Katholische Pfarrgemeinde St. Dionysius entrüstet:

Einladung zu Gedenkgottesdienst am 9. November

 

ESSEN. Entrüstung herrscht in der Katholischen Pfarrgemeinde St. Dionysius Essen-Borbeck über die für den 9. November auf dem Germaniaplatz angekündigte Mahnwache der NPD. Der Titel der Kundgebung unter dem Motto „Mauerfall am 9.11.1989 - In Gedenken an die Mauertoten” sei „fadenscheinig” und „eine Farce”, ruft Stadtdechant Pfr. Dr. Cleve zur Teilnahme an einem Gedenkgottesdienst auf.

Eine Gegen-Demo formiert sich bereits: Der Essener „Runde Tisch für Menschenrechte, gegen Rassismus und Rechtsradikalismus" informiert in seiner Pressemeldung über den Ablauf der so genannten „Mahnwache" und die Gegenveranstaltung, bei der unter anderem der NRW-Justizminister Thomas Kutschaty sprechen wird. Die UNITAS ruft ihre Mitglieder herzlich zum Besuch der Gedenkmesse in St. Dionysius auf, die am Vorabend des 67. Todestags der „Lübecker Märtyrer" in St. Dionysius gefeiert wird.

 

 

Pressemitteilung der Katholischen
Pfarrgemeinde St. Dionysius Essen-Borbeck, 5. November 2010


Gottesdienst am 9. November, 19 Uhr:

Zeichen gegen die geplante NPD–Kundgebung


ESSEN-BORBECK. Entrüstung herrscht in der Katholischen Pfarrgemeinde St. Dionysius Essen-Borbeck über die für den 9. November auf dem Germaniaplatz angekündigte Mahnwache der NPD. „Dass dies hier ausgerechnet am Jahrestag der Pogrome gegen die Mitbürger jüdischen Glaubens in ganz Deutschland geschehen soll, haben Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand mit großer Empörung zur Kenntnis genommen”, heißt es. Der Titel der Kundgebung unter dem Motto „Mauerfall am 9.11.1989 - In Gedenken an die Mauertoten” sei „fadenscheinig” und „eine Farce”.


Im Gottesdienst am Dienstag, 9. November um 19 Uhr in der Dionysiuskirche, Essen–Borbeck, gedenkt die Pfarrei St. Dionysius daher der Opfer der NS-Zeit und betet für Frieden, Versöhnung und Verständigung in unserer Zeit. Vor allem das Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht gibt Orientierung für die Gegenwart. „Damit setzen wir an diesem Abend ganz bewusst ein Zeichen gegen die geplante NPD–Aktion in Borbeck”, betont Stadtdechant Pfarrer Dr. Jürgen Cleve. „Und es lag sicher am Engagement vieler Christinnen und Christen und an der Kraft des Gebetes, dass am 9. November 1989 die Mauer gefallen ist." Zelebrant der heiligen Messe ist Pastor Franz–Josef Reidick, der die Zeit des Nationalsozialismus in Borbeck als Kind selbst miterlebt hat.


„Am 9. November 1938 wurden auch in Borbeck Geschäfte zerstört, Menschen drangsaliert und gedemütigt”, so Cleve. Das Datum sei „eindeutig besetzt”: Der 9. November war der Tag des „Hitler-Putsches”, mit dem rechtsradikale Republikfeinde in München bereits 1923 versuchten, die Regierungsmacht an sich zu reißen. Am 9. November 1925 ordnete der spätere Diktator die Gründung der „Schutzstaffel” (SS) an, die 1934 zu einer eigenständigen paramilitärischen Organisation der NSDAP wurde und maßgeblich an der europaweiten Vernichtung des Judentums beteiligt war. Am 9. November 1938 schließlich habe das NS-Unrechtsregime sein wahres, menschenverachtendes Gesicht enthüllt: In der Nacht auf den 10. November des Jahres setzten die Nationalsozialisten mehr als 260 Synagogen in Deutschland in Brand, verwüsteten Abertausende Geschäfte und Wohnhäuser von Bürgern jüdischen Glaubens, ermordeten und misshandelten Tausende und begannen mit den Verschleppungen in die Konzentrationslager. „Dieser Tag wurde zum Beginn des Holocausts, dem 6 Millionen Juden zum Opfer fielen”, erinnert der Essener Stadtdechant.


Dass am 9. November in Freude und Dankbarkeit an die Öffnung der Mauer im Jahr 1989 gedacht werde, sei selbstverständlich. „Doch sind an einem solchen Tag Fackelzüge völlig unangebracht”, so die Borbecker Großpfarrei. Die Kirchengemeinde will alle unterstützen, die in friedlicher Weise ihre ablehnende Haltung zur geplanten „Mahnwache” in Borbeck zum Ausdruck bringen wollen.

 

Dr. Jürgen Cleve, Pfr.

 

 


 


Runder Tisch für Menschenrechte,
gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

 

Pressemitteilung - Essen, 5. November 2010


NPD in Borbeck unerwünscht!

Kundgebung und Mahnwache gegen NPD-Aufmarsch am 9.11.2010


ESSEN. Der Runde Tisch für Menschenrechte, gegen Rassismus und Rechtsradikalismus, ruft für Dienstag, 9.11.2010 zu einer Kundgebung und anschließender Mahnwache gegen den NPD-Aufmarsch in Essen-Borbeck auf. Die Kundgebung beginnt um 18.00 Uhr auf dem Höltingplatz / Fußgängerzone der Gerichtsstrasse am ehemaligen Kaufhaus Karstadt/Hertie.


Die NPD will ab 19.00 Uhr vor dem Bürgeramt in der Rudolf-Heinrich-Straße aufmarschieren und einen Kranz vor dem Kriegerdenkmal auf dem benachbarten Germaniaplatz niederlegen. „Es ist ein Skandal, dass die NPD ausgerechnet am 72. Jahrestag der Novemberpogrome der Nazis mit Fackeln an einem Kriegerdenkmal aufmarschieren darf“, so Wolfgang Freye für den Runden Tisch. „Wir können es nicht nachvollziehen, dass die Polizei ein Verbot des NPD-Aufmarsches anscheinend noch nicht einmal ernsthaft geprüft hat.


In Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Bayern gibt es im Versammlungsrecht eindeutige Klauseln, die solche Verbote rechtfertigen, sofern die Gefahr besteht, dass an einem Gedenktag wie dem 9. November das Andenken an die Opfer der Nazis beeinträchtigt wird. Aus unserer Sicht muss eine solche Regelung dringend auch in NRW ins Versammlungsgesetz.“


Umso mehr kommt es aus Sicht des Runden Tisches darauf an, die NPD nicht allein ihre Hetze verbreiten zu lassen. Bei der Kundgebung des Runden Tisches, der in Sichtweite des NPD-Aufmarsches stattfindet, wird u.a. Landesjustizminister Thomas Kutschaty sprechen. Verlesen werden Auszüge aus einer Rede des vor kurzem verstorbenen ehemaligen langjährigen Vorstandsmitglieds der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA), Peter Gingold, der vor einigen Jahren bei einer Kundgebung gegen die NPD in Essen gesprochen hat. Angefragt sind u.a. der Oberbürgermeister der Stadt Essen, der DGB, das Essener Friedensforum, der Bürgerverein Borbeck und die jüdische Gemeinde bzw. Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.


Parallel zu der Kundgebung und Mahnwache in Essen-Borbeck findet am 9.November um 19.00 Uhr die Gedenkveranstaltung der Stadt und der Jüdischen Kultusgemeinde in der Alten Synagoge statt sowie eine Lesung der VVN-BdA und der Volkshochschule aus Peter Gingolds Erinnerungen.

 

Für den 27.11.2010, an dem die NPD und die militanten Kameradschaften auf dem Katernberger Markt aufmarschieren wollen, rufen der Runde Tisch und das Bündnis „Katernberg stellt sich quer“ zu Protestaktionen auf.

 


 


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Veröffentlicht am: 12:50:33 06.11.2010
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