Bbr. Prof. Dr. Josef Anton Stüttler

Nachruf in: unitas 1/2009

VORARLBERG/ÖSTERREICH.
Nach langer schwerer Krankheit ist Bbr. Prof. Dr. Josef Anton Stüttler am 25. Februar 2009 in seinem Geburts- und Wohnort Tschagguns in Vorarlberg gestorben. Bbr. Stüttler war von 1972-1996 als Professor für die Lehrgebiete Sozialphilosophie und Politikwissenschaft einschließlich Sozialpolitik an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Köln tätig. Zuvor war er von als wissenschaftlicher Assistent an der Kommende in Dortmund und seit 1970 zunächst hauptamtlich und dann als freier Mitarbeiter in der Zentrale des Kolpingwerkes Referent für Gesellschaftspolitik.

 

In diesen Jahren hat Josef Anton Stüttler insbesondere im Kolpingwerk und im Bund der Deutschen Katholischen Jugend mit seiner klaren Position und seinem fundierten Wissen die damals entwickelten Grundlagenpapiere mit geprägt. Der 1956 bei der UNITAS Norica in Innsbruck rezipierte Bundesbruder war ein beeindruckender Mensch mit Ecken und Kanten. Prof. Dr. Maximilian Buchka formulierte das in seinen „Erinnerungen an Prof. Dr. Anton Stüttler“: „Mit ihm ist eines der letzten ‚Originale‘ von uns gegangen, über die wir in der Anfangszeit der Katholischen Hochschule noch reichlich verfügten. … Sie waren Persönlichkeiten, die die Dozentenkonferenzen nicht zum ‚administrativen Tagesgeschäft‘ werden ließen, sondern die dafür sorgten, dass eine geistige Auseinandersetzung um die Hochschulideale stattfand.“

Mir ist Bundesbruder Stüttler seit meinen Jahren bei BDKJ immer ein guter Freund und überaus wertvoller Ratgeber gewesen.

 

Heinrich Sudmann

Vors. des UNITAS-Altherrenbundes




 

 

Prof. Dr. Josef Anton Stüttler verstorben

Gedenkgottesdienst in der Elisabeth-Kapelle
der Abteilung Köln am 25.3.2009, 13.30 Uhr


Der Fachbereich nimmt Abschied von Professor Dr. Josef Anton Stüttler (14.3.1931 - 25.2.2009), der von 1972 bis 1996 Sozialphilosophie und Politikwissenschaft am Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abt. Köln, gelehrt hat.

 

Prof. Dr. Josef A. Stüttler (1931-2009)

 

Josef Anton Stüttler erwarb nach dem Besuch der Volks- und der Hauptschule das Abitur an der staatlichen Lehrerbildungsanstalt in Feldkirch und studierte in München, Tullaby (Irland) und Innsbruck Philosophie, Psychologie, Soziologie und Geschichte. Nach dem Lizentiat 1957 schloss er sein Studium im Jahr 1958 mit der Promotion im Fach Philosophie mit einer Dissertation bei Prof. Dr. Emerich Coreth zum Gottesproblem im Spätwerk Schellings ab.

 

Von 1960 bis 1964 folgte eine Zeit als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck bei Professor Dr. Emerich Coreth (Philosophie) und Professor Dr. Johannes Schasching (Soziologie). 1964/65 schloss sich eine Assistententätigkeit bei Professor Dr. Heinrich Kipp (Rechts- und Sozialphilosophie, Völkerrecht) an. Während seiner Assistentenzeit studierte er gleichzeitig an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck Jura, Staats- und Vokswirtschaftslehre. Er beendete dieses Studium mit den in Österreich erforderlichen drei Staatsprüfungen. 1965-1966 schloss sich das obligatorische Gerichtspraktikum (in Schruns und Innsbruck) an.

 

Von 1966 bis 1970 war Herr Stüttler als Wssenschaftlicher Assistent und Leiter der Studientagungen am Sozialinstitut Kommende der Erzdiözese Paderborn in Dortmund und seit 1970 als hauptberuflicher Referent für Gesellschaftspolitik beim Kolpingwerk Deutschland und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundes- und Generalsekretariat tätig. Nach seiner Berufung an die KFH NW 1972 blieb er bei Kolpingwerk Deutschland als freier Mitarbeiter treu. „Professor Stüttler war maßgeblich an der Formulierung des durch die Zentralversammlung 1976 in Paderborn beschlossenen ‚Paderborner Programmes‘ des Kolpingwerkes beteiligt. Jahrzehntelang hat der Verstorbene durch sein unermüdliches Wirken das Kolpingwerk in Deutschland besonders im politischen und gesellschaftspolitischen Bereich mitgeprägt“, würdigte der Bundessekretär des Kolpingwerkes Deutschland, Ulrich Vollmer, die Verdienste Professor Stüttlers um den katholischen Sozialverband.

 

An der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen war Dr. Josef A. Stüttler seit Herbst 1971 als nebenamtlich Lehrender für das Gebiet Politologie tätig, ab 15.9.1972 dann auch hauptberuflich als Professor für das Lehrgebiet Philosophie, insbes. Sozialphilosophie, ab April 1980 bis zu seinem Ruhestand im März 1996 als Professor für die Lehrgebiete Sozialphilosophie, Politikwissenschaft einschließlich Sozialpolitik. Über viele Jahre hinweg war er Vorsitzender des staatlichen Prüfungsausschusses der KFH NW.

 

Sein Interesse und seine Leidenschaft als akademischer Lehrer galt insbesondere der Vermittlung, Erforschung und aktualisierenden Anwendung der Christlichen Gesellschaftslehre und ihrer anthropologischen und sozialphilosophischen Grundlagen. Als scharfer philosophischer Denker und brillanter Rhetoriker hat er sowohl viele Generationen von Studierenden nachhaltig geprägt und für die Sache begeistert, als auch im Rahmen einer umfangreichen Vortragstätigkeit für Akademien und Bildungseinrichtungen weit über den Raum der Hochschule hinaus in die Gesellschaft hineingewirkt. In streitbarer Zeitgenossenschaft hat er an aktuellen sozialen Problemstellungen die Orientierungsleistung einer christlich geprägten Philosophie aufgezeigt und die besondere Problemlösungskompetenz der Katholischen Soziallehre vor Augen geführt. Seine umfassende Bildung dokumentiert sich auch in seinen zahlreichen Veröffentlichungen. Erinnert sei insbesondere an seine frühen Publikationen zum Problem der Gotteserkenntnis im Spätwerk Schellings (1960) sowie an sein Bemühen, angesichts der Folgen der politisch-gesellschaftlichen Umwälzungen der späten 60er Jahre die tragende und bleibende Bedeutung des Christentums für die abendländische Geistesgeschichte insgesamt wie insbesondere auch für die moderne Kultur argumentativ unter Beweis zu stellen. Für die Reihe „Der Christ in der Welt“ (Pattloch-Verlag) verfasste er die Bände „Die Philosophie der Neuzeit“ (1968), „Kirche und Staat“ (1969), „Christentum und Kultur“ (1970), „Sittlichkeit und Recht“ (1971) sowie „Christentum und Erziehung“ (1972). 1974 folgte in der Reihe des Ludgerus-Verlages „Christliche Strukturen in der modernen Welt“ der Band „Der kritische Mensch im modernen Christentum“.

 

Eine Reihe von Publikationen ist aus seinem Engagement für das Kolpingwerk und die Sache Adolph Kolpings hervorgegangen: 1981 erschien „Kolping und die Soziale Frage“ (zusammen mit Michael Hanke und Hubert Tintelott), im gleichen Jahr „Modelle beruflicher Hilfen“ (zusammen mit Michael Hanke und Max Weinkamm). Zusammen mit Rosa Copelovici, Michael Hanke und Franz Lüttgen gab er zwischen 1985 und1987 Band 3 (Soziale Frage und Gesellenverein, Teil I: 1846 - 1852), Band 4 (Soziale Frage und Gesellenverein, Teil II: 1852 - 1858), Band 5 (Soziale Frage und Gesellenverein, Teil III: 1859-1865) und Band 6 (Bilder aus Rom) der Kölner Ausgabe der Schriften Adolph Kolpings heraus. 1991 folgten zusammen mit Michael Hanke die Schrift „Engagement für die berufliche Bildung. Band I: Berufliche Bildung in der Verbandsgeschichte“ und „Adolph Kolping und ‚Rerum novarum‘. Kolpings Wirken und Werk und 100 Jahre kirchliche Sozialbotschaft im Vergleich“. Im gleichen Jahr erschien im Kolping-Verlag das mit Rolf H. Stein verfasste Werk „Ehe und Familie in anthropologischer Sicht“. Hinzu kamen über die Jahre hinweg eine Vielzahl von Aufsätzen und Artikel in Sammelwerken und Zeitschriften nicht nur zu aktuellen sozialpolitischen und sozialphilosophischen Fragestellungen, sondern auch zu klassischen Themen der Philosophiegeschichte: so wiederum zur Philosophie Schellings, zur Grundlegung des Rechts bei Nikolaus Cusanus, zum Widerstandsrecht im Altertum und im frühen Christentum, zur Staatsphilosophie des Thomas von Aquin und immer wieder zum Naturrechtsproblem.

 

Bald nach Ausscheiden aus dem Dienst der Hochschule erlitt Professor Stüttler einen schweren Schlaganfall, der zwar seine geistige Regheit und intellektuelle Schärfe nicht beeinträchtigte, aber an dessen physischen Folgen, vor allem was die Sprachfähigkeit anging, er das letzte Jahrzehnt seines Lebens zunehmend schwer zu tragen hatte. Nach langer und schwerer Erkrankung ist Professor Dr. Josef Anton Stüttler im Alter von 78 Jahren am 25. Februar 2009 in seinem Geburts- und Wohnort Tschagguns/Montafon in Vorarlberg friedlich entschlafen. Die Beerdigung fand ebendort am 28. Februar 2009 statt. Fachbereich und Hochschule trauern um einen engagierten Hochschullehrer und profilierten Wissenschaftler und bleiben ihm in Hochachtung und Dankbarkeit verbunden.

 

Was die Hochschule ihm verdankt, das hat treffend Herr Kollege Prof. Dr. Maximilian Buchka in seinen „Erinnerungen an Prof. Dr. Josef Stüttler“ formuliert: „Zum Schluss bleibt ein erfüllendes Gefühl bei mir zurück, dass es gut war, Prof. Dr. Josef Stüttler begegnet zu sein, ihn als Kollegen gehabt zu haben. Mit ihm ist eines der letzten „Originale“ von uns gegangen, über die wir ihn der Anfangszeit der Katholischen Hochschule noch reichhaltig verfügten. Es waren Persönlichkeiten, die noch Ecken und Kanten hatten, an denen man sich reiben konnte, die aber zur Profilbildung des ersten Kollegiums der damaligen Katholischen Fachhochschule NW ganz wichtig waren. Sie waren Persönlichkeiten, die die Dozentenkonferenzen nicht zum „administrativen Tagesgeschäft“ werden ließen, sondern die dafür sorgten, dass eine geistige Auseinandersetzung um die Hochschulideale stattfand, wichtig vor allem damals, in der Anfangszeit der Hochschule. Dafür hat sich Prof. Dr. Josef Stüttler eingesetzt, dafür gebührt ihm Anerkennung und ein bleibender Dank der Hochschule und auch von uns, Kollegen/innen, die mit ihm noch zusammenarbeiten durften.“

 

Requiescat in pace!

Professor Dr. Armin G. Wildfeuer

Dekan des Fachbereichs Sozialwesen der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Köln

 


Quelle: Katholische Fachhochschule NW

http://www.kfhnw.de/koeln/aktuelles/sp_auto_16610.php
 

Eintrag zu Bbr. Josef Anton Stüttler bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Anton_St%C3%BCttler

 




Veröffentlicht am: 17:45:36 08.03.2009
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