
Campus der Ruhr Uni Bochum, Niko Korte / PIXELIO
Erstes bundesweites Stipendienprogramm geht an den Start
Bundesrat stimmt für Programm nach nordrhein-westfälischem Vorbild
BERLIN / DÜSSELDORF. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Schaffung eines nationalen Stipendienprogramms zugestimmt. Damit kann eine der wichtigsten Neuerung im System der Studienfinanzierung der letzten Jahrzehnte bundesweit an den Start gehen. Die Regierungskoalition hatte gegen die Stimmen der Opposition eine Reform des BAföG sowie die Einführung eines Nationalen Stipendienprogramms beschlossen. SPD, Grüne und Linke lehnten das Stipendienprogramm ab und verlangten eine stärkere direkte Förderung von Studenten.
Anhebung der Bedarfssätze
Danach werden nun beim BAföG werden die Bedarfssätze um zwei Prozent und die Freibeträge um drei Prozent angehoben. Der Grundbetrag für nicht bei ihren Eltern wohnende Studierende steigt davon 521 auf 597 Euro, der Grundfreibetrag vom Einkommen verheirateter Elternteile von 1.555 auf 1.605 Euro. Außerdem steigt die allgemeine Altersgrenze von 30 Jahren für Masterstudiengänge auf 35 Jahre. Beim „erstmaligen Fachrichtungswechsel aus wichtigem Grund“ soll außerdem zukünftig der Anspruch auf eine BAföG-Förderung erhalten bleiben. Bis zu acht Prozent oder 160.000 Studierende an deutschen Hochschulen will die Regierung damit unabhängig vom Einkommen der Eltern mit 300 Euro im Monat fördern. Wie es in der Gesetzesbegründung heißt, sollen für die Förderung „neben Begabung und Leistung auch gesellschaftliches Engagement, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen oder besondere Umstände berücksichtigt werden können, die sich beispielsweise aus der familiären Herkunft oder einem Migrationshintergrund ergeben“. Zur Finanzierung der Stipendien sollen Bund und Länder sowie die Wirtschaft und private Stifter beitragen.
Anregungen aus NRW
Mit ihrem Programm greife die Bundesregierung auf Anregungen und Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen zurück, erklärte der nordrhein-westfälische Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart. „Das Stipendiensystem ist ein wichtiger Baustein, den Hochschulstandort Deutschland für die derzeitigen Studierenden und für künftige Studierende noch attraktiver zu machen. Unsere Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen zeigen sehr deutlich, dass das Stipendiensystem gerade diejenigen stärkt, die sich für die Gemeinschaft einsetzen – bei den Förderern ebenso wie bei den Studierenden. Mit dem Stipendienprogramm wird es uns gelingen, in Deutschland eine neue Stipendienkultur aufzubauen, wie sie andere Länder bereits haben und unsere Studierenden seit langem verdienen.“
Das Land NRW hatte zum Wintersemester 2009/2010 ein vergleichbares Stipendiensystem in Eigenregie erfolgreich eingeführt. Derzeit werden 1.400 Studierende mit monatlich 300 Euro unterstützt. 150 Euro kommen von privaten Spendern, 150 Euro vom Land. Die privaten Mittel stammen aus Stiftungen und Vereinen (43 Prozent), aus der Wirtschaft (38 Prozent) und von Privatpersonen (17,5 Prozent). Gefördert werden Studierende aller Fächergruppen, darunter Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Natur-, Sprach- und Sozialwissenschaften. Zum Wintersemester 2010/11 sollen weitere 1.200 Stipendiaten in Nordrhein-Westfalen hinzukommen. Die privaten Mittel dafür haben die Hochschulen bereits eingeworben.
Quelle u.a.: nrw.de
Veröffentlicht am: 20:36:46 09.07.2010