Weiße Rose: „Sie hatten keine andere Waffe als das Wort”

 

ESSEN. Ein anregender Vortrag, eine aufschlussreiche Diskussion - im voll gefüllten Conventssaal setzten sich die Mitglieder der Unitas Ruhrania und zahlreiche Gäste am 6. Juli 2010 mit einem wichtigen Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte auseinander. Prof. Dr. Wolfgang Huber referierte über die Verteidigungsrede seines Vaters, Professor Kurt Huber, vor dem Volksgerichtshof. Huber senior gehörte der Widerstandsgruppe „Weiße Rose” an, die sich neben ihm vor allem aus Münchner Studenten zusammensetzte.

 

Dokument des deutschen Widerstandes

 

„Sie hatten keine andere Waffe als das Wort”, so Huber junior (Bild rechts), inzwischen emeritierter Professor für Deutsche Sprachwissenschaft. Daher sei es besonders wichtig, die Texte, die in diesem Kreis entstanden seien, einer umfassenden Analyse zu unterziehen, könne doch nur auf diese Weise herausgearbeitet werden, welche Motive die Mitglieder der Gruppe leiteten. Dies sei eigentlich selbstverständlich, leider sei aber dieser Anspruch in vielerlei Hinsicht noch nicht von der Wissenschaft eingelöst worden. Daher habe er sich selbst dazu entschlossen, die Verteidigungsrede seines Vaters zu kommentieren, da sie ein wichtiges Dokument des deutschen Widerstandes darstelle.

 

Gegen den akademischen Mainstream

 

Indem Huber anhand von eindrucksvollen Beispielen verdeutlichte, wie sehr die Universitäten, ja selbst auch vermeintlich so ideologiefreie Fachbereiche wie Physik und Mathematik, durch die NS-Ideologie geprägt waren, zeichnete er das Bild des universitären Alltags, in dem sein Vater agierte. Gleichzeitig gelang es Wolfgang Huber so zu verdeutlichen, was seinen Vater, den Musikwissenschaftler und Philosophen, vom akademischen Mainstream dieser Jahre unterschied. Sein Vater habe auch aus seinem Ethos als Hochschullehrer heraus gehandelt, so Huber. Als solcher habe er sich verpflichtet gefühlt, sich in die Angelegenheiten der Res Publica einzumischen.

 

Geistige Orientierung für heute

 

In der sich anschließenden intensiven Diskussion wurde deutlich, dass diese vorbildliche Haltung auch noch angesichts der Herausforderungen der Gegenwart Maßstäbe setze. So fremd uns heute vielleicht manche politischen Vorstellungen Hubers seien, es bleibe dabei, dass gerade junge Leute hier einer Persönlichkeit und deren beeindruckendem Lebenszeugnis begegnen könnten. Die Auseinandersetzung mit dieser Zeit, dieser Biographie könne geistige Orientierung geben, die gerade auch in der Gegenwart von Nöten sei. sesa


s. auch: Wissenschaftliche Sitzung: Kurt Huber vor dem Volksgerichtshof




Veröffentlicht am: 08:53:37 08.07.2010
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