9. November:
Skandalöse Mahnwachen-Ankündigung der NPD

Mit mehreren Aktionen machen Neo-Nazis mobil

 

ESSEN-BORBECK. Ausgerechnet am Gedenktag der Reichspogromnacht, am 9. November, will die NPD in Essen-Borbeck demonstrieren. Wie die WAZ heute berichtet, bestehe wenig Aussicht auf ein Verbot der Kundgebung, die Polizeibehörde sehe kaum Chancen, die unter dem „Mauerfall am 9.11.1989 - In Gedenken an die Mauertoten“ laufende Mahnwache der Rechtsaußenpartei auf dem Germaniaplatz zu verbieten. Im Antrag des NPD-Ratsherrn Marcel Haliti gebe es dazu jedoch weder inhaltlich noch räumlich einen Zusammenhang, zitiert die Zeitung Polizeisprecher Ulrich Fassbender.

 

9. November 1938: Beginn des Holocaust

 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 setzten die Nationalsozialisten mehr als 260 Synagogen in Deutschland in Brand, verwüsteten 7.500 jüdische Geschäfte und Wohnhäuser, ermordeten mindestens 91 Juden, misshandelten Tausende und verschleppten 26.000 Juden in Konzentrationslager. Auch in Borbeck zerstörten die Nazis Geschäfte jüdischer Bürger. Diese mussten für die bei der als „Reichskristallnacht“ bezeichneten Pogromaktion an Läden und Wohnungen verursachten Schäden selbst aufkommen, Versicherungszahlungen wurden nicht zugestanden. Darüber hinaus verlangte die Reichsregierung eine „Sühneleistung“ von einer Milliarde Reichsmark. Mit dem als Reaktion auf die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris geplant organisierten NS-Verbrechen begann die Ausschaltung der jüdischen Bürger aus dem deutschen Wirtschaftsleben, die Schließung aller ihrer Geschäfts- und Handwerksbetriebe, ein Besuchsverbot für Theater, Konzerte und Kinos und der Ausschluss der jüdischen Kinder von öffentlichen Schulen. Die NSDAP erklärte die Gewaltwelle zum „spontanen Akt des Volkszorns“. Die Judenverfolgung endete im Holocaust mit der Deportation und Vernichtung von mehr als sechs Millionen Juden in Konzentrationslagern.

 

„Antisemitische Provokation“

 

Das Bündnis „Katernberg stellt sich quer“, das sich gegen einen am 27. November auf dem Katernberger Markt geplanten Aufmarsch der Rechten formiert hat, hält den auf die Maueropfer bezogenen Titel der NPD-Veranstaltung für vorgeschoben. Er könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dem Aufmarsch mit Fahnen, Fackeln und Transparenten um eine antisemitische Provokation handele. Der Zusammenschluss aus Vereinen, Kirchengemeinden, Gewerkschaften und Parteien fordert Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr auf, den Aufmarsch der Rechten in Borbeck zu verhindern und erinnert an ihren Vorgänger Herbert Schenkelberg. Dieser hatte 2004 eine Versammlung von Neonazis vor der Alten Synagoge als „unverschämte Provokation“ bezeichnet und verboten. Zwei Jahre später zeigte der Polizeipräsident den Rechten die rote Karte, als sie auf der Hollestraße demonstrieren wollten. Auch zur aktuellen NPD-Kundgebung mit Fackeln, Fahnen und Transparenten auf dem Germaniaplatz wird vermutet, dass daran auch so genannte „Freie Kameradschaften“ beteiligt sind. Seit Herbst 2009 machten in mehreren Essener Stadtteilen Aufkleber mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand Borbeck“ von sich reden.

 

Aktionen der NPD

 

Die NPD setzt sich derzeit mit mehreren Aktion in Szene: So traten am 4. September 2010 in Dortmund knapp 1000 Neonazis bei einem in letzter Minute aus Karlsruhe genehmigten Aufmarsch an. Am 30. Oktober will der NPD-Kreisverband Mettmann/Düsseldorf mit „Freien Kameradschaften“ um 12 Uhr am Bahnhof Velbert-Neviges unter dem Titel „Multikultur ist sozialer Krieg – Gegen Gewalt und Überfremdung! Kriminelle Ausländer raus!“ aufmarschieren. Ein von IG Metall und bürgerlichen Parteien geführtes Bündnis wird ab 11 Uhr vor der Sparkasse / Elberfelder Straße 71 dagegen demonstrieren.

 

Für Samstag, 27. November 2010, ist eine NPD-Kundgebung in Essen-Katerberg geplant. Unter dem Motto „Nein zur Überfremdung unserer Schulen“ fordern sie: „Getrennte Schulklassen für deutsche und ausländische Schüler, solange die schrittweise Rückführung noch nicht abgeschlossen ist.“ Die Organisatoren der Gegenkundgebung erklärte dazu: „Sie verbreiten Rassismus und Intoleranz. …In unseren Stadtteilen beweisen wir täglich, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Nationalitäten und Religionen möglich ist. Dieses Zusammenleben lassen wir uns nicht von braunen Banden zerstören.“ Für Mittwoch, 3.November, 19 Uhr, ist ein Treffen des Koordinierungskreises Katernberg gegen die geplante Kundgebung im Bürgerzentrum Kon-TAKT, Katernberger Markt 4, angesetzt. Mittwoch, 10.November, 19 Uhr, findet eine Bürgerversammlung im evangelischen Gemeindehaus am Katernberger Markt statt.

 

Zuletzt: „Christen in der NPD“

 

Eine sicher seltsame Veranstaltung kündigt die NPD im Übrigen für Samstag, 30.10.2010 an: Ein Arbeitskreis „Christen in der NPD“ will sich an einem nicht genannten Ort in verschiedenen Vorträgen „intensiv mit Themen um Volk-Nation und Christentum“ beschäftigen. Dazu heißt es in der Mitteilung: „Unter anderem werden Referenten zu folgenden Themen sprechen: Volk und Vaterland – verpflichtende Haltung für Christen, Deutsche Jugend und der Glaube der Vorväter, Luther und die deutsche Nation, Auserwählte Völker – Deutschlands Sendung.“ Für den Abend hat sich Udo Pastörs, Chef der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern „zu allg. politischen Themen“ angesagt. In der Ankündigung des Arbeitskreises heißt es weiter: „Wir würden uns auch über eine Teilnahme von „Nichtchristen“ – gerade auch im Hinblick auf eine spannende Diskussion – freuen. Es sollte die Idee des deutschen Volkes sein, die uns eint und nicht die Religionszugehörigkeit unserer Mitglieder.“ Was sie tatsächlich eint, wird der aus Niedersachsen stammende Rechtsaußen Pastörs ganz sicher dort zum Besten geben. Er forderte am 3. März 2007 bei einem Aufmarsch in Halbe: „Lasst uns diese ganze verfaulte Republik unterwühlen. Lasst sie uns unterwühlen. Und es ist heute schon ungleich viel einfacher, und wir haben ja schon auch den ein oder anderen politischen Tunnel gegraben, um dieses Konstrukt der Siegermächte zum Einsturz zu bringen“.



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Veröffentlicht am: 20:15:43 29.10.2010
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