Vor dem Einzug in die Messe: In der Sakristei von St. Dionysius, Essen-Borbeck

Bewegendes Gedenken an die NS-Opfer
und die ermordeten UNITAS-Mitglieder

 

ESSEN-BORBECK. „Es war eine wunderbare Messe“, so das einhellige Fazit zum Gottesdienst am 9. November in der Borbecker Mutterkirche St. Dionysius. Weit mehr Besucher als sonst zählte die traditionelle Dienstagabendmesse, unter ihnen Mitglieder der UNITAS. Mit der Standarte des Bundesvorstandes, der Liudger-Fahne und der Münster-Fahne zogen mit Pastor Franz-Josef Reidick und den Messdienerinnen zwei Chargenabordnungen zum Gottesdienst auf. Die Ruhrania von der Flurstraße und die Mutterkorporation des Verbandes, Unitas-Salia aus Bonn, waren dem Aufruf gefolgt, in der Eucharistiefeier der Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu gedenken.


 

Pfr. Reidick berichtete in seiner Ansprache von bewegenden Erinnerungen aus seinen Borbecker Kindertagen: Zwischen Blockwart und anderen Denunzianten sei nicht jeder zum Märtyrer geboren gewesen, so der Zelebrant. „Wir müssen demütig werden, uns fragen, ob wir diesen Mut aufgebracht hätten“, erklärte er. Besonders betonte er das Glaubenszeugnis der unter dem Fallbeil in Hamburg ermordeten Bundesbrüder Johannes Prassek und Eduard Müller, erinnerte an Pfr. Georg Häfner aus Würzburg und nahm alle Opfer der NS-Diktatur und die drei im kommenden Jahr vor der Seligsprechung stehenden Unitas-Mitglieder in das Hochgebet. Mit den Fürbitten, dem Gebet um aktives politisches Handeln aus dem Glauben und dem Gebet der Vereinten Nationen setzte er wichtige Akzente.



Nach der Hl. Messe: Pfr. Franz-Joesf Reidick (KStV Rhenania Innsbruck im KV) im Kreise der Bundesbrüder aus Bonn (links) und Essen (rechts)
 

Die parallel laufenden Demonstrationen rund um das Borbecker Germaniadenkmal verliefen derweil ohne großes Aufheben: Die Statue war vorsorglich komplett in schwarze Plastikfolie verpackt worden, der von den zwei Dutzend NPD-Aktivisten mitgebrachte Kranz wurde an einem benachbarten Baum abgelegt, hieß es. Die Gegendemonstration produzierte deutlich mehr Lärm und verzeichnete prominente Redner - unter anderem Oberbürgermeister Paß, NRW-Justizminister Kutschaty und Stadtdechant Pfr. Dr. Jürgen Cleve (St.Dionysius Borbeck).

Die Mitglieder der Unitas, die Pfr. Reidick sehr für die Messe dankten, trafen sich anschließend auf dem UNITAS-Haus. In den Debatten zum Thema des Tages ging es bei den Bundesbrüdern und Bundesschwestern temperamentvoll zur Sache. Nicht ohne denen zu danken, die sich über zwei Stunden per Bahn nach Borbeck auf den Weg gemacht hatten, um ihre Solidarität mit dem Anliegen der Messe vor dem 67. Jahrestag der Ermordung der „Lübecker Märtyrer" zu erklären: Der Convent des 1847 gegründeten ältesten UNITAS-Vereins hatte am Vorabend dies ausführlich diskutiert und zudem in einem Brief zum Ausdruck gebracht. „Stolz und bewegt“, so VOP Sebastian Sasse, nahmen die Essener Bundesbrüder die Zeichen der Verbundenheit der Unitas-Salia entgegen.

 

 

VOP Sebastian Sasse fasste seine Eindrücke in den folgenden Überlegungen zusammen:

 

„Seht wie sie einander lieben.“ – so beschrieb der römische Schriftsteller Tertullian das Zusammenleben der Christen in ihren Gemeinden. Die antike Welt staunte darüber, dass die Christen das Liebesgebot ernst nahmen, es nicht bloß proklamierten, sondern danach auch ihr Gemeindeleben ausrichteten. Und in der Tat, im Menschen das Ebenbild Gottes zu sehen – sich dem Mitmenschen zuzuwenden – ohne seine Schwächen zu verdrängen, aber auch ohne seine Möglichkeiten zu verkennen – war ein revolutionärer Gedanke.

Er ist es auch noch heute. Ob heute Beobachter ähnliche Worte wie Tertullian finden würden, wenn sie sich das soziale Leben in den Gemeinden ansehen, sei einmal dahin gestellt. Ganz sicher besteht aber heute noch dieser Anspruch. Und ganz sicher ist er auch heute noch genau so schwer zu erfüllen, wie vor fast 2000 Jahren. Und er richtet sich natürlich nicht nur nach innen. Genauso entscheidend ist, wie sich Christen außerhalb ihrer Kirche verhalten. Wir müssen nur ab und an daran erinnert werden.

Eine solche Erinnerung ist der Friedensgruß, den die Gläubigen in der Heiligen Messe untereinander austauschen. Er ist ein Zeichen der Brüderlichkeit und der Versöhnung. Er ist aber auch ein Zeichen für unser Engagement in der Welt. In diesem Gruß manifestiert sich unsere Botschaft an die Welt: „Geht friedlich miteinander um!“

Dies wurde mir besonders wieder im Zusammenhang mit den Ereignissen um den 9. November hier in Borbeck bewusst. Bei allen Problemen, neben aller Kritik, die man an unserer Gesellschaft üben darf und üben soll, es darf nie vergessen werden, dass der Friede in unserem Land das oberste Ziel bleibt. Dieser Friede ist kein fauler Friede, der versucht, Probleme zu vertuschen oder schönzureden. Dieser Friede macht uns erst frei dazu, miteinander zu sprechen – über das, was uns stört, was wir ändern wollen. Dieser Friede ermöglicht uns im Gegenüber, der vielleicht nicht unsere politische Meinung vertritt, zuerst den anderen Menschen zu sehen. „Seht wie sie miteinander sprechen“ – das wäre doch auch schon etwas für den Anfang.  

 



 

Zufrieden: VOP Sebastian Sasse und Richie Duckheim freuten sich über den Besuch aus Bonn


Veröffentlicht am: 01:24:06 10.11.2010
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