jede sittlich berechtigte Kritik, jeden Verbesserungsvorschlag als 'Vorbereitung zum Hochverrat' unter die furchtbarsten Strafen stellt, bricht ein ungeschriebenes deutsches, germanisches Recht, das im 'gesunden Volksempfinden' noch immer lebendig war und lebendig bleiben muss. (...) Ich habe das eine Ziel erreicht, diese Warnung und Mahnung nicht in einem privaten, kleinen Diskutierclub, sondern an verantwortlicher, an höchster richterlicher Stelle vorzubringen. Ich setze für diese Mahnung, für diese beschwörende Bitte zur Rückkehr, mein Leben ein. Ich fordere die Freiheit für unser deutsches Volk zurück. (...)
Sie haben mir den Rang und die Rechte des Professors und den „summa cum laude“ erarbeiteten Doktorhut genommen und mich dem niedrigsten Verbrecher gleichgestellt. Die innere Würde des Hochschullehrers, des offenen, mutigen Bekenners seiner Welt- und Staatsanschauung, kann mir kein Hochverratsverfahren rauben. Mein Handeln und Wollen wird der eherne Gang der Geschichte rechtfertigen, darauf vertraue ich felsenfest. Ich hoffe zu Gott, dass die geistigen Kräfte, die es rechtfertigen, rechtzeitig aus meinem eigenen Volke sich entbinden mögen. Ich habe gehandelt, wie ich aus meiner inneren Stimme heraus handeln musste. Ich nehme die Folgen auf mich nach dem schönen Wort Johann Gottlieb Fichtes: 'Und handeln sollst du so, / Als hinge von dir und deinem Tun allein / Das Schicksal ab der deutschen Dinge, / Und die Verantwortung wär dein!'



Verweise:

Verteidigungsrede Kurt Hubers am 19. April 1943 (zitiert nach: Kurt-Huber-Gymnasium Gräfelfing (hrsg.): Kurt Huber. Stationen seines Lebens in Dokumenten und Bildern, München 1986), in: http://www.khg-online.de/unterricht/faecher/geschichte/khuber/vert.htm

Sechstes Flugblatt der Weißen Rose. Nach einem Entwurf von Kurt Huber mit Korrekturen von Hans Scholl und Alexander Schmorell, Februar 1943, in: http://www.khg-online.de/unterricht/faecher/geschichte/khuber/flu.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Huber

http://de.wikipedia.org/wiki/Weisse_Rose




Veröffentlicht am: 11:49:44 06.07.2010
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