Aus: unitas 200/1

Vier Bundesbrüder waren bei der
Priesterweihe von Karl Leisner in Dachau -
 
Zu einem neuen Lebensbild von Bbr. Matthias Mertens (1906-1970),
Priester in Oberhausen-Schmachtendorf

Mit dem von Bbr. Dr. Wolfgang Burr herausgegebenen IV. Band des UNITAS-Handbuchs liegt ein weiterer gewichtiger Baustein unitarischer Geschichtsschreibung vor. Seine Lektüre kann allen Unitariern nur bestens empfohlen werden. Hochinteressante Aufschlüsse geben nicht nur die vielfältigen Ergänzungen zu Kapiteln vorausgegangener Bände, sondern auch die 31 neu verfassten Lebensbilder, die in sehr lesbarer Weise Persönlichkeiten aus dem Verband vorstellen. Dies zeigt sich insbesondere dort, wo die Recherchen der einzelnen Verfasser gänzlich neues, unbekanntes Material ausfindig machen. Dies trifft z.B. auf das Lebensbild von Bbr. Matthias Mertens zu, für das sich gleich zwei Autoren auf die Suche begeben haben. 

In ihm stellte uns der Altherrenbundsvorsitzende Günther Ganz bereits in Ausgabe 2/2000 der unitas einen Seelsorger vor, der mit anderen der im KZ Dachau eingekerkerten Priestern „das niederdrückende Gefühl absoluter Ohnmacht, Recht- und Schutzlosigkeit gegenüber der Staatsgewalt“ teilte. (1) Erstmals war dort von der Priesterweihe des am 23. Juni 1996 seliggesprochenen münsteraner Geistlichen Karl Leisner die Rede, an der Bbr. Mertens teilgenommen hat. Bbr. Lambert Klinke, Alt-VOS aus dem Vorort UNITAS-Cheruskia Gießen, Historiker für Mittlere und Neuere Geschichte, haben diese Mitteilungen nicht ruhen lassen. Er ist diesen Spuren an den Lebensstationen von Matthias Mertens selbst nachgegangen und hat eine mit zahlreichen Quellennachweisen versehene, Bbr. Dr. Ludwig Freibüter zu dessen 80. Geburtstag gewidmete eigene Darstellung vorgelegt, die ebenfalls in Band IV. des UNITAS-Handbuches eingegangen ist. Lambert Klinke konnte darin nicht nur die Frage nach der UNITAS-Mitgliedschaft von Matthias Mertens klären, sondern auch sein von der KZ-Haft gezeichnetes Leben intensiv nachzeichnen. Wir folgend weitgehend dem Wortlaut des Artikels, zu dem auch interessantes Bildmaterial erstmals vorliegt.

Nach Bbr. Lambert Klinkes Recherchen immatrikulierte sich Mertens im Sommersemester 1927 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, gab als Prüfungsziel „Ktheol. Examen (Priester)“ (2) an und wohnte im Borromaeum am Domplatz. Für die Freisemester wechselte Matthias Mertens zum Sommersemester 1929 an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wohnte zunächst in der Jakobstraße 1a, im Wintersemester 1929/30 dann in der Bergstraße 26. (3) Hier traf er schließlich den aus der Diözese Aachen stammenden Bundesbruder Pfarrer Heinrich Mönks (1906-1981), mit dem er zusammen noch im Sommersemester 1929 dem W.K.St.V. UNITAS-Salia Bonn beitrat. (4) Hier wurde er zu einem der „geradlinigsten und aktivsten Bundesbrüder“. (5) So hielt er u.a. im Wintersemester 1929/30 beim Vereinsfest „Maria Immaculata“ den Festvortrag über „Sonnenscheins Leben und Werk“. (6)

Wieder zurück in Münster, wurde er am 24. April 1930 unter der lfd. Nummer 481 reimmatrikuliert (7) und meldete sich zusammen mit Heinrich Mönks beim W.K.St.V. UNITAS-Sugambria an. (8) Aus dieser Zeit ist ein Foto überliefert. Die zunächst letzte Information über seine Aktivenzeit stammt aus dem Sommersemester 1931, nach dessen Ende er um Streichung aus dem Mitgliederverzeichnis der Unitas bat. (9) Nach Mitteilung des einzig noch lebenden Mitbruders aus dem Weihejahrgang, Prof. Dr. theol. Alois Schröer (geb. 1907), fiel dieser Entschluss „schweren Herzens [...] und nur deshalb [...], um sich ganz auf die Gnade des Priestertums vorzubereiten“ (10), denn Mertens befand sich zu diesem Zeitpunkt unmittelbar vor seinem theologischen Examen und dem Eintritt in den Pastoralkurs des Priesterseminars, wo er nunmehr auch sein Zimmer bezogen hatte (Überwasserkirchplatz 3). (11) Die Weihe zum „Priester Jesu Christi und seiner Kirche“ (12) erfolgte schließlich am 17. Dezember 1932 durch Weihbischof Johannes Scheifes (1863-1936) im Hohen Dom zu Münster. (13) Seine Primiz feierte er am 2. Weihnachtstag 1932 in der Pfarrkirche St. Michael zu Wachtendonk. (14) Zwei Monate später, am 24. Februar 1933, wurde Bundesbruder Heinrich Mönks in Aachen zum Priester geweiht. Bei einem anschließenden Kaffeetrinken kam es auch zu einer Begegnung von Matthias Mertens und seinen (ehemaligen) Bundesbrüdern von der UNITAS-Sugambria. Diese, allen voran Heinrich Mönks, drängten ihn, nach seiner Weihe doch wieder zur UNITAS zurückzukehren und sich dort philistrieren zu lassen. (15) Matthias Mertens entgegnete: „Ich war und bin mit ganzem Herzen Unitarier. Aber ich bin auch Priester und während Familienväter an die Folgen für ihre Familien denken müssen, werde ich in den Zeiten, die vor uns liegen, Unrecht anprangern können. Und auf keinen Fall will ich Euch dabei gefährden.“ (16)

Nachdem Matthias Mertens am 21. Dezember 1932 zum Kaplan an St. Anna in Materborn (heute Kleve-Materborn) ernannt worden war, galt seine besondere seelsorgerische Tätigkeit den Jugendlichen und der Arbeiterschaft. Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 die Macht übernahmen, stand er sofort klar und eindeutig auf der Seite derer, die dem „neuen“ politischen System kritisch gegenüberstanden. Er wagte seinem Temperament und seinem jugendlichen-dynamischen Charakter entsprechend auch in der Öffentlichkeit, vor allem in seinen Predigten, zu den politischen Vorgängen Stellung zu nehmen, was zu entsprechenden Reaktionen der Parteibehörden führte. (18) Trotz tätlicher Übergriffe der Hitlerjugend auf Gruppentreffen der katholischen Jugend (19) gab er den Anstoß zum Bau eines Jugendheimes, bei dem Matthias Mertens nicht nur selbst Hand anlegte, sondern auch einer Gruppe von Arbeitslosen die Möglichkeit bot, ihre Arbeitskraft einzubringen. (20)

Seine Predigten zur Verteidigung seines Bischofs Clemens August Graf von Galen (1878-1946) gab der örtlichen NSDAP - sie hatte ihn schon über einen längeren Zeitraum bespitzelt und beschattet - schließlich genügend Argumente für ein Strafverfahren: Vom Juli bis zum September 1935 wurde er in einem Sondergerichtsprozess in Düsseldorf wegen des Verstoßes gegen das „Heimtückegesetz“ angeklagt, (21) doch nach drei Hauptverhandlungstagen am 25. Oktober 1935 „dank der klugen und umsichtigen Verteidigung des Rechtsanwalts Franz van de Loo, Kleve, Gaesdoncker Abiturient von 1899“ (22) freigesprochen. Noch während des Prozesses fiel der Gestapo in einem Arbeitslager bei Stuttgart eine umfangreiche Korrespondenz in die Hände, die Matthias Mertens mit einer dort befindlichen Studentin über Nationalsozialismus und Weltanschauung geführt hatte. „Während die Studentin sofort aus dem Arbeitsdienst entlassen wurde und dadurch vorerst vom Weiterstudium ausgeschlossen war, hatte die Geschichte für mich zunächst auffallenderweise keine Folgen. Aber sie war zu dem anderen 'auf Eis gelegt'„. (23)

„Zu seinem eigenen Schutz“ (24) war Matthias Mertens zwischenzeitlich (Februar 1935) von seinem Bischof als Kaplan an die Pfarrei St. Josef in Sterkarde-Schmachtendorf (heute Oberhausen-Sterkrade) versetzt worden. Auch die dortige scharfe Beobachtung durch die nationalsozialistischen Behörden hinderte nicht daran, Verbrechen und Unrecht beim Namen zu nennen, wenn er es für angebracht hielt. (25) Seine Lage wurde dabei mehr als heikel, als er zusammen mit seinem Pfarrer Eduard Albring (1886-1965) anlässlich der „Wahl“ im Frühjahr 1936 die ganze politische Leitung der Ortsgruppe bloßstellte. „Ich stellte im Wahllokal öffentlich fest, dass die Wahl kontrolliert wurde und verweigerte ebenso öffentlich meine Stimmabgabe, wobei das Ereignis von mir und anderen schnellstens in breiter Öffentlichkeit publiziert wurde.“ (26) Erstaunlicherweise wurde jedoch zu diesem Zeitpunkt nichts gegen Matthias Mertens unternommen, auch Anzeigen wegen „verbotener Vereinstätigkeit“ oder „aggressiver Predigten“ führten bis zum Jahr 1941 lediglich zu einer „Reihe von Vernehmungen.“ (27)

Am 21. September 1941 entschloss sich die Geistlichkeit von Sterkarde-Nord, die später weltberühmt gewordenen Predigten von Bischof Clemens August Graf von Galen (gehalten am 13. und 20. Juli, 3. August 1941) in Auszügen in der Kirche zu verlesen. (28) Als Matthias Mertens vom Sohn eines Polizisten den Hinweis erhielt, dass für den gleichen Sonntag eine Demonstration gegen den Bischof vor oder während des Hauptgottesdienstes geplant war, zu der insgeheim die SA des Bezirks aufgeboten war, entschloss er sich zu den Sätzen, die ihn letztlich in das Konzentrationslager Dachau bringen sollten: „Meine Andächtigen! Wir sind unserem Bischof dankbar, dass er für Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit eine Lanze gebrochen hat, dass er es mutig tat, wo es mit großen Gefahren für ihn verbunden war. Wer dagegen demonstriert, der demonstriert damit gegen Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit. Und das ist nicht nur unchristlich, das ist auch undeutsch und alles, was sich daran beteiligt, ist Pöbel.“ (29) Vor allem dieses Wort führte zu einer Anzeige, am 24. November 1941 zur Vernehmung durch die Gestapo-Leitstelle Düsseldorf und schließlich zu seiner Verhaftung am 6. Januar 1942. (30) Nach mehr als zwei Monaten im Polizeigefängnis Oberhausen wurde ihm am 10. März 1942 der Schutzhaftbefehl ausgehändigt, am 31. März 1942 die Mitteilung, dass seine Überführung in das Konzentrationslager Dachau angeordnet worden sei. Er protestierte: „Ich stamme aus einer uralten kerngesunden und kerndeutschen Bauernfamilie vom Niederrhein. Zehn Kinder haben meine Eltern großgezogen, und 27 Enkelkinder schmücken das Alter meines 90-jährigen Vaters. Mit dem von meinen Eltern und Geschwistern eigenhändig erarbeiteten Geld habe ich an deutschen Schulen und Hochschulen studiert, ohne je fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Weder ich bin jemals mit einem Gesetz in Konflikt gekommen noch ist es eins von meinen Angehörigen. Ich arbeite seit 10 Jahren beruflich an der sittlichen Reinerhaltung der Jugend und an der moralischen Erstarkung unseres deutschen Volkes im Geiste meines kinderreichen Vaterhauses. Ich erleide jetzt an die drei Monate die Bitternis der Schutzhaft im Polizeigefängnis Oberhausen und kann mir nicht denken, dass eine falsche Anzeige nun auch noch meine Verbannung wie die eines Staats- und Volksfeindes in ein Konzentrationslager zur Folge haben soll.“ (31) Am 17. April 1942 wurde er in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. (32) Der erste Häftling aus dem isolierten Priesterblock, der Matthias Mertens am Drahtzaun ein „herzliches Willkommen“ bot, war der ebenfalls aus der Diözese Münster stammende Diakon Karl Leisner (1915-1945), den er noch aus seiner Zeit in Materborn kannte (33) - eine Begegnung, die seine lange Haftzeit in Dachau nachhaltig prägte: „Mir fiel dabei auf, dass der Händedruck des von seiner Krankheit durchaus Gezeichneten und die wenigen Worte, die er mir fürs erste sagen konnte, von ungekünstelter Kraft und froher Zuversicht zeugten.“ (34) 

Über seine fast dreijährige Haftzeit im Konzentrationslager Dachau hat Matthias Mertens später kaum gesprochen: „Wenigstens eine durchschnittliche Phantasie würde nicht ausreichen, die Geschehnisse hinter den Stacheldrahtzäunen des dritten Reiches einfachhin zu erfinden. Wollte aber einer ihre Einzelheiten schildern, ohne ihrer Zeuge gewesen zu sein, so müßte man schon eine Erfindungsgabe von wahrhaft krankhaften Ausmaßen voraussetzen“ (35), so schrieb er später in einem Artikel der „Neuen Züricher Nachrichten“. Seine Familie in der Heimat wandte nicht geringe Geldmittel auf, um ihren „Matthes“ durch Eingaben an einflussreiche Persönlichkeiten frei zu bekommen - ohne Erfolg. Als Matthias Mertens im Frühjahr 1943 zum Kommandanten des Dachauer Lagers befohlen wurde, der ihm eröffnete, dass er befugt sei, ihn sofort unter der Bedingung zu entlassen, dass er sich künftig aller priesterlichen Funktionen enthalte und das schriftlich versichere (36), weigerte er sich. Gegenüber seinem Vater begründete er dies: „Ich schlage mich mit Gottes Hilfe schon durch, wenn es so bleibt, obgleich das Beste, 'die goldene Freiheit', einstweilen fehlt. Aber ich darf und will über nichts klagen angesichts der Nöte so vieler [...]. Ihr sollt bei neuen Versuchen keine Auslagen mehr machen. Was Ihr ohne solche noch tun wollt und mit solchen alles getan habt, danke ich Euch aus ganzem Herzen und Gott lohne das. Ich freue mich über Eure Meinung, dass auf unlautere und unwürdige Bedingungen von mir nicht eingegangen werden soll. Ihr sollt Euch da auf mich verlassen können. Aber betet mit mir um Beharrlichkeit. Allein aus sich kann man so etwas nicht auf die lange Dauer. Aber nein, dann wollen wir lieber unser Wiedersehen auf den Himmel verschieben.“ (37) So sollte Matthias Mertens für zwei weitere Jahre seinen Mitbrüdern aufgrund seiner ungebrochenen Gläubigkeit eine gute Stütze sein; nicht zuletzt auch wegen seiner praktischen Veranlagung konnte er vielen auch durch sonstige Tätigkeiten helfen. (38)

Es spreche für die Größe des Priesters Matthias Mertens, schreibt Bbr. Klinke, dass es für ihn neben dem Un- und Untermenschlichen, also dem Negativen des KZ-Erlebens, bis zu einem gewissen Grade auch eine „andere Seite“ dieses Erlebens gegeben habe: Dazu gehörte für ihn „alles, was [ihn und seine priesterlichen Freunde] vor der letzten Verzweiflung bewahrte, alles, was das Leben hinter dem Stacheldraht trotzdem lebenswert erscheinen ließ, alles, was den Mut zum 'dennoch' jeden Tag von neuem stärkte, alles schließlich und besonders, was das dumpfe und niederziehende und anscheinend so sinnwidrige Leiden auf eine Stufe höchster Sinngebung emporhob: das Religiöse.“ (39) So wurden die Erfahrungen im Konzentrationslager Dachau für Matthias Mertens zu einem besonderen Beitrag zu der während des Dritten Reiches oft gemachten Erfahrung, dass „der Nationalsozialismus mit seiner antireligiösen und antikirchlichen Einstellung nichts anderes war als '... ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft.' Der Teufel, solcherart von Goethe im Faust charakterisiert, wurde jedem noch halbwegs gläubigen Lagerhäftling eine oft erlebte lebendige Wirklichkeit, wenn er es nicht schon vorher oder nicht mehr gewesen war. Ja, man gewann im Laufe der jahrelangen Haft den Eindruck, dass der Widersacher, der Teufel, das Konzentrationslager als seine ureigene Domäne betrachtete.“ (40) Ist es von daher verwunderlich, dass Matthias Mertens zusammen mit seinen Mitbrüdern am 17. Dezember 1944 neben vielen anderen Empfindungen auch einen „guten Teil heilige Schadenfreude“ im Herzen verspürte, als mit der Priesterweihe von Karl Leisner dem Teufel ein schlimmer Streich gespielt wurde und dass er damit in seiner Hochburg eine empfindliche Niederlage erlitt? So wurde der Sonntag Gaudete als der große und in der Geschichte der Gefängnisse und Konzentrationslager wohl einzig dastehende Tag der „Priesterweihe hinter Stacheldraht“ für Matthias Mertens zu dem Tag, an dem er lernte, ohne Verbitterung an Dachau zu denken, obwohl seine Gesundheit dort für immer schwer gelitten hatte. (41) Zu „dieser einzigartigen Gelegenheit“, dem Tag, an dem er selbst vor genau zwölf Jahren die Priesterweihe empfangen hatte, wiederholte und erneuerte er sein „adsum“. (42) „Wir Priesterkameraden aus der Diözese Münster, dreißig Überlebende sind wir noch, umstehen den Weihealtar zunächst [...]. Dann dürfen wir nach [dem Bischof] dem Ordinanden nacheinander die Hände auflegen, wie es der Weiheritus für die anwesenden Priester vorsieht. Aber die andern Hunderte von Priesterhäftlingen aus 24 Nationen können nur im tiefem Schweigen ihre Arme ausbreiten [...]. Es folgt die Überreichung der priesterlichen Gewänder und die Salbung der Hände, die danach zusammengebunden werden. Jetzt ist Karl Leisner zweifach gefesselt, und seine Hände sollen nun segnen, auch die segnen, die seine Ketten geschmiedet haben. Außerordentlich stark, ja überwältigend wirkt diese Symbolik der Salbung und doppelten Fesselung, in die wir alle fühlbar mit hineingezogen sind [...]. 'Man flucht uns, und wir segnen. Man verfolgt uns, und wir nehmen es geduldig hin. Man verleumdet uns, und wir sprechen Trost. Wie der Auswurf der Welt sind wir geworden, wie der Abschaum aller bis zur Stunde (1. Kor. 4,12-13) [...]. 'Victor quia victima' - 'Er ist Sieger, weil er ganz Opfer ward', so könnte man über diese Stunde schreiben wie über die von Golgotha. Etwas wie Siegesfreude liegt denn auch [...] über unserer Gemeinschaft und zittert durch unsere Herzen [...].“ (43)

Als die amerikanischen Truppen immer näher rückten, wurde Matthias Mertens am 9. April 1945 aus dem Konzentrationslager entlassen. Von dort begab er sich noch am gleichen Tag in das Krankenhaus München-Schwabing, wo eine bakterielle Ruhr festgestellt wurde. (44) Von Schwabing aus besuchte er am 29. Mai 1945 (45) seinen Mitbruder Karl Leisner, der sich seit dem 4. Mai 1945 im Sanatorium Planneg befand. Wie seine erste Begegnung mit ihm in Dachau, so gehörte für Matthias Mertens auch die letzte mit Karl Leisner zu seinen unauslöschlichen Erinnerungen: „[...] Wieder konnten wir nur wenige Worte wechseln, diesmal wegen der Schwäche des Kranken. Aber dennoch waren meine Eindrücke fast die gleichen wie vor drei Jahren: eine ungebrochene Zuversicht und eine sieghafte Freude strahlten von ihm aus. In diesem Satz, den er mir sagte, kommen sie so recht zum Ausdruck: 'Um drei Dinge habe ich stets gebetet: um die Genesung und die Freiheit und um das Priestertum. Gott schenkte sie mir alle drei, nur in umgekehrter Reihenfolge.“ (46)

Als die Amerikaner kurz darauf das Krankenhaus beschlagnahmten, machte sich Matthias Mertens zusammen mit seinen Mitbrüdern Prof. Dr. Heinrich Selhorst (1902-1979) und Rektor Heinrich Küppers (1896-1955) auf den langen und beschwerlichen Weg in die Heimat. (47) Am 29. Juni 1945 traf er auf dem elterlichen Hof in Wachtendonk ein, wo er das Glück und die Freude hatte, seinen Vater noch lebend wiederzusehen. (48) Schon wenige Tage später, am 6. Juli 1945 fuhr er zusammen mit Bundesbruder Heinrich Mönks nach Münster, um Bischof Clemens August Graf von Galen zu treffen, der Matthias Mertens wie einen Sohn empfing: „Als Matthes vor dem Bischof in die Knie ging, um seinen Ring zu küssen, zog ihn dieser zurück, umarmte ihn und sagte, dass heute der Tag sei, an dem er vor ihm in die Knie gehen würde.“ (49) 

Trotz seiner immer noch nicht ausgestandenen Erkrankung und Schwäche kehrte Matthias Mertens bereits am 23. Juli 1945 als Kaplan in seine vorherige Pfarrgemeinde St. Josef in Sterkarde-Schmachtendorf zurück, wo man ihm einen begeisterten Empfang bereitete. „Die Schmachtendorfer, die sich am 17. April 1942 noch am Zug von ihrem Kaplan verabschieden konnten, holten ihn nun von dort mit einer Kutsche ab und geleiteten ihn mit einer Reiter- und Fahrradeskorte zur völlig überfüllten Kirche. Als er dort mit einem neuen weißen Messgewand bekleidet einzog, erhoben sich alle Anwesenden, applaudierten minutenlang und bewarfen Matthes mit Hunderten von roten Rosen als Zeichen des Sieges über das Martyrium.“ (50)

Im März 1947 stellte eine Untersuchung im Krankenhaus eine Lungentuberkulose als direkte Folge der langen Haftzeit fest, die Matthias Mertens zwang, schweren Herzens die Kaplanstelle in Sterkrade aufzugeben. Über ein Jahr blieb er in stationärer Behandlung und ging von Juni 1948 bis August 1949 zu einer Kur in eine Spezialklinik in Arosa (Schweiz). Seine vollständige Genesung konnte er jedoch zeitlebens nicht mehr erreichen. (51) Am 10. August 1948 beauftragte ihn Bischof Michael Keller (1896-1961) mit der Seelsorge am Prosper-Hospital in Recklinghausen. Zu einer optimalen medizinischen Betreuung kam dort auch eine größere Unabhängigkeit. (51) Als für den angeschlagenen Matthias Mertens der Umgang mit Krankheit und Tod immer schwieriger wurde, setzte sich sein Freund Heinrich Mönks zusammen mit Hermann Hooymann (1906-1983), Pfarrer an St. Liebfrauen in Goch, dafür ein, dass ihn der Bischof am 28. August 1953 zum Spiritual und Prokurator am Collegium Augustinianum, seinem alten Gymnasium, ernannte. Diese kombinierte Tätigkeit ermöglichte ihm neben guter medizinischer Versorgung gleichzeitig nur so viel Seelsorgearbeit zu übernehmen, wie es seine Gesundheit zuließ. Die Tätigkeit eines Spirituals lag Matthias Mertens aber wohl nicht so sehr; schon bald wurde er wieder von dieser ihm zugedachten Aufgabe entbunden. (52) So investierte er seine verbleibende Kraft in die wirtschaftlichen Belange der Schule, auch wenn er immer wieder durch die Folgeschäden seiner langen Haftzeit aus der Arbeit herausgerissen wurde. (53)

Der Kontakt zur UNITAS blieb und erstarkte neu: Kurz nachdem Matthias Mertens auf „der Gaesdonck“ eingezogen war, besuchte ihn Heinrich Mönks zusammen mit den Klever Bundesbrüdern Friedrich Giesen (1900-1964) und Heinrich Holling (1900-1986), die ebenfalls der UNITAS-Sugambria angehörten. Und wie schon über zwanzig Jahre zuvor, versuchte er wieder, Matthias Mertens zur Rückkehr in die Unitas zu bewegen. Dabei argumentierte er vor allem damit, dass ihm gerade jetzt die „wahrhaft brüderliche Gemeinschaft“ nur gut tun würde. (54) Er erbat sich Bedenkzeit bis zum Vereinsfest „Maria Immaculata“, erschien an diesem Tag zum Gottesdienst des Klever Zirkels und teilte mit, dass er nach Münster seinen Wiedereintritt gemeldet habe. (55) Bis zum Ende der 50er Jahre hat er daraufhin an fast allen Veranstaltungen des Klever Zirkels teilgenommen und seine Bundesbrüder auch zu sich auf die Gaesdonck eingeladen. Eine besondere Beziehung entwickelte sich dabei zu Bundesbruder Heinrich Robke (1908-1993), der dort von 1955 bis 1972 Oberstudiendirektor war. (56)

Nicht zuletzt bedingt durch die physischen, vor allem aber auch durch die psychischen Folgen der Haft, kam es in der Folgezeit immer häufiger zu Problemen und Mißverständnissen auf der Gaesdonck. (57) Der so impulsive, kämpferische Matthias Mertens, der nach außen ungebrochen in die Freiheit zurückgekehrt war, zeigte sich nun immer mehr belastet und geschwächt durch die lange Haftzeit; ein Phänomen, dass bei vielen KZ-Häftlingen mit oft langer Verzögerung aufgetreten ist. (58) Ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen, soll an dieser Stelle auch nicht verschwiegen werden, dass Matthias Mertens zu dieser Zeit ein massives Alkoholproblem entwickelte, dass ihn in der Folgezeit noch cholerischer und unberechenbarer machte, als er es ohnehin schon war. (59) Seit Anfang der 60er Jahre zog er sich von seinen Aufgaben und aus seinem persönlichen Umfeld mehr und mehr zurück. Auch an den Klever Zirkeltreffen nahm er nicht mehr teil, (60) hielt aber noch engen Kontakt zu den Bundesbrüdern Pfarrer Heinrich Mönks und Heinrich Robke. Vor allem diese beiden waren es, die Matthias Mertens aufsuchte, wenn er „einen guten Tag hatte“ und „sein Schneckenhaus“ für einige Stunden verlassen wollte. „Oft war er dann wieder ganz der alte, der gute und gesellige Bundesbruder, derjenige, der nicht aufhören konnte zu 'schwadronieren.'„(61) Über seine persönlichen Probleme sprach er vor allem mit seinem alten Freund und Conabiturienten Joseph Scholten: „Wenn Matthes zu uns kam, wußte ich schon, dass wieder irgendetwas passiert war. Mit meinem Mann zog er sich dann ins Wohnzimmer zurück, wo sie bei verschlossenen Türen über Stunden hinweg miteinander redeten. Wenn dann alles geklärt war, verbrachten wir den Rest des Tages in einer ganz herzlichen Atmosphäre. Joseph und ich haben Matthes sehr geliebt.“ (62) Nachdem 1965 zog sich Matthias Mertens von seiner Aufgaben als Prokurator des Collegium Augustinianum (63) mehr und mehr zurück, was zu Schwierigkeiten mit der zuständigen Abteilung im Bischöflichen Generalvikariat führte. Als man von dort aus Bischof Joseph Höffner (1906-1987) bat, „diesen launenhaften, dickköpfigen und brüllenden Mann, der sich Priester nennt“ (64) abzuberufen, fuhren Hermann Hooymann sowie die Bundesbrüder Heinrich Mönks und Heinrich Robke nach Münster, um den „zuständigen Herrn im Ordinariat zur Rede zu stellen und bei Bischof Joseph für Matthes einzustehen, der uns, noch ehe wir uns gesetzt hatten, mitteilte, dass der so tapfere und einsame Rektor Matthias Mertens, der es im Leben besser verdient gehabt hätte, solange auf der Gaesdonck bleibt, wie er es will.“ (65)

Dem immer mehr gezeichneten Matthias Mertens sollte nur noch eine kurze Zeit bleiben. „Eines Tages rief er mich zu mir und zeigte mir seine roten Hände. Ich fragte ihn: 'Hat es etwas mit der Leber zu tun?' Darauf sagte er still: 'Ja, jetzt auch noch Leberkrebs.'" (66) Noch einmal setzte sich Bundesbruder Heinrich Mönks für ihn ein und besorgte ihm einen Platz in einer Spezialklinik in Kassel, wo er fast ein halbes Jahr verbrachte. Dort konnte man ihm aber nicht mehr helfen, worauf er auf die Gaesdonck zurückkehrte und von den dort tätigen Ordensschwestern liebevoll gepflegt wurde. Als er merkte, dass es zum Sterben kam, rief er nacheinander seine engsten Freunde zu sich, wobei er für jeden eine kleine Kiste mit Briefen, Büchern und Photos vorbereitet hatte. (67) Seine letzten Tage und Stunden begleitete Hermann Hooymann, (68) dem er auch den Text für sein Sterbebildchen diktierte: „Man soll uns betrachten als Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Da dem so ist, verlangt man von jedem Verwalter nur, dass er treu befunden werde. Doch was mich angeht, so ist es mir völlig gleichgültig, von euch oder von einem anderen menschlichen Gerichtstage beurteilt zu werden; ja, ich beurteile mich nicht einmal selbst. Es ist der HERR, der mich richtet. Deshalb urteilt nicht vorzeitig über etwas, bis der HERR kommt. Er wird auch das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenkundig machen; und dann wird jedem sein Lob von Gott zuteil werden. IHM SEI LOB UND DANK IN EWIGKEIT, AMEN!“ (69) Kurz darauf erbat er die Krankensalbung und starb nach einigen Tagen ohne Bewusstsein am 1. Februar 1970. „Auch wenn ich selbst Priester bin, habe ich kaum einen Menschen erlebt, der erfüllt mit einer so starken Liebe zur Kirche gestorben ist.“ (70) Unter großer Anteilnahme wurde Matthias Mertens im Quadrum der Gaesdonck zu Grabe getragen; das Requiem hatte zuvor Domkapitular Prof. Dr. Heinrich Selhorst in Konzelebration mit nahezu 100 Mitbrüdern gehalten, darunter fast allen noch lebenden Dachauer Mithäftlingen aus der Diözese Münster. Die Predigt sowie die Beisetzung hielt der mit ihm am gleichen Tag in die UNITAS eingetretene Bundesbruder Heinrich Mönks. (71)

Die persönliche Tragik von Matthias Mertens und sicher nicht zuletzt seine letzten Jahre mit allen Missverständnissen und der Verkennung seiner Bemühungen, haben wohl dazu beigetragen, dass es, auch innerhalb des Unitas-Verbandes, lange Zeit so still um ihn war. Heute, in einer Zeit, in der wir es oftmals mehr als nötig haben, unseren eigenen Glauben und unsere Stellung in der Kirche zu überprüfen, kann uns dabei das tapfere und mutige Beispiel unseres Bundesbruders Matthias Mertens Vorbild und Verpflichtung sein. Nicht jedem ist es gegeben, vor aller Öffentlichkeit Bekenner der Wahrheit zu sein; nicht von allen wird gefordert, für Gott und die Kirche mit Leib und Leben einzustehen. Aber Zeugen der Liebe Christi sollten wir allezeit sein!

Bilder:

Bild 1: Bbr. Matthias Mertens als Sugamber in Münster
Bild 2: Das im KZ Dachau entstandene Gedenkbildchen von der Priesterweihe Karl Leisners verzeichnet unter dem Wappen des späteren Münsteraner Kardinals von Galen die anwesenden Geistlichen, unter ihnen außer Mathias Mertens noch drei weitere unitarische Bundesbrüder: Pfarrer Heinrich Fresenborg (M), geb. 02. Mai 1900, gest. 21. März 1986, im KZ Dachau vom 28. November 1941 bis zum 28. März 1945; Generalvikariatsrat Geistl. Rat Heinrich Hennen (I2, M3), geb. 13. Januar 1907, gest. 02. November 1967, im KZ Dachau vom 30. Januar 1942 bis zum 05. April 1945; Pfarrer Heinrich Koetter (I2), geb. 28. Oktober 1910, gest. 15. Juni 1973, im KZ Dachau vom 28. November 1941 bis zum 27. März 1945.

 

Quellennachweis:

1 Vgl. Ganz, Günther: „... verzeihen und auf Rache verzichten!“ Als Priester im KZ Dachau: Bbr. Rektor Matthias Mertens (1906-1970), in: Unitas 2 (2000), 54f., hier: 54. Zweitabdruck in UNITAS-Handbuch, Bd. IV, 2000, 374-381.
2 Vgl. die Kartei des Studentensekretariates der Westf. Wilhelms-Univ. Münster, Karteikarte Matthias Mertens.
3 Vgl. ein Schreiben von Dr. Thomas Becker (Archiv der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) an den Verfasser vom 08. Juni 2000.
4 Vgl. dazu das Gesamtverzeichnis des Unitas-Verbandes 1930, S. 128. Das Rezipierungsdatum von Heinrich Mönks wird in der von Dirk Lüerßen und Thomas Weinmann verfassten Festschrift „W.K.St.V. Unitas Sugambria: Gestern - Heute - Morgen“, Mülheim an der Ruhr 1999, S. 202, falsch angegeben.
5 Vgl. ein Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 23. März 1975, Kopie im Besitz des Verf.
6 Vgl. Unitas 6/7 (1929/30), S. 101. Matthias Mertens hatte den zu seiner Zeit bekannten Theologen Dr. Carl Sonnenschein (1876-1929) auf dem Katholikentag 1928 in Magdeburg kennengelernt, wo er wohl einen nachhaltigen Eindruck auf ihn machte. Er begann sich zu dieser Zeit intensiv mit dessen Werk zu beschäftigen und einige Aufsätze zu veröffentlichen, u.a. am 20. Februar 1934 in der Klever Zentrumszeitung „Der Volksfreund“.
7 Vgl. die Kartei des Studentensekretariates der Westf. Wilhelms-Univ. Münster, Karteikarte Matthias Mertens.
8 Vgl. Schwarzes Brett der Unitas 10/11 (1931), Seite 92.
9 Vgl. Ebd.
10 Persönliche Mitteilung von Prof. Dr. Alois Schröer, Münster, vom 24. August 2000. Dazu wurde mir von den Bundesbrüdern Dr. Ludwig Freibüter und Dr. Wolfgang Burr bestätigt, dass es zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich war, dass Bundesbrüder die Unitas bei ihrem Eintritt ins Priesterseminar verlassen haben bzw. nach Aufforderung durch ihren Regens oder Bischof verlassen mussten.
11 Vgl. die Kartei des Studentensekretariates der Westf. Wilhelms-Univ. Münster, Karteikarte Matthias Mertens. Die Exmatrikulation erfolgte unter der lfd. Nummer 1039 am 27. April 1932.
12 Vgl. dazu das Primizbildchen von Matthias Mertens, Original im Besitz des Verfassers.
13 Persönliche Mitteilung von Prof. Dr. Alois Schröer, Münster, vom 24. August 2000. Irrtümlich wird oft angegeben, dass die Weihe durch Bischof Johannes Poggenburg (1868-1933) erfolgte, dieser war jedoch erkrankt.
14 Persönliche Mitteilung von Pastor Franz Hermes, Goch, vom 24. August 2000.
15 Vgl. ein Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 23. März 1975, Kopie im Besitz des Verf.
16 Ebd.
17 Vgl. dazu ein Schreiben von M. Mertens an Pfr. Emil Thoma v. 18. Dezember 1946, Kopie im Besitz des Verf.
18 Geerkens, Ernst: „Zur Namensnennung des Pfarrheims in St. Anna Materborn“, Unveröfftl. Arbeitspapier für den dortigen Pfarrgemeinderat, S. 2, Kopie im Besitz d. Verf.
19 Vgl. Ebd., Seite 3. Hier wird wiederum die Verbindung zu Carl Sonnenschein deutlich, der die „kirchliche Arbeitsbeschaffung“ immer als „wertvollen sozialpolitischen Dienst“ bezeichnet hatte.
20 Vgl. dazu ein Schreiben von Matthias Mertens an Pfr. Emil Thoma vom 18. Dezember 1946 (Kopie im Bes. d. Verf.); der genaue Vorwurf lautete, dass er „zusammen mit zwei Laien im Vorfeld der Volksabstimmung vom 11. August 1934 durch die Verbreitung von angeblich durch die Partei benützten, kirchenfeindlichen Liedertexten gegen die Regierung agitiert“ hat.
21 Scholten, Joseph: Ein Bekenner aus Gaesdoncker Reihen - Eine Erinnerung an Rektor Matthias Mertens, in: Gaesdoncker Blätter 37 (1984), Seite 60.
22 Schreiben von Matthias Mertens an Pfr. Emil Thoma vom 18. Dezember 1946, Kopie im Besitz des Verfassers.
23 Vgl. ein Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 23. März 1975, Kopie im Besitz des Verf.
24 Vgl. Ebd.
25 Schreiben von Matthias Mertens an Pfr. Emil Thoma vom 18. Dezember 1946, Kopie im Besitz des Verfassers.
26 Vgl. Ebd.
27 Scholten, Joseph: Ein Bekenner aus Gaesdoncker Reihen - Eine Erinnerung an Rektor Matthias Mertens, in: Gaesdoncker Blätter 37 (1984), Seite 60.
28 Ebd., Seite 61. Bei der wörtlichen Schilderung bezieht sich Scholten auf das Schreiben von Matthias Mertens an Pfr. Emil Thoma vom 18. Dezember 1946.
29 Boberach, Heinz: Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1934-1944, Mainz 1971, Seite 611. In einer „Meldung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse“ vom 21. Januar 1942 hieß es dazu lapidar: „Der Kaplan Matthias Mertens (geb. 05.12.06 Straelen, wohnhaft Oberhausen-Sterkrade) hatte in einer Predigt zu einer von der NSDAP durchgeführten Kundgebung in unsachlicher Weise Stellung genommen und hierbei gegen den Redner und die Teilnehmer dieser Versammlung beleidigende Äußerungen gemacht. M. wurde durch die Stapoleitstelle Düsseldorf vorläufig festgenommen.“
30 Vgl. Scholten, Joseph: Ein Bekenner aus Gaesdoncker Reihen - Eine Erinnerung an Rektor Matthias Mertens, in: Gaesdoncker Blätter 37 (1984), Seite 61.
31 Vgl. ein Schreiben von Matthias Mertens an Pfr. Emil Thoma vom 18. Dezember 1946, Kopie im Besitz d. Verf.
32 Mertens, Matthias: Priesterweihe hinter Stacheldraht, in: „Neue Züricher Nachrichten“ vom 28. März 1949.
33 Ebd.
34 Ebd.
35 Vgl. Scholten, Joseph: Ein Bekenner aus Gaesdoncker Reihen - Eine Erinnerung an Rektor Matthias Mertens, in: Gaesdoncker Blätter 37 (1984), Seite 62.
36 Schreiben von Matthias Mertens an Vater und Geschwister v. 17. April 1943, Kopie im Besitz d. Verf.
37 Vgl. Dyckmans, Paul: Matthias Mertens, in: Gaesdoncker Blätter 23 (1970), Seite 111.
38 Mertens, Matthias: Priesterweihe hinter Stacheldraht, in: „Neue Züricher Nachrichten“ vom 28. März 1949.
39 Ebd.
40 Vgl. Hermes, Franz: Noch eine Erinnerung an Rektor Mertens, in: Gaesdoncker Blätter 37 (1984), S. 67.
41 Vgl. Mertens, Matthias: Priesterweihe hinter Stacheldraht, in: „Neue Züricher Nachrichten“ v. 28. März 1949.
42 Vgl. Mertens, Matthias: Priesterweihe hinter Stacheldraht, in: „Neue Züricher Nachrichten“ vom 1. April 1949. 
43 Vgl. Schreiben v. Pfr. Hermann Mühlhoff an Pfr. Johannes Sonnenschein, 27. März 1974, Kopie im Bes. d. Verf.
44 Vgl. Seeger, Hans-Karl: Karl Leisners letztes Tagebuch, Kleve 2000, Seite 46, Eintragung vom 01. Juni 1945. Matthias Mertens selbst datiert diesen Besuch in seinem Bericht „Priesterweihe hinter Stacheldraht“ auf „die ersten Junitage“.
45 Ebd., S. 95.
46 Vgl. Schreiben von Pastor Franz Hermes an Pfr. Hans-Karl Seeger vom 30. März 2000, Kopie im Bes. des Verf.
47 Vgl. Schreiben von Pfr. Hermann Mühlhoff an Pfr. Johannes Sonnenschein, 27. März 1974, Kopie im Besitz des Verfassers.
48 Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 23. März 1975, Kopie im Besitz des Verfassers.
49 Ebd.
50 Vgl. Schreiben von Pfr. Hermann Mühlhoff an Pfr. Johannes Sonnenschein, 27. März 1974, Kopie im Besitz des Verf.
51 Vgl. ein Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 23. März 1975, Kopie im Besitz des Verf.
52 Vgl. Hermes, Franz: Erneute Ehrung für Matthias Mertens in Oberhausen, in: Gaesdoncker Blätter 41 (1988), Seite 28.
53 Vgl. ein Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 23. März 1975, Kopie im Besitz des Verfassers.
54 Vgl. Ebd.
55 Ebd. Wenn Matthias Mertens davon gesprochen hat, „nach Münster“ seinen Wiedereintritt erklärt zu haben, ist als Empfänger wohl Bbr. Ludwig Freibüter sen. (1880-1964) gemeint, der damals das Amt für Statistik des Unitas-Verbandes leitete und das Mitgliederverzeichnis führte. Die Verbandsgeschäftsstelle befand sich zu dieser Zeit in Frankfurt. Es ist ziemlich sicher, dass sich in diesem Zusammenhang der schon von Bbr. Günther Ganz vermutete Fehler eingeschlichen hat, nachdem aus dem Kürzel M2 (für Unitas-Sugambria Münster) das Kürzel Mz (für Unitas-Willigis Mainz) wurde. So sind sich auch die Bundesbrüder Dr. Karl-Heinz Buffen (geb. 1928), Dr. Alfons Siebers (geb. 1913) und Reinhard Verführt (geb. 1929), die Matthias Mertens noch als Mitglied des Klever Zirkels kannten, ganz sicher, dass er niemals auch nur irgendeinen Kontakt zur Mainzer Unitas hatte (sämtliche persönliche Mitteilungen vom 23. August 2000).
56 Persönliche Mitteilung von Bbr. Dr. Klaus Robke, Steinfurt, vom 23. August 2000.
57 Persönliche Mitteilung von Pfr. Josef Perau, Goch, vom 23. August 2000.
58 Vgl. Frieling, Christian: Priester aus dem Bistum Münster im KZ, Münster 1992, Seite 143.
59 Persönliche Mitteilung von Pastor Franz Hermes, Goch, vom 22. August 2000. Franz Hermes (geb. 1921) war seit 1959 Studiendirektor im Collegium Augustinianum, wo er auch heute noch lebt und den (leider nicht mehr vollständigen) Nachlaß von Matthias Mertens verwaltet. So sind z.B. viele Dokumente dadurch verloren gegangen, dass die Freunde, die Matthias Mertens damit bedachte, inzwischen selbst alle verstorben sind.
60 Persönliche Mitteilung von Bbr. Dr. Karl-Heinz Buffen, Goch, vom 23. August 2000.
61 Persönliche Mitteilung von Bbr. Dr. Klaus Robke, Steinfurt, vom 23. August 2000.
62 Persönliche Mitteilung von Marianne Scholten, Kleve, vom 26. August 2000.
63 Seine informativen Berichte über den Wiederaufbau und Aufbau der Gaesdonck in den „Gaesdoncker Blättern“ vermitteln bis zu diesem Zeitpunkt ein klares Bild von allem, was dort damals geschah.
64 Schreiben von Pfr. Hermann Hooymann an Pfr. Heinrich Mönks vom 23. März 1972, Kopie im Besitz des Verfassers.
65 Schreiben von Pfr. Heinrich Mönks an Pfr. Paul Dykmans vom 26. Mai 1974, Kopie im Besitz des Verfassers.
66 Persönliche Mitteilung von Pfr. Josef Perau, Goch, vom 23. August 2000.
67 Schreiben von Pfr. Hermann Hooymann an Pfr. Heinrich Mönks vom 23. März 1972, Kopie im Besitz des Verfassers.
68 Vgl. ein Schreiben von Joseph Scholten an Pfr. Johannes Sonnenschein vom 05. Mai 1974, Kopie im Besitz des Verfassers.
69 Vgl. das Sterbebildchen von Matthias Mertens, dessen Original ich dankenswerterweise von Pfr. Johannes Sonnenschein als Geschenk erhalten habe.
70 Schreiben von Pfr. Hermann Hooymann an Pfr. Heinrich Mönks vom 23. März 1972, Kopie im Besitz des Verfassers.
71 Vgl. das Schreiben von Joseph Scholten an Pfr. Johannes Sonnenschein vom 05. Mai 1974, Kopie im Besitz des Verfassers.

 




Veröffentlicht am: 09:45:12 29.09.2004
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