3. Februar 2008: UNITAS bei der Amtseinführung
von Bbr. Erzbischof Reinhard Marx in München

MÜNCHEN. „Gott mit Dir, Du Land der Bayern!“ - pünktlich zur Bayernhymne riss am Samstag, 2. Februar, nach dem festlichen Gottesdienst zur Amtseinführung der schneekalte Himmel auf und alle strahlten unter herrlichem Blau und Weiß in goldenem Sonnenschein um die Wette: Kirchenvertreter, Staatsregierung und Gläubige - mittendrin Reinhard Marx, der neue Erzbischof von München und Freising. Zur Ehrenbezeugung der Schützen aus Westfalen und Bayern angetreten waren auch 15 UNITAS- Abordnungen, dazu CV-Verbindungen und KV-Vereine. Doch die UNITAS Ruhrania ließ sich nicht nehmen, im Festzug vom Liebfrauendom zur Residenz sogar ganz an der Spitze aller studentischer Korporationen stolz ihre Fahne mit dem heiligen Ludgerus aus dem Bistum Essen voranzutragen.

Mehrere tausend Menschen hatten am Gottesdienst im Dom teilgenommen, der vom Bayerischen Fernsehen übertragen wurde. Unter den Ehrengästen waren mehr als 50 Kardinäle, Bischöfe, Äbte und Ordensobere, darunter die Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Christoph Schönborn (Wien). Dazu kamen Repräsentanten aus Ökumene und Politik wie der evangelisch-lutherische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und Landtagspräsident Alois Glück. Dem neuen Erzbischof von München-Freising übergab sein Vorgänger Kardinal Friedrich Wetter den Bischofsstab und begleitete ihn mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Perisset, zur Kathedra. Reinhard Marx nahm erstmals auf dem Bischofsstuhl Platz und ergriff somit Besitz vom Erzbistum. Zuvor verlas Dompropst Weihbischof Engelbert Siebler die deutsche Übersetzung der päpstlichen Ernennungsurkunde für den 73. Nachfolger des heiligen Korbinian. Darin hieß es: „Weil Du, verehrter Bruder, die erforderlichen Fähigkeiten besitzt und als Bischof von Trier schon Erfahrung in der Leitung einer Diözese hast, wurdest Du für geeignet befunden, dieses Amt zu übernehmen und es fruchtbringend auszuüben." Reinhard Marx erklärte in seiner ersten Predigt u.a., er freue sich, dass in der modernen Gesellschaft Religion und Glaube wieder stärker präsent seien. Allerdings sei das Suchen und Fragen der Menschen vielfältiger geworden. Die Kirche verstehe sich dabei als „Zeichen, Werkzeug und Instrument", damit den Menschen geholfen werde, Gott zu finden. Weil die Verkündigung des Evangeliums in die Mitte der Gesellschaft gehöre, müssten sich Bischof und Kirche „politisch und gesellschaftlich einmischen". (Bilder links: Bbr. Norbert Scherhag, Stuttgart)

Volksfest: "München im Sturm genommen"

Die dreitägigen Feierlichkeiten gerieten über weite Strecken zu einem bayerischen Volksfest. Doch nicht nur Trachtler und Blasmusik prägten die äußerlichen Feiern: Denn vor dem Hauptportal des Doms hatten nach der Messe neben Abordnungen der 47 bayerischen Gebirgsschützenkompanien auch mit Hellebarden bewaffnete Schützen aus der westfälischen Heimat von Reinhard Marx Aufstellung bezogen. Die Sankt Sebastianus-Schützenbruderschaft aus Geseke und der Paderborner Bürger-Schützenverein von 1831 machten den Festzug durch die Innenstadt zur Residenz zu einem Akt praktischer Völkerverständigung. Und natürlich lag nahe, dass sich insbesondere die Unitarier aus NRW mit den Schützen immer wieder neu verbrüderten. „Unser Reinhard und wir haben München im Sturm genommen", erklärten sie selbstbewusst, ganz begeistert, dass ihr Protektor sie bereits wieder eingeladen hat. Und mancher einheimischer Zaungast versicherte - konfessionsübergreifend - den von der Ruhr in den Süden gestarteten Bundesbrüdern: "Do habts ihr uns aber a Super-Kardinal geschickt. Des ist ganz a netter."

Bernd Genser, Richie Duckheim, Karol Rawski, Philipp Böcker und Jens Hagenkötter war deutlich anzusehen: Auch sie waren froh und dankbar, dabei gewesen zu sein. Frühes Aufstehen, stundenlanges Stehen und Marschieren hatten sie geduldig und gut überstanden, die Farben der Ruhr-UNITAS und der Düsseldorfer UNITAS Rheinfranken bestens vertreten. Schon am Freitagabend waren sie nach der Anreise im „Augustiner“ an der Neuheuser Straße mit Vorortspräsident Johannes Günther, Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll, der HDB-Vorsitzenden Dr. Claudia Bellen, AHB-Vize Dr. Dr. Thomas Lohmann, und UNITAS-Delegationen von allen Breitengraden zusammengetroffen. Rund 40 Bundesbrüder und Freunde, unter ihnen der Geistliche Beirat Helmut Wiechmann, Christof, Maria, Andreas, Lu und Henrike Beckmann, stimmten sich hier auf das große Ereignis ein. Dies wird  nach vielen Gesprächen, Erlebnissen und der fröhlichen Bundesbrüderlichkeit der angerückten unitarischen Familie zweifellos allen noch lange in Erinnerung bleiben. Ständig angehalten von begeisterten Zaungästen, deren Fotos bald die Alben in allen möglichen Erdteilen schmücken, waren auch die Ruhranen Teil eines herausragenden Tages, bei dem sie vor allem im Chor der Liebfrauenkirche ganz nah am Geschehen sein konnten, um Ihrem Bundesbruder Reinhard allen Segen für seine große Aufgabe zu wünschen.

 

31. Januar 2008: München - wir kommen!  
UNITAS RUHRANIA auf Tour
in die bayerische Landeshauptstadt

ESSEN-BORBECK. Die nächste offizielle Vereinsveranstaltung der UNITAS Ruhrania findet in München statt: Zur Amtseinführung von Bbr. Dr. Reinhard Marx als neuem Erzbischof in der bayerischen Landeshauptstadt werden sechs Bundesbrüder - trotz anstehender Prüfungen - am Freitagmorgen an die Isar fahren. 

Am Freitagabend ist für 20 Uhr ein erstes Treffen mit den unitarischen Bundesbrüdern aus anderen Universitätsstädten im „Augustiner-Bräu“ in der Nähe des Marienplatzes angesetzt.  Am Samstagmorgen heißt es zur festlichen Messe früh antreten. Sie beginnt um 9.30 Uhr in der Liebfrauenkirche. Anschließend geht es nach den Ehrenbezeugungen der Schützen aus Paderborn und aus Geseke bei Lippstadt sowie von Abordnungen der Bayerischen Gebirgsschützen in einem Festzug zur Residenz. 

Während sich dort die Prominenz aus Kirche, Politik und Gesellschaft trifft, müssen Schützen und Studenten aber nicht darben: Sie treffen sich im Anschluss im Hofbräuhaus. Dort werden auch die Bundesbrüder Gelegenheit haben, den neuen Erzbischof im Anschluss an den Festakt herzlich zu begrüßen. Denn diese Begegnung wird auch Bbr. Reinhard Marx nicht missen wollen. Für die UNITAS Ruhrania umso wichtiger: Denn ohne seinen mutmachenden und aktiven Einsatz als damaliger Direktor der Kommende in Dortmund wäre die Wiederbegründung der UNITAS an der Ruhr Anfang der 1990-er Jahre niemals zustande gekommen.

 

 15. Januar 2008
  "Marxismus wäre gut für Katholiken

 … so titelte stern-online am 15. Januar 2008. Denn Bbr. Reinhard Marx, noch Bischof in Trier, demnächst Erzbischof in München und Freising, gelte als einer der Kandidaten für die Nachfolge des nach fast 21 Jahren aus dem Amt scheidenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann. „Damit beginnt für die Katholiken und Deutschland eine neue Ära. Es könnte bald Marx statt Lehmann heißen - sicher kein Rückschritt“, erklärt Autor Frank Ochmann. Ein besserer Zeitpunkt sei kaum denkbar, auch wenn Karl Lehmann ihn nicht ganz freiwillig ausgesucht habe. „Der Neue steht bereit. Denn wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird diese neue Ära eine stramm „marxistische“ sein. Stramm ist jedenfalls schon das Tempo, mit dem sie beginnt.“

„Charisma, Optimismus, Geistesschärfe“

Dass der neue Erzbischof in München-Freising ganz und gar nach dem Geschmack Papst Benedikts sei, könne nicht bezweifelt werden, habe der ihm doch seine Heimat anvertraut. Schon dies allein wäre ein starkes Argument für einen Vorsitzenden Marx, so Ochmann: „Ein anderes, nicht weniger gewichtiges, ist er selbst: Kein residierender Bischof zwischen Sankt Marien in Flensburg und der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Garmisch-Partenkirchen hat auch nur annähernd das Charisma, mit dem Reinhard Marx eine Runde von Firmeltern ebenso für sich einnehmen kann wie das Millionenpublikum einer Sonntagabend-Talkshow. Überzeugen kann er nicht nur durch seinen unerschütterlichen Optimismus, den er vom lieben Gott persönlich haben muss. Auch mit seiner Bildung und Geistesschärfe muss er sich vor der Kardinal Lehmanns, des überaus gelehrten früheren Professors, nicht verstecken. Marx statt Lehmann wäre also sicher kein intellektueller Rückschritt.“

Am 11. Februar kommt die Deutsche Bischofskonferenz in Würzburg zur ersten Vollversammlung in diesem Jahr zusammen. „Und es wäre wirklich erstaunlich“, meint Ochmann, „wenn Reinhard Marx dort nicht bald Gelegenheit bekäme, den Satz zu wiederholen, mit dem er bei der Ernennung zum Münchner Erzbischof gewitzt und gewappnet für künftige Herausforderungen vor die Kameras trat: „I'll do my very best.“ Ludwig Ring-Eifel, Chef der Katholischen Nachrichtenagentur KNA, bezweifelt, dass der der designierte Vorsitzende der Bayerischen Bischofskonferenz wenige Tage nach seiner Amtseinführung bereits auch zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofkonferenz gewählt wird. Die in München auf ihn wartenden Aufgaben sei zu umfangreich, schrieb Ring-Eifel in der WAZ. Doch wie es auch immer kommen wird: Zahlreiche UNITAS-Mitglieder machen sich zum Lichtmess-Wochende auf den Weg in die bayerische Landeshauptstadt. Abordnungen und Freunde werden bei der Messe und feierlichen Amtseinführung am 2. Februar in der Liebfrauenkirche ganz nah dabei sein. Auch die UNITAS Ruhrania aus dem Ruhrgebiet, an deren Wiege Bbr. Reinhard Marx bei der Neugründung im Bistum Essen stand, tritt natürlich mit ihrer Fahne des Hl. Ludgerus an.

 

30. November 2007
Gott mit Dir im Land der Bayern!

Bbr. Dr. Reinhard Marx neuer Erzbischof von München und Freising

Am Fest des Hl. Andreas zum 73. Nachfolger
des Heiligen Korbinian ernannt

 ROM / TRIER / MÜNCHEN. Papst Benedikt XVI. hat am 30. November, dem Fest des Hl. Andreas, Bundesbruder Bischof Reinhard Marx von Trier zum Erzbischof von München und Freising ernannt. 

Bischof Reinhard MarxAm Donnerstag, 6. Dezember, besuchte Marx zum ersten Mal nach seiner Ernennung die alte Bischofsstadt und betete in der Krypta des Freisinger Mariendoms am Reliquienschrein des heiligen Korbinian. Er verkündete als erster Bischof in Freising im 8. Jahrhundert in Altbayern den christlichen Glauben und ist erster Patron der Erzdiözese München und Freising. In München traf Marx mit Kardinal Friedrich Wetter zusammen. Mit ihm und Verantwortlichen des Erzbischöflichen Ordinariates München sprach er über Einzelheiten seiner für den 2. Februar am Fest Mariä Lichtmess vorgesehenen feierlichen Amtseinführung, die um 9.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom beginnt. Eine Woche zuvor, am 26. Januar, verabschiedet sich Marx nach fast sechsjähriger Amtszeit als Bischof von Trier. Ende Januar - der genaue Termin steht noch nicht fest - wird er den im Bayern-Konkordat von 1924 vorgeschriebenen Eid vor dem bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein leisten. Bei seinem festlichen Empfang in München will er auch an der Mariensäule auf dem Marienplatz beten.

Für den UNITAS-Verband übermittelte Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll dem 73. Nachfolger des Heiligen Korbinian noch am Tag seiner Ernennung herzliche Glück- und Segenswünsche: „Über diese Auszeichnung durch den Heiligen Vater und das damit zum Ausdruck gebrachte Vertrauen sind wir als Deine Bundesbrüder stolz und dankbar. Wir sind sicher, dass Du auch in Deiner neuen Aufgabe ein beeindruckender Zeuge für unseren Glauben und ein tatkräftiger Repräsentant unserer Kirche sein wirst. Durch unseren Einsatz und unser Gebet wollen wir auch in Zukunft Dein Wirken begleiten und unterstützen“, erklärte der Verbandsvorstand in bundesbrüderlicher Verbundenheit et semper in unitate.

Der ernannte neue Erzbischof in München ist Nachfolger von Kardinal Friedrich Wetter (79), der das fast zwei Millionen Katholiken zählende Erzbistum ein Vierteljahrhundert lang als Oberhirte geleitet hat. Benedikt XVI., selbst 1977- 1982 Erzbischof von München und Freising, setzte ihn für die Zeit der Sedisvakanz als Apostolischen Administrator der Erzdiözese ein. Über die Nachfolge war seit Monaten spekuliert worden. Auch der Name von Bbr. Marx war unter anderem genannt worden. Viele allerdings schlossen eine Berufung aus dem Norden kategorisch aus – nun ist er der erste Nicht-Bayer in der 186-jährigen Geschichte auf den neben Köln bedeutendsten Bischofsstuhl in Deutschland. Mit seiner Ernennung, so die WELT, sei die „derzeit brisanteste Personalie im deutschen Katholizismus entschieden.“

„I do my best !“

Er gehe mit großer Offenheit in die bayerische Landeshauptstadt, machte der zukünftige Erzbischof selbst am Tag seiner Ernennung deutlich. Zugleich hoffe er, dass die Bayern auch einen Westfalen akzeptieren könnten. „Man lernt ein Bistum und die Menschen nur kennen, wenn man sie liebt.“ Das habe er sich auch für München vorgenommen. Freimütig räumte er ein, dass ihm in Bayern „eigentlich alles fremd sei“. Er versicherte zugleich, er habe keine Vorurteile und fügte hinzu: „I do my best.“ Mit Blick auf sein bisheriges Bistum Trier sagte Marx, er sei „ein wenig traurig und wehmütig“ darüber, es verlassen zu müssen, denn Deutschlands älteste Diözese sei ihm zu einer zweiten Heimat geworden. Seine Berufung durch Benedikt XVI. auf den Münchener Bischofsstuhl nannte Marx einen großen Vertrauensbeweis, der ihn tief bewege. Der Wunsch des Papstes, sei für ihn eine „Einladung des Herrn selbst“. Mit seiner neuen Aufgabe verbunden sind der Vorsitz in der Freisinger Bischofskonferenz und in der Regel auch die Kardinalswürde.

Reinhard Marx wurde am 21. September 1953 in Geseke, Kreis Lippstadt in Nordrhein-Westfalen geboren und wuchs mit drei Geschwistern auf. In dem Sohn eines gewerkschaftlich engagierten Schlossermeisters vereinen sich bodenständige Frömmigkeit mit echter Neugier auf die Mitmenschen und ihre Lebenswelten. Schon als Kleinkind stand sein Berufswunsch Priester fest, starke Pfarrerpersönlichkeiten in seinem Heimatort prägten ihn. Seinen Eltern habe er besonders viel zu danken, bekannte er einmal im Gespräch mit der unitas-Redaktion. Wo andere ihre Zimmer mit Bildern von Pop- oder Sportstars schmückten, habe er das Bild von Papst Johannes XXIII. an die Wand gehängt. Von ihm sind sein Denken und Glauben nachhaltig beeinflusst, auch von Augustinus, Thomas von Aquin, Franz von Assisi und Ignatius von Loyola.

Nach dem Abitur 1972 studierte Reinhard Marx Theologie und Philosophie in Paderborn und Paris. 1979 weihte ihn der Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, zum Priester. Nach einem zweijährigen Vikariat in Arolsen schloss sich von 1981 bis 1989 ein Zweitstudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Ruhr-Universität Bochum Dort wurde Marx  1988 an der Katholisch-Theologischen Fakultätbei dem Fundamentaltheologen Professor Dr. Hermann Pottmeyer mit der Arbeit „Ist Kirche anders ? − Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise“ promoviert. 1989 übernahm er die Aufgabe des Geistlichen Rektors und dann des Direktors der St.-Klemens-Kommende in Dortmund-Brackel, des Sozialinstituts der Erzdiözese Paderborn. Während seiner dortigen Tätigkeit war Reinhard Marx Subsidiar in der St.-Ewaldi-Gemeinde in Aplerbeck (Dortmund). Erzbischof Degenhardt beauftragte ihn mit der Seelsorge in der Berufs- und Arbeitswelt. Am 21. Juni 1993 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Kaplan Seiner Heiligkeit. 1996 erfolgte die Berufung zum außerordentlichen Professor für Christliche Gesellschaftslehre an die an der Theologischen Fakultät der Universität Paderborn.

Unitarisch aktiv

Bereits 1975 hatte sich Reinhard Marx in Paderborn dem Wissenschaftlichen katholischen Studentenverein UNITAS Hathumar angeschlossen. Mit der Fortsetzung des Studiums 1981-1989 in Münster und Bochum war er bei UNITAS Frisia und Winfridia aktiv, bei der er auch philistriert wurde. Ob bei der Vorortsübergabe in Essen, ob bei der Wiederbegründung im Stadtpark Bochum, bei Podiumsdiskussionen der UNITAS an der Ruhr-Uni ("Deutschland auf dem Weg in die Zwei-Drittel-Gesellschaft?"), als Festredner bei Stiftungs- und Vereinsfesten oder als Gastgeber in der Dortmunder Kommende - auch der jungen UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund stand Reinhard Marx Anfang der 1990er Jahre an tatkräftig und ermunternd zur Seite. Unvergessen ist den Ruhr-Unitariern bis heute das Zusammensein beim Vereinsfest im Kolping-Haus in Bochum-Linden, bei dem er nachdrücklich zur Profilierung einer sozial und katholisch aktiven UNITAS im Ruhrgebiet motivierte. Und so erlebten ihn seine Bundesgeschwister auch bei Verbandsveranstaltungen, viele freuten sich über seinen Zuspruch auch im privaten Bereich, wo er etwa als Hochzeitspriester gerne zur Verfügung stand.

1996 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Titularbischof von Pedena, einem erloschenen Bistum in Istrien, und zum Weihbischof im Erzbistum Paderborn. An seinem 43. Geburtstag, dem 21. September 1996, weihte ihn Erzbischof Degenhardt im Hohen Dom zu Paderborn zum Bischof und ernannte ihn zum Bischofsvikar für Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft. Seit 1999 ist Marx Vorsitzender der von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken gemeinsam getragenen Kommission „Justitia et Pax“ (Gerechtigkeit und Frieden). 2001 wurde er in das Paderborner Metropolitankapitel aufgenommen.

2002: Bischof von Trier

Am 20. Dezember 2001 ernannte Papst Johannes Paul II. Reinhard Marx zum Bischof von Trier, wo er zu Ostern, am 1. April 2002, im Dom in sein Amt eingeführt wurde. Zu seinem bischöflichen Wahlspruch wählte er „Ubi spiritus Domini ibi libertas – Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“, ein Wort aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth zum Wahlspruch. In der Deutschen Bischofskonferenz führt er den Vorsitz der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und ist Stellvertretender Vorsitzender der Kommission Weltkirche.

Bereits 2001, unmittelbar nach seiner Ernennung zum Bischof von Trier, machte der ernannte Erzbischof von München und Freising deutlich: „Zur Kirche, zum Evangelium, zu Jesus Christus gibt es keine Alternative.“ Die Menschen müssten wieder sagen können, sie seien eigentlich gerne Christen, „nicht gezwungen oder gelangweilt, sondern mit ganzem Herzen“. Wie lebendiger Glaube weitergegeben werden könne, ist für Reinhard Marx eine zentrale Frage: „Wer Christus nicht gefunden hat, hat etwas verpasst in seinem Leben.“ Das irdische Leben bekomme erst Tiefe, Qualität und Würde, „wenn es den Himmel gibt, wenn Gott existiert und mein Leben ganz in ihm geborgen ist“, erklärte er in der Predigt zum Osterfest 2007. Ohne den Blick auf den Himmel würde Europa nicht nur den Glauben, sondern auch seine kulturellen Grundlagen verlieren. Menschliche Kultur entstehe dann, wenn der Blick über das Irdische, Sichtbare und Materielle hinausgehe, „wenn Transzendenz gewagt wird“. Nur dann könnten sich Kunst, Musik, Literatur, Denken, Geist und Leben entwickeln. Auch soziales und politisches Engagement müsse stets spirituell verankert sein: „Mystik und Politik“, so Marx, seien für ihn zwei Seiten einer Medaille. Die katholische Soziallehre, so der Sozialethiker, interessiere sich grundsätzlich für den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft in den verschiedenen Lebenswelten der Menschen. Der Sohn Gottes sei Mensch geworden, „um uns Menschen den Weg in das Leben in Fülle zu ermöglichen.“

Der Mann aus dem Westen

Als „barock und neo-sozial“ in der Presse charakterisiert, gilt der „Mann aus dem Westen“ als „umgänglich, schlagfertig, frei von Berührungsängsten und diskussionsfreudig“. Erstaunen weckt bei Medienleuten seine Liebe zu einer guten Zigarre ebenso wie seine spontane Heiterkeit. Er sei „genervt“ vom „verbreiteten innerkirchlichen Griesgram“, so der TAGESSPIEGEL. „In grundlegenden ethischen Fragen sattelfest, um eine deftige Stellungnahme selten verlegen, auf Bankenkongressen und im Fernsehen ebenso präsentabel wie in der Caritas-Suppenküche, dazu in Rom wohlgelitten“, so formulierte etwa Daniel Deckers in der FAZ. Zugleich wird er theologisch, kirchenpolitisch und vor allem auch liturgisch als konservativ kategorisiert. Gerne wird verwiesen auf seine Bonmots „Wir können doch nicht von den Meinungsumfragen abhängig machen, was wir glauben sollen“ oder „Wer den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon Witwer.“ Nicht vergessen wird sein klares Wort bei der Suspendierung des Theologieprofessors Gotthold Hasenhüttl. Marx habe, so im Portrait des KNA-Chefredakteurs Ludwig Ring-Eifel, im Bistum Trier Verwaltung und Seelsorge „mit einer schneidigen Strukturreform aufgemischt“ und sei dabei mitunter angeeckt. Marx sei als „Denker des Sozialen kein Umverteilungs-Nostalgiker nach Art eines „Herz-Jesu-Marxisten“, vielmehr deckten sich seine Vorstellungen zum Umbau des Sozialstaats in Richtung mehr Eigenverantwortung und Subsidiarität mit Kernaussagen des neuen CSU-Grundsatzprogramms.

Große Herausforderungen

Ein „handfestes Problem“ hat Reinhard Marx bereits geklärt: Auch als Münchner Erzbischof wolle er seine Mitgliedschaft bei Borussia Dortmund nicht aufgeben, erklärte er im Bayerischen Rundfunk. Dies sei für ihn ein Ausdruck „westfälischer Treue“. Zugleich wollte er nicht völlig ausschließen, auch noch einem anderen Fußballverein beizutreten. Er wolle sich nach seinem Umzug zunächst mal die Münchner Vereine ansehen.

Doch kommen dort auf den neuen Erzbischof, nur ein Jahr älter als der jüngste unter Bayerns Bischöfen, der Eichstätter Benediktiner Gregor Maria Hanke, in Bayern zweifellos noch ganz andere Herausforderungen und Entscheidungen zu. Auseinandersetzungen um Fragen der Zukunft der katholischen Schwangerenkonfliktberatung, um das Krisenmanagement zur Sanierung der Deutschordenswerke, um den Erhalt der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt oder die Neuordnung der theologischen Fakultäten und die Gestalt der Laienräte haben hier manche Narben hinterlassen. Doch auch wenn die Außensicht zunächst sicher einige Zeit beanspruchen wird – viele im Verband haben den unerschütterlichen Glauben und die Weltzugewandtheit des langjährigen Verbandsseelsorgers kennengelernt, mit denen er diese Herausforderungen angehen wird. Diese Fähigkeiten schätzen nicht nur die Bundesbrüder, mit denen er die Priestergemeinschaft ins Leben rief, die sich unter dem Namen Papst Johannes XXIII. regelmäßig trifft, das theologische Gespräch, das Gebet und die Gemeinschaft in besonderer Weise pflegt. Diese Erfahrung prägt bis heute auch viele Bundesgeschwister und die Pilger, die er auf zahlreichen AGV-Wallfahrten von Beginn an oft begleitet hat.

Zu seiner UNITAS und ihren Prinzipien hat sich der zukünftige Erzbischof Reinhard Marx überall und immer klar bekannt. Er schätzt ihr Erbe des sozialen Katholizismus, seine programmatischen Worte zum christlichen Europa bei der 130. Generalversammlung in Trier gaben der Verbandsarbeit eine größere Dimension. Wenn er nun dem Ruf des Hl. Vaters nach München folgt, begleiten ihn die besten Segenswünsche seiner Bundesschwestern und Bundesbrüder: „Gott mit Dir im Land der Bayern!“

CB

(unter Verwendung zahlreicher Presseveröffentlichung und des in der unitas 3/4 2007 erscheinenden Textes)

Links: www.bistum-trier.de mit aktuellen Meldungen und O-Tönen des neu ernannten Erzbischofs; www.erzbistum-muenchen.de.


Das Erzbistum München und Freising

Die mit mehr als 1,8 Millionen Katholiken größte unter den sieben bayerischen Bistümern und neben Köln bedeutendste Diözese in Deutschland erstreckt sich über eine Fläche von 12.000 Quadratkilometern vorwiegend auf Oberbayern. Sie ging hervor aus dem Hochstift Freising, das der heilige Bonifatius 739 errichtete. Nach der Säkularisation 1821 wurde der Bischofssitz nach München verlegt und die Erhebung zum Erzbistum verfügt. Offizielle Bischofskirche ist der Münchner Liebfrauendom (s. Bild oben mit der Marienfigur auf der Säule über der Bischöflichen Kathedra), dazu kommt aus historischen Gründen als Konkathedrale der Freisinger Mariendom. Auf dem Gebiet der Erzdiözese liegen 662 Pfarreien und 93 Nebenstellen mit knapp 1.100 Priestern. Unter der Trägerschaft des Erzbistums sind außerdem 19 Schulen. Bistumspatron ist der heilige Korbinian, der als fränkischer Wanderbischof im 8. Jahrhundert das Christentum nach Altbayern brachte. Als Suffraganbistümer sind dem Erzbistum München und Freising die Bistümer, Augsburg, Passau und Regensburg zugeordnet.

Seit der Erhebung zum Erzbistum - so eine ergänzende Zuschrift von Bbr. Lambert Stamer - standen mit Kardinal Friedrich Wetter 12 Erzbischöfe der Kirche von München und Freising vor, unter ihnen im 20. Jahrhundert die Kardinäle Franziskus von Bettinger (1909-1917), Bbr. Michael von Faulhaber (1917-1952), Joseph Wendel (1952-1960), Bbr. Julius Döpfner (1961-1976) sowie Joseph Ratzinger, der jetzige Papst Benedikt XVI. (1977-1982). Bbr. Reinhard Marx ist der 13. Erzbischof, von denen diejenigen des 20. Jahrhunderts alle in das Kardinalskollegium berufen wurden. Damit ist das Erzbistum im 20. Jahrhundert 50 Jahre lang von Bundesbrüdern geleitet worden; mit Reinhard Marx tritt nun innerhalb von 90 Jahren der dritte Bundesbruder sein Amt als Hirte dieses bedeutenden Bischofsstuhls an. Eine „größere Dichte" von Bundesbrüdern haben nach der Statistik von Bbr. Stamer nur die Bistümer Berlin (vier Bundesbrüder mit 58/100 Jahren), Hildesheim (vier Bundesbrüder mit 50/100 Jahren) und Freiburg (vier Bundesbrüder mit 35/100 Jahren) zu verzeichnen. Es folgen Aachen (zwei Bundesbrüder mit 27/100 Jahren), Speyer (zwei Bundesbrüder mit 24/100 Jahren), Köln (zwei Bundesbrüder mit 21/100 Jahren), Bamberg (zwei Bundesbrüder mit 12/100 Jahren), Dresden-Meissen (zwei Bundesbrüder mit 11/100 Jahren), Paderborn (ein Bundesbruder mit 32/100 Jahren), Regensburg (ein Bundesbruder mit 18/100 Jahren), Münster (ein Bundesbruder mit 10/100 Jahren), Würzburg (ein Bundesbruder mit 9/100 Jahren) und Erfurt (ein Bundesbruder mit 8/100 Jahren).

 

Marx schreibt das "Kapital" neu
Die MÄRKISCHE ALLGEMEINE schreibt in ihrer Online-Ausgabe vom 1. Dezember 2007:

„... Ob Marx die unterprivilegierten Putzfrauen für ihr rudimentäres Klassenbewusstsein gelobt hätte, ist fraglich. In seinem Werk „Das Kapital" hatte Karl Marx (1818 bis 1883) auf etwa 2200 Seiten die politische Ökonomie des Kapitalismus grundlegender Kritik unterzogen. Nun schreibt Marx, Reinhard Marx, „Das Kapital" neu. Der bisher in Trier residierende Bischof will im Münchener Pattloch-Verlag eine 300-seitige Streitschrift unter dem gleichen Titel seines berühmten Namensvetters vorlegen. Es gebe gute Gründe, „Karl Marx noch nicht ad acta zu legen", so Reinhard Marx. Am Freitag ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von München-Freising. Es heißt, dass der Sohn eines Schlossers und Anhänger einer sozialen Marktwirtschaft künftig auch Kardinalspurpur tragen könnte. Wenn das nicht nach Verschwörung riecht...." stl/dd

  




Veröffentlicht am: 16:23:15 03.02.2008
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