Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
Kein
Gegengipfel zu Berlin, aber ...
Im Interview: Matthias
Belafi, Stellvertretender Vorsitzender
der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände (AGV)
Großes
Schulterklopfen bei den Staats- und Regierungschefs: Zwischenbilanz nach 50
Jahren – gucken, wo es langgehen soll mit dem Kontinent. Nach Umfragen sieht
es so schwarz nicht aus: Drei
von vier Bundesbürgern, sagt das letzte ZDF-Politbarometer, sind stolz, Europäer
zu sein. Die Werte werden besser, nicht wenigen geht es allerdings zu schnell.
Das meinen auch andere – aber nicht was die Frage von immer mehr Staaten
angeht. Sie sagen: Wir brauchen überhaupt eine Pause. Um noch mal darüber
nachzudenken, worum es eigentlich geht, was da überhaupt vor 50 Jahren mit den
Verträgen von Rom begann.
Vor
dem Kongress der Europäischen Bischofskonferenzen vom 23.-25. März in Rom
sprachen wir mit Matthias Belafi. Der ehemalige Vorortspräsident des
Kartellverbands katholischer deutscher Studentenvereine (KV) ist
Stellvertretender Vorsitzender der AGV und flog als einer von 400 Teilnehmern in
die Ewige Stadt.
Matthias,
worum ging es und geht es am Tiber?
Diese Tagung hat zum Ziel, sowohl die Werte, auf
denen Europa basiert, noch
einmal zu verdeutlichen, als auch Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Dafür
sind Vertreter aus allen Ländern von Seiten der katholischen Kirche
nach Rom gekommen, um diesen Gipfel auszugestalten. Der aber kein Gegengipfel zu
Berlin sein soll, sondern eigentlich eher eine Ergänzung darstellt zu den
Feierlichkeiten in Berlin. Und der das ganze Bild von Europa abrundet, aber auch
den christlichen Anspruch in Europa noch einmal unterstreicht, der in Berlin ja
eventuell etwas zu kurz kommt.
Die
Kirchen sind von Beginn an in und für Europa stark engagiert. Sie
unterstreichen, dass es angesichts der Riesenherausforderungen für den
Kontinent ohne eine klare gemeinsame Grundlage nicht gehe. Plädieren für einen
Gottesbezug, wie er in unserem Grundgesetz auch steht. Steht Europa an einem
Scheideweg?
Das
ist völlig richtig. Die Verfassung ist natürlich ein Quantensprung für die
europäische Union. Hier wird erst einmal ein Grundlagendokument festgelegt,
das ja auch unter dem Anspruch der Verfassung einen ganz anderen Charakter haben
soll als die Verträge, die wir vorher hatten. Und gerade in diesem
Grundlagendokument müssen dann solche grundlegenden Dinge wie die Werte, die auch aus dem Christentum
hervorgegangen sind in Europa, aber auch ein
Gottesbezug mit reingenommen werden, weil das wegweisende Dinge sind. Wenn
man nicht weiß, wo man herkommt, dann weiß man auch nicht, wo man hingeht. Und
Europa weiß derzeit nicht, wo es hingeht. Vielleicht sollte man etwas verstärkt
darüber nachdenken, ob das eben auch daran liegt, dass man nicht weiß, wo man
herkommt.
Was
macht die katholischen Organisationen zuversichtlich, dass dieser Appell gehört
wird?
Also
zunächst einmal glaube ich, dass viele Menschen diese Position stützen, auch
wenn sie nicht vielleicht jeden Sonntag in die Kirche gehen. Es ist glaube ich
ein sehr starkes Gefühl da, wo diese Werte
herkommen und das es eben auch weitere Instanzen noch gibt. Darum hoffen wir
schon natürlich auf eine breite Unterstützung von vielen Bevölkerungsteilen.
Und es ist durchaus möglich sich daran zu beteiligen. Es gibt ein Manifest von
Christen für Europa, das man mit unterstützen und unterzeichnen kann, und das der deutschen Ratspräsidentschaft übergeben wird.
Wenn jeder das an seinem Ort und seinen Abgeordneten gegenüber
unterstützt, dann wäre schon viel geholfen, diesen Punkt auch mit
voranzubringen.
Ihre
„Botschaft von Rom“ bringt jetzt alle diese Dinge noch mal auf den Punkt.
Einer neuer Anlauf für ein Stück Weltgeschichte?
Ja,
unbedingt. Der Rückblick auf 50 Jahre ist natürlich jetzt ein historischer Zeitpunkt,
ein einschneidendes Moment, wo man mal kurz innehält und
nachdenkt, wo es wirklich weiter hingeht. Doch jetzt muss es dann eben aber auch
weitergehen! Mit der Berliner Erklärung
geht es jetzt hoffentlich wieder los und Europa kann wieder Tritt fassen. Dann wäre das durchaus ein historischer Moment,
wenn wir sagen könnten: Es war die Stunde, aus
der die Kraft wieder gekommen ist, in Europa weiter voranzuschreiten.
Eine
letzte Frage: Braucht Europa Vorbilder? Die Gipfelteilnehmer in Rom suchen an
diesem Wochenende das Grab von Alcide de Gasperi auf, Konrad Adenauer ist ein
prominentes Mitglied des KV und für Robert Schuman, der dem UNITAS-Verband
angehörte, ist die Seligsprechung eingeleitet. Bist Du dafür, dass Schumans
Person und Werk in dieser Weise gewürdigt wird?
Unbedingt.
Diese drei beweisen ja eigentlich, dass das europäische Projekt immer auch
einen christlichen Hintergedanken hatte, der seiner Zeit eben nicht so im
Vordergrund stand, weil es vielleicht noch ein bisschen selbstverständlicher
war. Aber diese drei genannten haben selbstverständlich einen starken
christlichen Impetus gehabt. Alle drei waren überzeugte Katholiken und haben
aus diesem Glauben heraus eben auch diese Einigung gesucht. Und in dieser
Funktion können sie auch heute noch Vorbilder für uns sein. Und darum freue
ich mich sehr, dass für Schuman ein Seligsprechungsverfahren läuft. Und wir können
nur hoffen, das es positiv abgeschlossen wird.
Mattias
Belafi in Rom. Vielen Dank.
Unser
Gesprächspartner:
Matthias Belafi, geboren 1977, stammt aus Mutterstadt; studierte zunächst in
Bonn, jetzt seit Mai 2000 Politische Wissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte
sowie Europarecht an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Seit 1998
Mitglied des RCDS; in Bonn Mitglied des Studentenparlaments; gehört seit 1998
dem Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine an, dessen Vorortspräsident
er von 2001 bis 2002 war.
Die Fragen stellte
Christof Beckmann.