Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
Anträge und Resolution
des Aktivenvereins der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
an die 130. Generalversammlung in Trier
Im Folgenden die Endfassung der Anträge und der Resolution, die der Ruhranen-Convent am 25. März 2007
nach ausführlicher Debatte einstimmig beschlossen hat und die er der 130. Generalversammlung des UNITAS-Verbandes am 17.-20. Mai in Trier zur Verabschiedung vorlegt.
„Europa ist auf der Suche nach sich selbst;
es weiss, dass es sein eigenes Schicksal in den Händen hält.
Nie zuvor war es dem Ziel so nahe. Gebe Gott, dass es seine Schicksalsstunde,
die letzte Chance zu seinem Wohle, nicht versäumt.“
(Bbr. Robert Schuman)
Die 130. Generalversammlung möge beschließen:
I. Der Diener Gottes Bbr. Robert Schuman (1880-1963)
wird im Falle seiner Seligsprechung vierter Verbandspatron
des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS.
Begründung:
Bbr. Dr. Robert Schuman, französischer Finanzminister, Ministerpräsident und Außenminister („Historische Erklärung“ vom 9. Mai 1950, Montan-Union 1952), „Pilger Europas“, erster Präsident des Europäischen Parlaments und Karlspreisträger, ist wesentlicher Initiator des europäischen Einigungswerkes. Der „Vater Europas“ schloss sich als Student 1904 bei UNITAS-Salia in Bonn der UNITAS an und war bis 1906 Mitglied der Aktivenvereine in München und Berlin. Zeit seines Lebens hat er sich in bundesbrüderlicher Treue zur UNITAS bekannt. 1955 schrieb er den UNITAS-Vereinen in Münster zum Stiftungsfest: „Amicitia über die nationalen Grenzen hinaus soll nunmehr ein Losungswort sein für die UNITAS.“ Damit nimmt er uns auch heute zu einem tätigen Engagement für den „in unitate“ geeinten Kontinent in die Pflicht.
Den tiefen Respekt vor seiner Persönlichkeit und seinem Lebenswerk dokumentieren zahlreiche unitarische Begegnungen und Zeugnisse aus der Verbandsgeschichte, zu denen auch die Gründung einer UNITAS Robert Schuman in Bochum und das nach ihm benannte Robert-Schuman-Haus der UNITAS in Marburg gehören. Seit 1990 ist für den ganz aus benediktinischem Geist geprägten großen europäischen Politiker und Bundesbruder das Seligsprechungsverfahren eingeleitet, Bundesbrüder aus unseren Reihen gehören dem Seligsprechungskomitee an.
Die UNITAS sieht sich seinem Erbe in besonderer Weise verpflichtet und dokumentiert durch ihren Beschluss der 130. Generalversammlung zu Trier ihren innigen Wunsch, dass ihr aus dieser Region stammende Bundesbruder Robert Schuman durch die Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wird. Sein Vorbild und Werk, das in herausragender Weise für die lebendige Ausgestaltung der unitarischen Prinzipien steht, soll den Bundesschwestern und Bundesbrüdern im ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Europas durch sein Mitpatronat auf Dauer Orientierung und Ansporn sein.
II. Die Verbandsämter werden um einen „Beirat für Europa- und Gesellschaftspolitik“ erweitert. Die Satzung wird in § 17 (2) wie folgt gefasst:
„b) Beirat für Europa- und Gesellschaftspolitik“.
Die Aufgabe des neu strukturierten Beirats umfasst die Formulierung europapolitischer Positionen im Hinblick auf das christliche Wertefundament Europas und die Lehre der katholischen Kirche und der Päpste zur Beschlussvorlage an den Vorstand und die Generalversammlung.
Der Beirat fördert zudem die aktive Beschäftigung mit europarelevanten Themen im Verbands- und Vereinsleben, führt in Abstimmung mit dem Robert-Schuman-Seminar mindestens alle zwei Jahre Seminare in europäischen Universitätsstädten durch und fördert die Begegnung von Studenten auf europäischer Ebene und den Kontakt des Verbandes zu europäischen Institutionen.
Begründung:
Durch die Erweiterung und Ergänzung eines bestehenden Verbandsamtes verankert der UNITAS-Verband seine aktive Verpflichtung zur Mitgestaltung des vom christlich-abendländischen Geist geprägten Europas. Der Beirat für Europa- und Gesellschaftspolitik weckt und fördert diese Verpflichtung auf allen Verbandsebenen. So wird die Förderung des europäischen Gedankens und die Vertiefung der Einheit Europas aus christlicher Verantwortung dauerhaft im UNITAS-Verband institutionalisiert.
III. Die 130. Generalversammlung in Trier
verabschiedet nachstehende „Trierer Resolution“
Fünfzig Jahre nach Abschluss der Römischen Verträge, in einer Zeit, in der wegen der Beratungen um eine Europäische Verfassung eine geistig-geistliche Neubesinnung, ja Neugründung Europas notwendig erscheint, will der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS, dem großen Vorbild und Erbe seines Mitglieds und „Vater Europas“ Robert Schuman verpflichtet, seinen Beitrag zur Wiederbelebung der „Idee Europa“ leisten.
1. Der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS bekennt sich zu Europa aus Prinzip. Europa bezeichnet nicht nur einen geographischen Raum, sondern steht für eine bestimmte Lebensform, deren Kraft in die ganze Welt hinaus ausstrahlt. Europa als Kulturprinzip ist gekennzeichnet durch folgende Grundeinsichten über das Wesen des Menschen:
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Der Mensch verfügt als Ebenbild Gottes über eine Würde und daraus abgeleitete unveräußerbare Grundrechte. Dieser Erkenntnis muss jedes politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Handeln Rechnung tragen. Der Mensch ist als Kulturwesen nicht Objekt von Politik und Wirtschaft, sondern ihr Träger. |
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Der Mensch ist ein religiöses Wesen. Deswegen ist die Freiheit auf Religionsausübung ein unverfügbares Menschenrecht. Sein Schutz bildet die Voraussetzung dafür, dass sich der Mensch als Kulturwesen in voller schöpferischer Freiheit entfalten kann. Diese Freiheit wurzelt in der Religion, denn sie gewährleistet die individuelle Rückbindung des Einzelnen an Gott, den Schöpfer der Welt. |
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Der Mensch ist vernunftbegabt. Diese Eigenschaft steht der transzendentalen Ausrichtung der menschlichen Person nicht entgegen. Glaube und Vernunft gehören zusammen. Beide Faktoren dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Glauben bestimmt das Verhältnis des Menschen zum Ursprung der Welt, zu seinem Schöpfer. Mit Hilfe seiner Vernunft erzielt der Mensch Erkenntnisurteile über die Welt. Der Glaube übersteigt also die Vernunft, widerspricht ihr aber nicht.
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Toleranz ist die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben. Sie ermöglicht es dem Einzelnen gemäß seiner Würde, individuell nach der Wahrheit zu suchen. Sie gewährleistet, dass sich der Mensch seiner transzendentalen Ausrichtung bewusst werden und sie zur Grundlage seines Lebens machen kann. |
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Staat und Kirche sind getrennt. Der Staat gewährt Religionsfreiheit und ermöglicht so der einzelnen Person, ihre transzendentalen Bedürfnisse individuell zu entwickeln. Die Kirche wiederum ist „zugleich Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person“ (Vaticanum II, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes 76,2).
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Das Bekenntnis zum Kulturprinzip Europa muss sich im praktischen Leben ausdrücken. Europa muss gelebt werden:
2. Wir sehen im christlichen Glauben die Wurzel für die Menschenwürde als Ausgangspunkt allen Rechts. Deswegen fordern wir die Aufnahme folgender Formulierung in die Präambel der Europäischen Verfassung: „Im Wissen um unsere Verantwortung vor Gott, unserem Gewissen und den Menschen.“ Nur so wird deutlich, dass die universalen Werte, die das Kulturprinzip Europa ausmachen, sowohl den Wertvorstellungen derjenigen, die diese aus ihrem Glauben an Gott, wie derjenigen, die diese Grundsätze aus anderen Quellen ableiten, entsprechen.
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Der UNITAS-Verband bekennt sich vor diesem Hintergrund zu einem geeinten Europa der Freiheit und Subsidiarität, der Verantwortung und Solidarität, der Toleranz und des Pluralismus. Seine Grundlage ist und bleibt die
christlich- abendländische Kultur, deren Geschichte und Denken maßgeblich durch das Christentum und insbesondere die katholische Kirche geformt wurden. Die Werte, die die Seele des Kontinents bilden, müssen im Europa des dritten Jahrtausends als „Ferment“ der Zivilisation erhalten bleiben.
(vgl. Papst Benedikt XVI., Audienz am 24. März 2007) Damit versteht der UNITAS-Verband „Europa“ vor allem als Ausdruck für eine bestimmte, geschichtlich gewordene Beziehung in Verbindung und Trennung zwischen Kirche und Staat bzw. Religion und Politik, die einen universalen Anspruch erheben kann – gegen jedwede totalitäre Versuchung und gegen eine gottvergessene einseitige Fixierung auf überdehnte wirtschaftliche Kategorien. |
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Der Schatz des christlichen Glaubens ist Erbe und „Zukunftsplan zum Weitergeben an die künftigen Generationen, weil es der Ursprung des Lebens und der Völker ist, die miteinander den europäischen Kontinent geschmiedet haben“ (Papst Johannes Paul II., November 1982, Santiago de Compostela). Als Studentenverband haben wir einen Bildungsauftrag. Wir verpflichten uns daher dazu, durch Veranstaltungen, insbesondere wissenschaftliche Sitzungen und Publikationen, sowohl unsere Mitglieder, aber auch die breite Öffentlichkeit dazu aufzufordern, das Kulturprinzip Europa zu leben. |
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Der Mensch steht im Zentrum des Kulturprinzips Europa. Wir verpflichten uns daher dazu, mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften dazu beizutragen, dass alle Dimensionen der menschlichen Existenz sich entfalten können. Europa darf nicht auf ein politisches und wirtschaftliches Bündnis reduziert werden. Wir wollen das „ ,Europa des Geistes‘ (...), um aus ihm ein wirkliches „gemeinsames Haus“ zu machen, in dem Lebensfreude herrscht“
(Papst Johannes Paul II., Ecclesia in Europa, 28. Juni 2003, 121). |
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Dieses Europa steht allen Staaten offen, die sich zu seinen universalen Prinzipien bekennen. Im übrigen plädieren wir für eine Aufnahme Israels in die EU. |
3. Der Verband der wissenschaftlich katholischen Studentenvereine UNITAS versteht als ältester katholischer Akademikerverband Europas diese Resolution als Selbstverpflichtung und als Aufforderung an alle anderen Menschen guten Willens, gemeinsam für die Verwirklichung der universalen Werte, die Europa ausmachen, zu streiten. Dabei folgt er seinen Prinzipien „virtus“, „scientia“ und „amicitia“ und ist sich dessen bewusst, dass seit über 150 Jahren Unitarier in diesem Sinne für Europa eingetreten sind.
Dieses Europa ist unsere
Heimat.
Es lebe das „in unitate“ vereinigte Europa!
Begründung:
Die 130. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS 2007 in Trier steht unter dem Leitwort „Christentum als Fundament Europas?“. Am Ort der ehemaligen Residenz des römischen Kaisers Konstantin und am Sitz des ältesten katholischen Bistums Deutschlands bekennt sich der UNITAS-Verband durch die „Trierer Resolution“ aus seinen prinzipiellen Grundlagen, seiner über 150-jährigen Geschichte und dem Lebenszeugnis vieler seiner Mitglieder heraus zu einer klaren Position und folgt darin der Aufforderung und Ermunterung des Hl. Vaters, einen aktiven Beitrag für das neue Europa zu leisten.
(„... Ihr wisst, ihr habt die Aufgabe, mit Gottes Hilfe zum Aufbau eines neuen Europas beizutragen, realistisch aber ohne Zynismus, reich an Idealen und ohne naive Illusionen, inspiriert von der beständigen und lebenden Wahrheit des Evangeliums. Dazu müsst ihr aktiv in der öffentlichen Debatte auf europäischer Ebene präsent sein, im Bewusstsein, dass sie inzwischen Bestandteil auch der nationalen ist. Schaltet euch dabei mit wirksamen kulturellen Aktionen ein.“ Papst Benedikt XVI. am 24. März 2007 bei einer Audienz für die Teilnehmer einer von der EU-Bischofskommission COMECE organisierten Konferenz anlässlich des 50. Jahrestages der Römischen Verträge zur Rolle des Christentums für den Kontinent)
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Angesichts der
besonders hinsichtlich der Verfassungskrise deutlich gewordenen Lähmung und
Blockade der fortschreitenden europäischen Einigung will die UNITAS mit
ihrer Resolution nachdrücklich klarstellen, was ihr die „Idee Europa“
bedeutet. |
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Sie verdeutlicht so
ihre Bereitschaft, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, Menschen für
das Kulturprinzip Europa zu begeistern. |
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Die
Feststellungen, die sie in der Resolution trifft, versteht sie zugleich als
Selbstverpflichtung, ihre grundsätzliche Ausrichtung in dieser Hinsicht
noch klarer zu definieren und sie noch stärker zum Thema ihrer inhaltlichen
Arbeit zu machen.
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Vom Hohen Convent des
W.K.St.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
am 25. März 2007 nach ausführlicher Debatte einstimmig beschlossen