Das „Lübecker Ereignis“: Wir folgen nur Christus

 

ESSEN / LÜBECK. Das unitarische Bundeslied und ein Reisesegen schlossen am Sonntag, 26. Juni, den Kreis: Mit der Messe in der Kirche St. Birgitta ging es für die UNITAS-Delegation bei der Seligsprechung der Lübecker Märtyrer wieder zurück in die Heimat. Hinter allen Mitfeiernden aus dem Verband lagen erfüllte Tage – mit ungezählten Eindrücken und Begegnungen.

 

Wallfahrt in den Norden

 

Auftakt für die Reise des Vororts war am Freitag eine Statio auf dem Essener UNITAS-Haus. Mit Bus und „Vororts-Mobil“ ging es anschließend auf die Piste Richtung Norden. Erste Station war das UNITAS-Haus an der Natruper Straße in Osnabrück und ein Zusammentreffen mit den dortigen Bundesbrüdern. „Auf dem Weg zur Seligsprechung der Lübecker Märtyrer“ – so trugen sich die Wallfahrer dort und im Friedenssaal des Rathauses in die Gästebücher ein. Wichtiger Ort für die Reise war der Osnabrücker Dom, in dem die Kapläne zu Priestern geweiht worden waren, aber auch die dort aus aktuellem Anlass gezeigte Ausstellung.

 

Unitas in Lübeck

 

Treffpunkt in Lübeck waren Pfarrsaal und –garten in St. Birgitta. Dort hatten Bbr. Pfarrer Joachim Kirchhoff (UNITAS Sugambria Osnabrück) und Bbr. Pastoralreferent Matthias Schulz (Unitas-Salia Bonn) zur abendlichen Begegnung eingeladen. Rund 30 Unitarier ließen sich von VOP Sebastian Sasse auf die Tage in Lübeck einstimmen, unter ihnen Bundesbrüder und Bundesschwestern aus Essen, Bonn, Paderborn, Frankfurt/Erfurt, Darmstadt, Köln, Hamburg und dem Münsterland. Der Verbandsvorstand berichtete sehr begeistert von der evangelischen Gedenkvesper für die Märtyrer in der Lübecker Lutherkirche, reihum gab es letzte Informationen zum Thema und Ausblicke ins Jahr und eine ordentliche Stärkung, bevor es für die meisten Teilnehmer wieder zum zentraler Standort ging – dem CVJM-Hotel am Dom, von dem aus am Samstagmorgen der Open-Air-Gottesdienst auf der „Parade“ angesteuert wurde.

 


 


Für den Unitas-Verband traten die Vorortschargen der Unitas Ruhrania mit der Vorsitzenden des jüngsten Unitas-Vereins Franziska Christina zu Essen an – verabredungsgemäß in Salonwichs und mit der ältesten erhaltenen Standarte des Verbandes von 1921, die erstmals nach der Wiederauffindung und Restaurierung 2011 wieder in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Neben der Nachkriegsfahne der zuvor in Münster aktiven Unitas Ruhrania hatten die Bundesbrüder von der Ruhr zudem aus besonderem Anlass ein besonderes Experiment gewagt: Denn sie führten die im Krieg versteckte, inzwischen höchst zerbrechliche Gründungsfahne des Vereins von 1911 mit, die sicher die bei der Unitas aktiven neuen Seligen einst in Münster noch selbst in der Hand hatten. Sie war spätestens seit den frühen 60er Jahren nie mehr wieder zu sehen. (Bilder unten: Sebastian Fiebig, Ebm. Hamburg)

Das „Lübecker Ereignis“: Gemeinsames Glaubenszeugnis

 

Bei leichtem Wind und vorbeiziehenden Wolken verging die Messe unter freiem Sonnenhimmel wie im Flug – zweieinhalb Stunden lang feierten Tausende mit großer Anteilnahme und Andacht auf dem Platz vor der katholischen Herz Jesu-Kirche ein nicht nur für die Kirche im Norden herausragendes Ereignis. Der spontane Applaus bei der Verlesung der päpstlichen Urkunde, der Predigt und bei den Anrufungen, der Ernst der Appelle zu einer gelebten Ökumene der christlichen Konfessionen und die deutlich spürbare tiefe Sehnsucht nach einer geeinten Kirche – dies alles machte dieses „Lübecker Ereignis“ für alle Mitfeiernden zur einem großen Erlebnis. Herzerfrischend auch die überall anzutreffende große und herzliche Fröhlichkeit bei allen Einheimischen und nach Lübeck gereisten Gästen – als Zeugnisse frommer Hoffnung und Verehrung flackerten bald nach der Messe Hunderte von Lichtern in der Krypta der Herz Jesu-Kirche.

 

Ein Fest, dem der Himmel gewogen blieb: Auch bei der anschließenden großen Begegnung auf der mit Hunderten Tischen gefüllten Domwiese und der Dankandacht, nach der viele Besucher in die Stadt ausschwärmten. Hier – erst nach den Gottesdiensten, rissen die Wolken auf und hüllten die Stadt in einen dicken Regenschauer. Der davon ziemlich unbeeindruckten Unitas-Delegation bot am Abend die „Schiffergesellschaft“ ein traditionsreiches und stilvolles Ambiente für einen familiären Ausklang des Tages. Bei Spezialitäten der Küstenregion verdichteten sich die vielfältigen Eindrücke im Gespräch – auch Bbr. Pfr. Kirchhoff gesellte sich noch dazu und lud herzlich zur Sonntagsmesse am folgenden Morgen.

„Wir folgen nur Christus –
keinem anderen!“

 

Er fasste in seiner engagierten Predigt in St. Birgitta die Bedeutung der Seligsprechungsfeiern zusammen: Nachdrücklich unterstrich er die Rolle der Taufe als Ursakrament für alle, die zu Christus gehörten und ihm folgten, forderte aber auch, die „Offenbarung der Liebe“ allen Menschen in Wort und Tat zu zeigen. Insbesondere gelte es, gegen jede Verletzung der Würde des Lebens einzutreten. Er warnte vor einem Denken, dass Menschen in Maßstäben der Nützlichkeit messe, wandte sich mit Blick auf die jährlichen Neo-Nazi-Aufmärsche in Lübeck aber auch gegen menschenverachtende Ideologien. „Wir müssen eine wahrhaft katholische Kirche sein und dies bezeugen“, erklärte er: Sie erstrecke sich über alle Völker und Sprachen, Herkunft und Lebensumstände. Christus selbst zeige mit seinen ausgebreiteten Armen, dass seine Botschaft allen gelte. Eindrücklich erläuterte er die Bedeutung von Standarte und Fahne der UNITAS am Altar und demonstrierte mit dem Chi-Rho-Banner seiner Gemeinde die Botschaft der neuen Seligen: „Wir folgen nur Christus – keinem anderen!“
 

 

 

Ein Erlebnis mit Folgen …


Mit großem Dank für die herzliche Gastfreundschaft in seiner Gemeinde verabschiedeten sich die Bundesbrüder nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken aus St. Birgitta. Auch auf der schier endlosen Heimfahrt durch die niedersächsische Provinz zur Currywurst im heimischen Essener „Feldschlößchen“ rissen die Gespräche über die Erfahrungen dieses außergewöhnlichen Wochenendes nicht ab - unter ihnen das beeindruckende Zusammentreffen mit der jüngsten Tochter des mit den Kaplänen hingerichteten evangelischen Pastors Stellbrink. Zur Bilanz gehört ein eindeutiges „Ja“: Vorort und Verband wollen dafür sorgen, dass die Erfahrungen dieser Tage in die weitere Arbeit eingehen sollen. Bei Festkommers und Festmesse zur Vorortsübergabe am 30./31. Juli in Essen wird das Thema ebenso aufgegriffen wie auf dem Hamburger Aktiventag Ende Oktober, der ganz im Zeichen der Glaubenszeugen steht. Ihr Leben und Vermächtnis spielt nun in den nächsten Wochen an vielen Stellen im Verband eine Rolle: Der zur Seligsprechung entstandene und an vielen Orten gezeigte Film lädt sicher zu weiteren Diskussionen ein. Am kommenden Wochenende, 3. Juli, wird zunächst das Osnabrücker UNITAS-Haus nach Bbr. Kaplan Johannes Prassek benannt – die neue Schrifttafel ist bereits fertig.

 

 

 

 

LINKS:

Kardinal Walter Kasper: Predigt zur Seligsprechung am 25. Juni 2011

Bischof Gerhard Ulrich: Geistliches Wort bei Feier zur Seligsprechung, Lübeck, 25. Juni 2011

Geistliches Wort von Kardinal Kasper beim Evangelischen Gottesdienst in der Lutherkirche am 24. Juni 2011

Predigt von Bischof Gerhard Ulrich beim Evangelischen Gottesdienst in der Lutherkirche am 24. Juni 2011

Neue Kirchenzeitung EXTRA: Sonderbeilage zur Seligsprechung vom 19. Juni 2011





Veröffentlicht am: 16:39:12 27.06.2011
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