Die Kommission der Europäischen Bischöfe tagte vom 24.-26. November 2010 in Brüssel (Bilder: comece)

Europäische Bischöfe besorgt über Populismus in der EU


BRÜSSEL, 26.11.2010. Besorgt zeigt sich die EU-Bischofskonferenz COMECE über „einen bedeutenden Anstieg von Bewegungen und Tendenzen mit „populistischem“ Charakter in den Ländern der Europäischen Union“. Dies erklärten die Bischöfe nach ihrer Herbstvollversammlung vom 24.-26. November in Brüssel. Das Phänomen verleite dazu, die Gesellschaft zu spalten und die Solidarität zu unterwandern. Populismus stehe „der europäischen Idee entgegen“. Die EU-Bischofskommission beging im Rahmen ihrer Herbstvollversammlung ihr 30-jähriges Bestehen.

Das Phänomen des Populismus sei sehr vielschichtig, heißt es in der Bewertung: „Es hat eine Vielzahl von Ausdrucksformen, von bestimmten Varianten des Regionalismus und Nationalismus und auch des Extremismus; es reicht vom rechten bis zum linken Flügel des politischen Spektrums“, so die Bischöfe. Wir sind tief besorgt, weil dieses Phänomen dazu verleitet, die Gesellschaft zu spalten und die soziale Kohäsion und Solidarität zu unterminieren, aber auch die Schwächsten in der Gesellschaft zu diskriminieren: Minderheiten werden zu Sündenböcken gestempelt, die Illusion einfacher Lösungen für komplexe Sachverhalte zu wecken.“

Populismus ist gegen die europäische Idee gerichtet

Nachdrücklich unterstrich die europäische Bischofskonferenz: „Wir erinnern daran, dass der Populismus der europäischen Idee entgegensteht, die im Begriff der Solidarität wurzelt. Wir bedauern, dass es auch Christen gibt, die versucht sind, diesem Trend zu folgen. Der Populismus verträgt sich nicht mit der universellen Berufung der Kirche.“ In Treue zu unserer Berufung werde man weiterhin den interkulturellen Dialog in Brüderlichkeit und Wahrheit fördern, Christen zu weiterem bürgerlichen und sozialen Engagement im Dienst am Nächsten ermutigen sowie die eigenen Bemühungen in der Erziehung zur Verantwortung verstärken. 

Bekenntnis zu grundlegenden Prinzipien gefragt

„Wir sind uns der Ungewissheit und Unsicherheit der Gegenwart bewusst“, so die EU-Bischöfe: „Dennoch rufen wir alle Christen auf, dem Hang zum Populismus zu widerstehen und gegen diesem Trend unserer Zeit gegenzusteuern“, heißt es in der Abschlusserklärung. „Das Evangelium ruft uns wie zu allen Zeiten auch heute dazu auf. Das ist nicht ein Engagement in einem Kampf der Kulturen oder Ideologien; es ist vielmehr ein Bekenntnis zu grundlegenden Prinzipien: die unveräußerliche Würde jedes Menschen, als einer von Gott geliebten und gewollten Person, und das Gemeinwohl, das uns unaufhörlich zu Solidarität und Nächstenliebe verpflichtet.“  

Marx: Mehr visionärer Mut für Europa gefragt

 

Kommissionspräsident Adrianus Van Luyn, Bischof von Rotterdam, warnte zugleich vor einer Entsolidarisierung in Europa. Es lasse sich an vielen Beispielen zeigen, dass die europäischen Gesellschaften „härter und in vielen Fällen intoleranter geworden sind“, beklagte er und äußerte die Sorge, als Folge der Wirtschaftskrise könne es zu eine Krise der Demokratie in Europa und zu verstärktem Populismus kommen. Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise seien eine Entsolidarisierung zwischen den EU-Staaten, aber auch zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Dies bekämen besonders die Schwächsten zu spüren, etwa Arbeitslose, Flüchtlinge und Migranten. An die Kirchen appellierte Van Luyn, sich „mit größerer intellektueller und spiritueller Aufmerksamkeit“ der europäischen Einigung zu widmen. Wünschenswert wäre innerhalb der Kirchen eine größere Neugierde gegenüber dem, was in den europäischen Institutionen gedacht und entschieden wird, sagte Van Luyn.

 

Bbr. Reinhard Kardinal Marx, Münchner Erzbischof und COMECE-Vizepräsident, forderte bei der Tagung mehr visionären Mut beim Aufbau Europas. Kaum einer wage es noch, die Vereinigten Staaten von Europa oder die politische Union der EU-Staaten zu fordern, äußerte er nach Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur KAP. Das Evangelium könne Europa die Kraft geben, mit Hoffnung nach vorne zu schauen und nicht mit der Sorge, wie furchtbar alles sei, was auf den Kontinent noch zukommen werde, sagte der Kardinal.

 

Aufruf zu „neuem Humanismus“

 

Der frühere EU-Kommissionspräsident Jacques Delors und Kurienerzbischof Rino Fisichella forderten eine Rückbesinnung Europas auf seine Geschichte: „Völker ohne Gedächtnis haben keine Zukunft“, erklärte Delors und Fisichella unterstrich, es sei ein Irrtum zu glauben, Europa könne seine Einheit finden, wenn es seine Wurzeln vergesse. Beide verlangten Ethik und strenge Regeln für die Finanzmärkte. Erzbischof Fisichella rief den Kontinent zu einem „neuen Humanismus“ auf. Die Einigung Europas werde nur gelingen, wenn sie in der Kontinuität der 2.000 Jahre dauernden Geschichte des Kontinents stehe, sagte der Präsident des neu gegründeten päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Gemeinsamer Nenner der europäischen Völker sei das Christentum.

 


 

LINK:

Zu den Berichten auf den Internetseiten der COMECE

 




Veröffentlicht am: 14:27:22 26.11.2010
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