Alles frisch! – Ein 100. Geburtstag

Ewige Jugend - oder wie geht das eigentlich?

 

ESSEN. Für den Bürgermeister ist die Anwesenheit Pflicht, Journalisten fragen üblicherweise: „Worauf führen Sie ihr hohes Alter zurück? Ernährung? Sport?“. Es gibt Blumen, Kuchen, Likörchen und ein Ständchen. Trotz gestiegener Lebenserwartung können meist nur noch wenige vom selben Geburtsjahrgang beim Fest dabei sein - mindestens darum sind 100. Wiegenfeste immer noch ein Hingucker.

 

Alles ohne Stützstrümpfe

 

Am Wochenende 30./31. Juli wird sicher deutlich werden, dass weder gesunde Ernährung noch regelmäßige Leibesertüchtigung die entscheidende Rolle spielen müssen, wenn es ein solches rundes Jubiläum zu feiern gibt. Und der Essener Unitas-Verein Ruhrania, der nach einer turbulenten Vita zwischen Münster und Ruhrpott jetzt sein Centennium feiert,  wird sogar noch von Brüdern und Schwestern umzingelt sein, die die 100 schon deutlich und sogar weit überschritten haben. Wer nun allerdings ein betuliches Greisenmeeting erwartet, würde sich wundern: Die zweiten Zähne sitzen fest, Stützstrümpfe sind überflüssig, Fortbewegung findet nicht im Sitzen statt.

 

Statt Kukident-Fraktion mit Sahnetorte und Hörgerät also - was? Kurz: Eine Idee und eine Gemeinschaft. Wenn die alten „Damen“ erzählen könnten, wäre immerhin eine Menge dabei. Denn es geht nicht um ein Leben, sondern um viele. Um alle, die zur Gemeinschaft gehören, eine Lebensentscheidung getroffen haben, weil sie sich ihr fürs Leben angeschlossen haben. Sicher: Partyfeeling, Studentenleben, manchmal mehr Rambazamba als unbedingt nötig. Aber mit den Jahren auch die Erkenntnis, dass so etwas Sinn macht. Weil es um mehr als Party geht.

 

Unkaputtbar und zuviel für ein Leben …

 

Es ist etwas, das vor fast 160 Jahren seinen Anfang nahm und offensichtlich unkaputtbar ins Heute ragt. Vor der 1848er-Revolution der angefeindeten Demokraten lagen seine Wurzeln, es erlebte und überlebte die sagenhaften Umwälzungen bis zum ersten großen Kriegsbeben auf dem Kontinent 1870/71, den Hype der Kaiserzeit, die Schlachtbänke von Flandern im 1. Krieg, Revolution und Depression, den Vorabend des Nazi-Terrors, auf dessen Blutgerüsten viele dieser Gemeinschaft ihr Leben ließen. Aus dem Untergrund ging es in die Wiederbegründungen, durch das Wirtschaftswunder, die Bonner Republik, die 68er, bis zur Wiedervereinigung und ins Facebook-Zeitalter. Eigentlich zuviel für ein Leben.

 

Der Zustand heute: Nicht faltenfrei, gewiss. Und hin und wieder zieht es in den Knochen. Doch irgendetwas muss es sein, dass der Sache immer neue Jugend verleiht. „Glück gehabt!“ wäre zu wenig auf die Frage nach der seltsamen Fitness. Auch wenn wirklich Glück dabei war. Das aber wäre schon Grund genug zu feiern. Und das steht jetzt an: Kein Damenkränzchen mit Spitzendecke, sondern ein Familienfest mit vielen Freunden. Mit Fest im Schloss - und nicht zuletzt mit dem Dank für alle diese Jahre in der Kirche. Denn dort liegt der Schlüssel für die unzerstörbare Zuversicht, dass das alles mehr als Sinn macht. In einer gemeinsamen Heimat, die über den Tag hinausreicht. Unkaputtbar – ohne Diäten und Turnübungen? Offensichtlich. Im Übrigen: Ständchen und Likörchen!

 


 

Das Jubiläum in der Presse:

Stiftungsfest im Schloss: Schlusspunkt des Unitas-Jubiläumsjahres, in: BORBECKER NACHRICHTEN, Nr. 30, 63. Jg., Donnerstag, 28. Juli 2011, S. 2

Katholische Verbindungen treffen sich in Borbeck, in: WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG, Nr. 175, Donnerstag, 28. Juli 2011, Hochschule




Veröffentlicht am: 09:32:05 28.07.2011
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