Aktuelles > Neuigkeiten > Bbr. Georg Häfner vor der Seligsprechung


VATIKAN / WÜRZBURG. Mit Datum von heute hat der Vatikan den im Konzentrationslager Dachau umgekommenen katholischen Priester Bbr. Georg Häfner (* 19. Oktober 1900 in Würzburg, † 20. August 1942 in Dachau) als Märtyrer anerkannt. Ein am Freitag von Papst Benedikt XVI. genehmigtes Dekret der Heiligsprechungskongregation bestätigt, dass der Würzburger Priester „aus Hass gegen den Glauben“ getötet wurde. Seiner Seligsprechung steht damit nichts mehr im Weg.

Bild: Bbr. Georg Häfner als Gefangener

Foto der GeStaPo Würzburg, Oktober 1941

Der erste Selige aus der UNITAS

Häfner wurde wegen seines mutigen Eintretens für die Kirche im Oktober 1941 von den Nazis verhaftet und zwei Monate später nach Dachau gebracht. Dort starb er an den Folgen von Krankheit, Unterernährung und Misshandlung am 20. August 1942. Bbr. Häfner wäre er erste Selige aus dem UNITAS-Verband. Weitere Verfahren laufen für die Bundesbrüder Johannes Prassek, Eduard Müller, P. Josef Kentenich und Robert Schuman.


Das Dekret von heute bestimmt: „Oggi, 3 luglio 2009, il Santo Padre Benedetto XVI ha ricevuto in Udienza privata S.E. Mons. Angelo Amato, S.D.B., Prefetto della Congregazione delle Cause dei Santi. Nel corso dell'Udienza il Santo Padre ha autorizzato la Congregazione a promulgare i Decreti riguardanti: Il martirio del Servo di Dio Giorgio Häfner, Sacerdote diocesano; nato a Würzburg (Germania) il 19 ottobre 1900 e ucciso, in odio alla Fede, nel campo di concentramento di Dachau (Germania) il 20 agosto 1942.“

Das Seligsprechungsverfahren war 1986 eröffnet, die Dokumentation über seine Person mit dem Antrag auf Seligsprechung 2004 an den Vatikan übergeben worden. Bei Märtyrern ist in der Regel kein zusätzlicher Nachweis eines Heilungswunders erforderlich, wie er sonst für Seligsprechungsverfahren vorgesehen ist. Ein Termin für die Seligsprechung, die vermutlich in Würzburg durch einen Kardinal erfolgt, steht noch nicht fest.  
 

Bbr. Pfarrer Georg Häfner
Ein Lebensbild von Bbr. Lambert Stamer

Der Leidensweg von Pfarrer Georg Häfner, Bundesbruder des W.K.St.V. UNITAS Hetania Würzburg, geboren am 19. Oktober 1900 in Würzburg, zum Priester geweiht am 13. April 1924, begann am 3. Oktober 1941, als seine Verhaftung durch das Reichssi­cherheitshauptamt in Berlin verfügt wurde. In dem Schnellbrief hieß es, „daß der Reichs­führer SS gegen Häfner längere Zeit Schutzhaft und Überführung in ein KZ-Lager ange­ordnet hat. Ich ersuche daher, Häfner sofort in Haft zu nehmen.“ Als Verhaftungsgrund wurde angegeben, daß er die Bevölkerung aufgehetzt habe. Dazu warf ihm die Gestapo Missbrauch seines priesterlichen Amtes vor und bezichtigte ihn der Absicht, mit einer Er­klärung zur Ehe eines NSDAP-Mitglieds Unruhe in die Bevölkerung tragen zu wollen, wo­mit er die innere Front schwächen würde. Ferner wurden Häfner Schädigung des Anse­hens von Partei und Staat sowie Beeinflussung der Jugend in diesem Sinne vorgeworfen. Am 22. August 1941 war bereits ein Schulverbot gegen Häfner verhängt worden.

Der unmittelbare Anlass für das Vorgehen der Gestapo ist wie folgt überliefert: Durch sei­nen Kaplan hatte Georg Häfner dem Forstwart Michael Wünsch aus seiner Gemeinde auf dem Sterbebett eine Erklärung vorlegen lassen, nach der dieser seine standesamtlich ge­schlossene Ehe vor Gott und seinem Gewissen für ungültig halte. Damit hatte sich der todkranke Wünsch mit der Kirche ausgesöhnt und konnte die Sterbesakramente empfan­gen, auch einer kirchlichen Beerdigung stand so nichts mehr im Weg. Im Zusammenhang mit den kirchlichen Begräbnisriten vermeldete Häfner diesen Vorgang, den er gegenüber der Gestapo am 31. Oktober 1941 wie folgt rechtfertigte: „Für mich war maßgebend, daß sich der Tote mit der Kirche ausgesöhnt hatte und nunmehr kirchlich beerdigt werden konnte [...]. Daß ich die Aussöhnung des verstorbenen Wünsch mit der Kirche in die Wege leitete, erachtete ich als meine Pflicht [...]. Ich tat meine Pflicht als Pfarrer und wäre von meiner geistlichen Behörde beanstandet worden, wenn ich anders gehandelt hätte.“ Am 12. Dezember 1941 wurde Häfner in das KZ Dachau eingeliefert; sein Mithäftling Pfar­rer August Eisenmann berichtete darüber: „Er wurde mehrfach mit Fäusten traktiert, bekam Kinnhaken, so daß er blutete und zu Boden stürzte. Am nächsten Tag ging es noch ein­mal so in der gleichen Weise. Als Pfarrer Häfner in Dachau ankam, fielen zwei Posten über ihn her und schlugen ihm ins Gesicht, daß er aus dem Mund blutete [...]. Nach drei Tagen war er eine Leiche. Er ist wohl ganz einsam gestorben.“

In seinen Briefen bezeichnete Bbr. Häfner seinen Weg als einen Kreuzweg, den er wei­tergehen muss. An seine Eltern schrieb er: „Ich setze mein ganzes Vertrauen auf das Ge­bet [...]. Meinen Leidenstag opfere ich auf für meine Pfarrei.“ Hier wird das exemplarische Häfners deutlich, das vor allem darin bestand, dass er den Glauben an die Erlösung be­zeugte. Er konnte sich selbst weggeben, jeder seiner Briefe beweist das immer wieder. Er war ein Mensch, der den Auftrag verstand: Sieh dich um, wo Nachfolge gelebt wird, ganze Nachfolge, die sich nicht trennen lässt von der unverfügbaren Herkunft des Evangeliums. Nicht eine spektakuläre Aktion, sondern der normale priesterliche Dienst hatte Häfners Verhaftung ausgelöst. Gleich wie der Apostel war er „um des Herrn willen im Gefängnis“ (Eph 4,1). Gemäß den Psalmversen, die auf seinem Primizzettel zu lesen waren: „Mache meinen Wandel standhaft auf allen deinen Wegen, o Herr, daß meine Tritte nicht wan­ken“ (Ps 16,5) und: „Die Barmherzigkeit des Herrn will ich in Ewigkeit besingen“ (Ps 88,1) blieb er standhaft auf den Wegen des Herrn, auch als sie direkt zum Kreuz hinführten. Durch seine Mitgefangenen ist bezeugt, dass für Häfner der Dienst des Opfers im alltägli­chen Leben und Leiden und der eucharistische Opferdienst Elemente einer organischen Einheit waren. Bewusst sprach er dazu sein „Adsum“, konsequent lebte er es. Sein Freund P. Sales Hess OSB, der für ihn das Requiem in der Lagerbaracke zelebrierte, sagte in seinem Nachruf: „Ich glaube, sein Priesterleben nicht besser zeichnen zu können als mit den zwei inhaltsschweren Worten 'Sacerdos et hostia'.“

Am 9. Dezember 1982 wurde die Urne von Bbr. Georg Häfner vom Friedhof feierlich in die Krypta der Neumünsterkirche zu Würzburg überführt (Bild rechts: Stolperstein" für Georg Häfner vor der Neumünsterkirche), ein Seligsprechungsverfahren wurde am 19. September 1985 von der Gemeinschaft ehemals in Dachau inhaftierter Priester eingeleitet. In der Würzburger Kathedralkirche ist auf der rechten Seite in der Apsis bereits eine lebensgroße Statue un­seres Bundesbruders zu sehen.

 

Literatur: W. Dietrich, Georg Häfner, in: W. Burr - C. Brands (Hrsg.), UNITAS-Handbuch. Bd. 3 (Bonn 1997) 233-237; G. Putz: Gott ist der Grund. Das Lebenszeugnis von Georg Häfner. Einsichten in das Priesteramt (Echter-Verlag, Würzburg 2000, ISBN 3-429-02198-7); P.-W. Scheele, Georg Häfner, in: J. Pottier (Hrsg.), Christen im Widerstand gegen das Dritte Reich (Stuttgart - Bonn 1988) 161-175; P.-W. Scheele - K. Wittstadt, Georg Häfner - Priester und Opfer: Briefe aus der Haft. Gestapodokumente (Echter-Verlag, Würzburg 1983, ISBN 3-429-00838-7); K. Wittstadt, Pfarrer Georg Häfner, in: H. Moll (Hrsg.), Zeugen für Christus. Bd. 1 (Paderborn u.a. 1999) 594-596 und A. Zirkel, Wer hat den Pfarrer Georg Häfner ins KZ gebracht?, in: WBDG 56 (1994) 425-460.

Vorabdruck für die aktuelle Ausgabe der Verbandszeitschrift als pdf



LINKS zu Bbr. Georg Häfner: 

Lebenslauf auf der Seite des Bistums Würzburg
Lebenslauf im ökumenischen Heiligenlexikon

 

HINWEIS: Der Aufsatz „Zeugen für Christus, Die Martyrer des UNITAS-Verbandes im 20. Jahrhundert“ von Bbr. Lambert Klinke (unitas 2000/2) versammelt Lebensbilder von bekannten Glaubenszeugen aus der UNITAS, die im Nationalsozialismus ihr Leben gaben: Pfarrer Georg Häfner (UNITAS Hetania), Anton Knab (UNITAS Franko-Saxonia Marburg), Pfarrer Joseph Müller (UNITAS Freiburg), Abt Adalbert (Karl) Graf von Neipperg OSB (Ehrenmitglied des UNITAS-Verbandes), Kaplan Johannes Prassek (UNITAS Ruhrania), Kaplan Eduard Müller (UNITAS Ruhrania), Professor Dr. phil. Dr. theol. Joseph Schmidlin (UNITAS Freiburg), Pfarrer Heinrich Schniers (UNITAS Frisia Münster), Pfarrer Dr. theol. Dr. iur. utr. Bernhard Schwentner (UNITAS Frisia), Pfarrvikar Anton Spies (UNITAS Ruhrania). Vgl. das Lebensbild von Bbr. Pfr. Matthias Mertens, der Pfarrer in Oberhausen-Schmachtendorf war. Hier der Text zum Download




Veröffentlicht am: 15:25:02 03.07.2009
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