Bbr. Dr. Baldur Hermans (Bild: Staatskanzlei NRW/Wilfried Meyer)


In Memoriam: Bbr. Dr. Baldur Hermans

 

ESSEN. Bbr. Dr. Baldur Hendrik Anton Hermans (Unitas Stolzenfels Bonn, Unitas Ruhrania Essen), früherer Generalsekretär der Internationalen Katholischen Konferenz des Pfadfindertums (CICS) und ehemaliger Dezernent für gesellschaftliche und weltkirchliche Aufgaben im Bistum Essen, starb am Montag, 16. November, im Alter von 77 Jahren in Essen-Borbeck. Den Trauergottesdienst feiert Weihbischof em. Franz Vorrath am Montag, 23. November, um 10 Uhr in St. Paulus in 45357 Essen (Gerschede), Tangabucht 12. Die Beerdigung findet um 11.30 Uhr auf dem Katholischen Friedhof Borbeck an der Hülsmannstraße statt.

 

Wegbegleiter und Wegweiser

 

„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10,9) Mit diesem wunderbaren Satz über der Traueranzeige für Bbr. Baldur Hermans, ist viel über ihn gesagt. Über seine Haltung, über seine Arbeit, über sein Wirken und über seine Hoffnung. Der Vers stammt aus dem 10. Kapitel des Johannes-Evangeliums – es ist das Wort Jesu über den „Guten Hirten“, der sein Leben für die ihm Anvertrauten einsetzt, damit „sie das Leben“ haben. Jetzt ist Baldur Hermans „zum Herzen des Vaters zurückgekehrt“, wie es zu seinem Tod in einem arabischen Nachrichtenportal hieß.

 

Sein plötzlicher Tod, betrauert von seiner Familie und vielen Freunden in aller Welt, ist ein überaus schmerzlicher Verlust. Vielen war er Wegbegleiter, Wegweiser, Türöffner, viele haben wie er selbst in bewegten Zeiten ihren Weg gesucht und mit ihm und durch ihn Weggemeinschaft gefunden. Er selbst fand seinen Weg in seinen Kinder- und Jugendtagen in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Sie wurde dem gebürtigen Niederländer, geboren am 13. Juni 1938, seit 1949 in Essen-Borbeck zur Heimat.

 

Wegstationen

 

Während seines Studiums der Ge­schichte und Theologie in Bonn schloss sich Bbr. Hermans mit weiteren Pfadfindern zum 13. Juni 1961 der Unitas Stolzenfels an, bei der er 1973 philistriert wurde und der er zeitlebens verbunden blieb. 1970 wurde er mit einer Arbeit zur Sozialen Frage auf den Katholikentagen von 1848 bis 1891 promoviert und leitete seit 1970/71 das Bischöfliche Jugendamt in Essen. 1989 übernahm Bbr. Hermans die Leitung des Sekretariates und späteren Dezernates für gesellschaftliche und weltkirchliche Aufgaben des Bistums. Er gehörte dem Vorstand des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Essen an, war Vorsitzender des Landesausschusses Katholischer Jugendarbeit NRW und Mitglied im Landesjugendwohlfahrtsausschuss im Landschaftsverband Rheinland.

 

2004 schied er mit Erreichen der Altersgrenze aus dieser beruflichen Aufgabe aus - nicht jedoch aus seinen vielen ehrenamtlichen Verpflichtungen: 30 Jahre lang war er bereits Vorsitzender der CDU in Borbeck gewesen, hatte sich um viele kommunalpolitische Fragen gekümmert. Doch seine Liebe galt neben der lokalen praktischen Arbeit noch einem weiteren „weiten Feld“: So rief er während seiner Tätigkeit als Auslandsbeauftragter der DPSG (1985-2004) Partnerschaften mit katholi­schen Pfadfindern in Afrika, Bolivien und mit arabischen Gruppen in Israel und Jorda­nien ins Leben, unterstützte nach dem Fall der Mauer den Aufbau von Pfadfinderverbän­den in Osteuropa, 1985 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Konsultor des Päpstlichen Rates für die Laien in Rom, er übernahm Verantwortung in der Stiftung „Lu­men Gentium" des Zentralko­mitees der deutschen Katholi­ken und gehörte dem Kirchenvorstand der Gemein­de St. Paulus in Gerschede an. Im März 1998 ehrte ihn das Weltkomitee der Pfadfinder für sein Engagement als Auslandsbeauftragter des Rings deutscher Pfadfinderverbände mit dem „Bronzewolf“, der höchsten Auszeichnung der Weltpfadfinderbewegung, die DPSG zeichnete ihn mit der St. Georgs-Medaille, ihrer höchsten Aus­zeichnung, aus.

 

Weite Horizonte

 

2002 stellte sich Bbr. Hermans einer neuen Aufgabe in seinem Engagement für die Internationale Katholische Konferenz des Pfadfindertums (CICS) mit Sitz in Rom. Er wurde in Thessaloniki/Griechenland zu ihrem ehrenamtlichen Generalsekretär gewählt, 2005 in Tunis/Tunesien in seinem Amt einstimmig bestätigt und stand nach seiner Wiederwahl in Rom bis zum ICCS-World-Council in St. Louis/USA im Herbst 2011 erneut an der Spitze des Zusammenschlusses von weltweit mehr fast 70 nationalen katholischen Pfadfinderorganisationen in Europa, Afrika, Amerika und Asien/Pazifik. Auch hier setzte er sich intensiv für die grenzüberschreitende Kooperation der Pfadfinder ein, für den Aufbau neuer Verbände in Osteuropa, initiierte Partnerschaftsprojekte mit Organisationen in Afrika und Lateinamerika, nicht zuletzt auch mit arabischen Gruppen in Israel und Jordanien.


Kurienbischof Josef Clemens und Bbr. Dr. Baldur Hermans. Bild: BN / Michael Jochim

 

Sein weltweites Engagement ist vielfach gewürdigt worden: 2009 überreichte ihm NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2012 verlieh ihm Kurienbi­schof Dr. Josef Clemens in Paderborn die päpstliche Auszeichnung eines „Komtur des Silves­ter-Ordens". Der Sekretär des Päpstli­chen Laienrates dankte insbesondere für die ehrenamtli­che Arbeit von Bbr. Hermans, der engagiert die Anliegen der Pfadfinder und ihrer Erzie­hungsarbeit in den Päpstli­chen Rat für die Laien einge­bracht habe. Ende Januar 2015 ehrte ihn der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, in Jerusalem mit dem Ehrenzeichen vom Heiligen Grab in Gold für das langjährige soziale, pädagogische und kirchliche Engagement des Borbeckers in Palästina, Israel und Jordanien.

 

Den Frieden gewinnen

 

„In der Idee der Pfadfinder stecken zutiefst christliche Werte“, unterstrich Bbr. Hermans damals anlässlich der Auszeichnung im Interview mit dem Nachrichtenbüro des Patriarchats. Es gehe um die wichtige Erfahrung des Lebens in Gemeinschaft, in der Verbindung mit der Natur, um die Entwicklung von Kreativität und das Verständnis für unterschiedliche Kulturen und Traditionen: „Nicht zuletzt ist es eben das Tun, das Handeln, für die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung, die hier eingeübt werden.“ Mehr noch als viele politische Bemühungen trage die ganz praktische Begegnung auf der menschlichen Ebene entscheidend zum Frieden bei, betonte Hermans mit Blick auf die angespannte Lage im Nahen Osten. 

 

Diese Frage hatte ihn nie losgelassen: Es gelte immer, Wege zum Frieden zu finden, äußerte er bei verschiedenen Gelegenheiten – eine sicher auch sehr persönliche Erfahrung aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, in der er aufgewachsen war. Sie prägte auch seine weitgespannten historischen Interessen, aus denen er in seiner publizistischen Arbeit und bei zahllosen Vorträgen, auch bei der Unitas, schöpfte. Über 30 Titel sind unter seinem Namen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet, in denen er vielen essentiellen Bedingungen für das „bonum commune“ nachspürte.

 

Rastlose Leidenschaft

 

Seine Arbeiten galten der Entwicklung und Bedeutung der katholischen Soziallehre, er forschte und veröffentlichte zu ihren wichtigen Exponenten, zu Ordensgemeinschaften und zu Lebensläufen von Persönlichkeiten der jüngeren Kirchengeschichte, zum Schicksal von Migranten, zum christlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, zur Friedensbewegung und Wiederbewaffnung, aber auch zur regionalen Geschichte in historischen und aktuellen Bezügen. Sie zu zeigen, sie ins Bild zu bringen, war ihm noch im vergangenen Jahr ein großes Anliegen, als er mit dem Team vom Kulturhistorischen Verein Borbeck den ersten Teil einer Ausstellung zu religiös geprägten Jahreszeiten präsentierte – den zweiten Teil schon fest in Planung.

 

Wer ihn bei all diesen oft rastlosen Aktivitäten erlebte, konnte nur staunen über den weiten Horizont und die unglaubliche Leidenschaft, mit der er sich in seine Themen hineingrub, mit der er richtigstellte, anklagte, der Wahrheit auf den Grund ging. Nicht nur der Philatelie galt seine Sammelleidenschaft, mit der er festhalten, dem Vergessen entreißen und bewahren wollte. Kein Kruzifix, kein Rosenkranz, kein Gebetbuch, keine Heiligenfigur, die bis heute von der Frömmigkeit und dem Glauben der Menschen früherer Zeiten zeugt, sollte verloren gehen. Abertausende Bücher galt es zu retten, das ganze Bild zu erhalten, um weitere Forschungen zu ermöglichen, zu erklären und zu deuten. Schmerzlich musste er manches ihm entgegengestellte Unverständnis zur Kenntnis nehmen und er litt unter Äußerungen, die diese Liebe nie verstanden.

 

Haltung der Liebe lernen

 

Denn diese Liebe galt den Menschen, die er sich vertraut gemacht hatte – lebenden und vorausgegangenen. Ob Nikolaus Groß, dessen Seligsprechung er mit vorbereitete, oder andere NS-Opfer, für deren Erinnerung er eintrat: Sie alle standen ihm für eine Grundhaltung, die er von der Kirche und Christenmenschen einforderte. Für viele ein Ärgernis, vielleicht auch eine Überforderung, aber für ihn Vorbilder, denen er sich auch selbst verpflichtet fühlte. Um einzutreten für die Menschen, die zu ihrem eigenen Wachsen daraus lernen sollten. Hier setzte seine pädagogische Arbeit insbesondere bei der jungen Generation an: Sie galt es nach dem Vorbild des guten Hirten zusammen zu bringen, über alle Grenzen und Verschiedenheiten gemeinsame Erfahrungen zu teilen, um eine bessere Welt zu schaffen. Ganz im Sinne von Sir Baden-Powell, dem von ihm verehrten Gründer der Pfadfinder: „Verlasse die Welt besser, als Du sie vorgefunden hast.“

 

Bbr. Baldur Hermans hat diese Welt besser gemacht - auch wenn er selbst manche Zweifel daran hegte. Seine Leidenschaft, seine Freundschaft, seine Liebe zur Kirche, sein Glaube, sein Verantwortungsbewusstsein, seine große persönliche Freiheit, mit der er nicht nur in vielen Korrespondenzen, sondern auch in der direkten Begegnung widersprach, sein Einsatz für andere bleiben über seinen Tod hinaus unvergessen. Sie haben ihn jung gehalten und vielen ein Beispiel gegeben. Er hat Virtus, Scientia und Amicitia, die Prinzipien der Unitas gelebt.

 

Nun ist er durch die Türe gegangen, die er selbst für viele offen gehalten hat.

Danke und Gut Pfad, Baldur.

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Veröffentlicht am: 17:51:28 20.11.2015
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