Der neue und der alte Vorortspräsident des UNITAS-Verbandes (v.l.): Kilian Schmiz (Unitas Franko-Saxonia Marburg) übernahm die Vorortsstandarte von Sebastian Sasse (Unitas Ruhrania Essen)

Leidenschaftlich für Europa

Appell zum Einstehen für christliche Werte

 

ESSEN. „Wir haben stürmische Zeiten in Europa. Doch für uns kann es keinen Rückzug geben, wenn wir uns Christen nennen. Wir müssen für unsere Überzeugungen einstehen!“ Dies erklärte der Europa-Abgeordnete Martin Kastler am vergangenen Wochenende vor rund 200 Delegierten und Gästen des katholischen Unitas-Verbandes auf Schloss Borbeck in Essen. Bei der Festveranstaltung zum 100-jährigen Bestehen des Studentenvereins Unitas Ruhrania forderte Kastler für „das einzigartige Friedensprojekt Europa“ mehr Optimismus, Leidenschaft und Begeisterung: „Was wären wir ohne Europa - wo wären wir ohne Europa!“

Einsatz der Christen ist gefordert

 

Angesichts kleinlicher Streitereien und oft unübersichtlicher Entscheidungswege träten die Grundlagen einer großartigen Idee immer mehr in den Hintergrund, so der 37-jährige CSU-Abgeordnete aus Mittelfranken. Nachdrücklich erinnerte er an die historischen Leistungen der Gründergeneration um Unitas-Mitglied Robert Schuman, dessen 125. Geburtstag sich in diesem Jahr jährte. „In einer Zeit neuer nationalistischer Strömungen müssen wir Europa immer wieder neu erklären, deutlich machen, dass Friede und Stabilität unersetzliche Güter sind. Und dass Demokratie, Rechtsstaat und Christentum die Säulen dieses Friedens sind.“ Hier sei der Einsatz der Christen gefordert, sagte Kastler und verwies auf die Debatten um neue Familienbilder, um die Förderung einer aktiven Bürgergesellschaft, die Notwendigkeit einer koordinierten Wirtschaftspolitik, um Bürger- und Menschenrechte und nicht zuletzt auf ethische Grundfragen. „Abtreibung ist kein Mittel der Familienplanung“, stellte Kastler klar und plädierte für engagierten Schutz des Lebens in allen Lebensphasen.


Leidenschaftliches Plädoyer für christliche Werte in der Politik: Der Europa-Abgeordnete Martin Kastler sprach bei der UNITAS-Festveranstaltung auf Schloss Borbeck
 

Um arbeitsfreien Sonntag kämpfen

 

Große Zustimmung gab es auch für seinen Appell zu einem gesetzlich garantierten Schutz des Sonntags. Er sei als freier Arbeitstag europaweit nicht nur ein wesentlicher Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern stehe für eine christlich geprägte Kultur. „Hier kann es keinen Rückzug ins Private geben, sondern wir brauchen aktive Christen in Parteien, Vereinen und Initiativen!“, so der bekennende katholische Politiker, der als Mitglied im federführenden Ausschuss eine europaweite Allianz mitschmiedet und zahlreiche Unterstützer für einen Bürgerentscheid auf dem ganzen Kontinent sammelt. „Hier müssen wir kämpfen und nicht lockerlassen!“ Als katholischer Christ sei er „Berufsoptimist“, erklärte Kastler: „Wer seine Überzeugungen nicht draußen an der Garderobe abgibt oder mit dem Mainstream schwimmt, der kann etwas verändern, etwas bewegen. Unser Glaube stellt uns die Aufgabe, fest für christliche Werte zu stehen! Sie sind alles andere als altmodisch, sondern topaktuell! Denn gerade, wenn es stürmt, sind tiefe Wurzeln umso wichtiger. Dazu sind wir alle eingeladen - in Familien, Vereinen und Gesellschaft!“ 
 

Der Kirche ein Gesicht geben

 

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck ermunterte in einem Grußwort an die Festversammlung zu einem „konkreten Einsatz für unseren Glauben mitten in der Welt“. Es gehe darum, aus der Botschaft des Evangeliums und einer entschiedenen werteorientierten Grundhaltung im gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen und politischen Leben auskunftsfähig zu sein und mitzugestalten. Gerade die zunehmende hochschulwissenschaftliche Bedeutung des Ballungsraumes des Ruhrgebietes rufe dazu auf, den Glauben erkennbar zu leben, der Kirche ein konkretes Gesicht zu geben und „das Katholische mutig vor Augen zu führen“, so Bischof Overbeck. Dabei erinnerte er auch an die von den Nationalsozialisten 1943 ermordeten und im Juni des Jahres seliggesprochenen Mitglieder der Unitas Ruhrania, die Kapläne Johannes Prassek und Eduard Müller: „Mögen sie Ihnen als Zeugen des Glaubens nicht nur Fürsprecher im Himmel sein, sondern auch Vorbilder für Ihren Lebenseinsatz im Heute.“


Fröhliche Festversammlung zum 100-Jährigen der Unitas Ruhrania auf Schloss Borbeck: Bundesverband feierte Vorortsübergabe mit vielen Gästen aus dem Bundesgebiet

 

Positive Vorortsbilanz und eine Regierungserklärung

 

Bereits am Samstagmorgen hatte der neu zusammengesetzte Verbandsvorstand im Landhaus Gimken getagt: Es gab viele neue Gesichter und zahlreiche Tagesordnungspunkte, die Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll präsentierte. Es lohne sich, Verantwortung für den Verband zu übernehmen, erklärte er mit Blick auf das mit dem Wochenende zu Ende gehende Vorortsjahr der Unitas Ruhrania. Der an Mitgliedern kleine Aktivenverein habe gezeigt, dass Quantität für die Unitas kein Kriterium sei: „Dieses Vorortsjahr stellt klar: Nicht die Zahl ist entscheidend, sondern Wille und Charakter. Und den hat die Ruhrania in hohem Maße gezeigt. Ein hohes Lob für Euch!“, wandte sich Bbr. Krüll an Vorortspräsident Sebastian Sasse, der in seinem Rechenschaftsbericht eine optimistische Bilanz zog. Bei allen Fahrten im Verband habe er mit seinen Vorortsschriftführern Christoph Weyer, Philipp Böcker und Stefan Slupina eine hohe Gesprächsbereitschaft feststellen können. „Hier geht es durchaus um Grundsätzliches, um eine große Offenheit zu allen Fragen, die mit unseren Prinzipien zusammenhängen“, so der scheidende VOP. Vieles davon habe sich in der Düsseldorfer Generalversammlung mit ihrem Leitwort „Brannte uns nicht das Herz!“ konzentriert – einer anspruchsvollen und außergewöhnlich gut gelungenen Tagung, fasste der Vorstand mit einem besonderen Dank an die Organisatoren der Unitas Rheinfranken zusammen.

 

In seiner „Regierungserklärung“ unterstrich der gewählte neue Vorortspräsident Bbr. Kilian Schmiz von Unitas Franko-Saxonia Marburg, dass es die im vergangenen Vorortsjahr so intensiv beleuchteten Glaubensgrundlagen nun verstärkt auch auf ihre gesellschaftliche und politische Relevanz zu anzuwenden gelte. Zudem sollen neben der stärkeren Anregung der wissenschaftlichen Arbeit zu diesen Fragen in den Vereinen auch Impulse für ein aktives soziales Engagement vor Ort gesetzt werden – eine Ansage, für die Bbr. Schmiz auch beim Festkommers am Abend viel Applaus erntete.

 

Glänzender Festkommers im Schloss

 

Die schwung- und humorvoll von Sebastian Sasse präsidierte Festcorona fand sich am Abend auf Schloss Borbeck in einem liebevoll geschmückten Ambiente. Ein Dutzend Vereinsdelegationen sorgten im Großen Saal der ehemaligen Residenz der Fürstäbtissinnen zu Essen und Thorn für ein prächtiges Bild. Am Flügel begleitet von Bbr. Udo Nobis zogen Vertreter von KV, CV und Unitas ein – die K.St.V. Rheno Borussia im KV zu Bonn, die K.D.St.V. Nordmark Rostock, Karlsruhe zu Essen im CV und der Borbecker CV-Philisterzirkel Kohle, die tatkräftig mit für der Herrichtung des Saales gesorgt hatten, die jüngste Tochter der unitarischen Familie, die UNITAS Franziska Christine Essen, die UNITAS Maria Montessori Gießen, UNITAS Franco-Alemannia Karlsruhe, UNITAS Rheinfranken Düsseldorf, UNITAS Landshut Köln, UNITAS Rolandia und UNITAS Winfridia Münster, die Mutterkorporation UNITAS-Salia Bonn, die UNITAS Franko-Saxonia Marburg sowie UNITAS Ruhrania, die als Jubelkorporation an den Universitäten des Ruhrgebiets ihren 100. Geburtstag beging.

 

Mit großem Dank an den scheidenden Vorort der Ruhranen verpflichtete Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll den neuen Vorort Franko-Saxonia aus Marburg auf die Verbandsprinzipien und übergab die Standarte. Und wartete mit einer besonderen Überraschung auf, mit der der Vorsitzende des Essener UNITAS-Zirkels am wenigsten gerechnet hatte: Aus der Hand von VOP Kilian Schmiz erhielt er die Silberne Verbandsnadel für sein außergewöhnliches Engagement im Dienste der Unitas, wie Bbr. Krüll betonte: „Martin Gewiese ist ein Bundesbruder, wie es nur wenige gibt“, so Krüll in seiner Laudatio für den Hauptautor des neuen Verbandsliederbuches (Bild oben).

Bbr. Gewiese habe sich mit dieser Aufgabe einer unglaublichen Detailarbeit unterzogen und ein großartiges Ergebnis vorgelegt. „Er ist uns die Personifikation des altmodisch wirkenden Begriffs der Lauterkeit“, unterstrich Festpräside Sebastian Sasse, der dem Essener Zirkelvorsitzenden mit der ganzen Corona herzlich gratulierte. Punkt 23.30 Uhr schlug er den festlichen Kommers unter den Tisch – pünktlich zum Ex-Bummel im Feldschlösschen. Dessen Wände ziert seitdem ein großes Holzwappen mit den Emblemen der Ruhrania, zu deren rundem Geburtstag alle feierwütigen Gäste ein kräftiges und volltönendes „Happy birthday“ anstimmten.


Pfarrer Dr. Jürgen Cleve zelebrierte mit Msgr. Heinrich Grafflage die Festmesse zum 100. Stiftungsfest der Unitas Ruhrania in St. Dionysius Borbeck

 

Festliche Messe in St. Dionysius

 

Obwohl für manche die nächtliche Rast in Morpheus Armen ganz offensichtlich ziemlich kurz geworden war, sah der Sonntagmorgen viele Bundesgeschwister und Gäste in der Heiligen Messe in St. Dionysius. Pünktlich traten die Vereinsvertretungen vor der Sakristei der Kirche an, in der sich seit 9 Uhr schon ein großer Gemeinschaftschor aus den Sterkrader Kirchengemeinden Propstei St. Clemens, der Gemeinde Herz Jesu und der Gemeinde St. Josef in Oberhausen-Sterkrade unter Leitung von Kantor Christoph Nierhaus eingesungen hatte. Mit den festlichen Klängen der „Missa Quinta in B“ von Vaclav Emanuel Horak nahmen die Unitarier und die Gemeinde die Anliegen der Welt ins Gebet, baten für die Lebenden und Verstorbenen des Verbandes.

 

Er ist die Antwort auf allen Fragen ….

 

Stadtdechant und Pfarrer Dr. Jürgen Cleve, der die Messe mit Msgr. Heinrich Grafflage feierte, predigte zum Evangelium von der Brotvermehrung. Ganz anders als oft gedeutet, gehe es nicht um Jesus als Gutmenschen, Zeremonienmeister oder Pädagoge. Wer das eigentliche Wunder hinter dieser und anderen Erzählungen nicht sehe, greife zu kurz, mahnte Pfarrer Cleve: Denn mit Blick auf Not, Trauer, Sehnsucht und Tod in unserer Zeit, all die aktuellen Schlagzeilen dieser Wochen, seien die damit verbundenen Fragen nicht mit Moral zu beantworten. Christus wolle das das ganze Wohl des Menschen: „Er gibt Gemeinschaft mit sich, teilt sich mit, teilt sich selbst, teilt unser ganz konkretes Leben“, so Dr. Cleve. „Er leidet mit, ihm ist nichts Menschliches fremd, er ist die Antwort, das Brot des Lebens, seine radikale Verlässlichkeit ist bewiesen, wir brauchen sie und sind auf sie angewiesen.“ Das zu bezeugen, sei Aufgabe der christlichen Gemeinde - und auch der studentischen katholischen Vereine. Cleve wünschte der Unitas und ihrem in der Borbecker Pfarrei ansässigen Studentenverein in seiner Predigt eine erfolgreiche Arbeit und ein überzeugendes Eintreten für die Barmherzigkeit Gottes: „Sie zu verkünden, ist die Aufgabe der christlichen Gemeinde, auch der studentischen Vereine. Gebt dieses persönliche Zeugnis in Fest, Feier und Alltag!“


Delegationen der Unitas-Vereine Ruhrania (Essen), Franko-Saxonia (Marburg) und Franziska Christine (Essen) nach der Festmesse in St. Dionysius mit Pfarrer Dr. Jürgen Cleve und Msgr. Heinrich Grafflage

 

Mit einem anschließenden Festzug zum gastlich vorbereiteten „Feldschlößchen“ an der Flurstraße ging ein für die Unitas im Revier denkwürdiges Wochenende in die Schlusskurve. Nach einem stärkenden Büffet galt es – glücklich und geschafft - viele Erlebnisse und Erfahrungen eines außergewöhnlichen Ereignisses zu sortieren. Guten Mutes soll es an der Ruhr unitarisch weiter gehen – und dass viele Gäste aus Nah und Fern von einem bestens organisierten Großevent mit Inhalt, Stil und Botschaft sprachen, war allen Einsatz wert. Ihnen allen bleibt zu wünschen: Kommt wieder. Wir sind da.

 
Bilder: Hejo


PRESSEMELDUNGEN

22./26.7.2011 Neues Unitas-Bundespräsidium: Studentenvereine feiern 100. Stiftungsfest auf Schloss Borbeck
01.08.2011 Leidenschaftlich für Europa: Appell zum Einstehen für christliche Werte

PRESSEARTIKEL

Stiftungsfest im Schloss: Schlusspunkt des Unitas-Jubiläumsjahres, in: BORBECKER NACHRICHTEN, Nr. 30, 63. Jg., Donnerstag, 28. Juli 2011, S. 2

Katholische Verbindungen treffen sich in Borbeck, in: WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG, Nr. 175, Donnerstag, 28. Juli 2011, Hochschule
Leidenschaftlich für Europa. Studenten wollen für christliche Werte einstehen, in: BORBECKER NACHRICHTEN, Nr. 31, 63. Jg., Donnerstag, 4. August 2011
100 Jahre Unitas Ruhrania: Einsatz für friedliches Europa, in: RUHRWORT, Nr. 32, Jg. 53, vom 13. August 2011


ARTIKEL
29.07.2011  Jubiläumsfest: Am Samstag geht es los
28.07.2011  Alles frisch! – Ein 100. Geburtstag

27.07.2011 Vorortsübergabe: Schlag auf Schlag

18.07.2011 100. Stiftungsfest: Einladungen auf dem Weg

11.07.2011 Kammermusik: Festkonzert voll Leidenschaft

08.07.2011 10. Juli bei der UNITAS: Sonntagskonzert mit Kammermusik

Am 30./31. Juli: Fest zum 100. Gründungstag und Vorortsübergabe in Essen




Veröffentlicht am: 17:39:37 01.08.2011
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