Neue Bilder: 50. Todestag von Bbr. Heinrich Portmann

Geheimsekretär Kardinal von Galens als Student

 

ESSEN / MÜNSTER. Überraschende Bilddokumente erreichten die UNITAS Ruhrania jetzt durch die Historikerin Ingrid Lueb aus Münster: Sie zeigen Bbr. Msgr. Dr. Heinrich Portmann (1905-1961), der Bischof von Galen acht Jahre lang, bis zum Tod des Kardinals im Frühjahr 1946, als sein Privatsekretär aus unmittelbarer Nähe erlebte. Der spätere langjährige Ehrensenior der in Münster ansässigen UNITAS Ruhrania starb am 30. April 1961, vor 50 Jahren.

 

Ingrid Lueb arbeitet derzeit an der Edition der bislang verschollen geglaubten „Tagebüchern des bischöflichen Sekretärs“ aus den Jahren von 1939 bis 1950.  Da sich 2011 sich die drei berühmten Galenschen Sommerpredigten von 1941 in Lamberti und Überwasser zum 70. Mal jähren, plant der Dialogverlag in Münster die Veröffentlichung der Portmann-Tagebücher, die auch zahlreiche unbekannte Fotos aus seinem Nachlass aufnehmen sollen. Er legte seine Beobachtungen und Gedanken in 558 Einträgen auf 810 Seiten legte er nieder - auch für die UNITAS Ruhrania ergeben sich dadurch spannende Fragen, sollten in dem Tagebuch zum Leben des Vereins Nachrichten verzeichnet sein: Er war nach dem Verbot des UNITAS-Verbandes 1938 in den Untergrund gegangen (-> Vereinsgeschichte: In Frontstellung zum Hitlerismus), bestand aber während des Krieges lange Zeit weiter und wurde am 5. Februar 1950 offiziell wiederbegründet. (-> Vereinsgeschichte 1950-1990)

 

Vier erste Bilder können wir heute veröffentlichen, die Bbr. Prälat Dr. Heinrich Portmann zeigen: Der Sohn eines Maurers, am 5. Oktober 1905 in Hamm-Bockum-Hövel geboren, besuchte das Gymnasium in Hamm und hatte sich während des Studiums in Freiburg der dortigen UNITAS angeschlossen. An seinem zweiten Studienort Münster stieß er zur UNITAS Ruhrania, der er auch nach seiner Priesterweihe am 19. Dezember 1931 zeitlebens eng verbunden blieb. Die Aufnahme links zeigt ihn vor einer getäfelten und mit Chargenbildern geschmückten Wand als Student in Samtpekesche, mit Schärpe und Cerevis auf der Lehne eines aufwändig geschnitzten Seniorensessels sitzend, die weißen Stulpenhandschuhe in der Glocke des Schlägers. Die identischen Zirkel auf dem helmverzierten Wappen des Gestühl und auf dem mit Weinlaub bestickten Cerevis sind die Verbandszirkel – ein Hinweis darauf, dass die Aufnahme wahrscheinlich während seiner Freiburger Studienjahre um 1926 entstanden sein muss.



 

Die zweite Fotographie stammt wohl aus den Jahren um 1939/40. Heinrich Portmann hatte nach seiner Zeit als Kaplan an Herz-Jesu Emsdetten (1931-1934) bis 1937 ein Studium des Kirchenrechts in Rom angeschlossen, war dort Kaplan an der Anima, anschließend in Münster Hausgeistlicher am Deutschen Studentenwohnheim und ab Juli 1938 Defensor vinculi et Promotor iustitiae substitutus et subordinarius am Bischöflichen Offizialat in Münster. Zum 17.11.1938 wurde er zum Bischöflichen Kaplan von Bischof August Clemens von Galen bestellt. Die Aufnahme zeigt beide in einer offenen Kutsche - offensichtlich bester Laune.

 


Aus der Zeit um 1953 herum datiert die dritte Aufnahme: Bbr. Heinrich Portmann ist in einfachem schwarzen Priestergewand mit einem Chargierten an einem Tisch abgebildet, ein Glas Bier in der Hand und ein unitarisches Liederbuch vor sich. Aufgenommen wurde das Bild offensichtlich beim einer studentischen Kneipe der UNITAS Ruhrania in Münster: Der Chargierte an seiner Seite ist Bbr. Dr. Jürgen Becker, der sich 1950 als junger Jura-Student dem Verein angeschloss, den Biernamen „Curtzius“ erhielt und bei Besuchen bei der seit 1991 in Essen ansässigen UNITAS Ruhrania bewegt von der damaligen Aktivenzeit berichtete. Ehrensenior Bbr. Portmann habe auf ihn und die Mitstudenten einen großen Einfluss gehabt, so der Notar und Rechtsanwalt in Bocholt, er sei sehr respektiert und prägend für den nach dem Krieg wiederbegründeten Verein gewesen.

 

Nach dem plötzlichen Tod des in das Kardinalskollegium aufgenommenen Bekennerbischofs hatte 1946 hatte Bbr. Portmann eine erste Schrift veröffentlicht (Der Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht, Münster/Westfalen). 1948 legte der „Schatten“ des Kardinals die erste, 323-seitige Biographie über den „Löwen von Münster“ vor, die zahlreiche Neuauflagen erfuhr (Kardinal von Galen. Ein Gottesmann in seiner Zeit). (s. Meldung v. 13.03.2005: Neuauflage: Bbr. Portmanns Biographie von Kardinal von Galen)

 

Beim Empfang nach seiner Rückkehr aus Rom am 16. März 1946 in Münster wurde Kardinal von Galen von Bbr. Heinrich Portmann begleitet (im Bild rechts). Portmann gehörte zu dem kleinen Kreis, der zur feierlichen Kardinalserhebung nach Rom mitgefahren war. Zwei Jahre nach dem Tod des Kardinals schrieb Portmann die Biographie „Kardinal von Galen - Ein Gottesmann in seiner Zeit“.

 

Ab Mitte April 1949 war Portmann, zuletzt Bischöflicher Kaplan von Bischof Michael Keller, Vizeoffizial am Diözesangericht Münster. Am Leben seiner UNITAS-Korporation nahm er regen Anteil. Sie entwickelte sich nach den vorbereitenden Konventen im Winter 1949 und der offiziellen Wiederbegründung am 5.Februar 1950 zu einer starken Gemeinschaft: 1956 zählte der Verein 33 Ruhranen, ein Jahr darauf 56 Bundesbrüder (32 Aktive, 13 Füchse und 6 Neofüchse), die als Ableger die Neugründung der UNITAS „Fürstenberg“ verwirklichten und zum August 1957 den Vorort im Verband übernahmen. Heinrich Portmann, später zum Päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt, übernahm die Funktion des Geistlichen Beirats.

Vorort 1956/57 von links nach rechts: VOS cand. iur. Johannes Pfeiffer, Geistlicher Beirat Prälat Dr. Heinrich Portmann, VOPGerichtsreferendar Werner Niester, AH-Beisitzer Studienrat Pricking und VOS stud. phil. Andreas Hartmann. Weiterer AH-Beisitzer war Theo Kottig (nicht auf dem Photo).

Auf einem vierten von Ingrid Lueb erhaltenen Bild (unten) ist Bbr. Portmann im Kreis von 14 fröhlichen Bundesbrüdern um eine lange Tafel abgebildet – ein Foto, dass eventuell bereits im Sommer 1957 entstanden ist. Die im Hintergrund hoch gehaltene Vereinsfahne zeigt den Streifen des heute noch im Dondersheim, dem UNITAS-Haus in Münster, aufbewahrten Banners der am 15. Februar 1957 gegründeten UNITAS Fürstenberg. Benannt wurde sie nach Franz Friedrich Wilhelm Freiherr von Fürstenberg (1729-1810), einem der wichtigsten Staatsmänner im Fürstbistum Münster in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach Studium in Köln, Salzburg und Rom, war der Domkapitular in Münster und Paderborn 1770 zum Generalvikar ernannt worden, führte zahlreiche Reformen im Bistum durch und erneuerte vor allem das Schulwesen. Der Gründer der Universität Münster gehörte zum katholischen Münsterschen Kreis um die Fürstin Amalie von Gallitzin. Nicht genau auf dem Bild zu erkennen ist der Zirkel des am 15. Februar 1957 gegründeten Vereins (rechts oben). Gut möglich, dass es sich um einen Exbummel des Vereins zum Vereinsfest des Hl. Bonifatius im Juni handelt.



Zum 49. Stiftungsfest der UNITAS Ruhrania am 17. Januar 1960 predigte Bbr. Dr. Portmann bei der Messfeier, in der die neue Fahne des Vereins geweiht wurde:

„… Die Fahne, die wir soeben vor Gottes Altar ge­tragen haben, ist uns heiliges Symbol. Auf ihr stehen die Prinzipien der UNITAS ge­schrieben. Für diese Prinzipien haben Gene­rationen von Unitariern gestritten und in ihnen - das dürfen wir sagen - ihr Le­bensglück gefunden. Unsere neue Fahne trägt das Bild der beiden Domtürme. Im Schatten der münsterschen Domtürme ist unsere Ruhrania in den fünf Jahrzehnten gewach­sen. Der Dom - wie schön, daß in diesem Augenblick seine Glocken zu läuten begin­nen! - ist die Mutterkirche des Bistums, die Kathedralkirche des Bischofs. Treue zum Bi­stum, Treue zum Bischof ist Treue zu Christus und seiner Kirche. Diese Treue wollen wir Unitarier. Der münstersche Dom ist dem heiligen Paulus geweiht. Möge dieser große Apostel uns von seinem Feuergeist mitge­ben: apostolischen Feuergeist! Das Bild von den Türmen des Paulusdomes - wahrhaftig, ein markantes Symbol für unser erstes Prin­zip, die virtus. Möge das Bild von den Tür­men uns immer Ansporn, Verpflichtung und Mahnung sein.“
 

 

Am 30. April 1961 erlitt Bbr. Heinrich Portmann einen Herzinfarkt und starb in Münster.


Der Nachruf aus UNITAS, Monatsschrift des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine (UV), 101. Jahrgang • März 1961 • Heft 5, 90

 

Bbr. Prälat Portmann †

 

Am Donnerstag, dem 4. Mai, haben wir in Bockum bei Hamm i. W. den am 30. April zu Münster im Alter von 55 Jahren verstorbenen Bbr. Prälat Dr. jur. can. Heinrich Portmann zu Grabe getragen. Als die deutsche und die inter­nationale Presse in den ersten Maitagen den Tod unseres Bundesbruders meldete, erinnerte sie an seine Tätigkeit als langjähriger Geheim­sekretär des Bischofs von Münster, Clemens August Kardinal von Galen. Sie rühmte sein reiches literarisches Lebenswerk, erinnerte an seine opfervolle Tätigkeit für das Bistum Mün­ster und zeichnete seine Biographie des Löwen von Münster und seine Bücher über moderne Eheprobleme noch einmal mit Worten hoher Anerkennung aus.

 

Noch mehr aber haben wir Unitarier an Bbr. Heinrich Portmann verloren. Seit er 1928 in jungen Jahren in Freiburg Mitglied der Unitas­ Rheno-Danubia geworden war, hat er dem Ver­band und den unitarischen Prinzipien immer nur Ehre gemacht. Portmann trug schon als Student eine heiße Liebe zur unitarischen Idee in seinem Herzen und zeichnete sich stets durch kraftvolles Eintreten für Ausbreitung des Got­tesreichs auf Erden aus.

 

Die Nachrufe erwähnen u. a. auch sein Wir­ken für die Studentenschaft in Münster. In ho­hem Maße kam das auch den unitarischen Ver­einen der Hauptstadt Westfalens zugute. Insbe­sondere der Unitas-Ruhrania, die in ihm ihren Ehrensenior verloren hat, und dem Ortsverband Münster, dem er ein unermüdlicher Anreger, Mahner und Helfer gewesen ist. Auch der ge­samte Unitas-Verband hat durch den Tod von Bbr. Heinrich Portmann einen schmerzlichen Verlust erlitten. Nicht nur die Zeit, da er 1956/57 als Geistlicher Beirat beim Vorort Unitas-Ruhrania das religiöse und geistliche Leben des Verbandes reich befruchtete und be­stimmend mitgestaltete, nicht nur der zündende Funke des Einsatzes für die katholische Welt­mission, den er in diesem Vorortsjahr in den Verband warf - auch sein mitreißendes per­sönliches Beispiel, sein gütiges Wort, seine selbstlose Bescheidenheit, die seine Person stets hinter die Sache und das Anliegen zurückstellte, werden im Unitas-Verband unvergessen bleiben.


PJH.


 
Wir veröffentlichen im Folgenden den als Beitrag für die Kirchenzeitung „Kirche und Leben“ entstandenen Aufsatz von Ingrid Lueb:

 

„Und unser Bischof fügte hinzu, ich solle es sehr gut bei ihm haben…“

Zum 50.Todestag von Dr. Heinrich Portmann (5.10.1905 - 30.4.1961), Sekretär und Biograph des Kardinals von Galen

 

Als der junge Kaplan der Gemeinde Herz-Jesu in Emsdetten Ende Oktober 1933, zwei Jahre nach seiner Priesterweihe, zu Generalvikar Meis gerufen wurde, sah er unterwegs die Vorbereitung der Bischofsweihe. Er konnte nicht ahnen, daß Clemens August Graf von Galen einmal sein ganzes Leben verändern würde. Vorerst schien bereits die Entsendung zum Kirchenrechtsstudium nach Rom ein Indiz zu sein für die hohen Erwartungen, die die Bistumsleitung an den begabten Sohn eines Maurers aus Bockum-Hövel knüpfte. Heinrich Portmann wird dennoch immer den engen Kontakt zu seiner Familie suchen und darüber seine Bodenhaftung behalten. Zur Freude des Historikers lässt er Eltern und Geschwister mit Hilfe langer Briefe an seiner neuen Lebenswelt teilhaben.

 

Zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1936 lernte der begeisterte ‚Römer’ den neuen Bischof von Münster erstmals näher kennen, da er als verantwortlicher Kaplan der deutschen Gemeinde Santa Maria Dell’ Anima für die Betreuung des angereisten Heimatbischofs zuständig war: „… jawohl, da staunt Ihr!“ [23.5.1936]

 

Am 4. Juni 1936 berichtete er: „Ihr Lieben, nun sind die schönen Tage des bischöflichen Aufenthaltes vorbei! (…) Es waren prächtige Tage; ich habe ihm jeden Morgen die Messe gedient bei uns in der Animakirche; wir sind manchmal zusammen ausgegangen (…). An einem Abend saß er bis ½ 12 Uhr im Kreis der Animakapläne, die sich sehr freuten, den Bischof zu sehen und näher zu hören, von dem sie schon so viel gelesen hatten. (…) Gestern besuchte mich der Bischof auf meinem Zimmer für etwa 20 Minuten; er schenkte mir seine letzte große Predigt, die er in Buer gehalten hat, - mit eigenhändiger Widmung. Er war sehr natürlich und gut zurecht.“

 

Als der Bischof von Münster bereits 6 Monate später - noch dazu „ganz geheim“ [18.1.1937] - wieder anreiste – und mit ihm auch der Bischof von Berlin, Konrad Graf Preysing, und die drei Kardinäle Bertram, Schulte und Faulhaber, da konnte sich nicht nur Heinrich Portmann keinen Reim darauf machen. Offensichtlich war der Alltag im nationalsozialistischen Deutschland in weite Ferne gerückt:

 

„In der Anima war natürlich alles begeistert - und auch am Rätselraten: Warum kommen die jetzt alle nach Rom? – Ihr müßt Euch darüber auch Eure Gedanken machen.“ [18.1.1937]

 

Heute wissen wir, dass Kardinalstaatssekretär Pacelli und die deutschen Würdenträger damals die Enzyklika ‚Mit brennender Sorge’ vorbereitet haben. Der junge Bischof von Münster hatte sich durch seine klare Auseinandersetzung mit dem Neuheidentum des nationalsozialistischen Chefideologen Alfred Rosenberg im Vatikan bekannt gemacht und als Befürworter einer offensiveren Vorgehensweise empfohlen. Anfang 1937 wurden die deutschen Bischöfe auch zum erkrankten Papst Pius XI. geführt.

 

Darüber sprach Bischof Galen offen mit dem jungen Theologen: „Heute Nachmittag, als unser Bischof und ich eine Reihe von Kirchen besuchten, hat er mir ganz genau von dieser Papstaudienz erzählt, von dem Schlafzimmer, in dem ganz schlichte Bilder hängen – teils ganz altmodische Bilder und Figuren aus der Jugendzeit des Papstes – ohne jeden Aufwand das Ganze; er hätte sehr lebendig gesprochen und vor allem den Kardinal Pacelli so gelobt, der für ihn so besorgt sei in den Tagen seiner Krankheit; was Leiden und Krankheit beträfe, so wäre er da noch bisher vollkommen Analphabet – d.h. unerfahren – gewesen; aber er wolle es gern tragen. (…) Wie ich schon sagte, haben wir zwei heute Nachmittag eine Reihe Kirchen besucht; auch die Laterankirche (…) ; die hl. Stiege sind wir hinaufgekniet; es fällt dem Bischof das Knien sehr schwer; mit seinen 58 Jahren hat er natürlich auch schon mit Rheumatismus zu tun.. dann sind wir zu Fuß weitergegangen nach Maria Maggiore.(…).– Jedenfalls macht das viel Freude, wenn man sieht, wie alle Leute auf der Straße staunend und ehrfürchtig zur Seite schauen, wenn ein so großer Bischof vorübergeht. – (…) Wir haben unterwegs schon manches Interessante geplaudert (…). Er ist äußerst freundlich und nett.(…) Wir vertragen uns wirklich sehr gut.“ [18.1.1937]

 

Am 22. Januar 1937 schickte Heinrich Portmann seinen Eltern „eine sehr vertrauliche Mitteilung“: die Bistumsleitung plane nicht länger, ihn zur Verwaltungsakademie Breslau zu schicken, sondern vielmehr „hat man auch in Münster gemeint, daß es besser wäre für mich, wenn ich zunächst an der Seite des Bischofs die Diözese kennenlernte. Dieser Tage hat mir der Bischof es endgültig gesagt, er hätte eigens noch mit dem Generalvikar darüber gesprochen, der sehr dafür gewesen wäre. Und unser Bischof fügte hinzu, ich solle es sehr gut bei ihm haben; davon bin ich überzeugt. (…)- Jedenfalls kann man nirgends soviel lernen wie auf solch einem Posten; das merke ich schon in diesen wenigen Tage [sic!]. – Aber bitte, sprecht noch zu niemandem davon!“

 

Dr. Heinrich Portmann begann am 17.November 1938 seinen Dienst als bischöflicher Sekretär. Manches Ereignis, manche Einschätzung vermerkte er – glücklicherweise - in Tagebuchkladden. Bereits am 24. Februar 1939 notierte er: „Wir kamen auf den Ernst der Zeit zu sprechen, da meinte er, ich müßte ihn [sic !], wenn er einmal ausgewiesen werden sollte, soweit es irgendwie ginge, mit ihm gehen und bei ihm bleiben.“ Der Sekretär wird treu an der Seite des Bischofs aushalten und für ihn so unersätzlich sein, dass Graf Galen wiederholt den Wunsch geäußert hat, er möge bis zuletzt bei ihm bleiben. Offensichtlich schätzte der Bischof aber auch die Fröhlichkeit seines Sekretärs. Weihnachten 1941 schenkte er ihm ein Witze-Buch, das Dr. Heinrich Portmann später weiter schickte an seinen Bruder, der als Soldat an der russischen Front stand.

 

Nach dem plötzlichen Tod des Kardinals erhielt der bischöfliche Sekretär am 26. März ein bewegendes Kondolenzschreiben von dessen Lieblingsbruder Franz Graf Galen. Es bezeichnet sehr eindrücklich den Stellenwert, den Heinrich Portmann in der Familie Galen besaß:

 

„Ihnen, verehrter Herr Prälat, möchte ich zunächst meine und meiner Frau tiefgefühlte Teilnahme sagen zu dem so schweren Verlust, der Sie durch den Tod des Kardinals betroffen hat. Waren Sie doch seit Jahren in seiner nächsten Umgebung, sein ständiger Begleiter und sein intimer Vertrauter. Von allen Priestern der Diözese sind Sie es, welcher durch den Heimgang des Bischofs den schwersten Schlag erlitten haben. Und ich weiß, mit welcher Verehrung und Liebe Sie Ihrem Bischof ergeben waren. Daher gilt Ihnen unser herzlichstes Beileid und unser aufrichtiges Mitgefühl. Möge der liebe Gott Sie trösten in Ihrem Schmerz und Ihnen die Gnade geben, ein Seelsorger zu werden, wie der Kardinal es gewesen ist!

Schon vor längerer Zeit – ich glaube im Jahre 1944 – sagte mir mein Bruder einmal, er habe den Wunsch, Sie bis zu seinem Tod als bischöflichen Kaplan bei sich zu behalten. Daß dieser Wunsch erfüllt worden ist, freut mich für ihn und für Sie. Und ich darf Ihnen als Bruder des Heimgegangenen auch aufs herzlichste danken für alle Sorge, Liebe und Treue, welche Sie meinem lieben Bruder in all den Jahren zugewandt und bis zur letzten Stunde bewahrt haben.

Ich weiß aus vielen Gesprächen, wie dankbar mein Bruder Ihre treue und unermüdliche Mitarbeit empfunden hat. Und daher ist es mir auch bewußt, daß Sie ehrenvollen Anteil haben an dem Wirken des Bischofs für seine Diözese und für Deutschland. Für Alles das danke ich Ihnen von ganzem Herzen.

Gott lohne es Ihnen mit Seinem reichsten Segen!

Danken möchte ich Ihnen aber auch für die große Güte, mit welcher Sie in den Tagen vom 16. bis 23. März sich meiner und der Meinigen angenommen haben, ganz besonders für die nimmermüde Hilfsbereitschaft während der Krankheit und nach dem Tod des Kardinals. Sie haben Ihre eigenen Wünsche und Obliegenheiten, Ihre eigene Sorge und Ihren persönlichen Kummer mit der Selbstverständlichkeit einer vollendeten Selbstlosigkeit zurückgestellt hinter die Fürsorge für uns: mich und die Meinigen. Dafür sind wir alle Ihnen von Herzen dankbar. Gott vergelt’s!

(…) Jetzt sind wir >vereinsamt< ohne ihn, Sie und ich. Aber er vergisst uns nicht.

Mit verehrungsvollen Grüßen

Ihr sehr ergebener Franz Graf Galen.“

 

In den folgenden Jahren verfasste Dr.Heinrich Portmann in enger Absprache mit Franz Graf Galen drei Bücher, die unser Bild vom Kardinal wesentlich geprägt haben. Bis zum Herbst 1949 wird er auch dem Nachfolger des Kardinals, Dr. Michael Keller, als bischöflicher Sekretär dienen. Danach wechselte er als Vizeoffizial ins Ehegericht. Am 30.4.1961 starb der 56-Jährige plötzlich an einem Herzinfarkt, wenige Monate vor Franz Graf Galen [9.10.1961] und Bischof Keller [7.11.1961].

Ingrid Lueb

 


 

Mehr:

09.03.2010 Seliger im Originalton: Neues aus dem Nachlass von Bbr. Portmann

05.11.2009 Tagebücher von Bbr. Prälat Dr. Heinrich Portmann entdeckt

11.01.2009 Überraschung zum Neujahrsempfang in St. Dionysius

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24.01.2009 Aus einer Ansprache unseres Bbr. Msgr. Dr. Portmann bei der Fahnenweihe 1960

13.03.2005 Neuauflage: Bbr. Portmanns Biographie von Kardinal von Galen

 

VI. Die Ruhrania – 1950 - 1990

 

 

Erstklassig besetzter Spielfilm

zu Kardinal von Galen im Internet

„Nicht Lob, noch Furcht“ - Graf Galen, Bischof von Münster“, lautete der Titel eines Spielfilms, der am 6. September 1972 uraufgeführt wurde (Bundesrepublik Deutschland, Länge: 75 Min, Bundesrepublik Deutschland, Schwarz-Weiss, Produktion: Tellux Film GmbH, München). Unter der Regie von Paul May wurde das Drehbuch von Luise Rinser ins Bild gesetzt. Auf der Besetzungsliste der Hauptdarsteller: Wolfgang Büttner (Bischof Graf Galen), Horst Michael Neutze (Sekretär Heinrich Portmann), Günther Jerschke (Vikar Rot), Manfred Reddemann (V-Mann), Hans Schellbach (Domprediger Adolf Donders) und andere. Der Film entstand anlässlich des 25. Todestages des Kardinals und wurde z.T. an Originalschauplätzen in Münster, Telgte und Dinklage gedreht. Unter den auftretenden Personen werden u.a. auch der Privatsekretär Bbr. Msgr. Heinrich Portmann (UNITAS Ruhrania) sowie der Dompropst und Domprediger Bbr. Prof. Dr. Adolf Donders (UNITAS Burgundia) dargestellt, nach dem das „Dondersheim“ der UNITAS-Vereine in Münster benannt ist.

 




Veröffentlicht am: 12:37:16 08.05.2011
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