Vor 125 Jahren: Geburtstag von 
Robert Schuman - Vater Europas

Was würde er wohl heute zum Zustand Europas sagen? Zwischen EURO-Krisen und Rettungsschirmen, den globalen Wirtschaftsentwicklungen und den zunehmenden Verwicklungen der europäischen Staaten in Interventionskriegen, aber auch angesichts der labilen Einstellung der Europäer selbst zur politischen Zukunft des Kontinents - es wäre sicher spannend zu hören, was er dazu denken würde. Heute vor 125 Jahren, am
29. Juni 1886, wurde Jean-Baptiste Nicolas Robert Schuman in Clausen im Großherzogtum Luxemburg geboren.

 
Studium in Deutschland


Dr. Robert Schuman, der „Vater Europas“, war Ministerpräsident von Frankreich und bereitete als französischer Außenminister den Weg zur Schaffung der Montanunion (Schuman-Plan) vor. Später wurde er erster Präsident des Europäischen Parlaments und gilt zusammen mit Jean Monnet als Gründervater der Europäischen Union.

Dass er aus einem
europäischen Grenzland stammte, blieb eine Erfahrung, die ihn zeitlebens prägte: Von 1896 bis 1903 besuchte er das Athenäum in Luxemburg, legte das Abitur am kaiserlichen Gymnasium in Metz ab und begann 1904 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn, das er an den Universitäten in München, Berlin und Straßburg fortsetzte.

Das erste Staatsexamen legte er 1908 in Metz ab, verbrachte dort seine Referendarzeit und wurde 1910 in Berlin zum Doktor jur.
„summa cum laude“ promoviert. Nach dem zweiten Staatsexamen 1912 ließ er sich als Rechtsanwalt in Metz nieder. Dort war er 1913 Vorsitzender der Organisation des Deutschen Katholikentages.


Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung

Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Schuman am Bezirkspräsidium in Boulay-Moselle und war Offizier in der kaiserlichen deutschen Armee. 1918 wurde er Mitglied des Stadtrates von Metz, nahm nach der französischen Annektion von Elsass-Lothringen 1919 die französische Staatsangehörigkeit an und wurde für die Republikanische Union Lothringen (Union Republicaine Lorraine) Abgeordneter Lothringens in der französischen Nationalversammlung. 1928-1936 war Schuman Vorsitzender des Ausschusses für Elsass-Lothringen und zeitweilig Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Sein Abgeordnetenmandat behielt er bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo 1941 während des Zweiten Weltkrieges bei. Nach seiner Verhaftung wurde er in Metz und in Neustadt an der Weinstraße inhaftiert, bis ihm schließlich 1942 die Flucht gelang.


Ministerpräsident und Vater Europas

Nach dem Krieg diente Robert Schuman erneut als Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und als Präsident des Finanzausschusses, 1946 als Finanzminister und 1947 als Ministerpräsident von Frankreich. Zwischen 1948 und 1952 war er Außenminister in acht kurzlebigen Kabinetten der politischen Mitte.

Seine am 9. Mai 1950 veröffentlichte historische Erklärung zur Zusammenlegung von französischer und deutscher Schwerindustrie (Montanunion), der Schuman-Plan, zielte auf eine Neukonstruktion und politische Föderation Europas. Zwar wurde der Montanvertrag am 18. April 1951 in Paris unterzeichnet (Bild rechts), doch fand Robert Schuman für seine Idee, eine Europäische Gemeinschaft zu schaffen, in Frankreich kein Verständnis. 1952 musste er sein Amt niederlegen, ein Jahr später aber wurde 1953 die von Schuman noch maßgeblich mitgestaltete Straßburger Konvention für Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten von 26 europäischen Staaten unterzeichnet. Bei zahllosen Vortragsreisen, die Robert Schuman zwischen 1953 und 1958 unternahm, warb er für die Idee eines geeinten Europas. 1955 wurde er zum Justizminister berufen.

 

Die Annahme der Römischen Verträge 1957 führten Europa auf den Weg zurück, den der „Vater Europas” bereits in seiner Erklärung vom 9. Mai 1950 eingeschlagen hatte. 1958 wurde Robert Schuman zum ersten Präsidenten des Europäischen Parlaments ernannt. Im selben Jahr erhielt er den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen, 1959 zusammen mit Karl Jaspers den Erasmus-Kulturpreis. Am 4. September 1963 starb Robert Schuman in Scy-Chazelles bei Metz.

 
Sein Erbe bleibt Verpflichtung


Robert Schuman, der in seiner ganzen Lebenshaltung aus benediktinischem Geist lebte und an keinen Tag die Hl. Messe versäumte, gilt
als Vorbild für den Ausdruck moralischer Werte in der Politik. Das diözesane Verfahren für seine Seligsprechung ist in seiner Heimatdiözese Metz abgeschlossen.

Für UNITAS-Mitglieder bleibt seine Arbeit für das geeinte Europa eine besondere Verpflichtung. Während seines Studiums in Deutschland hatte er in Bonn (1904), München (1905) und Berlin (1906) der UNITAS angehört, sich anschließend der UNITAS in Straßburg angeschlossen und war dem Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS und seinen Prinzipien über alle Wechselfälle der Geschichte treu geblieben. So sieht sich der UNITAS-Verband bis heute auch dem Erbe von Bbr. Robert Schuman in herausragender Weise verbunden.

Bild links: Gedenktafel der Unitas in Berlin

 

Mehr: Unser DOSSIER ZU ROBERT SCHUMAN






Veröffentlicht am: 20:51:05 29.06.2011
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