Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
22.
MÄRZ 2007:
Dankbar für 50 Jahre Frieden in Europa
Bischof Huber
und Kardinal Lehmann schreiben an Ratspräsidentin
Hannover (ots) - In einem gemeinsamen Schreiben an die amtierende Präsidentin
des Rates der EU, Bundeskanzlerin Angela Merkel, schauen der Vorsitzende der
Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, und der Vorsitzende des
Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber,
dankbar auf den "fünfzigjährigen Prozess friedlicher europäischer
Einigung" zurück. Der 50. Jahrestag am 25. Mai 2007 wird in Berlin
begangen. Bischof Huber und Kardinal Lehmann sehen in der Geschichte europäischer
Einigung eine Verpflichtung "für die Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts". Beide unterstützen die Ratspräsidentin in ihren Bemühungen,
die Arbeit an einem Verfassungsvertrag wieder aufzunehmen, und weisen darauf
hin, dass die historischen, kulturellen und geistigen Grundlagen Europas
wesentlich durch das Christentum
geprägt sind.
Der
Brief an die Präsidentin des Rates der Europäischen Union,
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wortlaut:
Sehr geehrte Frau
Ratspräsidentin,
in Dankbarkeit blicken wir am 25. März
2007 auf einen fünfzigjährigen Prozess friedlicher europäischer Einigung zurück,
der den Bürgerinnen und Bürgern der heutigen Europäischen Union Frieden,
Sicherheit und Wohlstand ermöglicht. Wir freuen uns, dass zu diesem Jubiläum
der Europäische Rat und die Repräsentanten des Europäischen Parlaments sowie
der Europäischen Kommission in Berlin zusammenkommen. In dieser Stadt, die die
Zerrissenheit und Einigung unseres Kontinentes wie kaum eine andere
widerspiegelt, wollen sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen besinnen, die
Europa in den vergangenen Jahrhunderten geprägt sowie die europäische
Integration in den letzten fünf Jahrzehnten getragen haben und die für die
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts Verpflichtung sind.
Den Kirchen war und ist der europäische
Einigungsprozess, der zu Frieden und Gerechtigkeit, Sicherheit und Wohlstand für
viele Menschen beiträgt, ein großes Anliegen. Wir haben dies wiederholt
deutlich gemacht. Gemeinsam bestärken wir Sie, sehr geehrte Frau Ratspräsidentin,
in Ihren Bemühungen, auf der Basis des vom Europäischen Konvent erarbeiteten
und vom Europäischen Rat beschlossenen Textes für einen Verfassungsvertrag die
Arbeit an einem der heutigen Situation in Europa angemessenen Statut für die
Europäische Union wieder aufzunehmen. Dabei denken wir auch an jene Staaten,
die den Entwurf bereits gebilligt haben.
Besondere Bedeutung haben dabei die
historischen, kulturellen und geistigen Grundlagen Europas. Sie alle sind ganz
wesentlich durch das Christentum geprägt. Zu ihnen gehört unsere europäische
Geschichte in ihren Höhen und Tiefen ebenso wie die gemeinsame europäische
Kultur, deren herausragenden Zeugnisse uns etwa in Architektur, Literatur,
Musik, Kunst und Wissenschaft begegnen. Dazu gehört vor allem ein Verständnis
vom Menschen als Person, in der Individualität und Sozialität verbunden sind.
Diesem Menschenbild verdankt Europa in besonderer Weise seine Identität. Es
beruht in erster Linie auf dem christlich-jüdischen Verständnis vom Menschen,
den Gott nach seinem Bild geschaffen hat. Daraus ergeben sich die unantastbare,
unveräußerliche Würde des Menschen und die Notwendigkeit, eine gerechte,
solidarische und freiheitliche Gesellschaftsordnung zu gestalten. Überdies gehört
es zu den Verpflichtungen Europas, für die Gerechtigkeit in der Gestaltung der
Lebensverhältnisse in anderen Regionen der Erde einzutreten. Das christliche
Menschenbild schließt die Achtung anderer Kulturen und Sprachen und die
Toleranz gegenüber anderen religiösen sowie weltanschaulichen Überzeugungen
und Lebensformen ein. Einheit in Vielfalt ist zu einem wichtigen Merkmal der
europäischen Kultur geworden. Das Christentum anerkennt die Unterscheidung von
Staat und Religion auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und die daraus
resultierende religiös-weltanschauliche, gleichwohl auf Kooperation
ausgerichtete Neutralität des Staates.
In Würdigung der nach wie vor
wirksamen Prägekraft des Christentums sind die christlich-jüdischen Grundlagen
Europas auch für dessen Zukunft von entscheidender Bedeutung. Wir sind Ihnen dankbar,
dass Sie diese Dimension Europas immer wieder öffentlich hervorheben.
Europa konnte die Spaltung der
Vergangenheit überwinden und zu einer Einheit gelangen, die früher
unvorstellbar gewesen wäre. Angesichts der Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts ist unser Kontinent nun dazu aufgerufen, den Weg der Einigung
Europas in Verantwortung vor Gott und den Menschen weiterzugehen.
Verehrte Frau Ratspräsidentin, wir
wünschen Ihnen, dem Europäischen Rat, den Repräsentanten des Europäischen
Parlaments und der Europäischen Kommission bei Ihrer für Europa so bedeutsamen
Arbeit Gottes Segen!
Mit freundlichen Grüßen
Bischof Wolfgang Huber
Karl Kardinal Lehmann
Hannover/Berlin, 22. März
2007
Bonn, 22. März 2007