UNITAS-Vereinsfest: Munter durch die 100

Ruhranen in Essen feierten mit vielen Gästen

 

ESSEN. 100 Jahre und ein bisschen müde? Keineswegs – den Beweis trat das Vereinsfest „Thomas von Aquin“ an, das die Unitas Ruhrania am Sonntag, 23. Januar, mit vielen Besuchern feierte. Dabei präsentierte sich die inzwischen gereifte, vor fast genau 20 Jahren von Münster ins Revier gewechselte Dame „Ruhrania“ in bester Laune. Bei der von Pfr. Franz-Josef Reidick (K.St.V. Rhenania Innsbruck im KV) in St. Dionysius gefeierten Messe zeigten UNITAS Ruhrania und der neu gegründete Katholische Studentinnenverein Franziska Christine  mit Verbandsstandarte und Liudger-Fahne gemeinsam Flagge. Konzelebrant Bbr. Pastor Helmut Wiechmann (Duisburg) stellte die Vereine vor und wünschte ein kräftiges „Glückauf!“.

Eng wurde es anschließend im UNITAS-Conventsaal an der Flurstraße, wo sich über 50 Mitglieder und Gäste zu Sektempfang und Wissenschaftlicher Morgensitzung versammelten - unter ihnen CV-VOP Jan-Arnulf Breiderhoff mit einer Delegation des amtierenden CV-Vororts Ruhr und Bundesbrüder von UNITAS-Salia Bonn. Viel Besuch - und nicht weiter verwunderlich, galt die Festrede am Jubiläumstag doch einem topaktuellen Thema.

 

Herausforderung Bildungspolitik

 

Wie sehr die Hochschulausbildung ins Gerede gekommen ist, hatten die Debatten und Demonstrationen der letzten Jahre reichlich gezeigt - auch verbandsintern. Damit passte die Festrede von Dr. Michael Brinkmeier (Bild rechts) zum Jubiläumstag eines Studentenvereins auch bestens in Konzept. Herzlich gratulierte er dem 100-jährigen Verein an den Ruhr-Unis zum runden Fest und dankte für das Engagement an den Universitäten: „Es ist gut, dass es sie gibt. Wir brauchen engagierte Gruppen, die sich einmischen. Denn die Politik kann und darf nicht alles regeln“, so Brinkmeier.

Allerdings ließ d
er aus Gütersloh angereiste CDU-Politiker, in der laufenden 14. Wahlperiode Sprecher seiner Fraktion im Ausschuss für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, keinen Zweifel: Die Konzepte der derzeitigen Landesregierung passen seiner Fraktion ganz und gar nicht. Die gesamte Bildungspolitik sei - zu Recht - ein ideologisch schon immer hart und unerbittlich umkämpftes Gelände, doch werde auf ihm aber auch nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft entschieden, so der promovierte Physiker aus dem ostwestfälischen Rietberg.

 

Viel Bewegung auf dem Feld der Hochschule

 

Dass die Steuerzahler in jedem Jahr Milliarden von Euro in das Bildungssystem steckten, sei völlig gerechtfertigt: „Es sind Investitionen in unser aller Zukunft“, erklärte Dr. Brinkmeier, und fasste in seiner Rede Erfahrungen aus drei Wahlperioden zusammen: Positionen der unterschiedlichen Regierungen, Reaktionen aus der universitären Gemeinde, vielfältige Herausforderungen in der Gesellschaft, Entwicklungen im nationalen Wettbewerb und im internationalen Vergleich. „In den letzten zehn Jahren ist in der Hochschullandschaft so viel geschehen wie in allen Jahren seit ´68 nicht“, so der Politiker. „Zuviel auf einmal vielleicht“, konzidierte er. Dennoch halte seine Fraktion daran fest, aus NRW – „der mit 68 Hochschulen, 20 Fachhochschulen und über 100 weiteren Forschungseinrichtungen größten Hochschullandschaft Deutschlands“ - auch das stärkste Bundesland bei den Innovationen zu machen.

 

„Ich bin dankbar, dass gerade die Universitäten hier im Ruhrgebiet in diesem Sinn zusammengefunden haben und miteinander kooperieren“, erklärte Brinkmeier, und skizzierte die grundlegenden Reformen der schwarz-gelben Koalition zum Hochschulrecht. Er stellte das auf mehr Eigenverantwortung der Hochschulen zielende Hochschulfreiheitsgesetz vor, das „Studienbeitragsgesetz zur Verbesserung der Studienbedingungen", sprach zum Ausbau der Fachhochschullandschaft, neuen dualen Studiengängen und über das Hochschul-Modernisierungsprogramm. Die Rot-Grün-Koalitionäre in NRW setzten nun seit der Übernahme der Regierungsverantwortung auf eine „rückwärtsgewandte Politik“ - sie versuche im Wesentlichen, die Entscheidungen der Vorgänger zwischen 2005-2010 zu revidieren. Mit deutlichen Auswirkungen auf die Hochschulautonomie, monierte Brinkmann.

 

Nagelprobe für die Regierungskoalition

 

Einerseits habe die Einführung der Studienbeiträge zu keinem messbaren „Abschreckungseffekt“ bei den Studenten selbst geführt – anders als von anderer Seite prognostiziert. Sie und die Universitäten in NRW hätten dagegen nachhaltig profitiert: Denn mit dem Beitrag der Studierenden stünden den Hochschulen 280 Millionen Euro pro Jahr als „freie Spitze“ zur Verfügung, durch die bereits spürbare Verbesserungen erzielt worden seien. Bauliche Mängel, unmögliche Ausstattungen von Lehrstühlen und übervolle Seminare seien „kein Zustand für eine Bildungseinrichtung“, so Brinkmeier: „Das kann es doch wohl nicht sein.“ Das von der rot-grünen Koalition vorgelegte Gesetz zur „Verbesserung der Chancengleichheit beim Hochschulzugang“ mit dem Ziel der im Wahlkampf versprochenen Abschaffung der Studienbeiträge werde durch die Hochschulvertreter selbst glatt abgelehnt. Die Hochschulleitungen seien derzeit „sehr erzürnt“, erklärte Brinkmeier, und es rege sich großer Widerstand: Angesichts bald ausfallender Mittel herrsche in den Universitäten und Hochschulen große Unsicherheit, Dozenten- und Tutorenverträge würden nur noch befristet abgeschlossen oder wie andere Investitionen komplett auf Eis gelegt. „Das alles ist kontraproduktiv“, so der Bildungspolitiker.

 

Das Ende Februar zu beratende und zu beschließende „Studiengebührenabschaffungsgesetz“ der Koalition werde zur „Nagelprobe“ für die von der Linken geduldete Regierung, prophezeite Dr. Brinkmeier. An dieser Entscheidung könne die Regierung „endgültig“ zusammenbrechen – spätestens dann, wenn gegen die Auswirkungen des „nicht durchgerechneten“ Gesetzes im Klagewege vorgegangen und dadurch die Rücknahme des „vollmundigen  Wahlversprechens“ erzwungen werde. Hier würden ständig neue Unsicherheiten ins gesamte System getragen, das langfristige Perspektiven verlange. „Ich hoffe sehr auf Einsicht, dass dies der falsche Weg ist.“

 

Engagierte Nachfragen in der Debatte

 

Nachdrücklich sprach sich Brinkmeier für ein breit gefächertes Stipendiensystem aus. Nach dem Vorbild des mit öffentlichen Geldern und Mitteln der Wirtschaft gegründeten Stipendienfonds in seiner Heimat Ostwestfalen sei etwa der Stipendienfonds NRW entstanden – dieser habe schließlich der Bundesstiftung als Vorlage gedient. Spätestens hier hakten die hoch interessierten Zuhörer mit zahlreichen Nachfragen ein, denen sich der Referent gerne stellte: So räumte er ein, das ganze Bafög-System sei viel zu schwerfällig und nicht gerecht, die technische Ausstattung der zentralen Verwaltungen sei „hinter der Zeit zurück und inakzeptabel“. Auch plädierte er angesichts der für immer mehr Studenten notwendigen zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten für die Schaffung von mehr Stellen an den Universitäten selbst. Und mit Blick auf die doppelten Abi-Jahrgänge und den Wegfall der Wehrpflicht, kritisierte er, dass die zuständige Ministerin Svenja Schulze für mehr Studienplätze nun Bundesmittel fordere - statt eigene Initiativen zu starten.

 

Die Studenten selbst rief Brinkmeier auf, nicht nur gebannt auf die Regelstudienzeit zu starren, sondern alle Möglichkeiten zur Erweiterung des Horizonts auch über die Universität hinaus zu nutzen. Er könne jedem Arbeitsgeber nur raten, nicht auf Schnelligkeit im Studium, sondern auf menschliche Reife zu setzen: „Wer sich nebenher sozial engagiert oder zum Beispiel ein Jahr in Indien war, gewinnt doch ganz besondere Fähigkeiten und eine ganz andere Sicht auf die Welt. Das sollte ihm bei Bewerbungen immer nutzen.“

 

Für seine Rede und die Debatte dankte das Publikum mit großem Applaus, Senior Christoph Weyer überreichte das neue Buch von Papst Benedikt und einiges Süßes für den Heimweg. „Ihr Thema ist unser Thema, und wir bleiben ganz sicher in Kontakt“, versprach Vorortspräsident Sebastian Sasse.

 

Sitzungsmarathon am Nachmittag

 

Für die Unitas Ruhrania ging es nach dem gemeinsamen Mittagessen am frühen Nachmittag in die Gremiensitzungen. Sie zeugten von sachorientierter und nüchterner Auseinandersetzung mit grundsätzlichen und perspektivischen Fragen der Vereinsarbeit. Großen Respekt zollte der Cumulativconvent (CC) der jungen und alten Semester vor allem den Aktiven, die sich für den Vorort des Gesamtverbandes im laufenden Verbandsjahr 2010/11 in die Pflicht nehmen ließen.

Diese herausgehobene Verantwortung gelte es nun auch in das neue Wachstum der Ruhrania umzusetzen, so ein Fazit aus den Debatten nach den Berichten von Senior Christoph Weyer und VOP Sebastian Sasse. VOP und Vorortsschriftführer hätten inzwischen bereits jetzt 4/5 aller 45 Vereine bundesweit besuchen und dabei vielfältige Eindrücke sammeln können. „Ein Verband, der nach allen Daten wieder ganz im Auswärtstrend ist“, unterstrichen die Verantwortlichen, die auch auf die am 25. Juni in Lübeck anstehende Seligsprechung für die beiden Ruhranen aus dem Kreis der Lübecker Märtyrer hinwiesen.

 

Was alle Ruhranen besonders interessieren wird: Wesentliches Ergebnis zur Diskussion um die große äußere Feier des Hundertjährigen des Vereins ist die Festlegung des Termins auf das Wochenende 30./31. Juli. Schloss Borbeck, so der Beschluss, soll einen großen Festkommers mit vielen Gästen erleben – auch die Weitergabe der Verbandsstandarte an die Nachfolger im Präsidium des Bundesverbandes soll in diesen Tagen vorgenommen werden.


Zahlen, Daten, Fakten: Mitglieder des Studentenheim e.V., Träger des Feldschlößchens" an der Borbecker Flurstraße, trafen sich zur Jahreshauptversammlung

 

Bald wieder Zimmer frei – jetzt zuschlagen …

 

Knapp 20 Mitglieder versammelte die anschließende Sitzung des UNITAS Ruhrania Studentenheim e.V.: Dass die Gründung des Hausbauvereins fast genau 20 Jahren zurückliegt, mag dabei manchen verwundert haben. Allzu schnell flogen die Jahre dahin, die zur Verwirklichung eines verbandsweit als besonders gastfreundliches und gelungen geltenden Hausprojekts führten. Dr. Nikolaus Mantel gab den Überblick über ein erstes „Normaljahr“ im Hausbetrieb des UNITAS-Zentrums an der Flurstraße, der in Zukunft mit einem eigenen Management fortgesetzt werden soll. Ein Hinweis für alle, die aktuell oder bald auf der Suche nach einem schönen Platz für ihren Studentenschreibtisch sind: Ende März werden auf einen Schlag vier von neun Zimmern im Haus wieder frei – wer sich jetzt schnell bewirbt, kann sich das schönste aussuchen….

 

Fazit: Ein schönes Fest!

 

Bilanz der Tagungen, die Punkt 18 Uhr schlossen: Ermuntert durch die Hundert. Ein gelungenes und mutmachendes Vereinsfest, mit dem die UNITAS Ruhrania weiter auf ihr großes Jubiläum zugehen kann. Und dass Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll aus Kaarst seine Glückwünsche bereits jetzt überbrachte, war nicht alles: Er stellte nicht zuletzt heraus, dass immerhin am Ort ja auch ein tätiger Studentinnenverein entstand, der bei der Generalversammlung Anfang Juni in Düsseldorf in den Verband aufgenommen werden möchte. Wie es aussieht, wird sich dagegen wohl kaum keine Gegenstimme erheben…. Vivant, crescant, floreant!

 

 

DOWNLOADS:  

Einladung des Seniors, Vita unseres Festredners Dr. Michael Brinkmeier, MdL (CDU) Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im Ausschuss für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie

Programm und Tagesordnungen

 

LINKS:

05.02.2011:   100. Geburtstag gefeiert, in: RUHRWORT, Jahrgang 53, Nr. 5, 5. Februar 2011

04.20.2011:   Unitas Ruhrania zum Hundertjährigen. Studenten diskutieren über Hochschulpolitik, in: Werdener Nachrichten, Nr. 5 vom 4.2.2011

27.01.2011:   Geburtstagsgala mit Prominenz im Feldschlößchen. Unitas Ruhrania feiert Hundertjähriges, in: BORBECKER NACHRICHTEN vom 27.1.2011

19.01.2011:   Am Sonntag: Unitas Ruhrania feiert Vereinsfest

12.01.2011:   Heute - der 100. Gründungstag der UNITAS Ruhrania

 

SonderseitenDie Vereinsgeschichte




Veröffentlicht am: 22:51:12 23.01.2011
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse