„Lübecker Kapläne": Seligsprechung am 25. Juni

 

HAMBURG/LÜBECK, 14. September 2010. Die „Lübecker Märtyrer“ werden am 25. Juni 2011 in der Hansestadt Lübeck seliggesprochen, teilte Erzbischof Werner Thissen (Bild rechts, Ebm. Hamburg) heute in Lübeck mit. Die Kapläne Bbr. Johannes Prassek, Hermann Lange und Bbr. Eduard Müller wurden zusammen mit dem evangelisch-lutherischen Pastor Karl-Friedrich Stellbrink am 10. November 1943 im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis ermordet.

 

„In ökumenischem Geist hatten Sie sich gemeinsam gegen die Lüge gewandt und für die Wahrheit eingesetzt“, so Erzbischof Thissen nach Meldung des Erzbistums. Sie hätten das Unmenschliche des nationalsozialistischen Regimes beim Namen genannt und dafür gesorgt, dass auch andere Menschen in ihrer Umgebung das Unrecht wahrnahmen: „Ihr Glaube hatte für sie unmittelbare praktische und politische Relevanz. Ihre Ermordung machte die vier Männer zu Märtyrern, zu mutigen Zeugen für den Glauben an Gott. Dass dieses Zeugnis auch über ihren gewaltsamen Tod hinaus Bestand hat, haben seither viele Menschen in Lübeck und weit darüber hinaus bekannt“, erklärte Thissen. Die Seligsprechung bestätige seitens der katholischen Kirche die seit Jahrzehnten währende Verehrung für die Geistlichen.


6000 Gläubige werden erwartet

 

Zu der ersten Seligsprechung Nordeutschlands, dessen 2004 begonnenes Verfahren damit einen ungewöhnlich schnellen Abschluss fand, werden rund 6000 Menschen erwartet. Der Termin wurde laut Angaben im Hinblick auf die Verhängung des Todesurteils gegen die Märtyrer am 23. Juni 1943 gewählt.


Der Lübecker Propst Franz Mecklenfeld betonte in einem Artikel des HAMBURGER ABENDBLATTES von heute, durch die Seligsprechung solle niemand ausgeschlossen werden. Zusammen mit den Geistlichen seien 18 Laien verhaftet worden, außerdem habe es unzählige Opfer unter Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen oder politisch andersdenkenden Menschen gegeben. Es gehe „nicht um ein exklusives, sondern um ein inklusives Gedenken“, so der Propst. „Aber die vier haben ihr Leben gelassen, weil sie in einer Zeit, in der sich viele angepasst hatten, in ihrem Bekenntnis klar und eindeutig geblieben sind.“ Die Vorbereitung der Feierlichkeiten fänden in enger Abstimmung mit der evangelischen Kirche statt.

 

Nach dem Bericht des ABENDBLATTES erklärte Regina Pabst (82) vom „Arbeitskreis 10. November Lübecker Märtyrer“, sie habe als junges Mädchen Kaplan Müller im Religionsunterricht als sehr zurückhaltenden, aber äußerst charismatischen Seelsorger erlebt. „Wir sind stolz, dass die Seligsprechung in Lübeck stattfindet und nicht etwa in Osnabrück oder Hamburg“. Lübeck hatte 1943 zum Bistum Osnabrück gehört, seit Errichtung des Erzbistums Hamburg im Jahr 1995 zum Nordbistum.

 

Nach den Zeitungsberichten findet im Rahmen der Seligsprechungsfeier am Freitagabend ein Gottesdienst in der evangelischen Lutherkirche statt. Den katholischen Festgottesdienst am Sonnabend um 11 Uhr feiern Erzbischof Thissen und Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) vor der Propsteikirche Herz Jesu, in deren Krypta der sich alljährlich am Hinrichtungstag der vier Geistlichen katholische und evangelische Christen zum Gedenken treffen. Nach der Messfeier, die größtenteils einem vom Vatikan vorgegebenen Ritus folgt, findet ein großes Fest auf den nahe gelegenen Domwiesen statt – „nach Hoffnung der Veranstalter in ökumenischer Freude“, so die aktuellen Meldungen.


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„Zeugen für Christus“. Die Martyrer des UNITAS-Verbandes im 20. Jahrhundert. Eine Zusammenstellung der Lebensbilder von Bbr. Lambert Klinke M.A. mit inhaltlichen und methodischen Überlegungen von Prälat Dr. Helmut Moll, aus: unitas 2/2000




Veröffentlicht am: 21:12:27 14.09.2010
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