Die Lübecker Märtyrer: v.l. Bbr. Johannes Prassek, Bbr. Eduard Müller, Hermann Lange, Pastor Karl Friedrich Stellbrink

Erzbischof Werner Thissen:
Fastenhirtenbrief zu den Lübecker Märtyrern

 

HAMBURG. Der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen hebt in seinem Fastenhirtenbrief die ökumenische Bedeutung der „Lübecker Märtyrer“ hervor. Die Feiern zum Gedenken der von den Nationalsozialisten hingerichteten Geistlichen am 24. und 25. Juni in Lübeck seien wichtige Schritte zu noch mehr Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen, schreibt Thissen. Er wandte sich gegen die Sorge, die Erinnerung an die Märtyrer könne durch die Seligsprechung getrennt werden. Die verschiedene Art des Gedenkens und der Verehrung sei vor allem ein Unterschied in der Form. „Vieles an gemeinsamem Inhalt und an vorhandener Wertschätzung bleibt davon unberührt“, betont der Erzbischof. Der Hirtenbrief wird in den Gottesdiensten zum ersten Fastensonntag am 13. März verlesen.

 

Einsatz für die Würde aller Menschen

 

Die 1943 in Hamburg wegen ihres gemeinsamen Widerstands gegen das NS-Regime hingerichteten katholischen Kapläne Bbr. Johannes Prassek, Bbr. Eduard Müller (beide UNITAS Ruhrania) und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hätten mit Entschiedenheit die Botschaft Jesu verkündet, sich für die Würde aller Menschen eingesetzt und vielen Menschen zu einem wachen Gewissen verholfen, „obwohl statt Gewissensentscheidung blinder Gehorsam erwartet wurde“, erklärt der Hamburger Erzbischof. „Wir dürfen sie mit offi­zieller Zustimmung und Weisung der Kirche als Vor­bilder verehren und als Fürsprecher bei Gott anrufen“, so Thissen.

 

Durch die Seligsprechung blieben auch die eben­falls verhafteten acht­zehn Gemeindemitglieder und Per­sonen, die die Kapläne während der langen Gefängniszeit unterstützten, in Erinnerung. Dankbar äußerte sich Erzbischof Thissen zum schnellen Abschluss des 2004 eröffneten Verfahrens: „In der Regel dauert ein solches Verfahren Jahrzehnte. Dass es für unsere Märtyrer ungewöhnlich schnell durchgeführt wurde, verdanken wir der persönlichen Weisung von Papst Benedikt.“

 

Wachsende Verehrung über Lübeck hinaus

 

Aus der sofort nach dem Martyrium 1943 und verstärkt nach dem Krieg einsetzenden Verehrung in Lübeck werde jetzt eine Verehrung im ganzen Erzbistum und überall dort, wo die Märtyrer bekannt gemacht werden, äußert Thissen. Seit Beginn des Seligsprechungsverfahrens sei das Interesse an den Märtyrern nicht nur im Erzbistum, sondern auch weit darüber hinaus gewachsen: „Sogar aus Übersee kamen Anfragen. Briefe und andere Dokumente, die längst als verschollen galten, wurden in Privathäusern und Archiven gesucht und gefunden. Aus der räumlich begrenzten Wertschätzung der Märtyrer wurde eine immer weiter um sich greifende, öffentliche Verehrung. Auch das ist ein erfreuliches Ergebnis des Seligsprechungsverfahrens.“

 

„Der Wille Gottes als entscheidender Lebensimpuls, das ewige Leben als Ziel vor Augen haben, die Zugehörigkeit zu Christus als starke Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen“ – diese drei von den Kaplänen vorgelebten starke Glaubensmotive hebt der Fastenbrief von Erzbischof Thissen hervor. „Die Kapläne waren lebenslustige junge Leute. Unter­schiedlich in ihrem Wesen, schwärmten sie für Kunst und Literatur oder für Natur, Reisen oder Fotogra­fieren. Aber alles, was sie arbeiteten und erlebten, planten und gestalteten, hatte einen eindeutigen Bezugspunkt: Sie wollten in allem den Willen Gottes erfüllen. Das war ihr wichtigstes Motiv. In ihren Briefen, die im Zuge des Seligsprechungsverfahrens gesammelt wurden, kommt das bei allen Dreien ein­deutig zum Ausdruck.“

 

„In allem geschehe dein Wille … “

 

Ihn persönliche bewege vor allem das Gebet von Bbr. Kaplan Eduard Müller, das er selbst täglich zu beten versuche: „Herr, hier sind meine Hände. Lege darauf, was du willst. Nimm hinweg, was du willst. Führe mich, wohin du willst. In allem geschehe dein Wille.“ Den Geistlichen sei bewusst gewesen, dass das menschliche Leben der zeitliche Weg zur Ewigkeit Gottes ist, so Thissen: „Dafür waren sie Priester geworden. Das wollten sie vorleben und verkünden. Diesen Weg wollten sie mit den ihnen anvertrauten Menschen gehen. Davon machten sie keine Abstriche. Auch dann nicht, als dieser Weg sie in äußerste Bedrängnis führte. … Ein weiteres gemeinsames Glaubensmotiv war für sie, dass sie vom Himmel aus noch viel mehr für die Menschen tun können als auf Erden. Aus ihren Briefen geht hervor, wie gern sie weiter als Seelsorger gewirkt hätten. Aber ihnen ist auch bewusst, dass die Gemeinschaft der Glaubenden im Tode nicht zerreißt.“

 

Mit seinem am 3. Februar 2011, dem Fest des heiligen Ansgar, unterzeichneten Fastenhirtenbrief lädt Erzbischof Werner Thissen herzlich nach Lübeck ein: „An der Lebensgeschichte der vier Geistlichen können wir ablesen, was es an Lebens­qualität bedeutet, mit Christus den Weg durch die Zeit zu gehen und auf Christus seine Hoffnung zu setzen in der Gemeinschaft der Christenheit. Dass wir dafür aufgeschlossen sind und mit Entschie­denheit den Weg des Glaubens in unserer Zeit gehen, dazu segne Euch der dreifaltige Gott, der Vater und der Sohn und der heilige Geist.“

 

 

 

DOWNLOAD: Fastenhirtenbrief von Erzbischof Dr. Werner Thissen zur österlichen Bußzeit 2011, aus: Kirchliches Amtsblatt, Hamburg, 15. Februar 2011, Nr. 2, Art.: 10

 

 

 

Fürbitten zum Fastenhirtenbrief

 

Gütiger Gott. Zu allen Zeiten rufst du aus unserer Mitte Menschen, die sich durch dein Wort prägen las­sen und deren Leben ein bewegendes Zeugnis deiner Barmherzigkeit ist. Im Gedenken an die Lübecker Märtyrer sagen wir dir voll Vertrauen unsere Bitten.

 

Du hast den Lübecker Märtyrern einen starken Glau­ben in Zeiten der Not geschenkt. Erwecke auch in uns den Glauben an deine rettende Macht.

 

Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns.

 

Die vier Geistlichen haben gegen alle Widerstände von dir Zeugnis abgelegt. Schenke auch uns die innere Stär­ke, dich in unseren Worten und Werken zu bekennen.

 

Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns.

 

Auch heute gibt es Menschen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt oder sogar getötet werden. Lass ihr Leiden und Sterben für uns ein Weckruf sein zu einem wachsamen Glauben.

 

Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns.

 

Unterdrückung und Machtmissbrauch existieren auch in unserer Zeit. Gib unseren Gemeinden und Gruppen die Kraft, im öffentlichen Leben für Gerechtigkeit und Versöhnung einzutreten.

 

Gott unser Vater: Wir bitten dich erhöre uns.

 

Die Feier der Seligsprechung ist für uns ein Grund zur Freude und Dankbarkeit. Hilf uns im Gedenken an die Märtyrer, voll Hoffnung und Zuversicht den Weg des Glaubens zu gehen. Gütiger Gott. Lass uns stets für das unerschrockene Vorbild der Lübecker Märtyrer dankbar sein: Für ihren starken Glaube, ihre unbezwungene Hoffnung, ihre große Liebe. Dir sei Lob und Dank durch Christus, unsern Herrn. Amen.

 


 
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Veröffentlicht am: 19:02:02 11.03.2011
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