Aktuelles > Neuigkeiten > Jahrestag der Ermordung der Lübecker Märtyrer

BORBECK. Selbst auf der katholischen Inselkirche in Westerland/Sylt war es in diesen Tagen nicht zu übersehen: Das Plakat (s. Foto rechts) zur Ankündigung des 64. Jahrestages der Ermordung der vier „Lübecker Martyrer“, deren Gedenken am Sonntag, 11. November, um 18 Uhr im „Kleinen Michel“ in Hamburg begangen wird.

Am 10. November 1943 wurden unsere Bundesbrüder Johannes Prassek (* 13.8. 1911 in Hamburg, UNITAS Ruhrania) und Eduard Müller (* 20.8. 1911 in Neumünster) mit Hermann Lange (* 16.4. 1912 zu Leer in Ostfriesland) und Pastor Karl Friedrich Stellbrink im Gefängnis Holstenglacis durch das Fallbeil hingerichtet. Der Prozess gegen die von der NS-Justiz des Landesverrats beschuldigten Kapläne aus Lübeck und den evangelischen Pfarrer dauerte kaum zwei Tage (22./23. April). In der Anklage gegen die drei katholischen Geistlichen, die gemeinsam an der Lübecker Herz-Jesu-Kirche in der Seelsorge tätig waren, hieß es: „Ihnen ist zur Last gelegt, seit 1940 oder Anfang 1941 ständig deutschsprachige Sendungen des feindlichen Rundfunks abgehört und verbreitet und dadurch die Feindpropaganda gefördert zu haben. Sie haben ferner seit Frühjahr oder Sommer 1941 auf Anordnung Ihrer vorgesetzten Kirchenbehörde regelmäßig Gruppenabende veranstaltet, die der religiösen Vertiefung der Teilnehmer dienen sollten und zu denen sich auf Einladung durch die Angeklagten überwiegend junge Männer einfanden, die zum Teil der Wehrmacht angehörten und die weitere Gäste einführten; sie sind weiter beschuldigt, auf diesen Gruppenabenden durch Hetze gegen den nationalsozialistischen Staat, und zwar auch durch Verteilung von Schriften, dem Kriegsfeind Vorschub geleistet und Vorbereitung zum Hochverrat begangen zu haben.“ Die Bewertung späterer Historiker ist eindeutig: Von einem Gerichtsprozess kann eigentlich keine Rede sein. Das Urteil stand bereits vorher fest. Es sollte zur Abschreckung gegen alle kritischen Kirchenleute dienen.   

Seligsprechungsverfahren wird in Rom fortgesetzt

2004 begannen im Erzbistum Hamburg die Vorbereitungen zur Einleitung des Seligsprechungsverfahrens für die drei Kapläne Prassek, Müller und Lange. Nach der Sessio ultima am 10. November 2005 und dem Abschluss des ersten, diözesanen Teils im Seligsprechungsverfahrens wurden die Prozessakten für den zweiten und entscheidenden Teil des Verfahrens an die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen nach Rom übermittelt. Die 2110 Seiten umfassenden Akten enthalten die übersetzten Aussagen von Zeitzeugen, sämtliche schriftliche Zeugnisse sowie theologische und historische Gutachten. Wie viel Zeit bis zur Entscheidung vergehen wird, ist derzeit nicht absehbar. In der Hamburger St. Ansgar-Gemeinde/Kleiner Michel wird die Erinnerung an die Martyrer und Glaubenszeugen wach gehalten. Die Gefängniskirche in ihrer Hinrichtungsstätte erhielt im Gedenken an die vier Lübecker Geistlichen den Namen „Kapelle des 10. November“.




Veröffentlicht am: 01:28:53 09.11.2007
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