Aktuelles > Neuigkeiten > Wort des VOP: „Generation Irritation“



Wort des VOP: „Generation Irritation“

Bbr. Sebastian Sasse zum Theologen-Memorandum

 

„Habt keine Angst vor Irritation. Sondern habt den Mut, zum Kern vorzustoßen. Irritiert Eure Umwelt, aber scheut auch nicht davor zurück, Euch gegenseitig zu irritieren“, schreibt Bbr. Vorortspräsident Sebastian Sasse (UNITAS Ruhrania) im aktuellen Newsletter des Verbandes. In seinem Wort zum „Theologen-Memorandum“ unterstreicht er die Position von „Spiegel“-Journalist Matthias Matussek. Er hatte erklärt, dass die Chance der katholischen Kirche darin liege, eben nicht modern und angepasst zu sein.

 

Im Newsletter (hier zum Download) finden sich Berichte zur AGV-Position zur PID, zur Weihnachtsspende der Karlsruher Unitas, zur Stipendienmesse und Taufe in Heidelberg, zur Philistrierungskneipe der Unitas-Salia in Bonn, zum Kegelabend in Gießen sowie aktuelle Veranstaltungshinweise. Das Wort des VOP veröffentlichen wir im Folgenden im Wortlaut:

 

……………………………………………………….

 

Liebe Bundeschwestern, liebe Bundesbrüder,

 

Tradition ist wichtig, Reform auch – Traditionalismus wie Reformismus aber sind Verzerrungen. Solche „Ismen“ stehen für Ideologien. Ideologien sind Verengungen. Sie sind das Gegenteil von Wahrheit. Uns ist aber in Christus die Wahrheit offenbart worden.

 

Unser Auftrag ist, diese Wahrheit zu bekennen und aus ihr heraus zu leben. Dass Christen auf diese Weise ihre Umwelt irritieren, ist wahrlich nicht neu. Dass diese Irritation Reaktionen hervorrufen kann, die uns manchmal unbequem erscheinen können, ist ebenfalls eine Erfahrung, die Christen zu aller Zeit gemacht haben. Sie gehört in gewisser Weise zu unserem Traditionsbestand.

Offen für den Glauben

Unser Irritationspotential lässt sich nicht wegreformieren – und warum sollten wir dies auch versuchen, liegt in ihm doch unsere Stärke. Oder wie es der „Spiegel“-Journalist Matthias Matussek kürzlich in einem Interview mit der „Tagespost“ formulierte: „Die Chance der katholischen Kirche liegt darin, katholisch zu sein und eben nicht modern, angepasst, protestantisch ängstlich, irgendjemandem im mainstream auf die Füße zu treten. Der Glaube oder die Kirche soll den Leuten auf die Füße treten. Es soll klar sein: Das ist nicht zum Null-Tarif zu haben. Man muss sich anstrengen. Dann wird es spannend. Ich glaube, die Leute wollen sich anstrengen. Wir leben in einer Zeit, die so profanisiert, so gewöhnlich und trivialisiert ist, dass das Heilige als aufregend empfunden wird – wenn man es ernst meint und wirklich dazu steht. Vor allem die Jugendlichen sind dafür offen.“

 

Matussek reagiert hier auf die Forderungen von über 200 deutschen Theologen, die in einem Memorandum Reformen in der Kirche gefordert haben. Ich will diesen Theologen ihren guten Willen nicht abstreiten, auch halte ich die Gehässigkeit für kontraproduktiv, mit der von mancher Seite auf sie reagiert worden ist.

Strukturfragen führen nicht weiter

 

Das Memorandum ist vor allem als Zeugnis einer Generation zu lesen, die in einem letzten großen Kraftakt noch einmal die Fragen in die Öffentlichkeit bringen will, die sie Zeit ihres Lebens in der Kirche bewegt haben: Auflockerung des Zölibats, Mitwirkung der Laien usw. Es sind Strukturfragen, veraltete Fragen. Fragen, die uns nicht weiterführen, zielen sie doch – mitunter auch nur haarscharf – an den Problemen vorbei, denen wir uns eigentlich stellen müssten. Man muss letztlich für dieses Memorandum dankbar sein. Denn es macht deutlich: Der „Generation Struktur“, die ganz sicher ihre Verdienste in der Gestaltung des Übergangs vom Milieukatholizismus alter Prägung hin zum kirchlichen Leben der Gegenwart aufzuweisen hat, muss endlich eine „Generation Irritation“ folgen.

 
Unser Leitthema 2011


„In Christus verwurzelt“ lautet das Leitthema der Unitas für 2011. Wir haben die große Chance unser Irritationspotenzial als Christen auszuloten, indem wir uns diesem Leitwort stellen. Ich appelliere daher an alle Vereine, diese Möglichkeit zu nutzen. Bietet in Euren Semesterprogrammen Veranstaltungen an, bei denen ihr darüber reden könnt, was es für uns bedeutet, uns zu Christus zu bekennen. (Zum Beispiel im Hinblick auf die aktuelle PID-Debatte) Habt keine Angst vor Irritation. Sondern habt den Mut, zum Kern vorzustoßen. Irritiert Eure Umwelt, aber scheut auch nicht davor zurück, Euch gegenseitig zu irritieren. Denn genauso wie sich unser Irritationspotential nicht wegreformieren lässt, so kann man auch die Anstrengung, die es uns abverlangt, nicht durch ein falsch verstandenes Bekenntnis zur Tradition abmildern. Zu viele von denen, die sich als Hüter der Tradition ausgeben, ziehen sich in den Herrgottswinkel zurück, um von dieser vermeintlich gesicherten Position aus über den Verfall der Welt zu klagen. Unsere Kirche darf sich nicht in Lager spalten lassen. Unsere Mitte ist Christus. Im Bekenntnis zu ihm werden wir zur Einheit.

 
Ein geniales Bild


Was „Unitas“ vor diesem Hintergrund bedeuten kann, hat unser Bundesbruder Professor Tomás Halik kürzlich in einem sehr aussagekräftigen Bild ausgedrückt. Seine Gedanken seien Euch daher zum Abschluss mitgegeben:

 

„Beim Betreten des Petersdoms in Rom ist mir aufgefallen, welch geniales Bild von Kirche dieses Gotteshaus erkennen lässt. Dem Plan des Architekten nach ist nicht nur der Innenraum der Basilika ein integraler Bestandteil des Tempels, sondern auch der von Kolonnaden umschlossene und an offene Arme erinnernde Vorplatz. Diejenigen, die durch die Kolonnaden kommen und über den Platz strömen, befinden sich bereits im Gotteshaus, obwohl sie sich dessen zumeist nicht bewusst werden. Genauso muss die katholische Kirche aussehen: Würde sie anstelle der Kolonnade eine undurchdringliche Mauer errichten oder sogar den Raum des weiten, offenen Platzes aufgeben, wo natürlich nicht dasselbe disziplinierte Benehmen verlangt werden kann wie im Innern der Basilika, würde es den Verzicht auf ihre Katholizität bedeuten. Die Katholizität – die Allgemeinheit und umfassende Weite – sollte das Ideal aller Kirchen sein.“ (aus: Halik, Tomás, Zächäus-Menschen und die Kirche. In: Christ in der Gegenwart. Nr.3/2011. S. 33/34.)

 

Semper in unitate

Euer Bundesbruder Sebastian Sasse, VOP




Veröffentlicht am: 18:44:42 03.03.2011
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse